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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Ernst MARTI zu
LICHTÄTHER und LUFT
1 Wir Menschen leben in Luft, Licht und Finsternis. In einer ganz alltäglichen Erfahrung soll das Zusammenwirken der drei geschildert werden. Wir treten z. B. in ein finsteres fensterloses Zimmer. Wir können nicht wahrnehmen, was in dem Zimmer vorhanden ist. Nun wird das Licht [lux] angezündet, es wird hell, und das Licht macht die Grenzen des Raumes und die darin befindlichen Dinge sichtbar. Wie ist das geschehen? Die Lampe an der Decke hat sich in eine Lichtquelle verwandelt, die Licht ausstrahlt. Das Licht hat die Finsternis [tenebræ] zurückgedrängt und einen hellen Lichtraum geschaffen, eigentlich eine Licht-Farbenhöhle. Man macht sich meist nicht klar, daß wir wachend immer in einer Farbenhöhle leben, die vom Licht geschaffen wird. Die ist absolut dicht, und wir können nie daraus entweichen. Wenn wir aus dem Zimmer hinaus ins Freie treten, wächst die Lichthöhle einfach bis an den blauen Himmel hinauf. Immer sind wir durch das Licht in einem Helligkeitsraum, den das Licht erzeugt. Auch wenn die Astronauten die Erde verlassen, sind sie rings von einer Licht-Farbenhöhle eingeschlossen. Das Licht schafft den Weltenraum, in welchem wir uns mit allen anderen Wesen und Erscheinungen befinden. Mit dem ersten Auftreten des Lichtes in der Evolution ist auch der Raum entstanden. (Nach Steiner ist das Licht auf der alten Sonne entstanden, und mit ihm ist der Raum in Erscheinung getreten.) Der Raum als Gefäß ist dadurch gegeben, daß das Licht die Weltenperipherie schafft. Die unendlich ferne Ebene der synthetischen Geometrie ist ein gedankliches Lichtphänomen. Es gibt nur ein Innerhalb der unendlich fernen Ebene, kein Außerhalb.
2 Das Licht hat allerorts den Raum begrenzt [definiert], indem es eine Licht-Farbenscheide über alles legt. Das Licht macht sichtbar, indem es unterscheidbar macht [diskriminiert], dadurch, daß es überall Raumgrenzen erzeugt. Dadurch aber scheidet das Licht gleichzeitig den Raum in zwei Gebiete. Das Licht erscheint als Oberfläche der Gegenstände. In der Oberfläche berühren sich Licht und Finsternis, und dadurch entsteht die Farbe. Goethe hat recht, am farbigen Abglanz haben wir die Welt. Die Physik formuliert: das Licht strahlt von der Oberfläche zurück. Weiter als an die Oberfläche dringt das Licht nicht. Was ist unter der Oberfläche? Die Lichtlosigkeit, die Finsternis. Das Licht scheidet Licht und Finsternis. Das Licht drängt die Finsternis zurück bis unter die Oberfläche. Man kann den Begriff «Unterfläche» bilden, die auch die Grenze eines Raumes ist, aber eines finsteren, lichtlosen. Die Finsternis ist nicht nur Abwesenheit von Licht. Sie ist das, was den lichtlosen Raum erfüllt bis an die Unterfläche der Lichtscheide. Für die Anschauung ist die Finsternis identisch mit der Stofflichkeit. Man schaue sich selber an. Das Licht dringt heran bis an unsere Haut. Dort macht es halt und spart den Raum aus, den unser Leib ausfüllt, der lichtlos, aber stofferfüllt ist. Die Tatsachen legen nahe, zweierlei Raumverhältnisse zu unterscheiden: ausgesparten und erfüllten Raum, die sich wie negativ und positiv zueinander verhalten.
3 Die Tatsache der farbigen Oberfläche eines Dinges als Grenze zwischen Lichtraum und Finsternisraum führt noch zur Klärung eines weiteren Begriffes, der oft mißverstanden wird, nämlich zum Begriff M a t e r i e. Materie ist der Begriff für Raumerfüllung und hängt zusammen mit der beschriebenen Oberflächenbildung zwischen Licht und Finsternis. Materie besagt gar nichts Spezielles, außer daß etwas die Eigenschaft hat, räumlich voluminös zu sein. Materie ist das den Raum Erfüllende, und man kann - je nach dem Raum - positive und negative Materie unterscheiden.
4 «Materie ist verdichtetes Licht» ist eine Aussage der okkulten Wissenschaft und kann durch unsere bisherige phänomenologische Betrachtung bereits eingesehen werden.
5 Wenn wir das Verhältnis des Lichtes zum Raum weiter betrachten, so finden wir, daß das Licht immer von einer Lichtquelle, einem Zentrum ausgeht und zu einer Peripherie strahlt, radiär. Das ist die Natur des Lichtes: Quelle und Umkreis. Das Licht ist eine Kraft, die der Finsternis entgegengesetzt wirkt. Sie wirkt linienhaft, radiär, geradlinig. Das Licht kann nicht um die Ecke scheinen. Lichtquelle und Lichtgrenze in der Farbenoberfläche sind geradlinig verbunden, eindimensional. Man könnte sagen, die Lichtkraft strahlt von einem Zentrum weg und kommt an einer Oberfläche zur Ruhe, die die farbige Grenze des Lichtraumes ist.
6 Wenn wir diese Darstellung als gültig erachten, entsteht eine Schwierigkeit. Der Lichtäther als Universalkraft ist eine Kraft, die von der unendlich fernen Ebene, d. h. von der Peripherie nach der Mitte zu wirkt. Das Licht, das oben geschildert wurde, strahlt von der Lichtquelle der Lampe, also von der Mitte zur Peripherie, d. h. also gegenteilig zur Universalkraft. Dieser Widerspruch löst sich, wenn wir bedenken, daß der periphere Lichtäther einen Empfänger oder Träger braucht, um zur Erscheinung zu kommen. Man muß bloß erkennen, daß in der Lichtquelle [...] die Bedingungen vorhanden sind, die für einen Empfang des Lichtäthers nötig sind. [...] Daß sich ein Zündhölzchen überall entflammen kann, zeigt, daß der Lichtäther allüberall vorhanden ist. Man muß sich einfach klarmachen, daß jede irdische Lichtquelle ein Empfänger für den Lichtäther ist und daß seine Wirkungsrichtung zu seinem Ursprung, der Peripherie, der unendlich fernen Ebene hinzielt.
7 Im Gegensatz zur strahligen, gerichteten Natur des Lichtes ist die Luft [aer] in sich richtungslos, ein Chaos. Zutreffend ist hier das Wort «Gas» aus dem Wort Chaos entstanden. Die Luft erscheint uns zwischen den Dingen, zusammenhängend, den Raum ausfüllend. Luft ist in sich zusammenhängend, das zeigt sich besonders, wenn man versucht, sie zu verdünnen. Es ist kaum möglich, ein völliges Vakuum - das ist ein Loch, eine Trennung der Luft - zu schaffen wegen dieser zusammenhaltenden Natur.
8 Die charakteristischste Eigenschaft der Luft ist ihre Elastizität. Sie kann ausgedehnt und zusammengepreßt werden. Es muß also der Lichtäther weitende, dehnende, verdünnende Kraft sein und die entgegengesetzte physische Kraft eine verdichtende, konzentrierende. Der Gegensatz zu elastisch ist spröde. Das Licht ist spröde, und dadurch ist es teilbar. Wenn ich mit einem Stock durch die Luft schlage, weicht sie aus und fließt dahinter wieder zusammen. Wenn ich den Stock vor eine Lichtquelle halte [...], trennt er das Licht, das sich nicht mehr vereinigt, sondern gespalten geradlinig weiterstrahlt. Das Licht ist spaltbar und brechbar. Die Optik kennt und verwendet diese Eigenschaften.
9 Eine weitere konstitutive Eigenschaft der Luft ist die Spannung. Es gibt keine Luft ohne eine Grad von Spannung. Spannung ist Innenwirkung, Zusammenhang schaffend und bewahrend. Das gegenteilige Phänomen zeigt das Licht, alles ist gewissermaßen Außenwirkung, Veräußerlichung. Man nehme eine Lichtquelle, eine Kerzenflamme. Nicht was sie zusammenhält, ist wesentlich, sondern was sie von sich loslöst, abgibt, zur Peripherie ausstrahlt. Der Steigerung oder Minderung der Spannung entspricht die größere oder geringere Lichtintensität [lumen], das ist ein größerer oder kleinerer Lichtraum.
10 Mit der Spannung der Luft hängt der Druck zusammen, in dem die Kraft des Verdichtens, Konzentrierens erscheint, die von der Peripherie zu nach innen in ein Zentrum strebt. Wie das ausdehnende Licht den Raum erhellt und erzeugt, so hängt die konzentrierende, verdichtende physische Gegenkraft mit der Finsternis zusammen. Dichte und Finsternis sind die Kennzeichen dessen, was wir Materie nennen.
11 In der atmosphärischen Lufthülle der Erde wirkt auch diese verdichtende Kraft und erscheint als Luftdruck, der die Erde von außen her zusammenpreßt. Das Gegenteil zu drücken ist saugen. Es muß also, wenn der Gegensatz zwischen physischen Kräften und Äthern existiert, das Licht saugend wirken. Tut es das? Ja, man muß nur die zugehörigen Phänomene erkennen. Die Peripherie, der Horizont, ob er nahe oder weit ist, zieht unsren Blick zu sich. Man versuche, bei offenen Augen nicht zu sehen; dann merkt man an der Kraft, die man aufwenden muß, um den Blick leer zu halten, wie das Licht ihn sonst mitnimmt, hinauszieht in die Peripherie, an die Oberfläche der Dinge. Man erklärt heute das Sehen durch das Eindringen der Lichtstrahlen in das Auge; eindringend holen sie aber das Bewußtsein hinaus in die Peripherie, in den Raum.
12 In ähnlicher Weise zieht das Licht die Kartoffelkeime aus dem dunklen Keller gegen die Helligkeit, läßt es die Blüten sich der Sonne zuwenden und ihr nachdrehen. Über diesen speziellen Heliotropismus hinaus zeigt die ganze Pflanzenwelt einen Phototropismus, den man richtig erkennen muß. Es drückt die Luft allseitig zentripetal auf die Erde. Es saugt der Lichtäther allseitig peripheriepetal [zentrifugal] an der Erde. Im Pflanzenwachstum wird diese Tatsache anschaubar. Die Pflanzen streben allseitig von der Erde weg zur Weltensphäre hin. [...] Spannung und Druck des Luftelementes offenbaren in ihrer Tendenz nach innen die aus dem Mittelpunkt wirkenden konzentrierende, verdichtende physische Kraft. Strahlen und Saugen, wie auch das Umgrenzen zeigen die Beziehung des Lichtes zur Peripherie, zur Sphäre. Der Lichtäther ist eine aktive Entität, der den Raum erzeugt. Die Luft erfüllt passiv den Raum und wird zusammengehalten durch die vom Zentrum aus wirkende zusammenziehende, verdichtende physische Kraft.
13 Der Lichtäther wirkt aber nicht nur anorganisch, physikalisch, sondern auch im Organisch-Lebendigen. Da liegt er dem Wachstum zu Grunde. Wachstum ist Dehnung, Volumenzunahme, Raumwerdung. Die Höhe eines Baumes, die Länge einer Schlange, das Volumen einer Melone, die Größe des Menschen sind Ausdruck der Wirkung des Lichtäthers im Organischen.
aus «Das Ätherische»; S.35ff