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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
STURZ der FINSTERNISGEISTER
1 Solche geistigen Erlebnisse, wie sie verwertet werden von anthroposophisch orientierter Geisteswissenschaft, die wären unmöglich geworden, wenn die genannten Geister der Finsternis ihren Sieg errungen hätten. Dieses Geistesleben und Geistesweben würde oben behalten worden sein von den Geistern der Finsternis in den geistigen Regionen. Nur durch den Sturz der charakterisierten Geister ist es gekommen, daß anstelle des bloß kritischen, materiellen Verstandes und des medialen Weges die unmittelbare geistige Erfahrung hat treten können und immer mehr und mehr treten wird. Nicht umsonst habe ich in den letzten Zeiten hier erwähnt: Viel mehr, als man denkt, ist die heutige Zeit von spirituellen Einflüssen abhängig. So materialistisch unsere Zeit ist und eigentlich mehr noch sein will, als sie es ist: an viel mehr Stellen, als man denkt, offenbaren sich die geistigen Welten den Menschen. Wenn auch heute noch oftmals nicht in gutem Sinne, aber geistige Einflüsse sind überall zu spüren. Und manches, was von Menschen, die heute gegenüber spirituellen Einflüssen ein gewisses Schamgefühl haben - sie schämen sich, spirituelle Einflüsse andern gegenüber zu gestehen -, manches, was von Menschen gemacht wird, diese oder jene Gründung, sie wird deshalb gemacht, weil den Menschen im Traum dies oder jenes erschienen ist, was ein wirklicher spiritueller Einfluß ist. Sie können heute Dichter fragen, warum sie Dichter geworden sind. Das ursprüngliche Erlebnis, das sie Ihnen erzählen werden, wird sein: Dieses oder jenes Spirituelle haben sie wie traumhaft erlebt, und dieses traumhafte Erlebnis hat eigentlich den Impuls zu ihrem Schaffen in sie gelegt. - Leute, die Journale gegründet haben, Sie können sie fragen, warum sie sie gegründet haben - ich erzähle Ihnen Tatsachen -, sie führen Ihnen diese Journalgründungen auf Träume zurück, auf sogenannte Träume, was aber nichts anderes ist als die Übertragung gewisser spiritueller Impulse aus den geistigen Welten in die sinnliche Welt hinein. Und vieles andere auf andern Gebieten ist vorhanden, viel mehr, als man denkt, nur sagen es die Leute heute nicht, weil jeder glaubt, wenn er dem andern sagte: Ich habe dies oder jenes getan, weil mir der oder jener Geist erschienen ist im Traume -, der andere nenne ihn dann einen Trottel. Das ist ja natürlich eine unangenehme Sache. Deshalb weiß man so wenig von dem, was eigentlich heute unter Menschen geschieht. Das, was so sporadisch da oder dort geschieht, das ist aber nur, ich möchte sagen, der Vortrab zu dem, was immer mehr und mehr geschehen wird: Das Spirituelle wird die Menschheit ergreifen, weil eben jener Sieg Michaels über den Drachen 1879 sich zugetragen hat. Und daß eine Geisteswissenschaft möglich ist, das ist auch nur auf diesen Umstand zurückzuführen, sonst wären die entsprechenden Wahrheiten in den geistigen Welten verblieben, könnten nicht Wohnung nehmen in menschlichen Gehirnen, wären für die physische Welt nicht vorhanden.
2 Da haben Sie solche Bilder, die Ihnen klarmachen können, welches die Absichten waren der Geister der Finsternis in den vierziger, fünfziger, sechziger und siebziger Jahren in den geistigen Regionen bei ihrem Kampf, den sie gegen die Anhänger des Michael geführt haben. Nun sind sie seit dem Herbste 1879 hier unten, unter den Menschen. Das alles haben sie nicht erreicht, was sie angestrebt haben: Der Spiritismus wird nicht allgemeine Menschheitsüberzeugung werden; die Menschen werden nicht, vom materialistischen Standpunkte aus gesprochen, so gescheit werden, daß sie vor lauter Gescheitheit selber sich überschlagen. Die spirituellen Wahrheiten werden unter den Menschen Wurzel fassen.
3 Aber die Geister der Finsternis sind dafür unter uns, sie sind da. Wir müssen Wache halten, damit wir merken, wo sie uns begegnen, damit wir Anschauungen darüber gewinnen, wo sie vorhanden sind. Denn das Gefährlichste in der nächsten Zukunft wird sein, sich unbewußt den Einflüssen auszuliefern, die ja doch da sind. Denn ob sie der Mensch kennt oder nicht kennt, das macht keinen Unterschied für ihre Realität.
4 Vor allen Dingen aber wird es sich für diese Geister der Finsternis darum handeln, dasjenige, was nun auf der Erde sich verbreitet und in dem die Geister des Lichtes in ihrer richtigen Richtung fortwirken können, das in Verwirrung zu bringen, das in falsche Richtungen zu bringen. Ich habe auf eine solche falsche Richtung, die zu den paradoxesten gehört, schon hingewiesen. Ich habe Sie darauf hingewiesen, daß ja freilich die Menschenleiber sich so entwickeln werden, daß in ihnen eine gewisse Spiritualität Platz finden kann, daß aber der materialistische Sinn, der sich immer mehr ausbreiten wird durch die Anweisungen der Geister der Finsternis, dagegen arbeiten und mit materiellen Mitteln dagegen kämpfen wird. Ich habe Ihnen gesagt, daß die Geister der Finsternis ihre Kostgeber, die Menschen, in denen sie wohnen werden, dazu inspirieren werden, sogar ein Impfmittel zu finden, um den Seelen schon in frühester Jugend auf dem Umwege durch die Leiblichkeit die Hinneigung zur Spiritualität auszutreiben. Wie man heute die Leiber impft gegen dies und jenes, so wird man zukünftig die Kinder mit einem Stoff impfen, der durchaus hergestellt werden kann, so daß durch diese Impfung die Menschen gefeit sein werden, die «Narrheiten» des spirituellen Lebens nicht aus sich heraus zu entwickeln, Narrheiten selbstverständlich im materialistischen Sinne gesprochen.
5 Begonnen - mehr auf literarischem Gebiete, wo es aber unschädlicher ist - hat ja die Sache schon. Ich habe Sie darauf hingewiesen, daß Schriften sehr gelehrter Mediziner erschienen sind über die Pathologie verschiedener Genies. Sie wissen: Conrad Ferdinand Meyer, Viktor Scheffel, Nietzsche, Schopenhauer, Goethe, alle hat man dadurch als Genies zu begreifen versucht, daß man dieses oder jenes Pathologische in ihnen nachgewiesen hat. Und was das Aufregendste, möchte ich sagen, auf diesem Gebiete ist, das ist, daß man auch den Christus Jesus vom pathologischen Standpunkte aus, die Evangelien vom pathologischen Standpunkte aus zu begreifen versucht hat. Es gibt zwei Schriften heute schon, welche die Entstehung des Christentums zurückführen darauf, daß einmal im Beginn der neuzeitlichen Zeitrechnung ein seelisch und geistig unnormaler Mensch gelebt hat, der in Palästina als Jesus herumgegangen ist und aus seinen Seelenkrankheitserscheinungen die Menschen mit dem Christentum angesteckt hat. Zwei Schriften gibt es auch über die Pathologie des Christus Jesus.
6 Das, wie gesagt, sind die unschuldigen, literarischen Anfänge. Das alles tendiert aber dahin, zuletzt das Mittel zu finden, durch das man die Leiber impfen kann, damit sie nicht Neigungen zu spirituellen Ideen aufkommen lassen, sondern ihr ganzes Leben hindurch nur an die sinnenfällige Materie glauben. So, wie man aus den Impulsen, welche die Medizin aus der Schwindelsucht - pardon, verzeihen Sie -, aus der eigenen Schwindsucht heraus gewonnen hat, gegen die Schwindsucht heute impft, so wird man impfen gegen die Anlage zur Spiritualität. Das soll nur hinweisen auf ein besonders paradox Hervorragendes unter vielem andern, was auf diesem Gebiet im Laufe der nächsten und ferneren Zukunft auftreten wird, damit das, was durch den Sieg der Geister des Lichtes aus den geistigen Welten auf die Erde herniederströmen will, in Verwirrung komme.
7 Dazu müssen natürlich zuerst die Weltanschauungen, die Auffassungen der Menschen verworren gemacht werden, die Begriffe, die Vorstellungen müssen zunächst verkehrt werden. Und hier ist ein ernstes Gebiet, auf das man sehr wachsam hinschauen soll, denn dieses Gebiet gehört zu den wichtigsten Hintergründen der Ereignisse, die sich gegenwärtig vorbereiten.
8 Ich wähle meine Ausdrücke vorsätzlich exakt. Ich sage «vorbereiten» und bin mir wohl bewußt, daß, wenn jemand von vorbereiten spricht, nachdem dasjenige stattgefunden hat, was in den letzten drei Jahren stattgefunden hat, er schon Bedeutungsvolles sagt, denn wer tiefer in die Dinge hineinsieht, weiß, daß es sich um Vorbereitungen handelt. Nur der Oberflächliche kann glauben, daß morgen oder übermorgen dasjenige, was nicht im alten Sinne ein Krieg ist, durch einen Frieden im alten Sinne abgeschlossen werden kann. Nur wer die Ereignisse recht oberflächlich beurteilt, kann solches glauben. Wohl werden es viele glauben, wenn äußerlich dies oder jenes eintritt, was solchen Vorstellungen ähnlich sieht, wie mancher sie sich macht; dann wird man aber nicht bedenken, was unter der Oberfläche schlummern wird.
Dornach, 27.Okt.1917 ♄
aus «GA 177»; S.218ff