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Zitatensammlung
Teil 1
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Zitat von Rudolf STEINER zu den
WELTANSCHAUUNGSSTÖNEN
1 Es kommt allerdings noch eines dazu. Das ist, daß diese Weltanschauungen - es sind ihrer schon sehr viele Nuancen, wenn Sie sich alle Kombinationen suchen - noch dadurch modifiziert werden, daß sie alle einen ganz bestimmten Ton erhalten können. Aber auf diesem Gebiete des Tones haben wir nur dreierlei zu unterscheiden. Alle Weltanschauungen, alle Kombinationen, die auf diese Weise entstehen, können wieder in dreifacher Weise auftreten. Sie können erstens sein theistisch, so daß ich das, was in der Seele als Ton auftritt, zu benennen habe mit Theismus. Sie können so sein, daß wir im Gegensatz zum Theismus den betreffenden Seelenton zu nennen haben Intuitismus. Theismus entsteht, wenn der Mensch sich an alles Äußere hält, um seinen Gott zu finden, wenn er seinen Gott im Äußeren sucht. Der althebräische Monotheismus war vorzugsweise eine theistische Weltanschauung. Intuitismus entsteht, wenn der Mensch seine Weltanschauung vorzugsweise durch das sucht, was intuitiv in seinem Inneren aufleuchtet. Es gibt zu diesen beiden noch einen dritten Ton; das ist der Naturalismus.
2 Diese drei Seelentöne haben auch ein Abbild in der äußeren Welt des Kosmos, und zwar verhalten sie sich nun in der menschlichen Seele genauso wie Sonne, Mond und Erde, so daß der Theismus der Sonne entspricht - jetzt Sonne als Fixstern, nicht als Planet aufgefaßt -, daß der Intuitismus dem Mond entspricht und der Naturalismus der Erde. Derjenige - übersetzen Sie sich das einzelne, was hier als Sonne, Mond und Erde bezeichnet ist, ins Geistige -, welcher über die Erscheinungen der Welt hinausgeht und sagt: Wenn ich hinausschaue, so offenbart sich mir in alledem der Gott, der die Welt erfüllt, - der Erdenmensch, der sich aufrichtet, wenn er in die Sonnenstrahlen kommt, ist der Theist. Der Mensch, der nicht über die Naturvorgänge hinausgeht, sondern bei den einzelnen Erscheinungen stehenbleibt, so wie der, welcher nie seinen Blick zur Sonne hinauf richtet, sondern nur auf das sieht, was ihm die Sonne hervorbringt auf der Erde, der ist Naturalist. Der, welcher das Beste, was er in der Seele haben kann, aufsucht dadurch, daß er es in seinen Intuitionen aufgehen läßt, der ist wie der den Mond besingende und vom silbernen, milden Mondenglanz in seiner Seele angeregte intuitistische Dichter und läßt sich mit ihm vergleichen. Wie man mit der Phantasie das Mondenlicht in Zusammenhang bringen kann, so muß man okkult den Intuitisten, wie er hier gemeint ist, mit dem Monde in Beziehung bringen.
3 Endlich gibt es noch ein Viertes; das ist allerdings nur in einem einzigen Element vorhanden. Wenn der Mensch sich gewissermaßen in bezug auf alle Weltanschauung ganz nur an das hält, was er an oder um oder in sich selbst erfahren kann: das ist Anthropomorphismus.
4 Er entspricht der Erde, wenn man diese als solche betrachtet, abgesehen davon, ob sie von der Sonne, vom Mond oder anderem umgeben ist. Wie wir die Erde für sich allein betrachten können, so können wir auch in bezug auf Weltanschauungen auf nichts Rücksicht nehmen als auf das, was wir als Menschen in uns finden können. Dann wird der in der Welt so verbreitete Anthropomorphismus entstehen.
5 Geht man hinaus über das, was der Mensch ist, so wie man zur Erklärung der Erscheinung der Erde hinausgehen muß zu Sonne und Mond - was die gegenwärtige Wissenschaft nicht tut -, so kommt man dazu, dreierlei als nebeneinander berechtigt anerkennen zu müssen: Theismus, Intuitismus und Naturalismus. Denn nicht, daß man auf einem dieser Töne besteht, sondern daß man sie zusammenklingen läßt, entspricht dem, was die Wahrheit ist. Und wie unsere engere Körperlichkeit mit Sonne, Mond und Erde wieder hineingestellt ist in die sieben Planeten, so ist hineingestellt Anthropomorphismus als die trivialste Weltanschauung in das, was zusammenklingen kann aus Theismus, Intuitismus und Naturalismus, und dieses zusammen wieder in das, was zusammenklingen kann aus den sieben Seelenstimmungen. Und diese sieben Seelenstimmungen nuancieren sich nach den zwölf Zeichen des Tierkreises.
Berlin, 22.Jän.1914 ♃
aus «GA 151»; S.61ff