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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Ernst MARTI zu
KLANGÄTHER und WASSER
1 Für Klangäther hat Rudolf Steiner auch den Namen chemischer Äther und Zahlenäther angegeben, wodurch wir auf die Gebiete der Akustik, der Chemie und der Mathematik im besonderen verwiesen werden.
2 Eine charakteristische Eigenschaft des Wassers ist das Zusammenfließen, das Verschmelzen; es hat immer die Tendenz, sich zu vereinigen und das Getrennte zu verschmelzen. Wasser ist ein Kontinuum, flüssig und durch und durch stetig. Man sehe die Regentropfen: sie fallen und fließen zusammen zu einer Lache, zu einem Bächlein, Fluß, See bis zum Meer. Alles Vereinzelte und Getrennte ist selbstlos verschwunden in der Masse des Meeres. Im Meer gibt es nicht mehr einzelne Tropfen, sondern nur eine Gesamtheit.
3 Man bilde nun gedanklich die entgegengesetzte Vorstellung, wo ein Einheitliches entzweit wird, getrennt wird, wo der Zwischenraum und Abstände wesentlich sind. Diese Vorstellung wird realisiert im Ton, in der Musik. Eine Symphonie existiert durch die Intervalle. Wenn die Töne so wie die Regentropfen zusammenflössen, d. h. die Intervalle bedeutungslos und verschwinden würden, wäre keine Musik da. [...] Musik ist nur vorhanden durch Intervalle, Abstände, gleichzeitig und nacheinander. Musik beruht auf einer Kraft, die trennt, die auseinanderhält, wobei aber das Getrennte doch miteinander in Beziehung bleibt. Nach Rudolf Steiners Forschung ist diese Kraft der Klangäther, der entzweit, sondert, Abstände und Intervalle und Zahlenverhältnisse schafft, weswegen er auch Zahlenäther heißt. Wo in der Natur Zahlenmäßiges auftritt, ist der Klangäther wirksam, aber nur, wenn das Gesonderte zugleich miteinander in Beziehung steht.
4 Das zeigt sich schon, wenn man einen einzelnen Ton betrachtet und nach seinen Erscheinungsbedingungen fragt. Damit ein Ton entsteht, ein Geigen- oder Flötenton, sind zwei Fixpunkte in einem bestimmten Abstand nötig als Schwingungsknoten der von der Saite oder Luft ausgeführten Schwingungen. Die Entzweiung und der Bezug aufeinander sind da, d. h. das Wesen der Polarisation erscheint. Damit treten die eigentlich konstitutiven Faktoren eines Tones auf: der Abstand gleich das Maß der Knoten, die Spannung aus dem Gewicht und die Zahl der Schwingungen. Diese drei, Maß, Zahl und Gewicht, sind unauflösbar verbunden im Ton, wenn der Klangäther wirksam ist. Es kann kein Ton entstehen ohne die Zweiheit der Knoten, aber auch nicht ohne den Gegensatz von Knoten und Zwischenraum, d. h. von Ruhe und Bewegung (Schwingung). Das Wesen der Knoten ist ihr Unbeweglichsein, das starre Festhalten, sonst vibriert (wackelt) der Ton. Der Abstand der Knoten ist nicht nur ein Zwischenraum, sondern er ist ausgefüllt von einer Bewegung, die von beiden Seiten von den Knoten aus gleichmäßig bis zur Mitte sich steigert und dort ihr Maximum hat. Diese Bewegung, das ist das Wesentliche des Tons.
[...]
5 Die Musik ist bekanntlich ganz von Zahlen- und mathematischen Gesetzmäßigkeiten durchdrungen. Die Zahl der Schwingungen, das Maß des Knotenabstandes, die ganzzahligen Zahlenverhältnisse der Intervalle, Beziehungen der Töne in Melodie und Rhythmen usw. zeigen dies. Aber mit dem Zahlenmäßigen [Quantitativen] ist eben das Qualitative des Klanges verbunden, das ist das eigentlich Ätherische.
6 [... Rudolf Steiner] hat auch das wirkliche Verhältnis der physischen Luftschwingungen zu dem Ton als ätherische Wirksamkeit dargelegt. Die Schwingungen sind Realitäten in der Sinneswelt, die ermöglichen, daß der Klangäther, der übersinnlich ist, als Ton in der sinnlichen Welt erscheinen und wahrgenommen werden kann. Ohne Schwingung gibt es keinen Ton. Aber wir hören nicht die Schwingungen, sondern nehmen den mit ihm verbundenen Klangäther wahr in der Qualität eines bestimmten Tones. Das wird noch deutlicher verständlich, wenn man an die Intervalle, z. B. an eine Quart denkt. Physisch sind zwei Töne da, keiner ist selber die Quart, die ist physisch gar nicht vorhanden und erscheint doch für die Wahrnehmung. Ein Intervall [...] ist eigentlich ein Wunder: ein physisches Nichts wird wahrgenommen. Real sind nur die zwei Töne, aber empfunden wird der Abstand, ihr Verhältnis, das Intervall.
7 Wir haben als Menschen die Möglichkeit, Schwingungen zu erzeugen, so daß ein Ton erscheinen muß. Das ist eine Fähigkeit, die, wenn man sie so ausspricht, dem Menschen seine Verantwortung für das Tönende in der Welt zeigt. Schwingung = Tonleib und Äther. Aber der Tonleib ist anders, wenn er durch die geblasene Flöte oder durch das Radio oder durch die elektronische Orgel entsteht. Dadurch ist aber auch die Qualität des Tones anders und damit die Wirkung auf die Welt.
8 Ins innerste Wesen des Klangäthers tritt man, wenn man die Polarisierung in Knoten und Schwingung betrachtet. Es entsteht dadurch eine Trennung von Aktivität und Passivität, von Bewegung und Ruhe. Man kann den Klangäther als tätige Trennung und Verbindung bezeichnen, das Ergebnis ist Schwingung. Schwingung ist Bewegung, die nicht weiterkommt, gehaltene Bewegung. Wenn eine Glocke ertönt, ordnet sie die Luft in Verdichtungen und Verdünnungen [...] Klangäther schafft Knoten, bewegt und verdichtet das Stoffliche. Im Gegensatz dazu sind die Bewegungsformen des Wassers das Fließen und Wellen, das von außen [von der Schwere] bewirkt wird. Das Wasser in sich selbst ist träge, es braucht einen Anstoß von außen, um in Bewegung zu kommen.
9 Klangäther ist nach all dem Dargestellten die Ursache der Bewegung, der Antrieb zur Bewegung, das Erregende. Bewegung erfordert Raum und Zeit. Raum ist in der vorangehenden Entwicklungsstufe der Alten Sonne entstanden und Zeit noch früher auf dem Alten Saturn [...] Auf der Entwicklungsstufe, wo Klangäther und Wasser entstehen, kommt die B e w e g u n g hinzu (also auf dem Alten Mond). Es gibt eigentlich drei ursprüngliche Bewegungen: das Rotieren, Wellen und Schwingen [Pulsieren]. Das Fließen ist eine sekundäre Bewegung. (Die Bewegung des Lichtes, sofern man davon sprechen kann, ist evolutionsmäßig etwas anderes und müßte eigentlich in ihrem Charakter des Strahlens [gleichmässigen Ausbreitens] unterschieden werden.)
[...]
10 Was geschieht eigentlich bei einer Lösung, wenn sich ein lösliches Salz im Wasserglas auflöst? Man gebe ein Körnchen Kaliumpermanganat in das Wasser. Es sinkt auch zu Boden und erleidet den Einfluß des Auftriebes. Aber was geschieht un mit dem Salz, wenn es sich auflöst? Es wird verteilt. Partikel um Partikel löst sich von ihm los und verteilt sich im Wasser. Nach einiger Zeit ist der Salzkristall verschwunden und befindet sich als [geladene] Teilchen, Ionen, in der Flüssigeit. Und das Merkwürdige ist, daß diese Teilchen sich vom Glasboden erheben und das Wasser gleichmäßig (homogen) erfüllen. Das Volumen verschwindet - und das Gewicht auch! Was ist da wirksam? Eine trennende, zerteilende Kraft ergreift den Salzkristall, verteilt ihn bis in seine atomaren Bestandteile und weiter verteilt sie die Ionen gleichmäßig in der Flüssigkeit. Es besteht nach vollständiger Auflösung ein bestimmtes Wasserverhältnis und eine Ordnung zwischen den Ionen, die man in den sog. Strukturgittermodellen räumlich darstellen kann. Diese Ordnung bleibt bestehen oder stellt sich nach Störung (Rühren, Erwärmen) wieder her, d. h. die Abstände werden gewahrt, und die Atome erscheinen wie Knoten eines Gewebes oder Gitters, wo die Intervalle negativ [geladen] sind. Es ist beim Auflösen der Klangäther aktiv tätig, der Intervalle schafft oder ordnet. Es ist der Klangäther, der nun nicht in Tönen erscheint, sondern in Stoffanordnungen auf dem Gebiet der Chemie und daher sachgemäß chemischer Äther genannt wird. Er ist der Urheber nicht nur der Lösung und Verteilung, sondern auch aller chemischen Prozesse, der Synthesen und Analysen. Die chemischen Prozesse vollziehen sich nach strengen Zahlengesetzen. Darin erscheint die Zahlenäthernatur des chemischen Äthers. Als solcher zeigt er noch eine besondere Wirkungsseite, die zu dem bisher Betrachteten hinzukommt. Die Verdünnung der Ionen in der Flüssigkeit ist völlig homogen, d. h. es sind unten und oben in jeder Wasserschicht gleich viel Ionen. Was aber bedeutet die Homogenität? Daß die Wirksamkeit der Schwerkraft ausgeschaltet ist. Man muß dazu nehmen, daß die chemischen Stoffe nach Gewichtsverhältnissen miteinander reagieren. Eine chemische Formel, z. B. H2SO4, bedeutet ein Verhältnis von Gewichten. In der Lösung werden also Gewichte geordnet. Aber sie werden so geordnet, daß nicht die Gewichte wirken, sondern nur ihre Zahlen. Der chemische Zahlenäther entgewichtigt die Stoffe durch seine Wirksamkeit. Es ist der chemische Äther eine der Schwere entgegengesetzte Kraft, die man als Leichtkraft oder Leichte gegenüber der Schwere bezeichnen kann. (Sie ist zu unterscheiden von der Auftriebskraft.)
11 Die chemische Wirksamkeit ist die ureigentliche Erscheinungsweise des Klangäthers. Wir hören zwar die Musik nicht, die eine chemische Lösung durchklingt, aber sie wirkt in den chemischen Prozessen und in der Homogenität einer Lösung. Gleichmäßig in etwas einfügen heißt griechisch harmonisieren [ἁρμόζειν]. Harmonisieren ist die Urnatur des Klangäthers, die seine verschiedenen Wirkungsweisen zusammenfassend zum Ausdruck bringt. Die Alten erlebten sie in der Sphärenharmonie. Mit unseren trockenen Worten müssen wir sagen: der Klang, der chemische Äther urständet in der Weltenperipherie. Von dorther durchdringt er auch die sinnenfällige Welt und ist überall wahrzunehmen, wo Leichtekraft, Ordnung, Zahlengesetzmäßigkeiten, Polarisationen und Symmetrie in der Natur auftreten. Der Klangäther ist Erregungskraft, die als Schwingung erscheint, der Klangäther harmonisert.
12 Im Gegensatz dazu ist das Wasser flüssig, es ist vor allem innerlich durch und ducrh flüssig, d. h. ständig in sich gleitend, sich flächig aneiander verschiebend. Aber das Wasser ist auch dicht, kompakt, hat Masse. Mit der Masse hängt das Gewicht zusammen, Wasser ist schwer, es wiegt, es gibt das Maß für das Gewicht [zB. im spanischen Hohlmass @ ~ aruba]. Der Gegensatz Leichte - Schwere gehört dem Bereich von Klang und Wasser an und nicht, wie man oft meint, dem von Licht und Luft. Das Wasser gibt sich eben einer physischen Kraft hin, die man eigentliche «Massekraft» nennen könnte, die man aber gewöhnlich nach ihrer Eigenschaft, der Anziehung, als Schwerkraft [Gravitation] bezeichnet. [...] Mit dieser Gegenkraft zum klangchemischen Äther, mit dieser Kohärenzkraft hängt das Problem der Masse, der Trägheit, der Ruhe, der Bewegungslosigkeit [Inertie] zusammen. Diese Gegenkraft löscht alle Ordnung aus, vernichtet alle Sonderung und Differenzierung (differe = auseinandertragen), indem sie alles in einen reglosen Haufen verwandelt; sie unifiziert, indem sie alle Ordnungen chaotisiert, alles reglos macht, indem sie es zur Berührung bringt und massig zusammenhält.
aus «Das Ätherische»; S.40ff