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| Text zum Neudenken: |
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| Wandlung der ma'at | ||
| 1 Der Pharao ist die Inkarnation der ma'at, was mit „Wahrheit” übersetzt wird, in seiner allgemeinen Bedeutung aber „die gute Ordnung”, also auch „Recht” und „Gerechtigkeit” bezeichnet. Die ma'at gehört zur Urschöpfung; sie spiegelt also die Vollkommenheit des goldenen Zeitalters [a] wider. Als Grundlage des Kosmos und des Lebens kann ma'at von jedem einzelnen erkannt werden.[b] In Texten unterschiedlicher Herkunft und Epochen finden sich folgende Aussagen: „Neige dein Herz, daß du die ma'at erkennst”, „Ich veranlasse, daß du die Sache der ma'at erkennst in deinem Herzen; mögest du tun, was richtig ist für dich!”, oder „Ich war einer, der die ma'at liebte und die Sünde haßte. Denn ich wußte, daß sie (die Sünde) der Abscheu Gottes ist.” Tatsächlich ist es Gott [besser: das Göttliche], der [das] die lebensnotwendige Erkenntnis gewährt. Ein Fürst wird bezeichnet als einer, „der die Wahrheit (ma'at) kennt, den der Gott belehrt hat.” Der Verfasser eines Gebetes an Re ruft aus: „Mögest du ma'at meinem Herzen mitteilen!"²° | ||
| _______ ²° Text übersetzt von S. Morenz, [Ägyptische Religion (Stuttgart 1960)] a.a.O. 130-132. |
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| Mircea Eliade | ||
| aus «Geschichte der religiösen Ideen - Band 1»; S.93 | ||
| 2a [...] Denn mit Ma'at meint der [Alt-]Ägypter nicht einen utopischen Heilszustand, sondern eine Ordnung, ohne die die Welt gar nicht bewohnbar und ein friedliches Zusammenleben unmöglich ist. Einen kontrapräsentischen [c] Charakter gewinnt die Ma'at-Konzeption erst in der Spätzeit. Jetzt bezeichnet sie nicht mehr die schlichte, von jedem König selbstverständlich zu gewährleistende Normalität des status quo, sondern ein „Goldenes Zeitalter”, in dem „ die Mauern nicht einfielen und die Dornen nicht stachen” [...] | ||
| S.82 | ||
| 2b [...] Die Ägypter haben mit ihrem Begriff Ma'at vor allem den Aspekt der durch Solidarität aufrechterhaltenen Ordnung hervorgehoben; [...] | ||
| S.233f | ||
| 1c [...] Nach klassisch-ägyptischer Auffassung war der Staat ein Heilsinstitut, das mit der Verwirklichung der „Ma'at” (Ordnung-Wahrheit-Gerechtigkeit) zugleich die Welt in Gang hielt und dem Einzelnen die Aussicht auf ein Leben nach dem Tode garantierte. Diese Idee einer heilswirksamen Inganghaltung verlagert sich jetzt einseitig in die Tempel.[d] Zwar wird ein beachtliches Ausmaß an Literatur aufgeboten, um das mit den Riten verbundene Wissen zu sichern, aber den Kern der konnektiven [e] Struktur der spätägyptischen Kultur bilden doch die Riten. Was in den Tempeln vergegenwärtigt wird, trägt durchaus die Züge einer kontrapräsentischen Erinnerung. Dazu gehört die Vorstellung einer Goldenen Urzeit, in der die „Ma'at” noch auf Erden herrschte, die Dornen nicht stachen und die Mauern nicht einfielen. Diese Zeit ist unwiederbringlich vergangen, aber man kann sie noch erinnern, indem man den gestorbenen Göttern, die in ihr gelebt haben, einen Totenkult darbringt und indem man die auf Erden nicht mehr heimische „Ma'at” in den heiligen Riten vergegenwärtigt. | ||
| S.293f | ||
| Jan Assmann | ||
| aus «Das kulturelle Gedächtis» | ||
| Unsere Anmerkungen | ||
| a] vgl. R.Steiner zu den Jugas | ||
| b] Ähnliches gilt für die rigvedische rita, einem übergöttlichen Prinzip, an das alle himmlischen und irdischen Wesen gebunden seien und an dem sie sich moralisch orientierten. Heute kommt rita im Hinduismus nicht mehr vor; vielmehr geht es nun um dharma (~ Gesetzmässigkeit; Lehre, Recht, Sitte), das Entwürfe wie Karma und Kasten bietet, die der altindischen Vorstellung fremd waren. Im Urpersertum galt ascha als Quell der wahren Ordnung, der stetig dem Ahura mazda entfliesse. | ||
| c] gegen die Gegenwart gerichteten | ||
| d] und damit in die Hände der Priesterschaft | ||
| e] Verbindlichkeit schaffenden | ||
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| red. 8.II.2026 - WfGW, 1090 Wien / AT | ||
| https://wfgw.diemorgengab.at/tzn202602.htm | ||