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| Vom Templerwesen | ||
| 1 Eine Gruppe von Rittern unter der Führung des aus der Champagne stammenden Hugues de Payns hatte den Templerorden 1120 in Jerusalem gegründet.[a] Ihr Ziel war eine religiöse, an einer Ordensregel ausgerichtete Lebensführung, die es ihnen zugleich erlaubte, Pilger auf ihrem Weg nach Jerusalem und zu den anderen heiligen Stätten zu beschützen. Am 14. Januar 1129 erhielt der neu gegründete Orden auf dem Konzil in Troyes [b] seine Ordensregel. Der heilige Bernhard von Clairvaux,[c] Galionsfigur des Zisterzienserordens, ja der gesamten [abendländischen] Christenheit, spielte dabei eine federführende Rolle.² Sehr schnell dehnten die Templerbrüder ihr Betätigungsfeld aus und übernahmen rein militärische Aufgaben zur Verteidigung des heiligen Landes und der lateinischen Staaten, die nach dem erfolgreichen ersten Kreuzzug 1099 dort errichtet worden waren: das Königreich Jerusalem, die Grafschaft Tripoli und das Fürstentum Antiochia (die Grafschaft Edessa ging zwischen 1144 und 1146 unter). «Obwohl sie ursprünglich dafür eingesetzt waren, die Pilger, die zum Beten kamen, auf ihren Wegen zu begleiten und zu beschützen, zogen sie in der Folgezeit mit den Königen in den Krieg gegen die Türken.»³ [...] | ||
| 2 Im Umfeld der Kreuzzugsbewegung war der junge Orden schnell erfolgreich. Daß er Schenkungen im Orient erhielt, versteht sich von selbst, aber auch im Okzident dehnte er sich immer mehr aus. Ländereien, Kirchen und Grundrenten bildeten bald einen bedeutenden Besitz, der wie ein Kirchengut bewirtschaftet wurde. Der Orden bezog daraus die Gelder, um seine Leistungen im Heiligen Land zu finanzieren: Erhaltung und Schutz der Burgen und der befestigten Städte, Ankauf von Waffen, Ausrüstung und Pferden. Die für die lateinischen Staaten bereitgestellten Einkünfte aus den Häusern im Abendland wurden responsio genannt. Die Verbindung zwischen «Front» und «Hinterland» ist von grundlegender Bedeutung für die Organisation und Funktionsweise des Templerordens wie überhaupt aller geistlichen Ritterorden.[d] Niederlagen, Zerstörungen, die Verluste in den Schlachten mit ihren Gegnern erforderten eine ständige Ergänzung der Truppen im Heiligen Land, eine kontinuierliche Versorgung mit Material und Geld. Da sich die Templer in diesen Dingen als besonders tüchtg erwiesen, beanspruchte man ihre Dienste so sehr, daß sie sich Schiffe zulegen und eine Organisation für die Geldverwaltung auf die Beine stellen mußten. Auch wenn sie nie zu Bankiers wurden, leisteten sie für andere bankähnliche Dienste (Geldtransport, Darlehen), [...] Neben den meisten Geistlichen, ob Priester oder Ordensmänner, griffen auch viele Fürsten auf die Dienste der Templer zurück: Sie verwalteten die Finanzen der französischen Krone, häufig stellten sie sogar den Schatzmeister des Königs, und viele cubicularii (Kämmerer) des Papstes kamen aus den Reihen der Templer und Hospitaliter.⁵ | ||
| 3 Der Orden stand jedem erwachsenen und unverheirateten freien Mann offen, der keinem anderen Ordenshaus angehörte. Drei Arten von Ordensbrüdern wurden unterschieden: die Ritter, die dienenden Brüder oder servientes und die Priesterbrüder. Erstere stammten alle aus dem Adel. [...] Die Ritter kämpften zu Pferde und bildeten Banner (Einheiten schwer bewaffneter Reiterei) oder Schwadronen. [...] Die dienenden Brüder teilten sich in zwei Gruppen: Die einen kämpften wie die Ritter oft zu Pferde [...], die anderen versahen wie die Laienbrüder in Zisterzienserklöstern die Feldarbeit und gingen handwerklichen oder häuslichen Tätigkeiten nach. Um Gottesdienste in den Templerhäusern sicherzustellen, wurden sehr bald Kaplanbrüder angeworben. Sie waren geweihte Priester und durften daher nicht am Kampf teilnehmen. [...] Als Angehörige des Ordens hatten alle die Gelübde des Gehorsams, der Keuschheit und der [persönlichen] Armut abgelegt und lebten nach der Ordensregel. | ||
| 4 Alle Ordensbrüder trugen ein Ordenskleid. Ihre Uniform bestand aus einem Mantel, den ein einfaches rotes Kreuz oder ein rotes Tatzenkreuz an der Schulter schmückte. Der Mantel der Ritter war [roh]weiß, alle anderen Ordensbrüder kleideten sich in Mäntel aus braunem oder schwarzem Wollstoff. Die Kaplansbrüder waren bartlos und trugen eine Tonsur, Ritter und dienende Brüder hatten Bärte und kurz geschnittenes Haar. Das Banner des Ordens war «baucent», was soviel bedeutete wie «zweifarbig», nämlich zur Hälfte weiß, zur Hälfte schwarz.[e] Allen etymologischen Elaboraten zum Trotz hat das Wort nie eine andere Bedeutung besessen.⁶ | ||
| 5 Der Orden war zugleich hierarchisch gegliedert und dezentral. Drei Ebenen lassen sich unterscheiden. An der Spitze des Ordens stand ein Meister [magister], Großmeister oder Generalmeister, der auf Lebenszeit gewählt war und dem Würdenträger mit besonderen Aufgaben zur Seite standen: der Marschall (als Heerführer), der Großkomtur, zum damaligen Zeitpunkt [1265] zugleich auch Schatzmeister des Ordens, der Drapier (oder Haushofmeister) und der Turkopolenführer, der die Hilfstruppen der sogenannten Turkopolen befehligte, berittene Bogenschützen, die als eine Art leichte Kavallerie ähnlich wie die Türken kämpften. Sogenannte prud'hommes, weise Männer aus dem engeren Umfeld des Meisters, bildeten zusammen mit seinen Vertrauten oder socii eine Art informellen Rat.⁷ Das Haupthaus des Ordens, «la maison chèvetaine», wie es in der Ordensregel genannt wird, befand sich zuerst in Jerusalem am Tempelplatz; König Balduin II. [von Bourcq, dann von Jerusalem] schenkte den ersten Templern die al-Aqsa-Moschee mit den dazugehörigen Seitengebäuden. Da man glaubte, es handele sich dabei um die Stätte, an der einst der Tempel Salomons stand, nahm der neue Orden den Namen [a] an. Nach dem Fall Jerusalems 1187 wurde das Haupthaus nach Akkon [f] verlegt. Als 1291 auch Akkon fiel, zog sich der Orden nach Zypern zurück, jenem lateinischen Königreich, das von Richard Löwenherz [g] nach der Eroberung der Insel 1190 gegründet worden war. Dort blieb das Haupthaus auch nach 1291, [... da] eine Verlegung nach Paris nie zur Debatte stand. | ||
| 6 Das Königreich Jerusalem, die Grafschaft Tripoli und das Fürstentum von Antiochia bildeten jeweils eine Provinz. In Tripoli und Antiochia stößt man auf eine dem Hauptsitz in Jerusalem vergleichbare Ordensstruktur, allerdings waren die beiden Meister dieser Provinzen der Führung des Großmeisters unterstellt. Hinzu kamen im 13. Jahrhundert die Provinzen Zypern und Morea (oder Romanien) in Griechenland, nach dem Verlust Antiochias 1268 schließlich die Provinz Armenien. Die Besitzungen im Abendland waren in Provinzen zusammengefaßt, die in mehreren Etappen gebildet wurden. Die Provinzen auf der iberischen Halbinsel - Aragón, Katalonien, Kastilien und Portugal - bildeten eine gesonderte Gruppe, da die Templer dort wie im Heiligen Land im Rahmen der Reconquista militärische Aufgaben im Kampf gegen die Araber übernahmen. Ansonsten waren die Templer vor allen Dingen Grundherren, die Seigneurien bewirtschafteten. Es gab sie aber auch in Städten wie London, Paris, La Rochelle, Rom etc. Im übrigen Europa entstanden die Provinzen Deutschland, Ungarn, Lombardei, Apulien (oder Pulien) und Sizilien, Provence, Aquitaine-Poitou, Auvergne-Limousin, Frankreich und England. An ihrer Spitze stand jeweils ein Meister, der auch lateinisch praeceptor oder Komtur genannt wurde. Die Größe einiger Provinzen führte zur mehr oder weniger informellen Bildung von Balleien (Normandie, Ponthieu, Burgund, Schottland); auch ihnen standen - hier überschneiden sich die Bezeichnungen - Meister oder Komture vor. Eine Komturei war im Grunde ein Verwaltungsgebiet mit einem Haupthaus, das über eine Kapelle und eine beliebige Anzahl von Häusern verfügte, die dem Haupthaus unterstellt waren.⁸ Der Großmeister des Ordens entsandte General-Visitatoren in den Westen, einen für Spanien sowie einen für Frankreich und England, die Hauptprovinzen im Abendland. Desgleichen gab es einen Prokurator des Ordens beim Heiligen Stuhl. | ||
| S.44ff | ||
| 2 Siehe die Untersuchungen zu den Regeln des Templerordens
von Simonetta Cerrini
(in: R[ègle du]. T[emple].
1), Henri de Curzon
(in: R. T. 2) und Laurent Dailliez
(in: Dailliez, Règle et statuts de l'ordre du Temple, hrsg.
v. Jean Pol Lombard, 2. Aufl., Paris 1996). 3 Chronique de Michel le Syrien, hrsg. u. übers. v. Jean-Baptiste Chabot, Paris 1899-1910, S. 203. 5 Demurger, «Trésor des Templiers ...»; Xavier de la Selle, Le Service des âmes à la cour. Confesseurs et aumôniers des rois de France du XIIIème au XVème siècle, Paris 1995. 6 Francesco Tommasi, «L'Ordine dei Templari a Perugia», in: Bolletino della Deputazione di Storia Patria per l'Umbria, Bd. LXXVIII, 1981, S. 5-79. 7 Im Orden der Hospitaliter gebrauchte man das Wort «Konvent» [~ Zusammenkunft] zur Bezeichnung dieses engeren Rats. Anders im Templerorden, wo der Begriff höchstens in der letzten Phase seiner Existenz in diesem Sinne gebraucht wurde. Der Begriff «Konvent» bezeichnete hier eine Kampfeinheit. Siehe R. T. 2, Par. 98, 138 und 142. Häufig werden auch die Begriffe «Kapitel»[h] und «Konvent» verwechselt. Paragraph 80 der Ordensregel erwähnt die Versammlung des Kapitels, nicht die des Konvents. Zur Diskussion der Frage, ob der Begriff «Konvent» in den letzten Jahren des Templerordens nicht wie bei den Hospitalitern in der Bedeutung «engerer Rat» gebraucht wurde, siehe: Alan John Forey. «Letters of the Last Two Templar Masters», in: Nottingham Medieval Studies, Nr. XLV (2001), S. 157-158. 8 La Commanderie. Institution des ordres militaires dans l'Occident médieval, hrsg. v. Anthony Luttrell, «Premier colloque international du Conservatoire Larzac, Templier et Hospitalier», Paris 2002. |
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| S.336f | ||
| Alain Demurger | ||
| aus «Der letzte Templer» | ||
| Unsere Anmerkungen | ||
| a] Pauperes commilitones Christi Templique Salomonici (~ Arme Mitstreiter Christi und des salomonischen Tempels) - vgl. Mbl-B.8 sowie R.Steiner zu den Tempelherren | ||
| b] Troyes ist Hauptstadt des nach seinem Hauptfluss benannten Département Aube (~ Morgengrauen) in der Champagne (région Grand Est). | ||
| c] siehe Mbl-B.5 | ||
| d] wie etwa der 1099 gegründete Johanniterorden (Ordo Hospitalis sancti Johannis Ierosolimitani) oder der um 1190 gegründete Deutsche Orden (Ordo Teutonicus) | ||
| e] Die beiden Unbunten (vgl. Mbl.22) wurden oft diagonal geteilt: weiss (Himmel) links oben, schwarz (Erde) rechts unten. | ||
| f] die heutige israelische Hafenstadt Akko | ||
| g] Richard I., der zweite Sohn Aliénors von Aquitanien und Heinrich II. Plantagenet | ||
| h] Ursprünglich versammelten sich alle Mönche oder Nonnen eines Klosters, die zum Hören und Besprechen eines Kapitels aus der Bibel oder der Ordensregel zugelassen waren, einmal je Woche im „Kapitel”. Dazu gab es in den Klöstern den Kapitelsaal. | ||
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