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Neudenken:
Beobachtung der Lebensrhythmen
1 Bei Bemühungen der unterschiedlichsten Art kann das aufmerksame und bewußte Miterleben des Jahreslaufes [a] hilfreich sein. Dabei wird angestrebt, ein Verständnis für den Zusammenhang von irdischem und kosmischem Geschehen zu finden, das nicht nur auf ein unbefangenes und unvoreingenommenes Wahrnehmen ausgerichtet sein sollte, sondern ebenso auf eine Vertiefung im gefühls- und empfindungsmäßigen Bereich. Die ganz auf visuelle und akustische Affekte des Medienbereiches ausgerichtete Wahrnehmungsweise erschwert natürlich ganz ungemein den notwendigen Zugang zu diesem Verständnis.
2 Das natürliche Eingegliedertsein in den zeitlichen [b] Ablauf von Tages-, Monats-und Jahresrhythmen beruht zunächst auf mehr lebensnotwendigen Erfordernissen, die stark im Gewohnheitsmäßigen verankert sind. Gelingt es darüber hinaus, ein aufmerksames Mitempfinden für die äußeren Naturvorgänge aus der Sphäre des Lebendigen, für das Werden und Wachsen, das Blühen und Früchtetragen und schließlich das Welken und Absterben zu pflegen, wird sich langsam eine feinere, intimere Beobachtungsweise einstellen. Durch sie werden Farben und Licht mit einer bisher unbekannten Sensibilität wahrgenommen. Die eigene Aufmerksamkeit wird dann auf größere Zusammenhänge nicht nur irdischer, sondern auch kosmischer Beschaffenheit gelenkt. Besonders wertvoll und wichtig dabei ist, daß alles Bemühen in möglichst regelmäßiger und vor allem rhythmischer Form vollzogen wird.
3 Man ist gewohnt, von Himmelsvorgängen einen optisch-flächigen Eindruck zu haben. Es sind Lichtwahrnehmungen vom Scheinen, Glänzen und Funkeln [c] der zahllosen Himmelskörper. Das Wahrnehmungsvermögen erstreckt sich außerdem auf rhythmische Bewegungsabläufe [d] der sich äußerlich darbietenden Himmelsmechanik. Viel hat man erreicht, wenn fundierte Kenntnisse der Astronomie erarbeitet werden, die es ermöglichen, annähernde Vorstellungen von den wöchentlichen Sternkonstellationen zu haben, zum Beispiel zu wissen, welche Planeten am nordwestlichen Abendhimmel gerade sichtbar sind und durch welche Tierkreisbilder [e] sie ihren Weg nehmen werden, welchen Verlauf die Sonne am Tageshimmel vollzieht oder welche unterschiedlichen Phasen der Sichtbarkeit des Mondes beobachtet werden können. Zunächst sind dies alles verstandesmäßige, rein äußerliche Wahrnehmungen, die, je bewußter sie werden, anregend im Erlebnis- und Gefühlsbereich wirken bis hin zum innerlich andachtsvollen und staunenden Miterleben.[f] Die Pflege menschlicher Fähigkeiten und Tugenden wie Staunen, Andacht und Frömmigkeit, die verständlicherweise heute vernachlässigt werden, kann auf diese Art natürlich und unsentimental eine Neubelebung finden.
S.11f
4 Dem Erleben der Rhythmen im Jahreslauf kann auch das tägliche Leben mit den Wochensprüchen des «Anthroposophischen Seelenkalenders» von Rudolf Steiner dienen. Diese beginnen mit dem datumsmäßig beweglichen Osterfest. In der Einleitung zu diesem Kalender schreibt Rudolf Steiner: «Es kann vielmehr fühlen der Mensch sein an die Sinne und ihre Wahrnehmungen hingegebenes Wesen als entsprechend der licht- und wärme-durchwobenen Sommernatur. Das Gegründetsein in sich selber und das Leben in der eigenen Gedanken- und Willenswelt kann er empfinden als Winterdasein. So wird bei ihm zum Rhythmus von Außen- und Innenleben, was in der Natur in der Zeiten Wechselfolge als Sommer und Winter sich darstellt. Es können ihm aber große Geheimnisse des Daseins aufgehen, wenn er seinen zeitlosen Wahrnehmungs- und Gedankenrhythmus in entsprechender Weise zum Zeitenrhythmus der Natur in Beziehung bringt. So wird das Jahr zum Urbilde menschlicher Seelentätigkeit und damit zu einer fruchtbaren Quelle echter Selbsterkenntnis ... Es ist an ein fühlendes Selbsterkennen gedacht. Dieses fühlende Selbsterkennen kann an den angegebenen charakteristischen Wochensätzen den Kreislauf des Seelenlebens als zeitlosen an der Zeit erleben. Ausdrücklich sei gesagt, es ist damit an eine Möglichkeit eines Selbsterkenntnisweges gedacht.»¹
S.13
1 Rudolf Steiner, Anthroposophischer Seelenkalender, Dornach 1987, Vorwort zur ersten Ausgabe 1912/13 [in «GA 40»].
S.381
Detlef Sixel
aus «Festeszeiten im Jahreslauf»
Unsere Anmerkungen
a] In den gemäßigten Breiten zeigt sich dieser in vier Jahreszeiten gegliedert, dem mit Ostern einsetzenden Frühling, mit Johanni (24.VI.) Sommer, mit Michaeli (29.IX.) Herbst und mit Weihnachten Winter. In der Natur können wir den Vierklang vor allem im Blühen, Fruchten, Welken und Ruhen miterleben; im Geistigen als vier Erzengel-Gesten.
b] siehe »TzN Jun.2010«
c] lichtätherische Wirkungen
d] klangätherische Wirkungen
e] siehe Stichwort Tierkreis
f] vgl. J.Ortega y Gasset zum Staunen
https://wfgw.diemorgengab.at/tzn202204.htm