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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Manfred KRÜGER zu
URIEL
1 So wird verständlich, warum der Erzengel des Sommers so ernst blickt: Er schaut die Illusion der Menschen, die Betäubung durch Wachstumsprozesse, den allgemeinen Sommerschlaf. Uriel [אריאל] verkörpert die kosmische Intelligenz, die Intelligenz von Planeten und Fixsternen, in die sich die Menschenintelligenz erweitern sollte. Er blickt auf das, was ist, und auf das, was sein sollte, mit mahnender Gebärde. Er verkörpert das «historische Gewissen»: Er weiß, wie alles geworden ist und was daraus werden könnte.
2 Uriel blickt auf die Erde und sieht zur Sommerszeit [der jeweiligen Hemisphäre] gerade nicht die Schönheit der sprießenden und blühenden Natur. Er sieht, wie die Erde in der Ausatmung an den Kosmos hingegeben ist und auf ihrer Oberfläche, gerade da, wo der Mensch sich am prallen Wachstum erfreut, zum Spiegel der kosmischen Kräfte wird. Spiegelbildung bedeutet aber Reflexion, Undurchdringlich-Werden. Die kosmischen Kräfte werden an der Oberfläche reflektiert, und Rudolf Steiner betont, daß dies auch für den Christus-Impuls gilt. Die Erde kann ihn im Sommer nicht aufnehmen: «Da muß der Christus-Impuls gewissermaßen in der Ausatmung leben; die Erde erweist sich selber als undurchlässig für den Christus-Impuls. Die ahrimanischen Kräfte setzten sich fest in dieser für den Christus-Impuls undurchlässigen Erde.»³⁷ So wird die Erde in ihrer mineralischen und pflanzlichen Natur gerade zu Johanni und während des ganzen Sommers ahrimanisiert. Und der Mensch weiß in der Regel nichts davon. Er freut sich am Wachsen, Blühen und Reifen. Ahriman waltet im Verborgenen, bis Michael gegen den Herbst zu aufsteigt und das kosmische Eisen sendet.
3 Wenn die Erde wacht, ist Winter. Wenn der Mensch wacht, ist Winter nur für seine physisch-ätherische Organisation. Wenn die Erde im Winter wacht, dann hat sie ihr Seelisch-Geistiges in sich eingesogen. Sie zeigt sich dem Denkblick in der Gebärde der Empfängnis.
4 Wenn die Erde im Sommer schläft, wird sie zum Spiegel der kosmischen Kräfte. Auch der Christus-Impuls wird reflektiert. Wenn der Menschengeist im Wachen seinen Sommer erlebt, bildet er zunächst auch nur Spiegelgedanken. Sein gewöhnliches Geistesleben reflektiert, was ist. Dabei erfährt seine physisch-ätherische Organisation winterliche Absterbeprozesse. Er kann sich aber mit dem Christus-Geist so verbinden, daß er nicht nur reflektiert, sondern einarbeitet in die niedere Natur. Das verdankt er dem Ereignis von Golgatha. Der Menschengeist ist im Wachen nicht - wie die Erde im Winter - auf die empfangende Gebärde beschränkt. Er kann nehmen und geben. Er kann einarbeiten und umarbeiten zu einem höheren Erwachen, das in der niederen Natur zur Auferstehung führt.
S.164f
5 Meditierend [a] kann der Mensch sein sommerliches Naturbewußtsein allmählich aufhellen. Er wird zu Johanni eins mit allem Wachsenden, Blühenden, Reifenden. Er blüht mit der Rose, er reift mit dem Korn und kann dann in der schlafenden Natur ihren Geistgehalt erkennen und gestalten, die Johanni-Imagination als ein Bild der Dreifaltigkeit, wie es Rudolf Steiner gezeichnet hat: oben der Geistvater, unten die Stoffmutter und vermittelnd zwischen der Polarität des Männlichen und des Weiblichen der Sohn. Den Hintergrund bildet der ernst blickende Uriel. In den Strahlen seiner großen Augen erglänzt die Taube [b], in der die Kraft des väterlichen Geistes zusammengefaßt erscheint.
S.166
37 Siehe I., Anmerkung 12 [GA 223, 1990], Vortrag vom 31. März 1923 in Dornach.
S.385
aus «Festeszeiten im Jahreslauf»
a] siehe Mbl-B.33
b] vgl. Mbl-B.3a