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Zitatensammlung
Teil 1
Betrachtung und Leitsätze von Rudolf STEINER zu
MICHAELS MISSION IM WELTENALTER DER MENSCHEN-FREIHEIT
1 Wenn man mit dem geistigen Erleben an Michaels Wirken in der Gegenwart herankommt, so findet man die Möglichkeit, sich geisteswissenschaftlich über das kosmische Wesen der Freiheit Licht zu verschaffen.
2 Dies bezieht sich nicht auf meine «Philosophie der Freiheit [GA 4]». Diese geht aus den rein-menschlichen Erkenntniskräften selbst hervor, wenn diese sich auf das Feld des Geistes begeben können. Man braucht dann, um zu erkennen, was hier erkannt wird, noch nicht ein Zusammengehen mit Wesen andrer Welten. Man kann aber sagen, die «Philosophie der Freiheit» bereitet dazu vor, über die Freiheit das zu erkennen, was dann im geistigen Zusammengehen mit Michael erfahren werden kann.
3 Und das ist das Folgende.
4 Soll Freiheit wirklich im menschlichen Handeln leben, so darf, was in ihrem Lichte vollzogen wird, in keiner Art von der menschlichen physischen und ätherischen Organisation abhängig sein. Das «Freie» kann sich nur aus dem «Ich» heraus vollziehen; und mit dem freien Wirken des «Ich» muß der Astralleib mitschwingen können, damit er es auf physischen und ätherischen Leib übertragen kann. - Dies ist aber nur die eine Seite der Sache. Die andere wird eben im Zusammenhange mit Michaels Mission durchsichtig. - Es darf, was in Freiheit vom Menschen erlebt wird, auch nicht in irgendeiner Art auf seinen ätherischen oder physischen Leib wirken. Geschähe dieses, so müsste der Mensch völlig aus dem herauskommen, was er in den Etappen seiner Entwickelung unter dem Einfluß der göttlich-geistigen Wesenheit und der göttlich-geistigen Offenbarung geworden ist.
5 Was der Mensch durch dasjenige erlebt, was nur göttlichgeistiges Werk in seiner Umgebung ist, darf nur auf sein Geistiges (sein Ich) einen Einfluß haben. Auf seine physische und ätherische Organisation kann nur Einfluß haben, was sich in der Entwickelungsströmung nicht in seiner Umgebung, sondern innerhalb seiner Wesenheit selbst von dem fortsetzt, das seinen Anfang in Wesenheit und Offenbarung des Göttlich-Geistigen gehabt hat. Das aber darf in der Menschen-Wesenheit gar nicht zusammenwirken mit dem, was in dem Elemente der Freiheit lebt.
6 Dies ist nur dadurch möglich, daß Michael aus urferner Vergangenheit der Entwickelung etwas herüberträgt, das den Menschen einen Zusammenhang mit dem Göttlich-Geistigen gibt, das in der Gegenwart nicht mehr in die physische und ätherische Bildung eingreift. Dadurch entwickelt sich innerhalb von Michaels Mission der Boden für einen Verkehr des Menschen mit der geistigen Welt, der gar nicht ins Naturhafte hinübergreift.
7 Es ist erhebend anzusehen, wie durch Michael des Menschen Wesenheit in die geistige Sphäre hinaufgehoben wird, während das Unbewußte, Unterbewußte, die sich unter der Sphäre der Freiheit entfalten, immer tiefer mit dem Materiellen zusammenwächst.
8 Des Menschen Stellung zum Weltwesen wird ihm fernerhin immer unverständlicher werden, wenn er sich nicht darauf einläßt, außer seinen Beziehungen zu Naturwesen und Naturvorgängen auch noch solche anzuerkennen wie die zur Michael-Mission. - Die Beziehungen zur Natur lernt man wie etwas kennen, das man von außen anschaut; diejenigen zur geistigen Welt gehen aus von etwas, das gewissermaßen ein inneres Gespräch mit einem Wesenhaften ist, zu dem man sich den Zugang dadurch eröffnet hat, daß man auf das geistgemäße Anschauen der Welt eingegangen ist.
9 Der Mensch muß also, um die Impulse der Freiheit darleben zu können, imstande sein, gewisse Naturwirkungen, die aus dem Kosmos herein die Wirkung auf sein Wesen nehmen, von diesem Wesen fernezuhalten. Diese Fernhaltung spielt sich im Unterbewußtsein dann ab, wenn im Bewußtsein die Kräfte walten, die eben das Leben des Ich in Freiheit darstellen. Für das menschliche innere Wahrnehmen ist das Bewußtsein des Wirkens in Freiheit da; für die geistigen Wesen, die aus andern Weltensphären mit dem Menschen in Verbindung stehen, ist das anders. Dem Wesen aus der Hierarchie der Angeloi, das mit der Fortführung des Menschenseins von Erdenleben zu Erdenleben zu tun hat, wird gegenüber dem menschlichen Handeln in Freiheit sofort dieses anschaulich: der Mensch stößt von sich kosmische Kräfte hinweg, die ihn weiterbilden wollen, die seiner Ich-Organisation die nötigen physischen Stützen geben wollen, wie sie sie ihr gegeben haben vor dem Michael-Zeitalter.
10 Michael erhält als Wesen aus der Hierarchie der Archangeloi seine Eindrücke mit Hilfe der Wesen aus der Angeloi-Hierarchie. Er widmet sich der Aufgabe, dem Menschen aus dem geistigen Teil des Kosmos auf die hier geschilderte Art Kräfte zuzuführen, die die aus dem Naturdasein unterdrückten ersetzen können.
11 Das erreicht er, indem er seine Wirksamkeit in den vollkommensten Einklang mit dem Mysterium von Golgatha bringt.
12 In der Wirksamkeit des Christus innerhalb der Erdenentwickelung liegen die Kräfte, die der Mensch im Wirken durch Freiheit zum Ausgleich unterdrückter Natur-Impulse braucht. - Nur muß der Mensch dann wirklich seine Seele in das innere Zusammenleben mit Christus bringen, von dem hier in diesen Mitteilungen über die Michael-Mission schon gesprochen ist.
13 Der Mensch weiß sich in einer Wirklichkeit, wenn er der physischen Sonne gegenübersteht und durch sie Wärme und Licht empfängt.
14 So muß er der geistigen Sonne, Christus, die ihr Dasein mit dem Erdendasein vereint hat, gegenüber leben und von ihr in der Seele das lebendig empfangen, was in der geistigen Welt der Wärme und dem Licht entspricht.
15 Er wird sich von der «geistigen Wärme» durchdrungen fühlen, wenn er den «Christus in sich» erlebt. Er wird sich in dieser Durchdringung erfühlend sagen: diese Wärme löst dein menschliches Wesen aus Banden des Kosmos, in denen es nicht bleiben darf. Das göttlich-geistige Sein der Urzeit mußte dich zur Erringung der Freiheit in Regionen führen, in denen es nicht bei dir bleiben konnte, in denen es aber dir den Christus gegeben hat, daß seine Kräfte dir als freiem Menschen verleihen, was das göttlich-geistige Sein der Urzeit dir einstmals auf dem Naturwege gegeben hat, der damals zugleich der Geistesweg war. Zu dem Göttlichen, aus dem du stammest, führt dich diese Wärme wieder zurück.
16 Und in diesem Erfühlen wird im Menschen in inniger Seelenwärme zusammenwachsen das Erleben in und mit dem Christus und das Erleben echten und wahren Menschentums. «Christus gibt mir mein Menschenwesen», das wird als Grundgefühl die Seele durchwehen und durchwellen. Und ist erst dieses Gefühl vorhanden, so kommt auch das andere, in dem der Mensch durch Christus sich hinausgehoben fühlt über das bloße Erdensein, indem er sich mit der Sternen-Umgebung der Erde eins fühlt und mit allem, was in dieser Sternen-Umgebung zu erkennen ist als Göttlich-Geistiges.
17 Und so mit dem geistigen Lichte. Der Mensch kann sich in seiner Menschenwesenheit voll erfühlen, indem er sich als freie Individualität gewahr wird. Aber eine Verfinsterung ist damit doch verbunden. Das Göttlich-Geistige der Urzeit leuchtet nicht mehr. Im Lichte, das der Christus dem Menschen-Ich bringt, ist das Urlicht wieder da. Es kann in solchem Zusammenleben mit dem Christus der beseligende Gedanke sonnenhaft die ganze Seele durchglänzen: Das uralt-herrliche göttliche Licht ist wieder da; es leuchtet, obwohl sein Leuchten kein naturhaftes ist. Und der Mensch vereinigt sich in der Gegenwart mit den geistigen kosmischen Leuchtekräften der Vergangenheit, in der er noch nicht eine freie Individualität war. Und er kann in diesem Lichte die Wege finden, die seine Menschenwesenheit recht führen, wenn er sich verständnisvoll in seiner Seele mit der Michael-Mission verbindet.
18 Dann wird der Mensch in der Geist-Wärme den Impuls fühlen, der ihn in seine kosmische Zukunft so hinüberträgt, daß er in dieser treu bleiben kann den Ur-Gaben seiner göttlich-geistigen Wesenheit, trotzdem er sich in deren Welten zur freien Individualität entwickelt hat. Und er wird in dem Geistes-Lichte die Kraft empfinden, die ihn wahrnehmend mit immer höherem und weiterem Bewußtsein der Welt zuführt, in der er sich als freier Mensch mit den Göttern seines Ursprungs wiederfindet.
19 In dem ursprünglichen Sein verharren, die ursprüngliche, naive, im Menschen waltende Götter-Güte beibehalten wollen und vor dem vollen Gebrauche der Freiheit zurückbeben, führt den Menschen in dieser Welt der Gegenwart, in der alles auf die Entwickelung seiner Freiheit veranlagt ist, doch zu Luzifer, der die gegenwärtige Welt verleugnet wissen will.
20 Sich dem gegenwärtigen Sein übergeben, die jetzt dem Intellekt erreichbare Welten-Natürlichkeit, die gegen Güte sich neutral verhält, allein walten lassen wollen und den Gebrauch der Freiheit nur im Intellekt erleben wollen, das führt den Menschen in dieser Welt der Gegenwart, in der die Entwickelung in tieferen Seelenregionen fortgesetzt werden muß, da in oberen die Freiheit waltet, doch zu Ahriman, der die gegenwärtige Welt ganz in einen Kosmos des intellektuellen Wesens umgewandelt wissen will.
21 In solchen Regionen, in denen der Mensch den Blick nach der Außenwelt geistig auf Michael, den Blick nach dem Innern der Seele geistig auf Christus fallen fühlt, gedeiht jene Seelen- und Geistessicherheit, durch die er denjenigen kosmischen Weg zu gehen vermögen wird, auf dem er ohne Verlust seines Ursprungs seine rechte Zukunfts-Vollendung finden wird.
Goetheanum, 9.Nov.1924 ☉
Weitere Leitsätze, die für die Anthroposophische Gesellschaft
vom Goetheanum ausgegeben werden
(Mit Bezug auf die vorangehende Darstellung
von Michaels Mission im Weltenalter der Menschen-Freiheit)
118. Eine freie Handlung kann nur diejenige sein, bei der kein Naturgeschehen in oder außer dem Menschen mitwirkt.
119. Dem steht als der polarische Gegensatz gegenüber, daß im freien Wirken der Menschen-Individualität in dieser ein Naturgeschehen unterdrückt wird, das bei unfreiem Handeln da wäre und dem Menschenwesen seine ihm kosmisch vorbestimmte Gestaltung gäbe.
120. Diese Gestaltung, die dem Menschen, der in seinem Wesen mit dem gegenwärtigen und zukünftigen Welten-Entwickelungs-Stadium mitlebt, nicht auf naturgemäßem Wege zukommt, kommt ihm auf geistgemäßem zu durch das Sich-Verbinden mit Michael, wodurch er auch den Weg zu Christus findet.
Goetheanum, 16.Nov.1924 ☉
aus «Anthroposophische Leitsätze»; S.107ff