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Zitatensammlung
Teil 1
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Zitat von Rudolf STEINER zu den
WELTANSCHAUUNGSSTIMMUNGEN
1 [♄] Man kann in seiner Seele so gestimmt sein, gleichgültig jetzt sogar, von welchem dieser zwölf Geistes-Tierkreisbilder man in der Seele beschienen ist, daß man diese Stimmung der Seele, die sich in der ganzen Konfiguration der Weltanschauung dieser Seele zum Ausdruck bringt, bezeichnen kann als Gnosis. Man kann ein Gnostiker sein. Man ist ein Gnostiker, wenn man daraufhin gestimmt ist, durch gewisse in der Seele selbst liegende Erkenntniskräfte, nicht durch die Sinne oder dergleichen, die Dinge der Welt kennenzulernen. Man kann ein Gnostiker sein und zum Beispiel eine gewisse Neigung haben, sich bescheinen zu lassen von dem Geistes-Tierkreisbilde, das wir hier als Spiritualismus [CAP] bezeichnet haben. Dann wird man in seiner Gnostik tief hineinleuchten können in die Zusammenhänge der geistigen Welten.
2 Man kann aber auch zum Beispiel ein Gnostiker des Idealismus [ARI] sein; dann wird man eine besondere Veranlagung haben, die Ideale der Menschheit und die Ideen der Welt klar zu sehen. Der Unterschied ist ja vorhanden zwischen dem einen und dem anderen Menschen auch in bezug auf den Idealismus, den die beiden Menschen haben können. So ist der eine ein idealistischer Schwärmer, der immer davon redet, daß er Idealist ist, der nur immer das Wort Ideal, Ideal, Ideal im Munde führt, aber nicht viele Ideale kennt, der nicht die Fähigkeit hat, in scharfen Konturen und mit innerlichem Schauen wirklich die Ideale vor seine Seele zu rufen. Ein solcher unterscheidet sich dann von dem anderen, der nicht nur von Idealen redet, sondern die Ideale in seiner Seele so zu zeichnen weiß wie ein scharf hingemaltes Bild. Der letztere, der den Idealismus ganz konkret innerlich ergreift, so intensiv ergreift, wie man mit der Hand äußere Dinge ergreift, der ist auf dem Gebiete des Idealismus ein Gnostiker. Man könnte auch so sagen: Er ist überhaupt ein Gnostiker, aber er läßt sich insbesondere von dem Geistes-Tierkreisbilde des Idealismus bescheinen.
3 Es gibt Menschen, welche sich besonders stark bescheinen lassen von dem Weltanschauungsbilde des Realismus [LIB], die aber so durch die Welt gehen, daß sie durch die ganze Art, wie sie die Welt empfinden, wie sie der Welt gegenübertreten, den andern Menschen viel, viel sagen können von dieser Welt. Sie sind weder Idealisten noch Spiritualisten; sie sind ganz gewöhnliche Realisten. Sie sind imstande, wirklich fein zu empfinden, was in der äußeren Realität um sie herum ist, sie sind fein empfänglich für die Eigentümlichkeiten der Dinge. Sie sind Gnostiker, richtige Gnostiker; nur sind sie Gnostiker des Realismus. Solche Gnostiker des Realismus gibt es, und manchmal sind Spiritualisten oder Idealisten gar nicht Gnostiker des Realismus. Wir können sogar finden, daß Leute, die sich gute Theosophen nennen, durch eine Bildergalerie durchgehen und gar nichts zu sagen haben über die Bilder, während andere, die gar nicht Theosophen sind, die aber Gnostiker des Realismus sind, unendlich Bedeutungsvolles dadurch zu sagen wissen, daß sie mit ihrer ganzen Persönlichkeit in Berührung sind mit der ganzen Realität der Dinge. Oder wie viele Theosophen gehen hinaus in die Natur und wissen gar nicht das ganz Erhabene und Große der Natur mit der ganzen Seele aufzufassen: sie sind nicht Gnostiker des Realismus. Es gibt Gnostiker des Realismus.
4 Es gibt auch Gnostiker des Materialismus [CNC]. Das sind allerdings sonderbare Gnostiker. Aber ganz in dem Sinne, wie man Gnostiker des Realismus ist, kann man Gnostiker des Materialismus sein; aber es sind das Menschen, die nur Sinn und Gefühl und Empfinden haben für alles Stoffliche, die das Stoffliche durch die unmittelbare Berührung kennenzulernen suchen, wie der Hund, der die Stoffe beriecht und dadurch intim kennenlernt und der eigentlich in bezug auf die materiellen Dinge ein ausgezeichneter Gnostiker ist.
5 Man kann Gnostiker sein für alle zwölf Weltanschauungsbilder. Das heißt, wenn wir die Gnosis richtig hineinstellen wollen, müssen wir es so machen, daß wir einen Kreis zeichnen und daß uns der ganze Kreis bedeutet: Die Gnosis kann herumwandeln durch alle zwölf Weltanschauungsbilder. Wie ein Planet die zwölf Tierkreisbilder durchwandelt, so kann die Gnosis alle zwölf Weltanschauungsbilder durchwandeln.
ergänzte Gesamtskizze der Tafelzeichnungen © 1980 by R.Steiner Verlag
6 Allerdings wird die Gnosis die größten Dienste für das Heil der Seelen dann leisten, wenn die gnostische Stimmung angewendet wird für den Spiritualismus. Man könnte sagen: Die Gnosis ist im Spiritualismus so recht zu Hause. Sie ist da in «ihrem» Hause. Sie ist außer ihrem Hause in den anderen Weltanschauungsbildern. Logisch hat man nicht die Berechtigung zu sagen, es könnte keine materialistische Gnostik geben. Die Pedanten der Begriffe und Ideen werden mit solchen Dingen leichter fertig als die gesunden Logiker, die es etwas komplizierter haben. Man könnte zum Beispiel sagen: Ich will nichts anderes Gnosis nennen, als was in den Geist eindringt. Das ist eine willkürliche Begriffsbestimmung, ist ebenso willkürlich, wie wenn jemand sagen würde: Veilchen habe ich bis jetzt nur in Österreich gesehen, also nenne ich Veilchen nur das, was in Österreich wächst und die Veilchenfarbe hat, anderes nicht. Logisch ist es ebenso unmöglich zu sagen, Gnosis gebe es nur im Weltanschauungsbilde des Spiritualismus; denn Gnosis ist ein «Planet», der die Geistes-Sternbilder durchläuft.
7 [♃] Es gibt eine andere Weltanschauungsstimmung. «Stimmung» sage ich hierbei, während ich sonst von «Nuancen» und «Bildern» spreche. Und man hat in den neueren Zeiten gemeint, in einer leichteren Art - doch ist auch hier «das Leichte schwer»! - diese zweite Weltanschauungsstimmung kennenzulernen, weil diese im Geistes-Sternbilde des Idealismus gerade von Hegel vertreten worden ist. Aber diejenige Art, die Welt zu betrachten, diese besondere Weltanschauungsstimmung, die Hegel gehabt hat, braucht nicht, wie bei ihm, bloß im Geistes-Sternbilde des Idealismus zu stehen, sondern sie kann wieder durch alle Sternbilder durchgehen. Es ist die Weltanschauungsstimmung des Logismus. Diese Weltanschauungsstimmung des Logismus besteht vorzugsweise darin, daß sich die Seele in die Lage versetzen kann, wirkliche Gedanken, Begriffe und Ideen in sich gegenwärtig sein zu lassen, diese Gedanken und Ideen so in sich gegenwärtig zu haben, daß eine solche Seele von einem Begriffe oder einem Gedanken zu dem anderen so kommt, wie man, wenn man einen menschlichen Organismus ansieht, von dem Auge zur Nase und zum Mund kommt und alles dieses als zusammengehörig betrachtet, wie es bei Hegel ist, wo alle Begriffe, die er fassen kann, sich zu einem großen Begriffsorganismus zusammenordnen. Das ist ein logischer Begriffsorganismus. Hegel war einfach imstande, alles, was in der Welt als Gedanke gefunden werden kann, aufzusuchen und aufzunehmen, Gedanken an Gedanken zu reihen und daraus einen Organismus zu machen: Logismus! Man kann den Logismus ausbilden so wie Hegel, im Sternbilde des Idealismus, kann ihn ausbilden so wie Fichte, im Sternbilde des Psychismus, und man kann ihn in anderen Geistes-Sternbildern ausbilden. Wiederum ist der Logismus etwas, was wie ein Planet durch die Tierkreisbilder durchgeht, was kreisförmig durch die zwölf Geistes-Tierkreisbilder geht.
8 [♂] Eine dritte Stimmung der Seele, die Weltanschauungen macht, können wir zum Beispiel bei Schopenhauer studieren. Während Hegels Seele, wenn er hinschaut auf die Welt, so gestimmt ist, daß zunächst in dieser Hegel-Seele alles, was in der Welt Begriff ist, als der Logismus sich ergibt, faßt Schopenhauer durch die besondere Stimmung seiner Seele alles das in der Seele auf, was willensartig ist. Für ihn sind die Naturkräfte Wille, die Härte des Steines ist Wille, alles, was Realität ist, ist Wille. Das kommt aus der besonderen Stimmung seiner Seele. Nun kann man eine solche Weltanschauung des Willens, solche Weltanschauungsstimmung des Willens wiederum wie einen Planeten betrachten, der durch alle zwölf Geistes-Tierkreisbilder geht. Ich will diese Weltanschauungsstimmung Voluntarismus nennen. Es ist die dritte Weltanschauungsstimmung. Schopenhauer war Voluntarist, und er war in seiner Seele vorzugsweise so konstituiert, daß er sich aussetzte dem Geistes-Sternbilde des Psychismus [PSC]. So entstand die eigentümliche Schopenhauersche Willensmetaphysik: Voluntarismus im Geistes-Sternbilde des Psychismus.
9 Nehmen Sie einmal an, es würde jemand Voluntarist sein und besonders hinneigen zu dem Geistes-Sternbilde des Monadismus [SGR]. Dann würde er nicht wie Schopenhauer so eine Einheitsseele, die eigentlich Wille ist, der Welt zugrunde legen, sondern er würde viele Monaden, die aber Willenswesen sind, der Welt zugrunde legen. Diese Welt des monadologischen Voluntarismus hat in schönster, scharfsinnigster und, ich möchte sagen, innigster Weise der österreichische Dichterphilosoph Hamerling ausgebildet. Wodurch ist die eigentümliche Lehre, die Sie in der «Atomistik des Willens» von Hamerling haben, zustande gekommen? Dadurch, daß seine Seele voluntaristisch gestimmt war und er sich vorzugsweise ausgesetzt hat dem Geistes-Sternbilde des Monadismus. Wenn wir Zeit hätten, könnten wir für jede Seelenstimmung in jedem Sternbilde Beispiele anführen. Sie finden sich in der Welt.
10 [☉] Eine besondere Seelenstimmung ist diese, welche nun gar nicht geneigt ist, viel nachzudenken oder nachzusinnen, ob nun hinter den Erscheinungen dieses oder jenes noch ist, wie es zum Beispiel die gnostische Stimmung tut oder wie es die logische oder die voluntaristische Stimmung tut, sondern die einfach sagt: Ich will das, was mir in der Welt entgegentritt, was sich mir zeigt, was sich mir äußerlich offenbart, meiner Weltanschauung eingliedern. Das kann man wieder auf allen Gebieten, das heißt durch alle Geistes-Sternbilder durch. Man kann es als Materialist machen, daß man nur das nimmt, was einem äußerlich entgegentritt; man kann es auch als Spiritualist machen. Man bemüht sich nicht, einen besonderen Zusammenhang hinter den Erscheinungen zu suchen, sondern man läßt die Dinge an sich herankommen und wartet, was sich einem darbietet. Solche Seelenstimmung kann man Empirismus nennen. Empirismus heißt eine Seelenstimmung, welche die Erfahrung, wie sie sich darbietet, einfach hinnimmt. Durch alle zwölf Geistes-Sternbilder hindurch kann man Empirist sein, Erfahrungsweltanschauungs-Mensch. Empirismus ist die vierte Seelenstimmung, die durch alle zwölf Geistes-Sternbilder durchgehen kann.
11 [♀] Ebenso kann man für die Weltanschauung eine solche Seelenstimmung entwickeln, welche sich nicht zufrieden gibt mit demjenigen, was die Erfahrung, die einem so entgegentritt, was das Erleben, dem man ausgesetzt ist, ergibt, wie das beim Empirismus der Fall ist; sondern man kann sich sagen, das heißt, man kann als eine innere Notwendigkeit durchfühlen die Seelenstimmung: Der Mensch ist in die Welt hereingestellt; in seiner eigenen Seele erlebt er etwas über die Welt, was er äußerlich nicht erleben kann. Da erst enthüllt die Welt ihre Geheimnisse. Man mag um sich herumschauen - man sieht nicht das, was die Welt an Geheimnissen enthält. - Solche Seelenstimmung kann oftmals sagen: Was hilft mir die Gnosis, die sich mit aller Mühe emporringt zu allerlei Schauungen? Die Dinge der äußeren Welt, über die man Schauungen hat, können einem doch nicht das Innere der Welt offenbaren. Was hilft mir der Logismus zu einer Weltanschauung? In dem Logismus drückt sich das Wesen der Welt nicht aus. Was hilft Spekulation über den Willen? Das bringt nur davon ab, in die Tiefen der eigenen Seele zu schauen. Und in diese Tiefen blickt man nicht, wenn die Seele will, sondern gerade dann, wenn sie hingebend, willenlos ist. - Also auch der Voluntarismus ist nicht die Seelenstimmung, die die Seele hier braucht, auch nicht der Empirismus, das bloße Hinschauen oder Hinhorchen auf das, was die Erfahrung, das Erleben gibt; sondern das innerliche Suchen, wenn die Seele ruhig geworden ist, wie der Gott in der Seele aufleuchtet. Sie merken, diese Seelenstimmung kann genannt werden die Mystik.
12 Mystiker kann man wieder durch alle zwölf Geistes-Sternbilder hindurch sein. Es wird gewiß nicht sonderlich günstig sein, wenn man Mystiker des Materialismus ist, das heißt, wenn man nicht das Geistige, das Spirituelle, sondern das Materielle innerlich erlebt. Denn Mystiker des Materialismus ist eigentlich der, welcher sich ein besonders feines Empfinden zum Beispiel für die Art des Befindens angeeignet hat, in das man kommt, wenn man den einen oder den anderen Stoff genießt. Es ist etwas anderes, wenn man, ich will sagen, den Saft der einen Pflanze genießt oder den einer anderen Pflanze und nun wartet, was dadurch im Organismus bewirkt wird. Man wächst also in seinem Erleben mit der Materie zusammen, wird Mystiker der Materie. Es kann sogar sein, daß das eine Aufgabe für das Leben werden kann, eine Aufgabe so für das Leben, daß man verfolgt, auf welche Art der eine oder der andere Stoff, der von dieser oder jener Pflanze kommt, besonders auf den Organismus wirkt; denn der eine wirkt besonders auf dieses, der andere besonders auf jenes Organ. Und so Mystiker des Materialismus sein ist eine Vorbedingung für die Untersuchung der einzelnen Stoffe hinsichtlich ihrer Heilkraft. Man merkt, was die Stoffe tun im Organismus. - Man kann Mystiker der Stoffwelt sein, man kann Mystiker des Idealismus sein. Ein gewöhnlicher Idealist oder ein gnostischer Idealist ist nicht Mystiker des Idealismus. Mystiker des Idealismus ist der, welcher vor allen Dingen in der eigenen Seele die Möglichkeit hat, aus im Innern verborgenen Quellen heraufzuholen die Ideale der Menschheit, sie als inneres Göttliches zu empfinden und als solches sich vor die Seele zu stellen. Ein Mystiker des Idealismus ist zum Beispiel der Meister Eckhart.
13 [☿] Nun kann die Seele so gestimmt sein, daß sie nicht das gewahr werden kann, was in ihrem Innern aufsteigt und was sich wie die eigentliche innere Lösung der Weltenrätsel ausnimmt, sondern eine Seele kann so gestimmt sein, daß sie sich sagt: Ja, in der Welt ist irgend etwas hinter allen Dingen, wie hinter meiner eigenen Wesenheit, soweit ich diese Wesenheit wahrnehme. Aber ich kann kein Mystiker sein. Der Mystiker glaubt, das fließt herein in seine Seele. Ich fühle es nicht in meine Seele hereinfließen; ich fühle nur, daß es da sein muß, draußen. - Man setzt in dieser Seelenstimmung voraus, daß außer unserer Seele und außer dem, was unsere Seele erfahren kann, das Wesen der Dinge steckt; aber man setzt nicht voraus, daß dieses Wesen der Dinge in die Seele selber hereinkommen kann, wie der Mystiker es voraussetzt. Wenn man voraussetzt, daß hinter allem noch etwas ist, das man nicht erreichen kann in der Wahrnehmung, dann ist man - das ist vielleicht das beste Wort dafür - Transzendentalist. Man nimmt an, daß das Wesen der Dinge transzendent ist, daß es nicht in die Seele hereinkommt, wie es der Mystiker annimmt. Also: Transzendentalismus. Die Stimmung des Transzendentalisten ist so, daß er das Gefühl hat: Wenn ich die Dinge wahrnehme, so kommt das Wesen der Dinge an mich heran; nur die Wahrnehmung selber ist nicht dieses Wesen. Das Wesen steckt dahinter, aber es kommt an den Menschen heran.
14 [☽] Es kann nun der Mensch mit seinen Wahrnehmungen, mit alledem, was seine Erkenntniskräfte sind, gleichsam noch mehr das Wesen der Dinge abschieben, als es der Transzendentalist tut. Man kann sagen: Für die menschliche äußere Erkenntniskraft ist das Wesen der Dinge überhaupt nicht erreichbar. Der Transzendentalist sagt: Wenn du mit deinem Auge Rot und Blau siehst, so ist das, was du als Rot und Blau siehst, nicht das Wesen der Dinge; aber dahinter steckt es. Du mußt deine Augen anwenden, dann dringst du bis an das Wesen der Dinge heran. Dahinter ist es. - Diese Seelenstimmung aber, die ich jetzt meine, will nicht im Transzendentalismus leben, sondern sie sagt: Man mag noch so sehr Rot oder Blau oder diesen oder jenen Ton erleben, das alles drückt nicht das Wesen der Dinge aus. Das ist erst dahinter verborgen. Da, wo ich wahrnehme, stößt gar nicht das Wesen der Dinge an. - Wer so spricht, der spricht ähnlich der Art, wie wir gewöhnlich sprechen, die wir durchaus auf dem Standpunkte stehen: In dem äußeren Sinnenschein, in der Maja, drückt sich nicht das Wesen der Dinge aus. Wir wären Transzendentalisten, wenn wir sagten: Um uns herum breitet sich die Welt aus, und diese Welt kündet überall an das Wesen. Das sind wir nicht, wenn wir sagen: Diese Welt ist Maja, und man muß auf eine andere Weise als durch das äußere Wahrnehmen der Sinne und die gewöhnlichen Erkenntnismittel das Innere der Dinge suchen, Okkultismus ist das, die Seelenstimmung des Okkultismus.
15 Man kann wiederum durch alle Geistes-Tierkreiszeichen hindurch Okkultist sein. Man kann durchaus Okkultist auch sogar des Materialismus sein. Ja, die vernünftigen Naturforscher der Gegenwart sind alle Okkultisten des Materialismus, denn sie reden von Atomen. Wenn sie aber nicht unvernünftig sind, wird es ihnen gar nicht einfallen, zu behaupten, daß man mit irgendeiner Methode an das Atom herankommen kann. Das Atom bleibt im Okkulten. Sie lieben es nur nicht, Okkultisten genannt zu werden, aber sie sind es im vollsten Sinne des Wortes.
16 Andere Weltanschauungsstimmungen als diese sieben, die ich hier aufgezeichnet habe, kann es im wesentlichen nicht geben, nur Übergänge von einer zur andern. So müssen wir also unterscheiden nicht nur zwölf verschiedene Weltanschauungsnuancen, die uns wie ruhend entgegentreten, sondern in jeder dieser Weltanschauungsnuancen ist eine ganz besondere Stimmung der Menschenseele möglich. Daraus ersehen Sie, wie ungeheuer mannigfaltig die Weltanschauungen der menschlichen Persönlichkeiten sein können. Man kann jede dieser sieben Weltanschauungsstimmungen besonders ausbilden, aber jede dieser Weltanschauungsstimmungen wieder einseitig in der einen oder anderen Nuance. Was ich hier aufgezeichnet habe, das ist tatsächlich auf dem Gebiete des Geistigen das Korrelat desjenigen, was äußerlich in der Welt das Verhältnis zwischen den Tierkreisbildern und den Planeten ist, wie wir es eben in der Geisteswissenschaft als die sieben bekannten Planeten oftmals angeführt haben, und man hat so ein Bild, gleichsam ein äußeres Bild, das wir nicht geschaffen haben, sondern das im Kosmos drinnensteht, für die Beziehungen unserer sieben Weltanschauungsstimmungen zu unseren zwölf Weltanschauungsnuancen. Und richtig wird man dieses Bild empfinden, wenn man es in der folgenden Weise empfindet.
17 Man beginne beim Idealismus, bezeichne diesen als das Geistes-Tierkreisbild des Widder, bezeichne in gleicher Weise den Rationalismus als Stier [TAU], den Mathematizismus als Zwillinge [GEM], den Materialismus als Krebs, den Sensualismus als Löwe [LEO], den Phänomenalismus als Jungfrau [VIR], den Realismus als Waage, den Dynamismus als Skorpion [SCO], den Monadismus als Schütze, den Spiritualismus als Steinbock, den Pneumatismus als Wassermann [AQR], den Psychismus als Fische. Die Beziehungen, die zwischen den einzelnen Tierkreisbildern in bezug auf das äußere Räumlich-Materielle bestehen, sind tatsächlich auf dem Gebiete des Geistes zwischen diesen Weltanschauungen vorhanden. Und was die einzelnen von uns bezeichneten Planeten bei ihrem Kreisen längs des Tierkreises für Verhältnisse eingehen, das entspricht den Verhältnissen, welche die sieben Weltanschauungsstimmungen eingehen, aber so, daß wir empfinden können die Gnosis als Saturn, den Logismus als Jupiter, den Voluntarismus als Mars, den Empirismus als Sonne, die Mystik als Venus, den Transzendentalismus als Merkur und den Okkultismus als Mond.
Berlin, 22.Jän.1914 ♃
aus «GA 151»; S.49ff
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