| zur Übersicht | ||
| Text zum Neudenken: |
||
| Der Pfad der Empathie | ||
| 1 Um bewusst zu werden, muss sich das empathische Erlebnis in ein Bilderlebnis verwandeln,[a] aber in ein Bilderlebnis, das seinen Wahrheitsgehalt nicht verliert. Das heißt, dass die Bilder, welche hier zu erreichen sind, imaginativen [b] Charakter haben müssen. | ||
| [...] | ||
| 2 Die erste Stufe dieses Stufengangs ist die rein empathische. Da wendet sich der Mensch aus innerster [Licht- und] Liebeskraft seinem Mitmenschen zu oder, aus der anderen Perspektive, weitet sich, sodass der Mitmensch in seinem Seelenraum Platz finden kann.[c] | ||
| 3 Dadurch wird es ihm in der zweiten Stufe des Prozesses möglich, das Innere des Mitmenschen im Schlaf- oder Traumbewusstsein wahrzunehmen oder zu erkennen oder, anders gesehen, der Mitmensch wird zu einem Geisteskind im Seelenschoß seines Mitmenschen. | ||
| 4 In der dritten Stufe des Prozesses wird der Mensch aus dem Inneren des Mitmenschen ausgestoßen und muss zu sich selbst zurückkehren, wodurch ein Echo [eine Resonanz] ausgelöst wird, in dem das schlafend oder träumend Erlebte in das Bewusstsein einzutreten beginnt. Anders gesehen: Die Wehen der Geburt des Geisteskindes haben eingesetzt. | ||
| 5 So beginnen sich in der dritten Stufe die Umrisse des Nachbilds abzuzeichnen, um in der vierten Stufe immer mehr und mehr in das Bewusstsein einzutreten. Das zunächst vorbeihuschende Nachbild wird von der Seele völlig erfasst und kann gelesen [dh. geschaut] werden, das Geisteskind wächst auf und zeigt, wer es ist. | ||
| 6 Dieser Prozess ist in seiner Vierstufigkeit ein Urprozess und Sanktum des Menschenwesens. Der Musiker wird in ihm das Wesen der viersätzigen Symphonie wiedererkennen. Er wird erleben, was das Lied von der Erde und das Lied von dem Menschen in seiner tiefsten Wahrheitsgestalt ist. | ||
| 7 Der dem [christengemeinschaftlichen] Kultus verbundene Mensch aber wird wahrnehmen können, wie er auf der ersten Stufe des Prozesses vor dem wahren Wesen des Mitmenschen aufsteht [also sich aufrichtet], das sich ihm verkündet, vor dem Christus in ihm.[d] Er wird verstehen, wie er auf der zweiten Stufe des Prozesses alles Selbstbezogene opfern muss, sodass er ihm und ihm er zur Heimstätte werden kann. Auf der dritten Stufe aber wird er erblicken, wie sich da eine Wandlung anbahnt. Da darf er in dem Mitmenschen und der Mitmensch in ihm durch eine Wandlung gehen, sodass in der vierten Stufe er mit dem Mitmenschen und der Mitmensch mit ihm wahrhaft kommunizieren kann. | ||
| 8 Auf diese Weise darf der Mensch Schritt für Schritt in den Menschentempel [e] eintreten und so erfahren, wer er [selbst] und wer sein Mitmensch in Wahrhaftigkeit ist. | ||
| 9 Es wird verständlich sein, dass das eben Beschriebene heutzutage nur in allererster Anfänglichkeit erreichbar ist. Aber dieser Pfad hat sich im 20. Jahrhundert der Menschheit geöffnet.[f] Er kann nun beschritten werden und er hat sich insbesondere seit den fünfziger Jahren einer Jahr für Jahr wachsenden Menschenschar geöffnet. Menschen jeder Rasse, jeder Nation, jeder Religion, jedes Standes und jeder Bildung können ihn beschreiten. | ||
| Baruch Luke Urieli | ||
| aus «Empathie»; S.81f | ||
| Unsere Anmerkungen | ||
| a] also aus der Empfindungsebene in die des Gefühls erheben | ||
| b] siehe Mbl-B.33a | ||
| c] Erweitert gilt dies für jegliches Lebewesen (etwa Mit-Tiere und -Pflanzen), aber auch für belebte Landschaften oder grössere geographische Lebensräume. | ||
| d] vgl. Gal.2,20 | ||
| e] vgl. E.Bock zum Tempel | ||
| f] siehe Mbl.28 | ||
| nach oben oder zur Übersicht | ||
| red. 7.XII.2025 - WfGW, 1090 Wien / AT | ||
| https://wfgw.diemorgengab.at/tzn202512.htm | ||