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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate von Rudolf STEINER zur
WELTENMITTERNACHT
1a Von diesem Zeitpunkt an kann nun nichts mehr, weder das Christus-Prinzip noch das Luzifer-Prinzip, unser Bewußtsein aufrechterhalten,[a] sondern es tritt unter allen Umständen - wenn nicht im Leben vorher eine Initiation eingetreten ist - eine Herabdämmerung des Bewußtseins ein. Ein gewisser geistiger Schlaf beginnt, der notwendig ist für das menschliche Leben, nachdem bis zu diesem Zeitpunkt eine Art Bewußtsein vorhanden war, das aufrechterhalten wurde durch die geschilderten Verhältnisse. Dieser geistige Schlaf ist aber nun mit etwas anderem verbunden. Dadurch, daß der Mensch nichts mehr fühlen kann, nichts mehr sich vorstellen kann, können alle kosmischen Einflüsse unmittelbar auf ihn wirken, mit Ausnahme desjenigen des Sonnensystems. Denken Sie sich das ganze Sonnensystem ausgeschaltet und nur das allein vorhanden, was außer ihm da ist, dann haben Sie die Wirkungen, die jetzt eintreten. Und da kommen wir an den Punkt, von welchem gestern die Ausführungen ausgegangen sind.
S.29f
1b Nun besteht aber das kosmische Gesetz, daß dieser Weltenschlaf die Zeit kürzt, die wir im Kosmos nach dem Tode verbringen: derjenige, der früher in den Zustand der Unbewußtheit hineinkommt, der durchlebt sie schneller, die Zeit vergeht für ihn in schnellerem Tempo, sie ist kürzer als für den, der sein Bewußtsein weiter hinaus erweitert. Ja wir können, wenn wir das Menschenleben untersuchen zwischen Tod und neuer Geburt, die Bemerkung machen, daß ungeistige Menschen verhältnismäßig am schnellsten wiederkommen. Wenn jemand nur seinen sinnlichen Genüssen, seinen sinnlichen Leidenschaften, also demjenigen lebt, was man das Tierische im Menschen nennen kann, so vergeht ein verhältnismäßig kurzer Zeitraum zwischen zwei Inkarnationen. Es geschieht dieses aus dem Grunde, weil bei ihm eine verhältnismäßig frühe Bewußtlosigkeit eintritt, ein Schlafzustand, und er dann schnell durch dieses Leben zwischen Tod und neuer Geburt hindurchgeht.
S.34
Mailand, 27.Okt.1912 ☉
aus «GA 140»
2 [...] Dann geht der Mensch, wenn er vorbereitet ist - der geistige Mensch weiter, der nicht geistige weniger weit -, in noch weitere Sphären,[a] aber er geht auch über in einen ganz anderen Zustand als der ist, in dem er vorher war. Und wenn man diesen späteren Zustand charakterisieren will, müßte man sagen: Von da ab, wo der Mensch über den Saturn hinausgeschritten ist, beginnt ein geistiges Schlafen, während das Vorhergehende ein geistiges Wachen war. Das Bewußtsein dämpft sich herab von jetzt an, es tritt ein Benommensein ein, und dieses Benommensein wieder gestattet gerade dem Menschen andere Dinge durchzumachen, als er früher durchgemacht hat. Geradeso, wie wir im Schlafe die Ermüdung wegschaffen und uns neue Kräfte zuführen, so tritt dann durch das Herabdämpfen des Bewußtseins ein Einströmen geistiger Kräfte des Kosmos ein, wenn wir sozusagen eine weit, weit ausgedehnte spirituelle Raumkugel geworden sind. Erst haben wir es geahnt, dann haben wir es als Weltorchester gehört, dann hat es gesungen, dann haben wir es als Wort vernommen, dann schlafen wir ein und es durchdringt uns, und während dieser Zeit gehen wir wieder zurück durch alle diese Sphären unter Herabdämpfung des Bewußtseins; immer dumpfer und dumpfer wird unser Bewußtsein, wir ziehen uns zusammen, je nach unserem Karma langsam oder schnell, und während dieses Zusammenziehens treten wieder auf die Kräfte, die aus dem Sonnensystem kommen. Von Sphäre zu Sphäre gehen wir zurück. Für die Mondensphäre sind wir nicht empfänglich, wenn wir aus dem Kosmos zurückkommen; wir gehen sozusagen unberührt und ungehemmt durch sie hindurch, und dann sind wir so, daß wir uns zusammenziehen und zusammenziehen, so daß wir uns vereinigen können mit dem kleinen Menschenkeime, der dann seine Entwickelung durchmacht vor der Geburt. Und in aller Physiologie und Embryologie wird gar nichts Wahres enthalten sein, wenn ihr dies nicht aus der okkulten Forschung, nicht aus diesen Tatsachen zukommt; denn der Menschenkeim ist ein Abbild des großen Kosmos. Er trägt den ganzen Kosmos in sich; was zwischen Empfängnis und Geburt materiell geschieht und als Mensch sich bildet, aber auch was der Mensch im Weltenschlafe durchgemacht hat, trägt er als Kraft im Keimzustande in sich.
Wien, 3.Nov.1912 ☉
aus «GA 140»; S.76f
3 Und immer weiter kommen wir in den Weltenraum, in immer dauernder Vergrößerung.[a] Es tritt nun in der Tat, wenn wir uns so über die Saturnsphäre hinausbewegen, etwas ein, was unseren Bewußtseinszustand etwas ändert. Wir geraten gleichsam in eine Art von kosmischer Dämmerung - man kann nicht sagen kosmischen Schlafes, aber kosmischer Dämmerung. Dadurch können aber gerade erst recht die Kräfte des gesamten Weltalls auf uns hereinwirken. Von allen Seiten wirken dann die Kräfte auf uns, und wir nehmen Kräfte des ganzen Kosmos in uns auf. Es gibt also, indem wir uns da hinausgedehnt haben, eine Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wo in unser Wesen wie von allen Seiten die Kräfte des ganzen Kosmos hereinkommen, wie von allen Sternen die Kräfte hereinkommen in unser Wesen. Dann beginnen wir uns zusammenzuziehen, kommen wieder durch die verschiedenen Sphären herein bis zur Venus-Sphäre, ziehen uns zusammen, kleiner und kleiner werdend, bis die Zeit kommt, wo wir uns wiederum mit einem irdischen Menschenkeim verbinden können.
München, 20.Nov.1912 ♂
aus «GA 140»; S.97f
4 [...] Es kommt eine Zeit für den Menschen zwischen dem Tode und der neuen Geburt, wo er einen Kreis beschreibt, der den ganzen Tierkreis durchläuft. Da schaut er gleichsam von jedem Punkte des Tierkreises, also von verschiedenen Gesichtspunkten aus, auf seine eigene Wesenheit hin und fühlt sich dann so, wie wenn er gleichsam aus den einzelnen Partien des Tierkreises die Kräfte schöpfen würde, die er auf seine Wesenheit ergießt, damit diese das hat, was sie für die nächste Inkarnation braucht. Man schaut also von dem Umkreis auf einen Mittelpunkt hin. Es ist so, wie wenn Sie hier auf der Erde sich verdoppeln könnten, aus sich heraustreten könnten, und Sie ließen sich in der Mitte stehen, gingen um sich herum und würden fortwährend die Kräfte des Weltalls, den belebenden Soma, einsaugen, der aber, weil er von den verschiedenen Seiten einen verschiedenen Charakter annimmt, sich in verschiedener Weise in die Wesenheit, die Sie in der Mitte stehengelassen haben, ergießt. So ist es, ins Geistige übersetzt, tatsächlich im Leben zwischen dem Tode und der neuen Geburt.
Berlin, 10.Dez.1912 ♂
aus «GA 141»; S.74f
5 [...] Dann wachsen wir hinein in die andern Sphären,[a] die außerhalb der Sonne sind. Wir werden immer größer und größer sozusagen, wir haben unter uns die Sonne und über uns den ganzen großen, mächtigen Sternenhimmel. In den großen Weltenraum hinein wachsen wir, in den Kosmos hinaus bis zu gewissen Grenzen. Und während wir hinauswachsen, wirken die kosmischen Kräfte aus allen Sternen auf uns. Wir nehmen aus der ganzen mächtigen Sternenwelt die Kräfte auf in unser mächtig ausgedehntes Wesen.
Bis zu einer Grenze kommen wir. Dann ziehen wir uns wiederum zusammen und treten wieder in dasjenige ein, was wir durchgemacht haben. Wir kommen durch die Sonnen-, Venus-, Merkur-, Mondensphäre, bis wir wiederum der Erde nahe kommen, und bis dasjenige, was in den Weltenraum hinausgetragen war, sich wiederum zusammenzieht zu einem Keim, der in einer Menschenmutter zu einem neuen Menschen sich bildet. Das geschieht dann wiederum, wenn der Mensch sich hinausgedehnt hat in die fernen Weltenräume und da aufgenommen hat die kosmischen Kräfte.
Das ist das Geheimnis vom Menschensein nach dem Tode, zwischen Tod und neuer Geburt. Nachdem der Mensch durch die Pforte des Todes gegangen war, ist er von dem kleinen Raum der Erde ausgehend immer größer und größer geworden, ist bis zur Mond-, Merkur-, Venus-, Sonnen-, Mars-, Jupiter-, Saturnsphäre hinausgewachsen. Da sind wir in den Weltenraum hinausgewachsen; gleichsam eine Riesenkugel werden wir als Geisteswesen. Dann, nachdem wir als Seele aufgenommen haben die Kräfte des Universums, der Sterne, ziehen wir uns wieder zusammen, und dann haben wir die Kräfte der Sternenwelt in uns. Da haben wir eine Erklärung der Geistesforschung dafür, daß in dieser unserer zusammengepreßten Gehirnmasse ein Abdruck des ganzen Sternenhimmels zu finden ist. Tatsächlich birgt unser Gehirn ein bedeutungsvolles Geheimnis.
[weiter]
Bern, 15.Dez.1912 ☉
aus «GA 140»; S.141f
6 Und dann kommt die Zeit heran, die ich versuchte darzustellen in meinem vierten Mysteriendrama: «Der Seelen Erwachen», ich suchte sie darzustellen, diese Zeit, wo der Mensch nur mehr vermag innerliche Erlebnisse zu haben; wo die Nächte der Einsamkeit immer länger und länger werden; wo der Mensch nicht mehr aufwachen kann geistig zu einem Bewußtsein, in dem er seine Leuchtekraft ringsherum ausstrahlt. Ich habe versucht auszudrücken das, was dann der Mensch erlebt, mit einem symbolischen Ausdruck, mit dem Ausdruck: Die Mitternacht des geistigen Daseins zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Es ist die Zeit, in der der Mensch alles, was in den Tiefen seiner Seele ist, als seine Welt erlebt, wo er nur weiß: Jenseits der Ufer deiner Seele sind die geistigen Welten, in denen alles das ist, was es von geistigen Wesen gibt, in denen alle Menschenseelen sind, die entkörpert oder auch verkörpert sind, und in denen alle anderen Wesen sind; aber man weiß es nur, weil man die Nachklänge davon in sich hat. Und jetzt entsteht etwas in der Seele, was wieder nicht mit einem gewöhnlichen Wort bezeichnet werden kann. Nicht wahr, die gewöhnliche Sprache hat das Wort «Sehnsucht» für das Passivste in der Seele. Wenn wir sehnsüchtig sind im physischen Erleben, so sind wir am passivsten. Wir ersehnen etwas, wir begehren etwas, was wir nicht haben - und die Sehnsucht kann das gewiß nicht hervorbringen, was wir ersehnen. Wir können uns nur passiv verhalten. Aber die Seelenkräfte gewinnen einen ganz anderen Charakter, wenn die Seele außerhalb des Leibes ist. Aus der Tiefe der Einsamkeit heraus, aus dem, was die Seele in der geschilderten Weise in der Weltenmitternacht des Geistes erlebt, bildet sich die Sehnsucht, wiederum in die Welt sich hineinzuleben, aus der man in seiner Einsamkeit herausgerissen ist. Und die Sehnsucht wird jetzt aktiv, und aus ihr wird etwas, was geistig real ist, eine organisierende Kraft. Sie wird wirklich eine neue Wahrnehmungskraft. Diese geistige Sehnsucht gebiert eine neue Seelenkraft, wiederum eine solche Kraft, die nun eine äußere Welt wahrnehmen kann, aber eine Welt, die zugleich eine äußere und eine innere ist: eine äußere, weil sie wirklich außerhalb unseres Wesens da ist; eine innere, weil wir auf sie schauen als diejenige Welt, die wir im vorhergehenden Leben durchlebt haben, die Welt unserer früheren Erdenverkörperung. Das wird jetzt aus unserer Sehnsucht heraus unsere Außenwelt. Wir schauen hin auf all das, was unerledigt geblieben ist im vorigen Leben, und in uns zimmert die Sehnsucht Kräfte, um Ausgleich zu schaffen für das, was die Seele im vorhergehenden Erdenleben Schlechtes, Törichtes, Böses, Häßliches getan hat, um Ausgleich zu schaffen dafür in einem neuen Leben.
Wien, 8.Apr.1914 ☿
aus «GA 153»; S.58f
7 So sehen wir, wie alles in diesem Leben daraufhin angelegt ist, daß unsere Erlebnisse unmittelbar in den Tiefen unserer Seele selbst ablaufen. Nun kommen wir aber, indem wir also von den Göttern unterrichtet werden, an einen bestimmten Punkt des Erlebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. An einen wichtigen Punkt kommen wir. Es ist, ich möchte sagen, in der Zeiten fernster Ferne, wo wir das Menschheitsideal erblicken; die Kräfte aber, die in uns durch diese unsere göttlich-geistigen Erzieher gelegt werden können, die sind abhängig von dem, was wir im Laufe unserer Inkarnationen, im Laufe unseres vorhergehenden Menschenlebens aus uns gemacht haben. Und so stehen wir, indem wir heranleben von der Weltenmitternacht, gerade in der Mitte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, und immer weiterleben in die Zeiten hinein und in fernsten Zeiten das Menschheitsideal sehen, dann endlich an einem Punkt, an der letzten Perspektive des Menschheitsideals. Aber so stehen wir an diesem Punkt, daß wir uns nun sagen müssen - wir sagen es uns natürlich nicht, wir erleben es ganz innerlich, aber man muß sich mit den Worten des gewöhnlichen Lebens aussprechen -: Göttlich-geistige Kräfte haben an dir gewirkt, sind immer innerlicher in deiner Seele geworden, leben jetzt in dir; aber jetzt bist du an dem Punkte, wo du dich nicht mehr weiter mit diesen Kräften durchdringen kannst, denn du müßtest viel vollkommener sein, wenn du weitergehen wolltest als bis hierher.
Und jetzt kommt ein wichtiger Entscheidungspunkt. In diesem Augenblick tritt an uns eine harte Versuchung heran! Die Götter haben es gut mit uns gemeint, sie haben uns alles das gegeben, was sie uns zunächst geben können, sie haben uns so stark gemacht, als es nach Maßgabe der Kraft möglich war, die wir im bisherigen Leben uns erworben haben. So ist diese uns von den Göttern gegebene Stärke in uns, und die Versuchung tritt an uns heran, die uns sagt: Ja, du kannst jetzt diesen Göttern folgen, du kannst jetzt alles das, was du bist, gleichsam einfließen lassen in das, was die Götter dir gegeben haben an Kräften, du kannst in die geistigen Welten hineingehen. Denn viel, viel haben dir die Götter gegeben.
Man kann sich ganz vergeistigen: diese Aussicht steht vor einem. Aber man kann das nur, indem man seinen Weg von der Bahn nach dem großen Menschheitsideale hin ablenkt, indem man herausgeht aus der Bahn. Das heißt mit anderen Worten: man schlägt den Weg ein in die geistigen Welten, indem man all seine Unvollkommenheiten in die geistigen Welten mit hineinnimmt. Sie würden sich dort schon in Vollkommenheiten verwandeln. Sie täten es wirklich. Man könnte mit den Unvollkommenheiten hinein, man würde mit ihnen, weil man von göttlichen Kräften durchdrungen wäre, ein Wesen sein. Aber dieses Wesen müßte verzichten auf Anlagen, die es doch in sich hat, die es noch nicht auf seinem bisherigen Wege ausgebildet hat und die nach der Richtung des großen Menschheitsideales liegen; auf die müßte es verzichten. Jedesmal, bevor wir zu einer Erdeninkarnation gehen, tritt an uns die Versuchung heran, in der geistigen Welt zu bleiben, in den Geist einzutreten und sich vorwärts zu entwickeln mit demjenigen, was man schon ist, was jetzt ganz durchgöttlicht ist, und zu verzichten auf das, was man als Mensch noch immer mehr werden könnte auf der Bahn nach dem fernen religiösen Ideal der göttlich-geistigen Welt hin. Es tritt die Versuchung heran, irreligiös für das Geisterland zu werden.
Wien, 10.Apr.1914 ♀
aus «GA 153»; S.99ff
8 Aber indem man so in der ersten Hälfte des Lebens zwischen dem Tod und einer neuen Geburt weiterlebt und sich der Mitte der Zeit zwischen dem Tod und einer neuen Geburt nähert, fühlt man das einsame Leben immer reicher werden und die Ausblicke auf die geistige Umgebung gleichsam kürzer und dämmeriger werden, bis die Zeit herankommt in der Mitte zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die ich versucht habe, in meinem letzten Mysterienspiel «Der Seelen Erwachen» als die Weltenmitternacht darzustellen, wo der Mensch das stärkste Leben in seinem Inneren hat, aber nicht mehr die kreative Seelenkraft, um seine geistige Umgebung zu beleuchten, wo sozusagen unendliche Welten aus unserem Inneren uns innerlich geistig erfüllen können, aber wir von anderem Sein als unserem eigenen Sein nichts wissen können. Das ist die Mitte in den Erlebnissen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt: die Weltenmitternacht.
Wien, 13.Apr.1914 ☽
aus «GA 153»; S.159
a] vgl. Mbl.8