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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Wolfgang HELD zu
MOTOREN
[...] Glühende Kohle erhitzt Wasser auf 300 bis 400 Grad, und mit 15-fachem Druck lässt es einen Kolben vor- und zurückfahren. Ein Planetengetriebe macht aus diesem Hub eine Kreisbewegung und schon geht es los. Das begann vor 250 Jahren. Vor etwas mehr als 125 Jahren wird es dann flüssig. Jetzt ist da kein Dampf mehr, sondern flüssiger Treibstoff, flüssige Kühlung und Schmierung wandert durch die Maschine. Aus einem Kubikmeter großen Kessel wird ein Zylinder im Maß von Kubikzentimetern. Pustet die Dampfmaschine den Dampf wie aus eisernen Lungen [in] die Luft, so gehört zum Verbrennungsmotor der Fluss der Brennstoffe. Aus Stampfen [und Keuchen] wird Rattern und Surren. Dabei hat jeder Motor seine eigene rhythmische Charakteristik, vergleichbar mit dem Herzschlag. Im 2/4- und 4/4-Takt mit 4, 6 oder 8 Zylindern tun die Kolben ihren Dienst und erzeugen je nach Bauart als Boxermotor, wo die Zylinder gegenüberliegen, als V- oder als Reihenmotor eine besondere Art des Willensrhythmus.
[...] Doch was ist beim E-Motor anders? Es bewegt sich nichts mehr! Während sich im Benzinmotor mit Anlasser, Öl-, Wasser- und Treibstoffpumpe, mit Einspritzpumpe, Ventilator und Ladeluftverdichter eine Fülle an Maschinen neben dem eigentlichen Zylinder- und Kurbelgehäuse drehen, also ein ganzes Orchester an Motoren den Vortrieb erst ermöglichen, bewegt sich im Elektromotor fast nichts. Und: Endlich ist da keine Hubbewegung mehr, die in Rotationsbewegung umgesetzt werden muss, sondern es beginnt schon bei der Krafterzeugung mit Rotation. Elektromagneten wirken auf eine Welle, sodass diese sich dreht. Was in der Dampfmaschine die Brennkammer ist und im Verbrennungsmotor die Explosionskammer [a] im Zylinder, das leistet hier der Magnetismus. [...]
[...]
Damit ist die Motorisierung zeitlich an einem Ziel angekommen: Eine Dampfmaschine muss man Stunden, bevor sie Leistung bringen soll, anfeuern, ein Verbrennungsmotor braucht einen Atemzug, um die notwendigen Drehzahlen für seine Kraftentfaltung zu erreichen. Dem Elektromotor gehört der Augenblick, er kann ohne Voraluf, ohne Verzögerung seine Leistung entfalten. Eine Maschine wie ein Gedanke. [...] Und womit ‹bezahlt› man diese Dienstbarkeit? Mit Seelenlosigkeit. Weil im Elektromotor der Feuerprozess [ins Untersinnliche] verschwunden ist, vermag diese Maschine auch nicht mehr zu befeuern. [...]
in »Das Goetheanum« 7·2021; S.4f
a] ähnlich der Brennkammer der meisten Raketentriebwerke, bei denen allerdings eine Schubbewegung erzeugt wird