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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
JOHANNI-IMAGINATON
1 Und hat man nun den Eindruck bekommen des Zusammenhanges des Menschen in bezug auf seine Moralität mit dem unteren Kristallhaften und mit dem oberen, in Schönheit erglänzenden menschlichen Tugendhaften, hat man diesen Zusammenhang des Menschen in sein innerliches Erleben aufgenommen, dann tritt einem entgegen die eigentliche Johanni-Imagination; dasjenige, was Johanni-Imagination ist, steht da, wie die Michael-Imagination, die ich Ihnen beschrieben habe, wie die Weihnachts-Imagination, die Oster-Imagination.
2 Dann erscheint, wie eine Art Zusammenfassung, dieses Bild, das sich dem beobachtenden Geistesblicke ergibt: Oben, gewissermaßen beleuchtet durch die Augenkraft des Uriel, die Taube (weiß). Es ballt sich zum Bilde zusammen dasjenige, was unten silbererglänzende Bläue ist, was die Erdentiefen, verbunden mit den menschlichen Untüchtigkeiten und Fehlern darstellt, es konsolidiert sich in dem Bilde der Erdenmutter (blau), ob Sie es nun Demeter, ob Sie es Maria nennen. So daß, wenn man den Blick nach unten richtet, man eigentlich nicht anders kann, als in Imagination alle diese Geheimnisse der Tiefen zusammenzufassen als dasjenige, was die Stoflfmutter alles Daseins ist, während man in dem, was sich oben konzentriert, in der fließenden Gestalt, alles das empfindet, was der Geistvater alles Daseins um uns herum ist.
3 Und nun schaut man das Ergebnis des Zusammenwirkens des Geistvaters mit der Stoffmutter; dasjenige, was im schönsten Maße den Zusammenklang in sich trägt von Silber-Erdenwirkung und Goldes-Himmelswirkung: zwischen dem Vater und der Mutter den Sohn. So daß diese Imagination der Dreifaltigkeit auftritt, welche die eigentliche Johanni-Imagination ist. Der Hintergrund ist der schaffende, schauende, mahnende Uriel.[a]
4 Dasjenige, was eigentlich darstellt die Trinität, das sollte nicht einfach dogmatisch vor die Seele hingestellt werden. Dadurch erhält man den Eindruck, als ob eine solche Idee der Trinität, ein solches Bild der Trinität losgelöst sei von dem kosmischen Weben und Leben. Das ist es nicht. Es ist die Trinität zur Hochsommerzeit aus der kosmischen Wirkung heraus sich offenbarend, aus dem kosmischen Leben und Weben. Sie tritt heraus in einer innerlich überzeugenden Kraft, wenn man erst eingedrungen ist, ich möchte sagen, in die Mysterien des Uriel.
5 [...] Geradeso wie wir zur Osterzeit die Sache nur vollständig haben, wenn wir ins Dramatische hineinkommen, wenn wir so hineinkommen ins Dramatische, so daß wir im Mittelpunkte des Mysteriendramas, das sich da abspielen müßte, den lehrenden Raphael mit dem Menschen hätten, der in die Geheimnisse der heilenden Natur, in die Geheimnisse des heilenden Kosmos einführt, so müßte dasjenige, was man da schaut, was man schauen kann allerdings in webender Bildhaftigkeit, das müßte sich umsetzen zur Johannizeit in ein mächtiges Musikalisches. Aber aus diesem mächtigen Musikalischen müßte sozusagen das Weltengeheimnis, wie es der Mensch erlebt gerade zur Johannizeit, uns selber ansprechen.
Dornach, 12.Okt.1923 ♀
aus «GA 229»; S.64f
a] siehe Uriel und Michael