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| Text zum Neudenken: |
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| Licht begreifen | ||
| 1 [...] Wie ist dieses unsichtbare Phänomen beschaffen, das wir Licht nennen und dessen Gegenwart alles sichtbar macht, nur sich selbst nicht? Im Laufe der Zeit hat unsere Kultur viele Antworten gefunden. Wir haben es mit den Namen von Göttern bezeichnet oder es als Objektivation göttlichen Handelns oder göttlicher Eigenschaften gedeutet. Und selbst als die Menschen das Licht dank der abendländischen Wissenschaft in konkreteren Begriffen erfassen konnten, blieb es ein Phänomen, das Anlaß zum Staunen gibt und unsere Vorstellungskraft bewegt. Anfang des 17. Jahrhunderts fragte sich Francis Bacon [a] verwundert, warum «Form und Ursprung des Lichtes» so wenig erforscht worden seien.⁷ Warum war das spezifische Wesen einer so wichtigen Erscheinung wie der des Lichts noch nicht ergründet worden? Fast vierhundert Jahre später sind wir noch immer genauso begierig wie Bacon, in Erfahrung zu bringen, woraus Licht besteht, wie groß es ist, wie es sich bewegt und so fort. Mit anderen Worten, uns interessiert [vor allem] seine physikalische Beschaffenheit. | ||
| S.17f | ||
| 2 Das Licht berührt alle Aspekte unseres Daseins und offenbart in jeder Auseinandersetzung mit ihm einen Teil von sich. Eine Geschichte solcher Auseinandersetzungen kann uns tieferen Einblick in die Natur des Lichts geben. Lange bevor es zum Gegenstand wissenschaftlicher Forschung wurde, hat man das Licht und vor allem seinen Ursprung als göttlich verehrt. Die Mythen aller Kulturen sind reich an Geschichten über Sonne, Mond, Sterne, Feuer, Regenbogen und Morgenröte. Auch sie haben mit dem Wesen des Lichts zu tun, weil sie Teil der menschlichen Erfahrung mit ihm sind. [...] Bei meiner Beschäftigung mit diesen Fragen habe ich den Eindruck gewonnen, daß sich die Besonderheit einer Kultur in dem Bild spiegelt, das sie sich vom Licht macht. Jede hat auf ihre Weise versucht, Wesen und Bedeutung dieses Phänomens zu erfassen, und so ihre eigene Geschichte des Lichts geschrieben. In der Art, wie eine Kultur diese Geschichte erzählt, offenbart sie ebensoviel über sich selbst - über das Licht im Bewußtsein der Menschen, die sie schaffen - wie über das Licht der Natur.[b ...] | ||
| 3 Wenn wir also dem historischen [c] Weg des Lichts folgen, werden wir auf beides zu achten haben - auf die Veränderung der Vorstellungen von Licht und die Veränderung des menschlichen Bewußtseins, das sich mit dem Licht befaßt. Wir haben dem natürlichen Licht viele, viele Jahre ins Antlitz geblickt und uns gefragt, wer oder was es ist. In den Jahrtausenden unseres Schauens ist das Licht alt geworden, seine Eigenschaften haben sich gründlich verändert, so daß sein zartes, kindliches Gesicht kaum noch zu erkennen ist. Heute präsentiert uns das Licht ein strengeres, nützlicheres und mathematischeres Aussehen, doch wird es auch jetzt noch durch andere Gesichter ergänzt - künstlerische, wissenschaftliche und geistige. Wie wird es morgen aussehen? Es war immer die gleiche Sonne - ungeachtet aller Bilder, die wir uns von ihr gemacht haben -[d], die die Erde erwärmt und den Planeten beleuchtet hat. Vom ersten Menschen, der sich einen Begriff vom Licht gemacht hat, über die ausgefeilten Theorien unserer Tage bis zu seiner endgültigen Gestalt am Ende der Zeit [e]- immer erhellt das Licht die Reiche der Menschen und speist die Lebewesen mit seiner Energie. Wie haben wir dieses Phänomen, das wir Licht nennen, durch das Licht unseres Bewußtseins verändert? In der Berührung von Natur und Bewußtsein läßt sich das Leben des Lichtes begreifen. [...] | ||
| S.19ff | ||
| 7. Marjorie Hope Nicolson, Newton Demands the Muse, Princeton University Press, Princeton 1966, S. 75. | ||
| S.400 | ||
| Arthur Zajonc | ||
| aus «Die gemeinsame Geschichte von Licht und Bewußtsein» | ||
| Unsere Anmerkungen | ||
| a] Sir Francis Bacon Lord Verulam war Wissenschaftsphilosoph (vgl. »TzN Jän.2016«) und Berater der Königin Elisabeth I. | ||
| b] vgl. »TzN Apr.2023« | ||
| c] eigentlich geschichtsbildenden | ||
| d] vgl. Mbl-B.36a | ||
| e] das P.Teilhard de Chardin den Punkt Omega als Ziel der Schöpfung genannt hatte | ||
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| red. 14.VI.2026 - WfGW, 1090 Wien / AT | ||
| https://wfgw.diemorgengab.at/tzn202606.htm | ||