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Neudenken:
Karmaabbild
Der Mensch, der durch die Todespforte schreitet, verlässt den physischen Leib und lebt, wie wir wissen, noch einige Tage mit seinem Ätherleib [a] zusammen. Er ist in dieser Zeit noch mit der physischen Welt zusammenhängend, aber ganz besonders mit der Planetenkonstellation, die da war im Augenblick des Todes⁵⁶'⁵⁷. (Darauf wurde schon im 2. Rundschreiben II kurz hingewiesen.) So wie der Moment der Geburt etwas wie ein Erstarren darstellt der gerade vorhandenen Lage des Sternenhimmels, auf der sich dann alles weitere abzeichnet, so ist der Todesmoment ebenfalls etwas, was stehenbleibt für das weitere Leben in der geistigen Welt. Die Konstellation, namentlich der Planeten,[b] die da herrscht, ist wie eine Zusammenfassung des vorangegangenen Lebens, des Karmas [c] aus der eben abgeschlossenen Inkarnation. Und während der Mensch in seinem Ätherleibe das Lebenstableau erlebt, die bildhafte Rückschau des vergangenen Lebens, schwingen in ihm die Planetenkräfte in ihrem Zusammenwirken [d] nach. Es ist so etwas - sagte Rudolf Steiner - wie das Schwimmen im Embryonalwasser beim Entstehen des physischen Menschen, nur dass das letztere während längerer Zeit vor sich geht und vor allem die Kräfte, die da im embryonalen Dasein wirken, zwar auch ätherische (im Wässrigen wirkende) sind, aber durchzogen von Erdenkräften, sogar stark mitbestimmt von dem Ort der Erde, wo sich das Embryonalleben abspielt.
Die Konstellation, die beim Tode da ist, drückt sich in den Tagen der Rückschau in die Seele ab und bleibt für die erste Hälfte des nachtodlichen Lebens [e] bestehen. Wenn die Seele wiederum zur Geburt zurückkehrt, muss sie sich dieser Konstellation irgendwie anpassen, sonst würde ihr neues Leben weder an das frühere Karma, noch an den Kosmos richtig angeschlossen sein. Sie hat daher das Bestreben, mit einer ähnlichen Konstellation zurückzukommen wie diejenige war, mit der sie die Erde verlassen hat, wenigstens einen wesentlichen Zug der Todeskonstellation für die neue Geburt wieder aufzusuchen. Es wiederholt sich ja bekanntlich der Himmelsaspekt eines bestimmten Momentes niemals genau so, wie er gewesen ist.[f] Und gerade dasjenige, was die Seele weiter durchmacht im Leben zwischen Tod und neuer Geburt, muss sie dazu veranlassen, auch andere Konstellationen aufzusuchen, die einen Ausdruck des inzwischen ausgearbeiteten Karmas für die neue Verkörperung darstellen. Doch wird vielleicht ein charakteristischer Aspekt (= Verhältnis zweier Planeten zueinander) aus dem Todeshoroskop sich in dem neuen Geburtshoroskop wiederfinden. Wenn zum Beispiel eine Seele die Erde verlassen hat unter der Konstellation Saturn in Opposition zur Sonne, als hervorstechendstem der im Todesmoment waltenden Aspekte, würde die nächste Geburt unter derselben Konstellation stattfinden (sie tritt ja, wie wir früher sahen, einmal im Jahre auf), während die übrigen Planeten sich anders gruppieren als beim letzten Tode. Auch der Ort der Geburt [g] wird im allgemeinen ein ganz anderer sein, doch dieser wird, wie schon gesagt, in der Embryonalzeit und dann besonders durch die Lage des Sternenhimmels in bezug auf den Horizont [h] bei der Geburt seinen Stempel auf den werdenden Menschen drücken.
S.173f
56 Rudolf Steiner, Das Leben zwischen Tod und neuer Geburt (München, 26./28. 11. 1912), in: Okkulte Untersuchungen über das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. GA 140, 2. Aufl., Dornach 1970.
57 Rudolf Steiner, Das Geheimnis des Lebens nach dem Tode (Dornach, 20.-22. 1. 1917), in: Zeitgeschichtliche Betrachtungen, 2.Teil. GA 174, Dornach 1966.
S.401
Elisabeth Vreede
aus «Astronomie und Anthroposophie»; S.173f
Unsere Anmerkungen
a] vgl. Mbl.5
b] vor dem irdischen Tierkreis der Zeichen (vgl. Tierkreis-Tabelle A)
c] vgl. Mbl.9
d] im jeweiligen Aspekt ablesbar, vor allem in den klassischen Winkelbeziehungen Konjunktion (0°), Semisextil (30°), Semiquadratur (45°), Sextil (60°), Quadratur (90°), Trigon (120°), Quinkunx (150°) und Opposition (180°)
e] vgl. Mbl.8
f] Einmaligkeit einer jeden Sternstunde als Ausdruck des kosmischen Lebens
g] sowohl im topographischen und klimatischen Kontext, als auch im kulturellen
h] vor allem auf den Aszendenten (Gestirnaufgangssegment im Osten)