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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
JUNGFRAU SOPHIA
Die christliche Esoterik nannte diesen gereinigten, geläuterten astralischen Leib, der in dem Augenblick, wo er der Erleuchtung unterworfen ist, nichts von den unreinen Eindrücken der physischen Welt in sich enthält, sondern nur die Erkenntnisorgane der geistigen Welt, die «reine, keusche, weise Jungfrau Sophia [ἡ σοφία παρϑένη he sophía parthéne]». Durch alles das, was der Mensch aufnimmt in der Katharsis, reinigt und läutert er seinen astralischen Leib zur «Jungfrau Sophia». Und der «Jungfrau Sophia » kommt entgegen das kosmische Ich, das Welten-Ich, das die Erleuchtung bewirkt, das also macht, daß der Mensch Licht um sich herum hat, geistiges Licht. Dieses Zweite, das zur «Jungfrau Sophia» hinzukommt, nannte die christliche Esoterik - und nennt es auch heute noch - den «Heiligen Geist [τό πνεῦμα ἅγιον tó pneûma hágion]». So daß man im christlich-esoterischen Sinne ganz richtig spricht, wenn man sagt: Der christliche Esoteriker erreicht durch seine Einweihungsvorgänge die Reinigung und Läuterung seines astralischen Leibes; er macht seinen astralischen Leib zur «Jungfrau Sophia » und wird überleuchtet - wenn Sie wollen, können Sie es überschattet nennen - von dem «Heiligen Geiste», von dem kosmischen Welten-Ich. Und der, der also erleuchtet ist, der mit anderen Worten im Sinne der christlichen Esoterik den «Heiligen Geist» in sich aufgenommen hat, redet fortan dann in einem anderen Sinne. Wie redet er? Er redet so, daß es nicht seine Meinung ist, wenn er über Saturn, Sonne, Mond redet, über die verschiedenen Glieder der menschlichen Wesenheit, über die Vorgänge der Weltentwickelung. Seine Ansichten kommen dabei ganz und gar nicht in Betracht. Wenn ein solcher über den Saturn redet, redet der Saturn aus ihm. Wenn er über die Sonne redet, redet die geistige Wesenheit der Sonne aus ihm. Er ist das Instrument; sein Ich ist untergegangen, das heißt für solche Augenblicke unpersönlich geworden, und das kosmische Welten-Ich ist es, das sich seiner als Werkzeug bedient, um durch ihn zu sprechen. Daher darf man bei den wirklichen esoterischen Lehren, die aus der christlichen Esoterik herauskommen, nicht von Ansichten oder Meinungen reden. Das ist im höchsten Sinne des Wortes nicht richtig. Die gibt es da nicht. Derjenige, der im Sinne der christlichen Esoterik mit der richtigen Gesinnung von der Welt spricht, sagt sich: Nicht darauf kommt es an, daß ich den Leuten sage, da waren zwei Pferde draußen, das eine gefällt mir weniger gut, ich glaube, daß das ein faules Pferd ist. Worauf es ankommt, ist, daß ich den anderen die Pferde beschreibe und die Tatsachen wiedergebe! Darum handelt es sich, daß mit Ausschluß jeder persönlichen Meinung das Beobachtete aus der geistigen Welt erzählt wird. In jedem geisteswissenschaftlichen Lehrsystem muß einfach die Tatsachenfolge erzählt werden; das darf mit den Ansichten desjenigen, der da erzählt, gar nichts zu tun haben.
Hamburg, 31.Mai 1908 ☉ (aus «GA 103»; S.201f)
https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWzit110300201.htm