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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
GÜRTELBILDUNG im KOSMOS
1 So ist es auch in der Tat, wir können uns ursprünglich eine Art von Ei oder Kugel denken. Indem nun jene Kugel, die dem allerursprünglichsten Saturnzustand entspricht, sich dreht, bildet sich immer mehr und mehr das Folgende heraus. Es gliedert sich eine Art von Gürtel ab, der nicht um das ganze Ei ringsherum geht, sondern der wie eine Art breiten Bandes nur ist. Und innerhalb dieses Gürtels sammeln sich sozusagen die einzelnen Formen, die ringsherum gebildet sind. Diese Gürtelbildung ist ein ganz allgemeines kosmisches Gesetz. Unter anderem sehen sie das Gesetz, daß alles eigentlich aus einer Ansammlung längs einer Art von Äquator oder Gürtel beruht, in dem Kosmos ausgebildet, so weit Sie ihn überschauen können, denn diesem Gesetz verdankt die Milchstraße [Galaxis] ihr Dasein. Wenn Sie diese Milchstraße wie einen äußersten Gürtel ringsherum im Himmelsraum sehen und dazwischen spärlich die Sterne, so rührt das von dem Gesetz her, daß, sobald Umdrehung beginnt, sich die Dinge in einem Gürtel sammeln. Unser Weltensystem, wie wir es haben, hat eigentlich schon dadurch eine Art von Linsenform. Es ist nicht direkt kugelförmig gebildet, wie es angenommen wird, sondern linsenförmig, und am weiten Äquator ist der Gürtel angesammelt. Solch einen Gürtel müssen Sie sich auch bei der Entstehung eines Planeten denken. Wenn man also, trivial gesprochen, ein Ei nehmen würde und man wollte darauf die verschiedenen Zustände schematisch zeichnen, so müßte man zuerst das ganze Ei nehmen, dann müßte man auf dem Ei, mit einer roten Farbe etwa, einen solchen Gürtel malen. Nicht das ganze Ei dürfte man rot färben, sondern nur einen Gürtel. Längs dieses Gürtels sammeln sich die Körper, die ausersehen sind, den einen Weltenkörper zu bilden. An einer Stelle müßte man den Punkt hinzeichnen, wo sich alles sammelt.
2 So sehen wir, daß die Konfiguration, die Verteilung der Sterne, wie sie im Räume um uns herum ist, ein Ergebnis der geistigen Wesenheiten oder Hierarchien ist. Denn wenn wir sprechen vom Zusammenziehen der großen Masse, so müssen wir uns bewußt werden, daß dieses Zusammenziehen nicht von selbst geschieht, sondern durch die Wirkung derjenigen Wesenheiten, die als die Wesen der höheren Hierarchien von uns geschildert worden sind. Und wenn wir zusammenfassen, was wir geschildert haben, so müssen wir sagen: Während der alte Saturn sich bildete, während also zuerst jene gewaltige Feuermasse, aus der im Grunde genommen unser ganzes Sonnensystem entsprungen ist, sich gliederte zum alten Saturn, da machten die Geister der Persönlichkeit ihr Menschendasein durch; während der Sonnenbildung machten die Erzengel oder Feuergeister ihr Menschendasein durch; dann während der Mondenentwickelung die Engel, und auf der Erde macht der Mensch sein Menschendasein durch.
3 Dabei ist es aber doch so, daß dieser Mensch mit allem, was vorher geschehen ist, zu tun gehabt hat. Das, was wir heute physischen Leib nennen, hat seine erste Anlage während der allerersten Saturnbildung erhalten. Damals war dieser physische Leib noch nicht durchzogen von einem Ätherleib, noch nicht durchzogen von einem Astralleibe, aber er wurde damals schon so veranlagt, daß er nach den Umbildungen, die er später erfahren hat, der Träger unseres jetzigen geistigen Erdenmenschen hat werden können. Ganz langsam und allmählich ist dieser menschliche physische Leib veranlagt worden während der alten Saturnentwickelung, und indem sich der alte Saturn selber gebildet, herumgedreht hat längs der einzelnen Zeichen des Tierkreises [ὁ ζῳδιακός], ist in der Anlage Glied für Glied des Menschenleibes entstanden. Wie in der Zeit, als der Saturn unter dem Zeichen des Löwen [LEO] stand, wie da die Anlage zum Herzen entstanden ist, so ist die Anlage zum Brustpanzer entstanden, während der Saturn geweilt hat unter dem Zeichen des Krebses [CNC]. Die Anlage zur symmetrischen Bildung des Menschen, das heißt, daß er nach zwei Seiten gleichgestaltet ist, diese Anlage ist entstanden, während der Saturn unter dem Sternbild der Zwillinge [GEM] weilte. Und so könnten wir Stück für Stück des Menschenleibes verfolgen. Wenn wir aufblicken zum Tierkreis, da wo der Widder [ARI] steht, so können wir sagen: Die Anlage zu unserem Oberkopfteil ist entstanden, zum erstenmal uns eingegliedert worden, als der alte Saturn unter dem Zeichen des Widders stand. Die Anlage zu unserem Sprachorgan ist uns eingegliedert worden, als der Saturn unter dem Zeichen des Stieres [TAU] stand. Und wenn Sie sich jetzt den Menschen so aufgeteilt denken, so können Sie in dem Tierkreis draußen die schaffenden Kräfte für alle Menschenglieder erblicken.
4 Das hat man bildlich in den alten Mysterien so vorgestellt, daß man den Tierkreis auch so ähnlich hingezeichnet hat, wie er hier an der Decke des Saales ist. Wir sind ja zufällig, wie man sagt - es gibt aber keinen Zufall -, in einem Saale, der oben mit dem Tierkreis geschmückt ist. Man hat den Tierkreis früher nicht so aufgezeichnet, daß er in seine entsprechenden Tierformen auseinandergelegt war, sondern so, daß man die einzelnen Menschenglieder hinzugezeichnet hat zu den betreffenden Regionen: zum Widder den Kopf; weiter dasjenige, was die Gegend des Kehlkopfes ist, zum Stier; was am bedeutsamsten ausdrückt die Symmetrie, die beiden Arme, zu den Zwillingen; den Brustpanzer zum Krebs; das Herz zum Löwen; und so ist man weiter gegangen, bis man die unteren Teile der Beine zum Wassermann [AQR], die Füße zu den Fischen [PSC] gezeichnet hat. Also denken Sie sich einen solchen Tierkreis als Mensch in den Kosmos hineingezeichnet, dann haben Sie dasjenige, was aus dem Kosmos, das heißt aus den entsprechenden Kräften der Hierarchien der Throne, Seraphim, Cherubim heraus die ursprünglichen Anlagen schuf zum menschlichen physischen Leib. Das ist der große kosmische Mensch, der Mensch, der durch alle Weltensagen und Weltenmythen geht, aus dem der einzelne Mensch auf der Erde herausgebildet ist in den mannigfaltigsten Gestalten. Denken Sie an den Riesen Ymir, der ausgebreitet ist in dem großen Kosmos, denn der mikrokosmische Mensch wird aus dem Riesen gebildet. Sie haben ihn überall, den großen makrokosmischen Menschen, der da Schöpfer ist, der außen dasjenige enthält, was der Mensch in seinem Innern enthält. Denn es liegt eine tiefe Wahrheit solchen Darstellungen zugrunde, eine Wahrheit, die je nach dem hellseherischen Vermögen der Völker mehr oder weniger gebrochen zutage tritt. Und sie leuchtet Ihnen herein auch durch jene Weisheit, welche ihren äußeren Ausdruck gefunden hat im Alten Testament. Sie leuchtet herein in der Weisheit, die als althebräische Geheimlehre zurückgeht auf jene Geheimlehre, die dem Alten Testamente zugrunde liegt: im Adam Kadmon [אדם קדמן] der Kabbala. Der makrokosmische Mensch ist kein anderer als der Mensch, den wir jetzt in den Kosmos hineingezeichnet haben. Nur müssen wir uns in der richtigen Weise die Vorstellung davon bilden.
5 Was ich Ihnen jetzt entwickelt habe und was da gipfelt in der Lehre von dem makrokosmischen Menschen, das ist eine Lehre, welche in der Tat die tiefsten Weltgeheimnisse enthält, eine Lehre, die nach und nach einfließen wird in die allgemeine Menschheitsbildung. [Man ist heute noch weit davon entfernt, diese Lehre zu verstehen, denn wenn irgend jemand, der ein bloßer Gelehrter ist, diesen Vorträgen zugehört hätte, so hatte er dies Auditorium wahrscheinlich für etwas anderes als für eine gescheite Versammlung gehalten. Man ist heute sehr weit davon entfernt, diese Dinge zu verstehen. Aber wir stehen am Ausgangspunkt der Zeit, wo die Tatsachen, die gegen die phantastischen Theorien der heutigen Wissenschaft gefunden werden, die Menschen dahin drängen, den Weg zu suchen zu diesen großen Wahrheiten der Urweltweisheit.] Und niemals wird man früher in das Geheimnis zum Beispiel des sogenannten Befruchtungsvorganges, über den die Leute heute so kindisch spekulieren, eindringen, bevor man nicht wird fruchtbar machen können die Lehre vom makrokosmischen Menschen für den Befruchtungsvorgang. Gerade dasjenige, was sich als ein reales Mysterium abspielt und sich als ein reales Mysterium den Instrumenten und Werkzeugen am allermeisten entzieht, gerade das wird seine Beleuchtung erfahren als sozusagen der kleinste Punkt der Forschung. Denn wie klein ist die Zelle, innerhalb welcher sich die Befruchtung vollzieht, im Verhältnis zum Kosmos! Einzig und allein aber die Geheimnisse des großen Kosmos werden auflösen, was in der kleinsten Zelle vor sich geht. Nichts anderes kann die Geheimnisse der Vorgänge in der Zelle lösen. Gegenüber dem Problem der Befruchtung sind ja die Forschungen der äußeren Wissenschaft nicht nutzlos, sie haben ihr gewisses Verdienst, sie sind aber alle ein Kinderspiel gegenüber dem großen Mysterium, das da vorliegt und das nur dann gelöst werden kann, wenn man einsehen wird, wie die Antwort auf die Geschehnisse im Punkt, wie diese Antwort im Kreis, im Umkreis liegt. Daher sagte der alte Mysterienlehrer: Willst du den Punkt begreifen, dann erforsche den Umkreis, denn der enthält die Lösung. - Das ist es, worauf es ankommt: daß man erst den Punkt begreifen kann, wenn man den Umkreis begriffen hat.
Düsseldorf, 18.Apr.1909 ☉ am
aus «GA 110»; S.143ff
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