zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
MENSCHEN ZWISCHEN LUZIFER und AHRIMAN
1 Der Mensch steht ja in der Mitte zwischen dem Reich der Angeloi und dem Reich der Tiere. Seine äußere physische Form war in älteren Zeiten sehr tierähnlich, aber sie war doch beseelt von demjenigen, was ich Ihnen eben jetzt geschildert habe. Ohne irgendeine Ahnung von dem, was auf diesem Gebiete wahr ist, stöbern heute die Geologen, die Paläontologen menschliche Reste aus alten Zeiten auf mit zurückfliehender Stirne, tierähnliche Menschengestalten, und glauben, damit den Menschen an das Tier heranzubringen. Der äußeren physischen Gestalt nach ist das durchaus berechtigt, aber zu je tierischeren Formen wir in der alten Zeit zurückkommen, um so mehr sind diese tierischen Formen durchseelt von uralter Weisheit. Und wenn man diese tierähnlichen Formen vor ein paar Jahren in gewissen Gegenden Europas ausgrub und nun mit heutiger Geologie und Paläontologie nur zu sagen weiß: Das sind Menschen mit einem niedrigen Schädel, mit zurückfliehender Stirn, mit vortretenden Augenbrauen, Augenhöhlen - muß man sagen, wenn man die Wahrheit kennt auf diesem Gebiete: Dieser Mensch, der heute vielleicht so tierähnlich aussieht, der dem äußeren Paläontologen wie ein höher entwickelter Affe erscheint, der war aber voll durchseelt von uralter Weisheit, die eben ein anderes Wesen in ihm hatte. Er nahm nur teil daran.
2 So kann man sagen: Den Menschen erfüllt in alten Zeiten ein Übermenschliches. Er wächst dem immer mehr und mehr entgegen, indem er sich von tierähnlichen Formen heraufentwickelt, bis er eine Art von Übertier wird, das die verschiedenen tierischen Gestalten zusammenfaßt. In diesem Übertier kann sich nun ein Wesen ganz anderer Art als es die gewöhnlichen Engelwesen sind, einleben, ein ahrimanisches Wesen. Und gerade in derselben Zeit, in der zur Tradition abglimmt das Wesen der uralten Weisheit, in der Zeit wird immer mehr und mehr dieser Mensch mächtig, der nun an seine tierische Organisation heranzieht das Verstandeswesen. Und so sehen wir, wie vom 8. vorchristlichen Jahrhundert ab der Mensch zunächst langsam, dann immer weiter und weiter sich heraufentwickelt, indem aus seinem Inneren heraufsprießt eine Art von Übertierwesen, das ahrimanischer Art ist, und das ihn jetzt auch von der anderen Seite her durchseelt.
3 Dieses Wesen, das sich im Menschen gewissermaßen mit dem luziferischen Wesen trifft, dieses Wesen ist, ich möchte sagen, das andere, das den Menschen von seiner reinen Bahn abzubringen trachtet. Man könnte sagen, die luziferischen Wesen sind Zorneswesen, die den Menschen beseelen, aber um ihn eigentlich auf der Erde nicht froh werden zu lassen und ihn immer von der Erde wegzuziehen, um ihn gewissermaßen immerfort ins Übermenschliche hinaufzuziehen. Sie möchten ihn viel mehr als einen Engel haben, der nicht in die niederen Funktionen des physischen Organismus verfällt. Die luziferischen Wesen haben einen argen Zorn auf den auf zwei Beinen auf der Erde herumgehenden Menschen, der mit der Erde durch seine niederen Funktionen verbunden ist; alles Tierischen möchten diese Wesenheiten den Menschen entkleiden, und sie möchten ihn zum Beispiel jetzt in dieser Epoche seines Daseins nicht gern wiederum herunterlassen zur physischen Verkörperung, sie mochten ihn oben erhalten in dem Leben, das zwischen Tod und neuer Geburt verfließt. Dagegen möchte man die anderen, die ahrimanischen Wesenheiten, Schmerzenswesen nennen. Denn eigentlich streben sie nach der menschlichen Gestaltung hin, können sie aber für sich nicht erreichen. Es ist ein furchtbarer Schmerz, den im Grunde genommen diese ahrimanischen Wesen durchmachen. Es ist so, wie wenn das Tier in sich dunkel fühlen würde: Du solltest dich aufrichten, du solltest ein Mensch sein - wie wenn es alles in sich zerreißen mochte. Diesen furchtbaren Schmerz, ihn fühlen eigentlich die ahrimanischen Wesen. Und er kann ihnen nur gelindert werden, wenn sie herankommen an den Menschen und den Verstand erfassen. Da kühlt der Verstand diesen Schmerz ab. Daher verbeißen sie sich in den menschlichen Verstand, krallen sich gewissermaßen mit ihrem ganzen Wesen in ihn ein, knochen sich ein. Das ahrimanische Wesen hat so etwas wie das sich schmerzvoll« Durchdringen mit dem menschlichen Verstand. Es möchte sich das ahrimanische Wesen mit dem Menschen vereinen, um zu Verstand zu kommen.
4 Es ist also der Mensch der Kampfplatz zwischen dem Luziferischen und dem Ahrimanischen. Es ist so, daß man sagen kann: Das Luziferische hat die Hand im Spiele bei allem Künstlerischen, bei allem Abstrakt-Theologischen. Das Ahrimanische, das ist etwas wie aus der materiellen Welt Heraufkommendes, durch das Tierreich Durchgegangenes, das schmerzvoll hinstrebt nach dem Menschen, das den Verstand ergreifen will, das aber zurückgestoßen wird im Menschen von dem übermenschlichen Wesen, das immer zurückprallt, aber sich mitnehmen möchte den Verstand. Es ist etwas, was immer wieder und wieder in den Menschen herein will und den Menschen halten möchte beim bloßen Verstande, ihn nicht hinaufkommen lassen möchte bis zur Imagination, Inspiration, weil es das Menschenwesen zur Linderung seiner Qual bei sich behalten mochte.
5 Alles das, was in der Menschheit sich seit der neueren ahrimanischen Zeit gebildet hat, vorzugsweise als materialistische Wissenschaft, als Wissenschaft, die von diesem sich im Menschen abkühlenden Schmerz des materiellen Daseins kommt, das ist ahrimanischer Natur. Und wir sehen die materialistische Wissenschaft heraufkommen. Der Mensch bildet sie aus. Indem der Mensch sie in sich hegt, verbindet sich Ahriman in ihm mit seiner Wissenschaft. Und so wie insbesondere Luzifer seine Hand im Spiele hat bei dem Künstlerischen, so hat Ahriman seine Hand im Spiele bei dem Ausbilden des Mechanischen, Technischen, dessen, was den Verstand wegziehen möchte vom Menschen, was ihn in die Maschine, sei es in das mechanische Werkzeug, sei es in die Maschinerie des Staatswesens [a] hineinziehen möchte. Nur dadurch ist im wesentlichen möglich geworden, was da in der neueren Menschheit lebt, was da heraufgezogen ist insbesondere seit der Renaissancezeit. Man möchte sagen: Während der Renaissancezeit ist das luziferische Wirken in eine Art von Sackgasse gekommen; das ahrimanische Wirken, das hat sich jenseits der Wand dieser Sackgasse dann angesetzt. Und wir sehen das ganze Treiben, welches seit der Renaissancezeit da ist; das Hintreiben nach Mechanismus, nach geistloser Wissenschaft, sehen wir mit dem ahrimanischen Charakter ablaufen.
6 Das einzige nun, was möglich ist hineinzubringen in das, was seit der Renaissancezeit heraufgezogen ist, ist die Christus-Auffassung. Was in der neueren Zeit als materialistische Wissenschaft, als industrielle Technik heraufgezogen ist, ist durchaus ahrimanischer Natur, würde, wenn es sich verbreiten könnte ohne Christus-Auffassung, den Menschen an die Erde fesseln. Der Mensch würde nicht hinaufkommen zum Jupiterdasein. Bringen wir aber die Christus-Auffassung, bringen wir ein neues geistiges Leben, bringen wir neuerdings Imagination, Inspiration, Intuition in dasjenige, was nur Erkenntnis der äußeren Welt ist, dann erlösen wir das ahrimanische Wesen. Wie diese Erlösung bildhaft vorgestellt werden kann, ich habe es ja in meinen Mysteriendramen von den mannigfaltigsten Seiten aus dargestellt. Aber es würde ein Überwinden des Menschen durch Ahriman sein, wenn die Christus-Auffassung nicht als eine wirklich durchgeistigte Auffassung, enttheologisiert, sich weiter gestalten könnte. Die materialistische Wissenschaft, der äußere industrielle Mechanismus würden den Menschen dem Erdentod überliefern, das heißt, eine ganz andere Welt zimmern, in der der Mensch mehr oder weniger wie ein Petrifikat fortleben würde zur Erbauung der ahrimanischen Wesenheiten, wenn nicht die Christus-Auffassung das moderne materialistische, das moderne mechanische Wesen wiederum in geistiger Art durchziehen würde.
Dornach, 23.Okt.1921 ☉
aus «GA 208»; S.54ff
a] vgl. J.Ortega y Gasset zum Mechanischen Staat