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Merkblatt-
Beilage 56:
Zusammengestellt für das
XXII. Sommerseminar
)Jussuf BEN-JOAH(: Dreiton
Erdenplatz und -wesen
Rudolf Steiner
1a Wenn wir auf dem alten Mond [a] nach einer Eigenschaft suchen würden, die wir heute auf unserer Erde in immer größerem Maßstabe mit dem Fortschreiten der Erdentwickelung finden, so würden wir diese Eigenschaft bei den Mondwesen nicht finden. Diese Eigenschaft ist die Liebe, der Trieb, welcher die Wesen aus freiem Willen zueinanderführt. Liebe ist die Mission unseres Erdenplaneten. Daher nennen wir im Okkultismus den Mond auch den «Kosmos der Weisheit» und die Erde den «Kosmos der Liebe». Und wie wir heute, auf der Erde stehend, die ihr eingegliederte Weisheit bewundern, so werden die Wesen des Jupiter [a] einstmals Wesen gegenüberstehen, aus denen ihnen die Liebe entgegenduften wird. Herausschmecken und herausriechen werden sie sozusagen die Liebe aus den Wesen, die um sie herum sind. So wie uns auf der Erde die Weisheit entgegenleuchtet, so wird auf dem Jupiter den Jupiterwesen entgegenduften, was aus der reinen Geschlechtsliebe bis zu der spinozistischen Gottesliebe hier auf der Erde als Liebe sich entwickelt. Herausduften wird es, wie heute die Pflanzen in den verschiedenen Aromas duften. So werden die Grade der Liebe herausströmen als jener Duft, der aufsteigen wird aus dem Kosmos, den wir als Nachfolger unserer Erde den Jupiter genannt haben. So ändern sich die Verhältnisse im Laufe der Evolution, und immer, wenn irgendein Fortschritt in der Evolution stattfindet, nehmen die Wesen daran teil. Dann steigen die Wesen, die mit der betreffenden planetarischen Entwickelungsstufe verknüpft sind, zu immer höherer Entwickelungsstufe hinan. Heute sind die Menschen, die auf der Erde leben, sozusagen die Werkzeuge der Liebesentwickelung; vorher hat das Tierreich diese verschiedenen Formen der Liebe als zurückgebliebene Formen entwickelt, und insofern als die Liebe bei den Tieren herauskommt, würde eine einfache Betrachtung zeigen, daß das alles Vorstufen der menschlichen, der immer mehr sich vergeistigenden Liebe sind. Wie der Mensch auf der Erde das Werkzeug der Liebesentwickelung ist, so wird er, wenn er sich bis zum Jupiter hin entwickelt haben wird, zur Aufnahme einer noch höheren Eigenschaft fähig sein. So wurden auch diejenigen Wesen, die aus dem Umkreis des Mondes die Weisheit herunterträufelten, einer höheren Entwickelung fähig, indem der Mond Erde wurde; sie stiegen höher hinauf. Diese Wesen, die dazumal die Macht hatten, Weisheit einträufeln zu lassen in die Mondwesen, waren ja ganz genau dieselben, welche an jenem Punkt der Erdentwickelung, als die Sonne aus der Erde sich herausbewegte, so weit waren, daß sie mit der Sonne herausgehen und die Sonne zu ihrem Schauplatz machen konnten. [...]
S.102f
1b [...] Wären die Geister der Weisheit in der Entwickelung geblieben, so hätte der Mensch durch alle Entwickelungsstufen hindurch, körperlich sich verbrennend, sich schnell zur Geistigkeit entwickelt. So aber verzichteten die Geister der Weisheit darauf, den Menschen zu einer solchen vehementen Entwickelung zu bringen. Sie gingen weg von der Erde, um sie zu umkreisen, um die Zeiten, die sonst vehement abgelaufen wären, zu mäßigen, maßvoll zu machen. Man sagt daher im Okkultismus, daß diese Geister der Weisheit «Geister der Umlaufszeiten» [b] wurden. In aufeinanderfolgenden Umlaufszeiten, die geregelt sind durch den Gang der Gestirne, wurden des Menschen aufeinanderfolgende Inkarnationen geregelt. Die Geister der Weisheit wurden Geister der Umlaufszeiten. Sie wären fähig gewesen, den Menschen von der Erde hinwegzuheben durch ihre weisheitsvolle Macht; aber die Menschen hätten darauf verzichten müssen, die Früchte zu zeitigen, die nur innerhalb der Zeit reifen können. Die Früchte der Liebe, der Erdenerfahrung, wären nicht zu gewinnen gewesen. Diejenigen Geheimnisse, welche Wesenheiten haben und beherzigen müssen, um die Früchte der Liebe, der Erdenerfahrung zu zeitigen, waren diesen Geistern der Umlaufszeiten verborgen. [...]
S.107
Berlin, 24.Mär.1908 ♂ (in «GA 102»)
2a [...] Ich werde Ihnen dieses Planetensystem so aufzeichnen, wie es erklärt worden ist in den Mysterien des Zarathustra [c]. Wir könnten ebensogut andere Mysterien zu Rate ziehen, aber wir wollen gerade dieses System herausgreifen für die Charakteristik unseres Sonnensystems mit seinen Planeten in bezug auf die innerhalb dieses Systems wirkenden geistigen Wesenheiten.
2b In dem System des Zarathustra war nämlich etwas aufgenommen, was sich unterscheidet von demjenigen, was unsere Himmelsbeobachtungen sind. Sie wissen ja, daß man einen gewissen - nennen Sie ihn nun scheinbar oder anders -, einen gewissen Fortgang der Sonne durch den Tierkreis [ὁ ζῳδιακός d] im Laufe langer Jahre beobachten kann. Es wird gewöhnlich gesagt, und das ist richtig, daß ungefähr seit dem 8. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung die Sonne im Frühjahr aufgeht im Frühlingspunkt im Tierkreiszeichen des Widders [ARI]; aber jedes Jahr rückt die Sonne ein Stückchen weiter, so daß sie im Verlauf von langen, langen Zeiträumen den ganzen Widder durchläuft mit ihrem Aufgangspunkt. Vor dem Jahre 800 vor unserer Zeitrechnung ging sie nun nicht im Widder, sondern im Stier auf, und zwar ging sie durch 2200 Jahre etwa im Stier [TAU] auf, durchwanderte also mit ihrem Frühlingspunkt das ganze Tierkreiszeichen des Stieres. Noch vorher ging sie auf im Tierkreiszeichen der Zwillinge [GEM]. Die Zwillinge waren das Frühjahrs-Tierkreisgestirn in den Zeiten, die also 800 plus etwa 2200 Jahre vor unserer Zeitrechnung liegen. Wenn wir also ins 4. und 5. Jahrtausend vor Christus zurückgehen, so haben wir den Frühlingspunkt zu verlegen in das Tierkreiszeichen der Zwillinge. Das war aber die Zeit, in der die Mysterien des Zarathustra geblüht haben. Weit hinein in ein graues Altertum haben sie geblüht, und man rechnete, wenn man sprach von den Erscheinungen am Himmel, alles mit Bezug auf das Sternbild der Zwillinge. So daß, wenn wir den Tierkreis, wie wir ihn ja schon gestern charakterisiert haben, aufzeichnen würden, wir hier oben zu zeichnen hätten das Sternbild der Zwillinge. Es würde dann zu zeichnen sein im unmittelbaren Anschluß an den Tierkreis das, was das Herrschaftsgebiet [e] der Throne begrenzt, was also zur Grenzmarke den Saturn hat. Dann kommen wir dazu, zu begrenzen, wie wir gesagt haben, das Herrschaftsgebiet derjenigen geistigen Wesenheiten, die man nennt die Herrschaften oder Geister der Weisheit; die äußerste Marke ist der Jupiter. Wir kommen dann dazu, zu begrenzen das Herrschaftsgebiet der Machte, auch die Geister der Bewegung genannt: Das ist das Herrschaftsgebiet, das zur Marke den Mars hat. Wir haben gesehen, zwischenherein fällt das Schlachtfeld [der Planetoiden], das der Streit am Himmel gelassen hat. Jetzt aber müssen wir, wenn wir die Herrschaftsgebiete richtig abteilen wollen, dasjenige zeichnen, was zur Grenzmarke die Sonne hat. Also, ebenso wie wir den Mars aufzeichnen als die Grenze, bis wohin das Herrschaftsgebiet der Mächte geht, müssen wir die Sonne selber aufzeichnen als die Marke, die die Grenze bezeichnet, bis zu der die Gewalten oder Geister der Form gehen. Und nunmehr kommen wir zu der Grenze, welche wir bezeichnen durch die Marke der Venus. Bis zur Venus reicht das Herrschaftsgebiet der Geister der Persönlichkeit oder Archai. Dann kommen wir zu dem Herrschaftsgebiete, das wir bezeichnen mit der Marke des Merkur. Also bis hier herein, zur Venus, reicht das Herrschaftsgebiet der Geister der Persönlichkeit; bis hierher, zum Merkur, reicht das Herrschaftsgebiet derjenigen Wesenheiten, die wir die Erzengel oder Feuergeister nennen. Und jetzt kommen wir der Erde schon sehr nahe. Wir können jetzt das Herrschaftsgebiet bezeichnen, welches zu seiner Marke den Mond hat, und kommen jetzt dazu, hierher die Erde zu zeichnen.
Düsseldorf, 15.Apr.1909 ♃ (in «GA 110»; S.98f)
3a Sie wissen ja, es wird die Entwickelung unserer astronomischen Ansichten so dargestellt in der populären Literatur, daß man sagt, bis zur Zeit des Kopernikus [f] habe geherrscht das ptolemäische Weltensystem, und durch Kopernikus sei dann dasjenige System geistiges Eigentum der zivilisierten Welt geworden, welches wir mit den entsprechenden Modifikationen heute noch anerkennen. Nun wird es für die Betrachtungsweise der folgenden Tage von einer besonderen Wichtigkeit sein, daß wir uns eine gewisse Tatsache heute vor Augen rücken, eine Tatsache, die ich Ihnen nur eben mitteilen will, indem ich Ihnen vorlese ein Zitat des Archimedes über die Anschauung vom Weltensystem, vom Sternensystem des Aristarch von Samos [g]. Archimedes sagt: «Nach seiner Meinung ist die Welt viel größer, als soeben gesagt wurde, denn er setzt voraus, daß die Sterne und die Sonne unbeweglich seien, daß die Erde sich um die Sonne als Zentrum bewege, und daß die Fixsternsphäre, deren Zentrum ebenfalls in der Sonne liege, so groß sei, daß der Umfang des von der Erde beschriebenen Kreises sich zu der Distanz der Fixsterne verhalte wie das Zentrum einer Kugel zu ihrer Oberfläche.»[h]
3b Wenn Sie diese Worte, die die räumliche Weltanschauung des Aristarch von Samos charakterisieren sollen, nehmen, so werden Sie sich sagen: Zwischen dem räumlichen Weltenbilde des Aristarch von Samos und unserem räumlichen Weltenbilde, wie es sich herausgebildet hat seit der Zeit des Kopernikus, ist absolut gar kein Unterschied. Aristarch von Samos hat ja gelebt im 3. Jahrhundert vor dem Anfang der christlichen Zeitrechnung, so daß wir für diejenigen Menschen, die wie Aristarch von Samos damals auf einem gewissen Gebiete führend waren im geistigen Leben, anzunehmen haben, daß sie durchaus der räumlichen Weltanschauung gehuldigt haben, der heute die Astronomie huldigt. Und es liegt demgegenüber doch die bedeutsame Tatsache vor, daß dann eigentlich im allgemeinen Bewußtsein derjenigen Menschen, die über solche Dinge nachgedacht haben, diese, nennen wir sie heliozentrische, Weltanschauung verschwunden ist, und daß die ptolemäische Weltanschauung an ihre Stelle trat, bis mit dem Heraufkommen desjenigen, was wir ja gewöhnt sind die fünfte nachatlantische Kulturperiode [i] zu nennen, wiederum heraufkommt diese heliozentrische Weltanschauung, die wir finden bei solchen Menschen wie Aristarch von Samos, also im 3. vorchristlichen Jahrhundert. Und Sie werden ja leicht glauben können, daß dasjenige, was für diesen Aristarch von Samos gilt, für viele Menschen gegolten hat. Wer die Entwickelung der geistigen Anschauung der Menschheit studiert, der findet auf einem gewissen Gebiet der menschheitlichen Entwickelung, wenn das auch heute schwierig durch äußerliche Dokumente zu belegen ist, daß diese heliozentrische Weltanschauung gerade um so mehr anerkannt wird von denjenigen, die für diese Anerkennung in Betracht kamen, je weiter man von Aristarch von Samos in frühere Zeiten zurückgeht. Und geht man in diejenige Zeit zurück, die wir gewohnt sind die dritte nachatlantische Zeit zu nennen, so muß man sagen, daß bei den maßgebenden Menschen, bei denjenigen Menschen, die als Autoritäten galten in solchen Dingen, in dieser dritten nachatlantischen Zeit durchaus die heliozentrische Weltanschauung vorhanden war, die Archimedes als bei Aristarch von Samos vorhanden schildert, so schildert, daß wir sie von der heutigen nicht unterscheiden können.
Stuttgart, 13.Jän.1921 ♃ (in «GA 323»; S.235f)
4 Ich werde jetzt einen gewissen, vielleicht für manchen problematisch ausschauenden Gedankengang verfolgen. Er würde sich Ihnen als ganz sicher ausnehmen, wenn wir alle Mittelglieder studieren könnten, aber ich möchte Sie, wie ich schon sagte, zu etwas Substantiellem führen. Wir haben also eine Kurve zu suchen, welche uns möglich macht vorzustellen, daß die Bewegungen von Sonne und Erde in ein und derselben Bahn verlaufen, und doch wiederum entgegengesetzt. Diese Kurve, die ist eindeutig zu bestimmen. Wenn man alle in Betracht kommenden geometrischen Örter, die man auf diese Weise findet, ins Auge faßt, dann ist diese Kurve durchaus eindeutig zu bestimmen. Sie brauchen nur diese Kurve so vorzustellen, daß sie so verläuft, daß sie eine Rotations-Lemniskate ist, die aber zu gleicher Zeit im Raum fortschreitet. Stellen Sie sich dann vor, an irgendeinem Punkte dieser lemniskatischen Schraubenlinie sei die Erde, an einem anderen Punkte sei die Sonne, und die Erde bewege sich der Sonne nach. So haben Sie hier die Bewegung der Erde hinauf, die Bewegung der Sonne hinunter (bei E1, S1). Sie gehen aneinander vorbei. Sie bekommen keine Möglichkeit, dasjenige vorzustellen, was nun wirklich zugrunde liegt nach den Kriterien, die gelten können als Bewegungen sowohl der Erde als der Sonne, Sie bekommen keine andere Möglichkeit, als sich das alles aus dem heraus vorzustellen, daß Erde und Sonne sich in einer lemniskatischen Schraubenlinie bewegen, einander nachfolgen, und daß dasjenige, was sich nun in den Raum projiziert, dadurch entsteht. Hier haben Sie die Visierlinie (ES);
Figur 3 © 1983 by R.Steiner-Verlag
denken Sie sich, Sie projizieren den Sonnenstand hier (S); nehmen Sie an, die Sonne sei vorwärtsgegangen (S1), Sie bekommen die scheinbaren Orte mit alle dem, was dabei zu berücksichtigen ist, durchaus als Projektion desjenigen, was sich ergbt, wenn sich Erde und Sonne aneinander vorbeibewegen. Sie müssen nur, wenn Sie diese Rechnung stimmend finden wollen, alle die verschiedenen Korrekturen, zum Beispiel die Besselschen Gleichungen [k] und dergleichen, einbeziehen, Sie müssen in die Orte alles das einbeziehen, was wirklich da ist. Sie müssen berücksichtigen, daß ja für die Rechnung die gegenwärtige Astronomie drei Sonnen hat, wie ich schon erwähnt habe, nämlich die wirkliche Sonne, die Zwischensonne und die mittlere Sonne. Von diesen drei Sonnen sind zwei natürlich gedachte, denn nur die wahre Sonne ist eben da. Aber dasjenige, was wir in unserer Zeitbestimmung haben, das rechnet erstens mit der Zwischensonne, die nur in Perigäum und Apogäum zusammenfällt, sonst überall auseinanderfällt mit der wahren Sonne, und ferner mit der anderen Sonne, die nur in der Tagundnachtgleiche zusammenfällt mit der Zwischensonne. Man braucht das, was man sonst als Sonnenbahn bestimmt hat, nur nach all dem zu korrigieren. Wenn man das alles zusammennimmt und nun die Rechnung anstellt, so bekommt man allerdings dieses Resultat heraus. Man bekommt auf diese Weise ein Resultat, das mit demjenigen stimmt, was uns durch die Beobachtung des Zusammenhanges des Menschen mit dem Kosmos sich eben auch ergibt.
Stuttgart, 17.Jän.1921 ☽ (in «GA 323»; S.306ff)
Andere Stimmen
13a [...] Wir betrachten also eine aufrechte «Acht», wie sie in Abbildung 1 gezeichnet ist. Das Auffälligste ist natürlich, daß die Kurve sich selbst schneidet, also eine Kreuzung besitzt und dadurch zwei Schleifen bildet, woher sie auch ihren Namen hat, der einfach «Schleifenkurve» bedeutet. Bei der fertigen Lemniskate sind sowohl die rechte und die linke Hälfte als auch die beiden Schleifen symmetrisch zueinander (Symmetrieachsen a1 und a2 in Abbildung 1). Dies wird aber modifiziert, wenn man die Kurve dynamisch als Spur einer Bewegung auffaßt. Denkt man sich die Lemniskate in Pfeilrichtung durchlaufen, so bilden die Schleifen einen gewissen Gegensatz zueinander. Man durchwandert die untere Schleife im Uhrzeigersinn [ "down"], die obere gegen ihn [ "up"]. Strecken wir den rechten Arm nach der Seite aus, so weist er - wie die Pfeile in Abbildung 1 zeigen - in der oberen Schleife nach außen, in der unteren nach innen. Stellen wir uns vor, daß wir mit diesem Arm eine gewisse Kraft ausüben, so gilt von dieser das gleiche. Diesen Unterschied erkennt man auch, wenn man die Lemniskate nur mit der flachen Hand nachzeichnet: Man strecke die rechte Hand nach vorne und führe die Bewegung aus, die - beim Kreuzungspunkt beginnend - an der Lemniskate entlangstreicht, dann wird der Handrücken in der unteren Schleife nach innen und in der oberen nach außen gewendet sein, was ebenfalls wie eine Polarität von Kräfteströmungen empfunden werden kann, wobei natürlich weniger an physische Kräfte als an solche des Bewußtseins und der Sensibilität zu denken ist.
13b Man kann allerdings die Lemniskate auch so durchlaufen, daß die Polarität Innen-Außen verschwindet. Man denke sich die Acht liegend (wie das Unendlich-Zeichen der Mathematik) und durchlaufe sie, indem man dauernd frontal nach vorne schaut. Dann sind die Bewegungen auf beiden Schleifen vollkommen symmetrisch zueinander. Welche Art des Durchganges am Platz ist, muß sich aus der wirklichen Situation ergeben.[l]
Lemniskate
Abbildung 1: Lemniskate mit Symmetrieachsen und Innen-Außen-Dynamik
13c Eine zweite Polarität ist in jedem Fall, also auch an der fertig gezeichneten Kurve, zu erkennen: die Krümmungsunterschiede. Betrachten wir wieder die aufrechte Lemniskate, so ist sie beim höchsten und beim tiefsten Punkt am stärksten und am gleichmäßigsten gekrümmt, d. h. die Krümmung ändert sich dort am wenigsten, und die Kurve steht dadurch dem Kreis nahe. Im Sinne Rudolf Steiners kann man dies eine «sphärische Tendenz» nennen (Steiner GA 323, 10.-12. Jan. 1921), indem man den Kreis als ebenes Bild der Kugel ansieht. Dagegen verläuft die Kurve in der Umgebung der Kreuzung praktisch gerade und hat im Kreuzungspunkt tatsächlich die Krümmung Null (Wendepunkt), was man als «radiale Tendenz» charakterisieren kann. Man hat also den Urgegensatz von gerade und krumm, dem Steiner fundamentale Bedeutung zumaß.³ Durchläuft man die Lemniskate, so neigt man dazu, in den radialen Stücken mehr Schwung zu nehmen und diesen in den sphärischen Bögen ausschwingen zu lassen, sich also durch die Kreuzung am schnellsten und durch den höchsten und den tiefsten Punkt am langsamsten zu bewegen. Dies steht auch im Einklang mit der mathematischen Darstellung der Kurve.
13d Gehen wir nun von der gewöhnlichen Lemniskate zu einigen ihrer Metamorphosen über. Die beiden Schleifen bilden einerseits einen gewissen Gegensatz, andererseits gehören die beiden Stellen größter Krümmung, also der höchste und der tiefste Punkt, auch zusammen. Soll sich dies auch unmittelbar in der Gestalt ausdrücken, so müssen sich die beiden Schleifen zueinander neigen. Geschieht dies in der Ebene, so erhält man die «Harmonische Acht», eine von Rudolf Steiner entwickelte Eurythmieform. Die Schleifen können sich aber auch im Raum aufeinander zubewegen, wenn man den Kreuzungspunkt festhält und die beiden Schleifen aus der Zeichenebene heraus nach vorne biegt, also grob gesprochen ein Stück «zusammenklappt». Man erhält dann eine räumliche Lemniskate mit zwei Symmetrie-Ebenen, die durch die Kreuzung gehen und sowohl aufeinander als auch auf der Zeichenebene senkrecht stehen, sich also auf den Symmetrieachsen a1 und a2 aufbauen. [...]
verdichtete Lemniskatenmetamorphose
Abbildung 2a: Lemniskatenmetamorphose mit Verdichtung der Schleifen
13e Zwei andere wichtige Verwandlungen entstehen, wenn sich die (gewöhnliche) Lemniskate, während sie durchlaufen wird, als ganze fortbewegt. Verschiebt sich also die Figur in Abbildung 1, während sich ein Punkt in Pfeilrichtung auf ihr bewegt, in der Zeichenebene nach rechts (wobei diese Verschiebung eine kleinere Gechwindigkeit haben soll als die langsamste Bewegung beim Durchlaufen der Lemniskate), so erhält man als Spur des Punktes Abbildung 2a. Man kann diesen Kurvenzug leicht erhalten, indem man die Acht in die Luft zeichnet und gleichzeitig seitlich nach rechts geht. - Durch diese Metamorphose werden die Schleifen enger zusammengezogen und rücken voneinander ab, wodurch jeder Lemniskatenzug zwei Kreuzungen erhält. -
aufgelöste Lemniskatenmetamorphose
Abbildung 2b: Lemniskatenmetamorphose mit Auflösung der Schleifen
13f Ganz anders sieht die Verwandlung aus, wenn man lediglich den Durchlaufsinn der Lemniskate umkehrt (siehe Abbildung 2b). Das Resultat ist, daß sich die Schleifen aufblähen und sich schon bei relativ geringer Geschwindigkeit der seitlichen Bewegung nach rechts auflösen; die Kreuzungen verschwinden also aus dem gewöhnlichen Raum und sind nur noch als «imaginäre Punkte» - im Sinne der höheren Mathematik - vorhanden. - Naturgemäß sind diese beiden Lemniskatenverwandlungen bei den im Weltraum weiterziehenden Planeten von großer Bedeutung.
S.14ff
3 Man erkennt dies daran, daß er anregte, man solle diesen Gegensatz in der allerersten Unterrichtsstunde der Waldorfschule behandeln (GA 294, 25. Aug. 1919).
S.137
Hermann Bauer
aus «Über die lemniskatischen Planetenbewegungen»
Fragment 974
Ein Lichtstrahl bricht sich noch in etwas ganz anderem als in Farben. Wenigstens ist der Lichtstrahl einer Beseelung fähig, wo sich dann die Seele in Seelenfarben bricht. Wem fällt nicht der Blick der Geliebten ein?
Fragment 976
Die Menschheit ist der höhere Sinn unsers Planeten, der Nerv, der dieses Glied mit der obern Welt verknüpft, das Auge, das er gen Himmel hebt.
S.64
Fragment 1210
Licht ist das Symbol der echten Besonnenheit. Also ist Licht der Analogie nach Aktion der Selbstrührung der Materie. Der Tag ist also das Bewußtsein des Wandelsterns, und während die Sonne, wie ein Gott, in ewiger Selbsttätigkeit die Mitte beseelt, tut ein Planet nach dem andern auf längere oder kürzere Zeit das eine Auge zu und erquickt im kühlen Schlaf sich zu neuem Leben und Anschauen. Also auch hier Religion - denn ist das Leben der Planeten etwas anders als Sonnendienst? Auch hier kommst du uns also entgegen, uralte kindliche Religion der Parsen,[c] und wir finden in dir die Religion des Weltalls.
Fragment 1211
Je mehr Gegenstand, desto größer die Liebe zu ihm - einem absoluten Gegenstand kommt absolute Liebe entgegen. Zu dir kehr ich zurück, edler [Johannes] Kepler, dessen hoher Sinn ein vergeistigtes, sittliches Weltall sich erschuf, statt daß in unsern Zeiten es für Weisheit gehalten wird - alles zu ertöten, das Hohe zu erniedrigen, statt das Niedre zu erheben und selber den Geist des Menschen unter die Gesetze des Mechanismus zu beugen.
Fragment 1212
Was also ist die Sonne? Ein durch sich erregbarer, mithin immer selbsttätiger, ewig leuchtender Körper. Und ein Planet? Ein relativ erregbarer, für fremde Anregung gestimmter Körper.
Fragment 1213
Licht ist Vehikel der Gemeinschaft des Weltalls; ist dies echte Besonnenheit in der geistigen Sphäre nicht ebenfalls?
Fragment 1214
Wie wir, schweben die Sterne in abwechselnder Erleuchtung und Verdunklung; aber uns ist, wie ihnen, im Zustand der Verfinsterung doch ein tröstender, hoffnungsvoller Schimmer, leuchtender und erleuchteter Mitstern gegönnt.
Fragment 1215
Die Kometen sind wahrhaft exzentrische Wesen, der höchsten Erleuchtung und der höchsten Verdunkelung fähig - ein wahres Ginnistan [Dämonium], bewohnt von mächtigen, guten und bösen Geistern, erfüllt von organischen Körpern, die sich [dank der Sonne] zu Gas ausdehnen und zu Gold verdichten können.
S.127f
Fragment 1220
[...] Poetische Kurve der Sonne. [zum ganzen Fragment]
S.131
Novalis
aus «Gesammelte Werke - Dritter Band»
Gemüt
14a
Grün ist die Flur, der Himmel blau,
Doch tausend Farben spielt der Tau:
Es hofft die Erde bis zum Grabe,
Gewährung fiel dem Himmel zu;
Und sprich, was ist denn deine Gabe,
Gemüt, der Seele Iris du?
14b
Du Tropfen Wolkentau, der sich
In unsrer Scholle Poren schlich,
Daß er dem Himmel sie gewöhne
An seinem lieblichsten Gedicht,
Du, irdisch heilig wie die Träne,
Und himmlisch heilig wie das Licht!
14c
Ein Tropfen nur, ein Widerschein,
Doch alle Wunder saugend ein,
Ob, Perle, dich am Blatte wiegend
Und spielend um der Biene Fuß,
Ob, süßer Traum, im Grase liegend
Und lächelnd bei des Halmes Gruß.
14d
O, Erd' und Himmel lächeln auch,
Wenn du, geweckt vom Morgenhauch,
Gleich einem Kinde hebst den weichen
Verschämten Mondesblick zum Tag,
Erharrend, was die Hand des Reichen
Von Glanz und Duft dir geben mag.
14e
Lächle nur, lächle für und für,
Des Kindes Reichtum wird auch dir;
Dir wird des Zweiges Blatt zur Halle,
Zum Sammet dir des Mooses Vließ,
Opale, funkelnde Metalle
Wäscht Muschelscherbe dir und Kies.
14f
Des kranken Blattes rötlich Grün,
Drückt auf die Stirn dir den Rubin,
Mit Chrysolithes goldnen Flittern
Schmückt deinen Spiegel Kraut und Gras,
Und selbst des dürren Laubes Zittern
Schenkt dir den bräunlichen Topas.
14g
Und gar, wenn losch das Sonnenlicht
Und nun dein eigenstes Gedicht
Morgana deines Seees gaukelt,
Ein Traum von Licht, um deinen Ball
Und zarte Schattenbilder schaukelt,
Gefangne Geister im Kristall:
14h
Dann schläfst du, schläfst in eigner Haft,
Läßt walten die verborgne Kraft,
Was nicht dem Himmel, nicht der Erden,
Was deiner Schöpfung nur bewußt,
Was nie gewesen, nie wird werden,
Die Embryone deiner Brust.
14i
O lächle, träume immer zu,
Iris der Seele, Tropfen du!
Den Wald laß rauschen, im Gewimmel
Entfunkeln laß der Sterne Reihn;
Du hast die Erde, hast den Himmel,
Und deine Geister obendrein.
Annette v.Droste-Hülshoff
«Werke I: Gedichte»; S.263f
Ekliptik
15 Die Erde beschreibt in einem Jahr eine Umlaufbahn um die Sonne, deren Ebene um 23°27' gegen den Erdäquator geneigt ist. Als Folge davon scheint die Sonne in einem Jahr vor dem Hintergrund der 12 Tierkeissternbilder (Zodiakus) vorbeizugehen: Widder, Stier, Zwillinge [- 13.Bild Orion], Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion (+ 13. Bild Ophiucus [m]), Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische.[n] Die jährliche scheinbare Sonnenbahn heißt auch Ekliptik (griech. [ἡ ἔκλειψις] eklipsis, Verfinsterung). Die Ekliptik schneidet den Himmelsäquator an zwei Stellen, dem Frühlingspunkt und dem Herbstpunkt. Dort erscheint die Sonne bei Frühlingsanfang bzw. Herbstanfang für die Nordhalbkugel der Erde, also am 21. März und 23. September. Am Sommerpunkt bzw. Winterpunkt steht die Sonne am 21. Juni bzw. 22. Dezember. Diese beiden Punkte sind um jeweils [rund] 23,5° nördlich bzw. südlich vom Himmelsäquator entfernt.
Joachim Herrmann
aus «dtv-Atlas Astronomie»; S.41
16a Die astronomischen Erscheinungen umgeben uns allseitig, wir sind ganz von ihnen umschlossen. Sie sind jedoch nur in rhythmischer [o] Folge erlebbar (tageszeitlich, jahreszeitlich, sonstige Perioden); das heißt, sie haben einen räumlichen und einen zeitlichen Aspekt.
16b Es handelt sich hier nicht um ein starr photographisches Festhalten des Einzelnen und dessen Wiedergabe, sondern um «gereinigte» Phänomene, um Phänomenzusammenhänge. Diese dürfen nicht in einer willkürlichen Anordnung und Aneinanderreihung gebracht werden, sondern in Folgen, die sachlich gerechtfertigt sind, das heißt es soll eine rationelle Beschreibung gegeben werden. Das gegenwärtige Bild einer Sternstellung, eines Leuchtglanzhöhepunktes, einer Sichtbarkeitsperiode, ist in einen Zeitorganismus hineinzustellen, das heißt, durch vergangene und künftige Stadien, durch Erinnerungsbild und Vorschau, zu ergänzen und zu erweitern. Das ist nur dem Menschen im Denken möglich.
16c Mit der Forderung, das Einzelphänomen in seine Ordnung als Glied, als Symptom hineinzustellen, hängt zusammen, daß die Astronomie schon als Sinnenwissenschaft nur übend zu erfassen ist.
16d Die astronomischen Erscheinungen werden vom Menschen in drei Stufen erlebt als
Licht, optischer Eindruck, Schein, Glanz,
Funkeln der Himmelslichter,
Bewegung dieser Himmelslichter,
Rhythmus, Bewußtwerden der in Licht und Bewegung
offenbar werdenden, sich äußernden Rhythmen.
16e Die Himmelserscheinungen lassen sich nach der Licht- und Bewegungsseite hin verfolgen. Doch in beiden liegen Rhythmen,
Rhythmen der optischen Erscheinungsfolgen - Lichtperioden,
Rhythmen der räumlichen Stellungen - Bewegungsperioden.
16f Die Betrachtungsart des Himmels ist eine doppelte: einerseits optisch-flächig und andererseits bewegungs-richtungshaft.
Joachim Schultz
aus «Rhythmen der Sterne»; S.15
Unsere Anmerkungen
a] siehe Mbl.6
b] vgl. Mbl-B.48
c] siehe Abriss zu Zarathustra
d] siehe Stichwort Tierkreis
e] vgl. Mbl.10
f] Nikolaus Kopernikus
g] Arístarchos von Samos
h] Die Stelle findet sich schon in der «Sandrechnung» des Archimedes. Im «Handbuch der Astronomie - Bd.1» (Zürich 1890) von Rudolf Wolf steht (S.536): „Zur Ergänzung des Berichtes von Archimedes ist zu erinnern, daß Plutarch in seiner Schrift «De facie in orbe lunæ» erzählt, man habe daran gedacht, den Samier Aristarch als Religionsverächter vor Gericht zu stellen, da er den heiligen Weltherd verrücke, indem er, ,um die Himmelserscheinungen richtig zu stellen den Himmel stille stehen, die Erde dagegen in einem schiefen Kreise fortwälzen und zugleich um ihre eigene Achse drehen ließ'”.
i] vgl. Mbl.7
k] Diese auch „Reduktionen” genannten Korrekturen von Bessel berücksichtigen in einer für die astronomische Praxis rationellen Form verschiedene Bewegungseffekte, welche den scheinbaren Ort eines Sterns beeinflussen. Zwar handelt es sich nur um kleine Grössen, doch zeigen sie, dass kein Himmelskörper ruht, sodass sich die der Orientierung dienenden Koordinatensysteme ständig verändern (siehe zB. Präzession).
l] vgl. Mbl.8: Anm.8
m] siehe Stichwort Schlangenträger
n] siehe Tierkreiszeichen und Anm.d
o] vgl. W.Hoerner zu Takt u. Rhythmus
https://wfgw.diemorgengab.at/WfGWmblB56.htm