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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Emil BOCK zum
SALOMONISCHEN TEMPEL
1 »Es gibt nur einen Tempel in der Welt, und das ist der menschliche Körper. Nichts ist heiliger als seine hohe Gestalt. Das Bücken vor Menschen ist eine Huldigung vor dieser Offenbarung im Fleisch. Man berührt den Himmel, wenn man einen Menschenleib betastet.« Mit diesen Worten deutet Novalis auf das Tempelgeheimnis des menschlichen Leibes, auf das Leib-Mysterium jedes wahren Tempels hin. Auch in dem Mahnworte, das Paulus an die Korinther richtet, klingt dieser Zusammenhang an: »Wißt ihr, daß euer Leib ein Tempel [ὁ νάος ho náos] des Heiligen Geistes ist?« (1. Kor. 6, 19).
2 Ein heiligstes Urbild, höchsten Göttersphären angehörig, fand eine irdisch-sichtbare Verwirklichung, als die Schöpfermächte der Welt dem Menschen seinen Erdenleib [Erdanzug] erschufen. Gerade durch seine Leiblichkeit gab die Gottheit dem Menschen das Geheimnis der Geist-Ebenbildlichkeit mit auf den Weg. Wenn dann Menschen im Gange der Jahrtausende Tempel bauten, ihren Göttern zur irdischen Behausung, so tasteten sie dabei, der Geistesart ihrer Völker entsprechend, nach dem gleichen himmlischen Urbilde, aus dem auch der Menschenleib seine Gestaltgeheimnisse, seine Proportionen [a] und Harmonien hat. Was uns die Geschichte der alten Architekturen zeigt, ist eine Reihe von Formen, in die durch hellseherische Kraft oder durch künstlerischen Instinkt das göttliche Urbild hinein geheimnißt worden ist, das dem menschlichen Leib-Erfühlen ursprünglich zugrunde lag und immer bewußter vorschweben soll.
3 Ein Tempel° aber hebt sich, wie ein Geschichtsmittelpunkt, aus allen anderen Tempeln heraus, die von Menschen gebaut worden sind: der salomon°ische Tempel in Jerusalem°. In ihm symbolisierten die, die ihn bauten, nicht nur das allen Menschen gemeinsame gottesebenbildliche Schöpfungsurbild. Er war zugleich die Vorahnung einer neuen zukünftigen Urbildlichkeit, indem er das klassische Gleichnis für die besondere messianische Aufgabe Israels° war. Bevor aus der leiblichen Vererbungsströmung des Volkes jener eine Leib geboren werden konnte, der, indem er das messianische Gotteswesen in sich aufnahm, in einem ganz besonderen, einmaligen Sinne ein Tempel Gottes werden sollte, wurde aus Holz und Stein und Erz und Gold auf dem Felsenhügel von Jerusalem ein in Architektur übersetztes Bild der messianisch göttlich-menschlichen Leiblichkeit geschaffen. Eine architektonisch-symbolische Vorstufe des Messiasleibes war der Tempel Salomos. Er spiegelte das Herankommen der Christuswesenheit an die Sphäre der irdischen Inkarnation wider und ließ von ferne den Glanz der neuen Geistleiblichkeit ahnen, die durch die Christuswesenheit dem Menschenwesen eingepflanzt werden sollte.
4 Als bildhafte architektonische Messiasprophetie hatte der salomonische Tempel selber Vorstufen gehabt in der Arche Noah° und in der von Moses° erbauten Stiftshütte [Stiftszelt°].
5 Die Arche, deren Beschreibungen noch mehr ein mythisches Bild als eine physische Tatsache meinen, senkte sich mit den Gewässern der großen Flut aus Wolkenhöhen hernieder und erreichte den festen Grund des Irdischen auf hohem Bergesgipfel. So steigt jede Menschenwesenheit bei der Geburt aus den übersinnlichen Welten zur Verkörperung hernieder, und so ist auch die Menschheit im ganzen mit der Erde aus dem Vorphysischen in die dichte Erdenleiblichkeit heruntergestiegen. Die Arche, die erste Vorstufe des Tempels, zeigt also das Leibgeheimnis im Zeichen des Urbeginnes und der Geburt.
6 Die Stiftshütte, nicht mehr eine mythische, sondern eine historische Tatsache, wurde während der Wanderung durch die Wüste gebaut und dem Volke vorangetragen, umtost und umlodert von dem Rauch und Feuer und Sturm der Erdentiefen. Sie zeigt das Leibgeheimnis im Zeichen der prüfungsreichen Schicksalswege auf Erden.
7 Zuletzt fand die Stiftshütte ihren Ort auf der heiligen Gibeon-Höhe Mizpa°, bis sie dann abgelöst wurde von dem Tempelbau, den Salomo auf dem höchsten Punkt der Felsenfläche Morija° errichtete. Das Werden des Tempels führte vom Gipfel des Berges in die Tiefen der Wüste und wieder auf die Bergeshöhe empor. Der salomonische Tempel zeigt also das Leibgeheimnis im Zeichen der zukünftigen Gottesnähe und Erlösung. Salomo, dessen historische Gestalt innerhalb des Messias-Volkes ein Aufleuchten des zukünftigen vollen Menschenbildes bedeutete, hatte durch den Tempelbau auch ein prophetisches Bild für die zukünftige Tempelvollkommenheit des Menschenleibes zu stiften.
aus «Könige und Propheten»; S.136ff
° zu den entsprechenden hebräischen Begriffen siehe Deutsch-Hebräisch
a] vgl. »TzN Jän.2006«