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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Klaus J. BRACKER zu
FISCHE und JUNGFRAU
1 Im gegenwärtigen Zeitalter ereignen sich Ostern zumeist und Michaeli regelmäßig zu Zeiten, da die Sonne sich - in siderischer Hinsicht²³ - durch die Tierkreisbilder »Fische« bzw. »Jungfrau« bewegt. Gleichzeitig mit dem ›Anthroposophischen Seelenkalender‹ [in GA 40] erstellte Rudolf Steiner auch einen Kalender für das - mit Ostern beginnende - Jahr 1912/13.²⁴ Ihm stellte er ebenfalls ein Vorwort voran, in dem er den Übenden andeutet, wie die verschiedenen Angaben dieses Kalenders helfen können, ein wacheres Bewusstsein und stärkeres Miterleben auszubilden, was ihre Verbindung als Erdenmenschen mit Erde und umgebenden Kosmos angeht. Dabei macht er ihnen klar, dass sein Kalender-Impuls siderisch orientiert ist: »Während [...] vor Jahrhunderten der Blick zur aufgehenden Sonne im März zugleich auf das Sternbild des Widders fiel, fällt er gegenwärtig in derselben Zeit auf das der Fische.«²⁵
23 Anders als die landläufige [tropische] Horoskopie orientiert sich die siderische Astrologie an den tatsächlichen Sonnenständen vor dem sichtbaren Tierkreis-Hintergrund.
24 Eigentlich für das Jahr 1879/80 »nach des ICH Geburt« (bezogen auf das Jahr 33 n.Chr. als auf das Mysterium von Golgatha).
25 Ders.: ›Der Anthroposophische Seelenkalender und der Kalender 1912/13‹ (Beiträge zur Rudolf Steiner Gesamtausgabe 37/38), Dornach 1972, S. 38.
2 Gemeint ist die Situation der Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleiche. Für Ostern trifft die Ausrichtung auf die »Fische« bis etwa Mitte April zu, wenn Ostern später liegt, steht also die Sonne bereits im »Widder«. - Jedem Monat ist in dem Kalender eine Monatsfigur vorangestellt, die für das Sternbild steht, in dem sich die Sonne zu Beginn des betreffenden Monats befindet. Die siderische Orientierung des Kalender-Impulses, die aus obigem Zitat folgt, wird in der Kalendergestaltung ein weiteres Mal entschieden bestätigt. Denn zu Beginn des Oktober ist die Monatsfigur »Jungfrau«²⁶ dargestellt. Dem ist eindeutig zu entnehmen, dass Rudolf Steiner hier gleichfalls die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche sowie Michaeli in der »Jungfrau«-Zeit angesiedelt sah. Denn diese erstreckt sich im 20. und 21. Jahrhundert ungefähr von Mitte September bis Mitte [eigentlich Ende] Oktober. Die Polarität »Fische« und »Jungfrau« entspricht in unserer Zeit also mehr oder weniger auch der anderen hier behandelten Polarität Ostern und Michaeli. Für den Seelenkalender folgt daraus, dass den österlichen 1. Spruch die Sonne in den »Fischen« und den 26. Spruch - den michaelischen Spruch von »Natur« und »mütterlichem Sein« - die Sonne in der »Jungfrau« überstahlt.²⁷
26 Gezeichnet von Freiin Imme von Eckhardtstein.
27 Es ist dem Verfasser bewusst, dass einige anthroposohische Autoren den Seelenkalender behandeln, in dem sie den tropischen Tierkreis der landläufigen Astrologie zugrunde legen. Hier aber soll gezeigt werden, dass Steiner selbst seinen Kalender-Impuls von 1912/13 siderisch orientiert verstand.
3 Unter dem Eindruck der Kriegs-Katastrophe wendet Rudolf Steiner wiederholt den Blick nach Ost und West, um die Schicksale der europäischen Mitte besser verständlich zu machen. In diesem Zusammenhang stehen auch drei Vorträge vom November 1917. Sie zielen auf neue, in der Mitte zu entwickelnde Fähigkeiten, die für die Menschheit im Ganzen notwendig sind. Dabei ruft er den Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft [von 1913] ein großes Thema in Erinnerung, das die vier Jahre von Weltkriegsbeginn überleuchtet hatte: die Wiederkunft Christi im Ätherischen [a]. In jenen Vorträgen ist überhaupt von neueren Fähigkeiten, Entdeckungen und Erfindungen die Rede, und zwar auf den Feldern dessen, was Steiner als »eugenetisch«, »hygienisch-therapeutisch« und »mechanisch« bezeichnert.²⁸
28 Damit spricht Rudolf Steiner Bereiche an, in denen das Okkulte auf den zivilisatorischen Prozess einwirkt - Gebiete, auf denen neben für das Ganze Förderlichem auch gruppenegoistische Interessen mit problematischer Tendenz verfolgt werden. So spricht er von in der Zukunft immer stärkeren Durchdringungen der physisch-ätherischen Menschennatur mit mechanischen, elektrischen und magnetischen Kräften - bis in die biologischen Prozesse hinein.
4 Die verschiedenen Bemühungen auf besagten drei Gebieten rechnen jeweils auf ihre Art konkret mit kosmischen Wirksamkeiten. Diejenigen [elektromagnetischen], die hauptsächlich im Westen verfolgt werden, stehen in Verbindung mit den »Zwillinge«-Kräften, auch als Mittagskräfte zu verstehen; diejenigen [eugenetischen], die im Osten interessieren, sind mit dem »Schütze« oder Mitternachtskräften verbunden. Die Bemühungen aber, die von der europäischen Mitte ausgehen sollten, hängen zusammen mit den »Fische«- und »Jungfrau«-Kräften, d.h. den Morgen- und Abendkräften.[b]
5 Aus dem Kontext der drei Vorträge insgesamt ergibt sich klar, dass die Menschen der europäischen Mitte vor der Aufgabe stehen, gerade die Morgen- und Abendkräfte aus den kosmischen Regionen »Fische« und »Jungfrau« wirksam, kulturbildend zu ergreifen. Während mit der Ausrichtung auf die »Zwillinge«-Kräfte die Gefahr verknüpft ist, zivilisatorisch Tendenzen zu verstärken, die das Antichristliche zur Geltung bringen wollen, und die Ausrichtung auf die »Schütze«-Kräfte die Gefahr mit sich bringt, alles zu verstärken, was droht, von der Bedeutung der neuen Christus-Offenbarung abzulenken, ist die heilsame [gleichgewichtende] Arbeit aus den »Fische«- und »Jungfrau«-Kräften heraus geeignet, zur Übereinstimmung mit der Wirksamkeit des im Ätherischen wiedererscheinenden Christus zu finden.
in »die Drei« 5/2021; S.59f
a] siehe zB. „Das Ereignis der Christus-Erscheinung ...
b] vgl. «GA 178»; S.229ff