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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate von Rudolf STEINER zum
GEHIRN als SPIEGEL
1a Ich kann natürlich an diesem Orte und wegen der Beschränktheit der Zeit auf diese Dinge nur hinweisen, kann daher nur von einer gewissen Seite her über die Natur und das Wesen der menschlichen Erkenntnis einige Worte zu Ihnen sprechen. Aber wir werden uns verstehen, wenn wir zunächst ausgehen von der Frage: Wodurch verschafft sich denn der Mensch Erkenntnis, ganz gleichgültig, was die Erkenntnis bedeuten mag? Wodurch erlangen wir Erkenntnis? Nun — nicht wahr, Sie wissen alle, der Mensch könnte niemals Erkenntnis erlangen, wenn er nicht denken würde, wenn er in seiner Seele nicht so etwas vollziehen würde wie Vorstellungs- oder Denkarbeit. Erkenntnis kommt nicht von selber. Der Mensch muß im Innern arbeiten, muß Vorstellungen ablaufen lassen in seiner Seele, wenn er erkennen will, und wir müssen als Bekenner der Geisteswissenschaft uns fragen: Wo in der Menschennatur spielen sich nun jene Vorgänge ab, welche wir mit dem Vorstellen bezeichnen, das zu der Erkenntnis führt?
1b Der materialistische Erkenntnistraum unserer Zeit, die philosophische Phantastik unserer Zeit glauben, daß Erkenntnis dadurch zustande kommt, daß eine Gehirnarbeit verrichtet wird. Gewiß wird bei der Erkenntnis eine Gehirnarbeit verrichtet, aber wenn wir ins Auge fassen, daß zunächst die Hauptsache bei der Erkenntnis die innere Arbeit der Seele im Vorstellungsleben ist, dann müssen wir die Frage aufwerfen: Hat dieses Vorstellungsleben in seinem Inhalte, wohlgemerkt ich sage Inhalt, irgend etwas zu tun mit der Arbeit, die im Gehirn [cerebrum] verrichtet wird? Das Gehirn ist ein Teil des physischen Leibes, und alles das, was Vorstellungsleben seinem Inhalte nach ist, was unsere, die Erkenntnis herbeiführende Vorstellungsarbeit der Seele ist, alles das geht nicht bis zum physischen Leib, alles das vollzieht sich in den drei höheren Gliedern der menschlichen Wesenheit, von dem Ich durch den Astralleib zum Ätherleib herunter. Und Sie werden in allen Elementen des Vorstellungslebens dem Inhalte nach nichts darin finden, was irgendwie im äußeren physischen Gehirn vor sich gehen würde. Wenn wir also bloß von dem Vorstellungsinhalt, von der Vorstellungsarbeit sprechen, so müssen wir diese lediglich in die drei höheren übersinnlichen Glieder der menschlichen Wesenheit verlegen, und dann können wir uns fragen: Was hat denn nun das Gehirn mit dem zu tun, was da übersinnlich sich abspielt in der menschlichen Wesenheit? - Die triviale Wahrheit gibt es allerdings, auf die sich die heutigen Philosophen und Psychologen berufen, daß, während wir erkennen, Vorgänge im Gehirn stattfinden. Gewiß, diese triviale Wahrheit ist richtig, kann und soll gar nicht abgeleugnet werden. Aber von der Vorstellung selbst lebt nichts im Gehirn. Welche Bedeutung hat das Gehirn, hat überhaupt die äußere leibliche Organisation für die Erkenntnis, sagen wir zunächst nur für das Vorstellungsleben?
1c Da ich eben kurz sein muß, so kann ich sie nur durch ein Bild andeuten. Gerade dieselbe Bedeutung hat die Arbeit des Gehirns zu dem, was eigentlich vorgeht in unserer Seele, wenn wir vorstellen, denken, wie der Spiegel für den Menschen, der sich darin sieht. Wenn Sie mit Ihrer Persönlichkeit durch den Raum gehen, da sehen Sie sich nicht zunächst. Wenn Sie einem Spiegel entgegengehen, da sehen Sie das, was Sie sind, wie Sie aussehen. Derjenige, der nun behaupten wollte, das Gehirn denke, es ginge die Vorstellungsarbeit im Gehirn vor sich, der redet gerade so gescheit wie der, der einem Spiegel entgegengeht und sagt: Ich, ich bin nicht da, wo ich gehe; das bin nicht ich; ich muß einmal da hereingreifen - in den Spiegel -, da drinnen stecke ich. - Da würde er sich bald davon überzeugen, daß er im Spiegel gar nicht darin steckt, daß der Spiegel allerdings der Veranlasser ist, daß das, was außerhalb des Spiegels ist, sich sieht. Und so ist es überhaupt mit aller physischen Leibesorganisation. Das was da durch die Arbeit des Gehirns erscheint, das ist innere übersinnliche Tätigkeit der drei höheren Glieder der menschlichen Organisation. Daß diese für den Menschen selber erscheinen kann, dazu ist der Spiegel des Gehirns notwendig, so daß wir das, was wir übersinnlich sind, wahrnehmen durch den Spiegel des Gehirns. Und es ist lediglich eine Folge der gegenwärtigen menschlichen Organisation, daß das so sein muß. Der Mensch würde seine Gedanken zwar denken, aber er könnte nichts wissen von ihnen als gegenwärtiger Erdenmensch, wenn er nicht den spiegelnden Leibesorganismus, zunächst das Gehirn hätte. Aber alles das, was die modernen Physiologen und zum Teil die Psychologen tun, um das Denken zu erkennen, ist eben gerade so gescheit, als wenn ein Mensch im Spiegel darin seiner Wirklichkeit nach sich suchen würde. Das alles, was ich Ihnen hier mit ein paar Worten gesagt habe, das kann man heute auch schon vollständig erkenntnistheoretisch begründen, kann es streng wissenschaftlich aufbauen. Eine andere Frage ist diejenige, ob man natürlich mit einer solchen Sache irgendwie verstanden werden kann. Die Erfahrungen sprechen heute noch dagegen. Man kann diese Dinge heute in einer noch so strengen Weise auch Philosophen auseinandersetzen, sie werden kein Sterbenswörtchen davon verstehen, weil sie auf diese Dinge eben nicht eingehen wollen, ich sage ausdrücklich wollen. Denn es ist heute noch in der äußeren exoterischen Welt gar kein Wille vorhanden, auf die ernsthaftesten Fragen des menschlichen Erkenntnisvermögens wirklich einzugehen.
1d Wollen wir in einer richtigen Weise uns ein schematisches Bild von dem menschlichen Erkenntnisprozesse machen, so müssen wir sagen [...]: In alledem, was äußere physische Leibesorganisation ist, geht gar nichts vor von dem, was Denken, was Erkennen ist, sondern das geht in dem anschließenden Ätherleib, Astralleib und so weiter vor. Da drinnen sitzen die Gedanken, [...]. Und diese Gedanken gehen nicht etwa in das Gehirn hinein - das zu denken wäre ein völliger Unsinn -, sondern sie werden gespiegelt durch die Tätigkeit des Gehirns und wiederum zurückgeworfen in den Ätherleib, Astralleib und das Ich, und die Spiegelbilder, die wir selbst erst erzeugen und die uns sichtbar werden durch das Gehirn, die sehen wir, wenn wir als Erdenmenschen gewahr werden, was wir eigentlich treiben in unserem Seelenleben. Da drinnen im Gehirn ist gar nichts von einem Gedanken. So wenig ist im Gehirn etwas von einem Gedanken, wie hinter dem Spiegel etwas von Ihnen ist, wenn Sie sich darin sehen. Aber das Gehirn ist ein sehr komplizierter Spiegel. Der Spiegel, in dem wir uns da draußen sehen, ist einfach, das Gehirn aber ist ein ungeheuer komplizierter Spiegel, und es muß eine komplizierte Tätigkeit stattfinden, damit das Gehirn das Werkzeug werden kann, um nicht unsere Gedanken zu erzeugen, sondern sie zurückzuspiegeln. Mit anderen Worten, bevor überhaupt von einem Erdenmenschen ein Gedanke zustande kommen konnte, mußte eine Vorbereitung geschehen. Und wir wissen, daß dies geschehen ist durch die alte Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit und daß schließlich der heutige physische Leib, also auch das Gehirn, ein Ergebnis der Arbeit vieler geistigen Hierarchien ist. So daß wir sagen können: Mit dem Beginne der Erdenentwickelung war der Mensch auf der Erde so gestaltet, daß er sein physisches Gehirn ausbilden konnte, daß es werden konnte der spiegelnde Apparat für das, was der Mensch eigentlich ist und was erst in der Umgebung dieser physischen Leibesorganisation vorhanden ist.
München, 24.Aug.1911 ♃ (aus «GA 129»; S.139ff)
2a Was wir innerlich seelisch verarbeiten, das ist seinem Inhalte nach nicht in unserem gegenwärtigen physischen Leib; sondern das ist seinem Inhalte nach innerhalb unserer Organisation nur so weit, daß es bis zum Ätherleibe des Menschen geht. Unsere Gedanken, Gefühle und Empfindungen, dem Inhalte nach, spielen zunächst bis zu unserem Ätherleib. Um uns das klarzumachen, denken wir uns unsere menschliche Wesenheit, insofern sie besteht aus Ich, Astralleib und Ätherleib, symbolisiert, zusammengefügt als eine elliptische Fläche. [...] Es gibt nun schlechterdings innerhalb unseres Seelenlebens nichts, was nicht gerade in dieser Weise in uns wäre. Wenn nun der Mensch mit seinem gewöhnlichen irdischen Bewußtsein seine Seelenerlebnisse nur so hätte, wie ich sie jetzt geschildert habe, so erlebte er sie zwar, könnte sich ihrer aber nicht bewußt werden; sie würden unbewußt bleiben. Bewußt werden unsere Seelenerlebnisse uns erst durch einen Vorgang, den wir uns begreiflich machen können, wenn wir folgendes Gleichnis gebrauchen. Denken Sie, Sie gehen in einer Richtung und schauen geradeaus, und denken Sie, Sie hießen «Müller». Indem Sie so geradeaus gehen, sehen Sie den «Müller» nicht, dennoch sind Sie es, erleben es, sind die Wesenheit «Müller». Und denken Sie weiter, indem Sie so hingehen, schiebt Ihnen jemand einen Spiegel vor: jetzt steht der «Müller» vor Ihnen. Was Sie früher erlebt haben, sehen Sie jetzt; das tritt Ihnen im Spiegel entgegen. - So ist es mit dem gesamten Seelenleben des Menschen: der Mensch erlebt es, wird sich dessen aber nicht bewußt, wenn ihm nicht ein Spiegel entgegengehalten wird. Und für das Seelenleben ist der Spiegel nichts anderes als der physische Leib. Daher können wir den physischen Leib jetzt schematisch als die äußere Hülle zeichnen, und die Empfindungen oder Gedanken werden zurückgeworfen durch die Hülle des physischen Leibes. Dadurch werden uns die Vorgänge bewußt. So ist für uns als irdische Menschen der physische Menschenleib in Wahrheit ein Spiegelungsapparat.
2b Wenn Sie in dieser Weise immer tiefer und tiefer in das Wesen des menschlichen Seelenlebens und in das Wesen des menschlichen Bewußtseins eindringen, können Sie unmöglich alle diejenigen Dinge, die immer wieder und wieder von dem Materialismus der spirituellen Weltauflassung entgegengebracht werden, irgendwie gefährlich oder bedeutsam finden. Denn es ist natürlich ein vollständiger Unsinn, daraus zum Beispiel, daß bei irgendeiner Beschädigung des Spiegelungsapparates das seelische Erleben für das Bewußtsein aufhört wahrgenommen zu werden, den Schluß zu ziehen, daß dieses seelische Erleben selbst an den Spiegelapparat gebunden wäre. Denn wenn jemand den Spiegel zerbricht, dem Sie entgegengehen, und durch den Sie sich wahrnehmen, zerbricht er nicht Sie, sondern Sie verschwinden nur vor Ihrem Blick. So ist es, wenn der Spiegelapparat für das Seelenleben, das Gehirn, zerstört wird: es hört die Wahrnehmung auf; aber das Seelenleben selbst, insofern es im Ätherleib und Astralleib abläuft, wird gar nicht davon berührt.
Karlsruhe, 11.Okt.1911 ☿ (aus «GA 131»; S.161ff)
3 [...] Der Kopf, das Gehirn ist gleichsam herauskristallisiert aus dem ätherischen Leibe und in demselben so darin, daß man es vergleichen könnte mit einer Wassermenge und einem Stück Eis, das darin schwimmt, wenn man das Wasser mit dem ätherischen Leibe vergleichen wollte und das Eis mit dem aus dem ätherischen Leibe herauskristallisierten physischen Leibe. Aber man fühlt, man erlebt, daß ein inniger Zusammenhang ist zwischen dem, was man den Ätherteil des Kopfes oder des Gehirns nennen kann, und dem physischen Kopfe selber. Man weiß dann, wie man seine Gedanken schafft, wie man seine Erinnerungsbilder bildet innerhalb des ätherischen Leibes und wie das physische Gehirn nur gleichsam ein Spiegelungsapparat ist, weiß aber auch, wie das Gehirn eng zusammenhängend ist mit dem ätherischen Leibe. Insbesondere kann man das dann erleben, wenn man sich recht stark beschäftigen muß mit Anstrengungen, die zusammenhängen mit dem physischen Plan, mit dem physischen Sein, wenn man viel nachdenken muß über die Dinge, wenn man also seinen physischen Leib anstrengen muß, daß er heraufholt aus den Tiefen des Lebens die Erinnerungsvorstellungen, um sie zusammenzuhalten. An einem solchen Vorgange ist immer zunächst, gleichgültig, ob man es weiß oder nicht, der ätherische Leib beteiligt. Aber es ist das physische Gehirn innig damit verbunden, und wenn man das physische Gehirn ermüdet, merkt man sehr, sehr die Ermüdung des Gehirns in dem betreffenden Ätherteile. Man merkt dann, daß man in dem, was man als elementarischen Gehirnteil erlebt, etwas wie einen Klotz, wie einen Fremdkörper hat, daß man nicht mehr herankann an das, woran man herankommen muß, denn die Beweglichkeit im physischen Gehirn ist etwas, was parallel gehen muß der Beweglichkeit im ätherischen Leibe. Man kann dann das deutliche Gefühl haben: Dein Ätherleib ermüdet auch nicht, er könnte bis in alle Ewigkeit fort die Gedankenbilder zusammenschließen und heraufholen dasjenige, was du weißt; aber um es in der physischen Welt zum Ausdruck zu bringen, muß es sich spiegeln, und da versagt das Gehirn. - Der elementarische Leib ermüdet nicht. Gerade weil er immerfort tätig sein kann, verspürt er die Ermüdung des Gehirns um so mehr. Man merkt gleichsam, was da das Gehirn an versagenden Kräften produziert. Und wenn es einschläft und in die Dumpfheit der Ermüdung verfällt, kann man sich sagen: Jetzt mußt du aufhören, sonst würdest du dich krank machen. - Man kann nicht den Ätherleib abnutzen. Aber auf dem Umwege, daß man dem Gehirn übermäßige Dinge zumutet, kann man fortfahren, es noch weiter zu ermüden und es so in einen lebenversagenden, toten Zustand bringen. Und das verträgt ein lebendiger Organismus nicht, daß etwas, was mit ihm in einem normalen Zusammenhange sein soll, partiell tot ist, daß es in einen abnormen Zustand kommt. Also man muß sich aus einem freien Entschluß sagen: Damit du nicht etwa abtötest einen Teil deines Gehirns, der dann von sich aus weiterfrißt, mußt du aufhören, wenn du dein Gehirn als ein Stück Fremdkörper in dir selbst empfindest.
München, 26.Aug.1912 ☉ (aus «GA 138»; S.30ff)
siehe auch Gedanke im menschlichen Erleben
Berlin, 23.Jän.1914 ♀ (aus «GA 151»; S.72f)
4a Wir müssen dabei folgendes ins Auge fassen: Wie kommt eigentlich die äußere Wahrnehmung zustande ? Nun, nicht wahr, da denken die Menschen gewöhnlich - besonders Menschen, die sich sehr gescheit dünken -, daß die äußere Wahrnehmung dadurch zustande kommt, daß die Dinge draußen sind, der Mensch in seiner Haut steckt, daß die äußeren Dinge einen Eindruck auf ihn machen, und daß dadurch sein Gehirn ein Bild der äußeren Objekte und Formen in seinem Innern erzeugt. Nun, es ist ganz und gar nicht so, sondern es verhält sich ganz anders. In Wahrheit ist der Mensch gar nicht drinnen innerhalb seiner Haut [mit seinem Geistig-Seelischen]; das ist er gar nicht. Wenn der Mensch zum Beispiel dieses Rosen-Bukettchen sieht, so ist er mit seinem Ich und Astralleib in der Tat da drinnen in dem Bukettchen, und sein Organismus ist ein Spiegelungsapparat und spiegelt ihm die Dinge zurück. Sie sind in Wahrheit immer ausgebreitet über den Horizont, den Sie überschauen. Und im Wachbewußtsein stecken Sie eben mit einem wesentlichen Teil Ihres Ich und Astralleibes auch im physischen und ätherischen Leibe drinnen. Der Vorgang ist nun wirklich so - ich habe das oft in Vorträgen erwähnt -: Denken Sie sich, sie gingen in einem Zimmer herum, in dem eine Anzahl von Spiegeln an den Wänden angebracht wären. Sie können durch den Raum gehen. Wo Sie keinen Spiegel haben, sehen Sie sich selber nicht. Sobald Sie aber an einen Spiegel kommen, sehen Sie sich. Kommt eine Stelle ohne Spiegel, sehen Sie sich nicht, und wenn wieder ein Spiegel da ist, sehen Sie sich wieder. So ist es auch mit dem menschlichen Organismus. Er ist nicht der Erzeuger der Dinge, die wir in der Seele erleben, er ist nur der Spiegelungsapparat. Die Seele ist beisammen mit den Dingen da draußen, zum Beispiel hier mit diesem Rosen-Bukettchen. Daß die Seele das Bukettchen bewußt sieht, hängt davon ab, daß das Auge in Verbindung mit dem Gehirnapparat der Seele das zurückspiegelt, womit die Seele zusammenlebt. Und in der Nacht nimmt der Mensch nicht wahr, weil er, wenn er schläft, Ich und Astralleib aus seinem physischen und ätherischen Leib herauszieht. Dadurch hört dies auf zu spiegeln. Geradeso ist das Einschlafen, als ob Sie Spiegel vor sich haben: Sehen Sie in den Spiegel hinein, dann haben Sie Ihr eigenes Antlitz vor sich - und nehmen Sie den Spiegel weg, flugs ist nichts da von Ihrem Antlitz.
4b So ist der Mensch in der Tat mit dem seelisch-geistigen Wesen in dem Teil der Welt, den er überschaut, und er sieht ihn dadurch bewußt, daß ihn sein Organismus spiegelt. Und in der Nacht wird dieser Spiegelungsapparat weggezogen, da sieht er nichts mehr. Der Teil der Welt, den wir sehen, der sind wir; er wird selber weggezogen in der Nacht.
4c Das ist eines der schlimmsten Stücke der Maja, daß der Mensch glaubt, er stecke in seiner Haut. Das tut er nicht. In Wirklichkeit steckt er in den Dingen, die er sieht. Wenn ich einem Menschen gegenüberstehe, so stecke ich in ihm drinnen mit meinem Ich und Astralleib. Würde ich nicht meinen Organismus ihm entgegenhalten, so würde ich ihn nicht sehen. Daß ich ihn sehe, daran ist mein Organismus schuld, aber mit meinem Ich und Astralleib stecke ich in ihm drinnen. Daß man das nicht so ansieht, das gehört eben zu den, ich möchte sagen, verhängnisvollsten Dingen der Maja. So verschaffen wir uns eine Art Begriff, wie das Wahrnehmen und das Erleben auf dem physischen Plan ist.
Dornach, 3.Okt.1914 ♄ (aus «GA 156»; S.17ff)
https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWzit12900139.htm