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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
STOFFWECHSEL und BLUTKREISLAUF
1 Diejenigen Organsysteme, Werkzeugsysteme des menschlichen Organismus, welche dabei zuerst in Betracht kommen werden, sollen sein der Ernährungsapparat und alles das, was zwischen dem Ernährungsapparat und jenem wunderbaren Gebilde liegt, das wir unschwer wie eine Art Mittelpunkt der ganzen menschlichen Organisation empfinden können, dem Herzen [cor]. Da zeigt uns gleich der oberflächliche Blick, daß der Ernährungsapparat - wie man ihn im populären Sinne nennen kann - dazu bestimmt ist, die Stoffe unserer äußeren irdischen Umwelt aufzunehmen und für die weitere Verarbeitung im physischen Organismus des Menschen vorzubereiten. Wir wissen, daß dieser Verdauungsapparat zunächst von unserem Munde aus röhrenförmig zu dem Organ sich erstreckt, das jeder als den Magen [stomachus] kennt. Und schon eine oberflächliche Betrachtung lehrt uns, daß von jenen Nahrungsmitteln, die durch diesen Kanal in den Magen eingeführt werden, gewissermaßen unverwendete Teile einfach abgesondert werden, während andere Teile von den weiteren Verdauungsorganen in den menschlichen Leibesorganismus übergeführt werden. Es ist ja auch wohl bekannt, daß an den eigentlichen Verdauungsapparat im engeren Sinne sich das anschließt, was wir das Lymphsystem nennen - ich will jetzt zunächst nur schematisch sprechen -, um die vom Verdauungsapparat hineingelieferten Nahrungsstoffe in verwandeltem Zustande aufzunehmen. So daß wir sagen können, daß an den Verdauungsapparat, soweit er sich an den Magen angliedert, ein Organsystem sich anschließt, das Lymphsystem, als eine Summe von Kanälen, die durch den ganzen Körper gehen, ein System, welches das übernimmt, was durch den Verdauungsapparat verarbeitet ist, und die umgewandelten Stoffe abliefert an das Blut [sanguis]. Und dann haben wir das dritte Glied der Menschennatur, das Blutgefäßsystem selber mit seinen weiteren oder engeren Röhren, wie es sich durch den ganzen menschlichen Organismus zieht und das zum Mittelpunkte seines ganzen Wirkens das Herz hat. Wir wissen ja, daß vom Herzen diejenigen bluterfüllten Gefäße ausgehen, die wir die Arterien nennen, und daß diese nach allen Teilen unseres Organismus das sogenannte rote [arterielle] Blut hinführen. Das Blut macht einen gewissen Prozeß in den einzelnen Gliedern des menschlichen Organismus durch, wird dann wiederum zurückgeführt durch andere Gefäße, die Venen, die es aber jetzt in verändertem, verwandeltem Zustande als sogenanntes blaues [venöses] Blut zu dem Herzen zurückbringen. Wir wissen auch, daß dieses verwandelte, unbrauchbar gewordene Blut von dem Herzen in die Lunge geleitet wird, daß es dort in Berührung kommt mit dem von außen aufgenommenen Sauerstoff der Luft, daß es dadurch erneuert und dann wiederum in Venen zum Herzen zurückgeleitet wird, um von neuem den Umlauf durch den ganzen menschlichen Organismus zu beginnen.
2 Um diese komplizierten Systeme zu betrachten, wollen wir uns, damit wir in der äußeren Betrachtungsweise gleich eine Grundlage haben für die okkulte Betrachtungsweise, zunächst an dasjenige System halten, das von vornherein jedem als das eigentliche Mittelpunktsystem des ganzen menschlichen Organismus erscheinen muß: das Blut-Herzsystem. Wir wollen dabei zunächst ins Auge fassen, wie das Blut, nachdem es als verbrauchtes Blut in der Lunge aufgefrischt ist, also aus dem sogenannten blauen Blut wieder in rotes Blut verwandelt worden ist, wieder zum Herzen zurückkehrt und dann vom Herzen als rotes Blut wiederum ausströmt in den Organismus, um hier verwendet zu werden. [...] Rufen wir uns kurz ins Gedächtnis, daß das menschliche Herz ein Organ ist, das eigentlich aus vier Gliedern zunächst besteht, aus vier Kammern, die durch Innenwände so abgegrenzt sind, daß man unterscheiden kann zwei größere Räume nach unten gelegen und zwei kleinere nach oben gelegen, die beiden unteren die beiden Herzkammern, wie man sie gewöhnlich nennt, während die oberen die Vorkammern genannt werden. Ich will heute noch nicht von den Herzklappen sprechen, sondern den Gang der wichtigsten Organtätigkeiten ganz schematisch ins Auge fassen. Da zeigt sich zunächst, daß das Blut, nachdem es aus der linken Vorkammer in die linke Herzkammer geströmt ist, durch eine große Schlagader abfließt und von da aus in den ganzen Organismus geleitet wird. Nun wollen wir ins Auge fassen, daß dieses Blut zunächst in alle einzelnen Organe des Organismus sich verteilt, daß es dann im Organismus verbraucht wird, wodurch es in das sogenannte blaue Blut verwandelt wird und als solches wieder zum Herzen in die rechte Vorkammer zurückkehrt, von dort in die rechte Herzkammer fließt, um von hier aus wieder in die Lunge zu gehen, wieder erneuert zu werden und den Gang durch den Organismus von neuem zu machen.
3 Wenn wir uns dies vorstellen, so ist es zur Grundlage einer okkulten Betrachtungsweise wichtig zu bedenken, daß sehr früh von der Hauptschlagader eine Nebenströmung abgeht, welche ins Gehirn [cerebrum] führt, die oberen Organe des Menschen versorgt und von dort als verbrauchtes Blut wieder zurückfließt in die rechte Vorkammer, und daß es als das Gehirn passiert habendes Blut ebenso verwandelt wird wie das Blut, das aus den übrigen Gliedern des Organismus kommt. Wir haben also einen kleineren Nebenkreislauf des Blutes, in welchen das Gehirn eingeschaltet ist, abgetrennt von dem anderen, großen Kreislauf, der den ganzen übrigen Organismus versorgt.
Skizze der Tafelzeichnung © 1978 by R.Steiner Verlag
Nun ist es außerordentlich wichtig, daß wir gerade diese Tatsache ins Auge fassen. Denn wir bekommen eine richtige Vorstellung, die uns eine Grundlage geben kann für alles, was uns möglich machen wird, in die okkulten Höhen hinaufzusteigen, nur dann, wenn wir uns die Frage stellen: Ist denn - in ähnlicher Weise, wie in den kleinen Blutkreislauf die oberen Organe eingeschaltet sind, namentlich das Gehirn - in den großen Blutkreislauf, der den übrigen Organismus versorgt, etwas ähnliches eingeschaltet? - Da kommen wir in der Tat zu dem Ergebnis, das schon die äußere oberflächliche Betrachtungsweise liefern kann, daß in den großen Blutkreislauf zunächst das Organ eingeschaltet ist, welches wir die Milz [lien] nennen, daß weiter darin eingeschaltet ist die Leber [iecur] und jenes Organ, welches die von der Leber zubereitete Galle [bilis] enthält. Diese Organe sind alle in den großen Blutkreislauf eingeschaltet.
4 Wenn wir jetzt nach der Aufgabe dieser Organe fragen, so gibt uns die äußere Wissenschaft darauf die Antwort, daß die Leber die Galle bereitet, daß die Galle über die Gallenwege abfließt in den Verdauungskanal und an der Verarbeitung der Nahrungsmittel so mitwirkt, daß diese dann aufgenommen werden können vom Lymphsystem und übergeleitet werden können in das Blut. Weniger Genaues sagt die äußere Wissenschaft über die Milz. Wenn wir diese Organe betrachten, haben wir nun zunächst den Blick darauf zu richten, daß dieselben sich sozusagen zu beschäftigen haben mit der Umwandlung der Nahrung für den menschlichen Organismus, daß aber auf der anderen Seite alle drei Organe eingeschaltet sind in den großen Blutkreislauf. In diesen sind sie nun nicht umsonst eingeschaltet. Denn insofern die Nahrungsstoffe aufgenommen werden in das Blut, um durch das Blut dem menschlichen Organismus zugeführt zu werden und demselben die Baustoffe fortwährend zu ersetzen, da beteiligen sich diese drei Organe an der notwendigen Verarbeitung der Nahrungsstoffe. Es ist nun die Frage: Können wir aus einer äußeren Beobachtung schon entnehmen, wie sich diese drei Organe an der Gesamttätigkeit des menschlichen Organismus beteiligen? - Richten wir dazu den Blick zunächst auf eine Äußerlichkeit, darauf, daß diese Organe so eingeschaltet sind in den unteren Blutkreislauf, wie das Gehirn in den oberen Kreislauf eingeschaltet ist; und fragen wir einmal - wenn wir uns zunächst wirklich an diese äußerliche Betrachtungsweise halten, die später vertieft werden soll -, ob diese Organe möglicherweise eine ähnliche, eine verwandte Aufgabe haben könnten wie das Gehirn oder überhaupt wie die höhergelegenen Teile des menschlichen Organismus. Worin könnte diese Aufgabe bestehen?
5 Betrachten wir einmal diese höheren Teile des menschlichen Organismus; es sind ja die Organe, welche die äußeren Sinneseindrücke aufnehmen und das Material unserer Sinneswahrnehmung verarbeiten. Daher können wir sagen: Was im menschlichen Haupt, in den oberen Partien des menschlichen Organismus geschieht, das ist Verarbeitung der Außenwelt, Verarbeitung jener Eindrücke, die von außen durch die Sinnesorgane einfließen. Die wesentlichen Ursachen für das, was in den oberen Partien des Menschen geschieht, haben wir zu sehen in den äußeren Impressionen, in den äußeren Eindrücken. Indem diese äußeren Eindrücke ihre Wirkungen hineinsenden in die oberen Organe des menschlichen Organismus, verändern sie das Blut oder tragen jedenfalls dazu bei und senden dieses Blut ebenso verändert zum Herzen zurück, wie aus dem übrigen Organismus das Blut verändert zum Herzen zurückgesandt wird. Liegt es nun nicht nahe, daran zu denken, daß das, was durch das Tor der Sinnesorgane von der Außenwelt in den oberen Teil des menschlichen Organismus hereinwirkt, in gewisser Weise demjenigen entspricht, was aus den im Innern gelegenen Organen - Milz, Leber, Galle - heraus wirkt? Der obere Teil des menschlichen Organismus schließt sich nach außen auf, um die Wirkungen der Außenwelt zu empfangen, und während das Blut nach oben strömt, um diese Eindrücke der Außenwelt aufzunehmen, strömt es nach unten, um dasjenige aufzunehmen, was von den unteren Organen kommt. Wie wir gesagt haben, werden von der Umwelt durch die Sinne Wirkungen auf unsere obere Organisation ausgeübt. Denken wir uns dies einmal zusammengezogen, zusammengepreßt in einem Zentrum, so können wir darin etwas Analoges sehen zu dem, was durch Leber, Galle und Milz bewirkt wird: Umwandlung von Stoffen, die der Außenwelt entnommen sind. Wenn wir näher darauf eingehen, werden Sie sehen, daß das keine so ganz absonderliche Betrachtungsweise ist.
6 Denken Sie sich die verschiedenen hereinfließenden Sinneseindrücke der Außenwelt wie zusammengezogen, gleichsam zu Organen verdichtet, ins Innere des Menschen verlegt und eingeschaltet in das Blut, so bietet sich der obere Teil des menschlichen Organismus dem Blute ebenso dar, wie sich von innen die Organe Leber, Galle, Milz dem Blute darbieten. Also wir haben die Außenwelt, die oben unsere Sinne umgibt, gleichsam in Organe zusammengedrängt und ins Innere des Menschen verlegt, so daß wir sagen können: Einmal berührt uns die Welt von außen, sie strömt durch die Sinnesorgane in unseren oberen Organismus ein und wirkt auf unser Blut, und einmal wirkt auf geheimnisvolle Weise die Welt von innen in Organen, in die sich erst zusammengezogen hat, was draußen im Makrokosmos vorgeht, und wirkt da entgegen unserem Blut, das sich ihm ebenso darbietet. Wenn wir das schematisch zeichnen wollten, könnten wir also sagen: Denken wir uns auf der einen Seite die Welt, von allen Seiten wirkend auf die Sinne, und das Blut, wie eine Tafel den Eindrücken der Außenwelt sich darbietend, so haben wir unsere obere Organisation. Denken wir uns jetzt, wir könnten diese ganze Welt zusammenziehen, in einzelne Organe zusammenziehen, einen Extrakt dieser Welt bilden, und könnten ihn in das Innere herein verlegen, so daß gewissermaßen die ganze Welt auf die andere Seite des Blutes wirkt, dann hätten wir ein schematisches Bild des Außen und des Innen des menschlichen Organismus in einer ganz sonderbaren Weise geformt. So könnten wir in einer gewissen Weise schon sagen: Es entspricht das Gehirn eigentlich unserer Innenorganisation; insoweit sie Brust- und Bauchhöhle ausfüllt, ist gleichsam die Außenwelt in unser Inneres verlegt.
7 Schon in dieser Organisation, die wir ja als eine untergeordnete erkennen, die hauptsächlich der Fortführung des Ernährungsprozesses dient, haben wir etwas so Geheimnisvolles wie eine Zusammenfügung der ganzen Außenwelt in eine Summe von inneren Organen, von inneren Werkzeugen. Und wenn wir nun diese Organe Leber, Galle, Milz einmal näher betrachten, können wir sagen: Zunächst ist es die Milz, die sich der Blutströmung darbietet. Die Milz ist ein sonderbares Organ, in der in blutreiche Gewebe eingebettet ist eine ganze Summe von kleinen Körnchen, die sich gegenüber der übrigen Gewebemasse weiß ausnehmen. Wenn wir das Blut im Verhältnis zur Milz betrachten, erscheint uns die Milz wie ein Sieb, durch welches das Blut hindurchgeht, um sich einem solchen Organ darzubieten, das in gewisser Weise ein zusammengeschrumpfter Teil des Makrokosmos ist. Als nächste Stufe sehen wir dann, wie sich das Blut der Leber darbietet und wie die Leber ihrerseits die Galle absondert, die in einem besonderen Organ aufbewahrt wird, dann in die Nahrungsstoffe übergeht und von dort aus mit den verwandelten Nahrungsstoffen in das Blut gelangt.
8 Dieses innere Sichdarbieten des Blutes an die drei Organe können wir uns nicht anders als in folgender Weise vorstellen: Das erste Organ, das sich dem Blut entgegenstellt, ist die Milz, das zweite die Leber, und das dritte, das eigentlich ein sehr kompliziertes Verhältnis schon zum gesamten Blutsystem hat, ist die Galle. Weil die Galle den Nahrungsstoffen dargeboten wird und an der Verarbeitung derselben beteiligt ist, wird sie als besonderes Organ gezählt. Aus bestimmten Gründen haben die Okkultisten aller Zeiten diesen Organen gewisse Namen gegeben. [...] Weil die Milz sich dem Blut zuerst darbietet - so können wir rein äußerlich vergleichsweise sagen -, erschien sie den alten Okkultisten am besten mit jenem Namen bezeichnet, der dem Stern zukommt, der sich im Weltenraum zuerst im Sonnensystem darbietet; deshalb nannten sie die Milz Saturnus [♄] oder einen inneren Saturn im Menschen. In ähnlicher Weise nannten sie die Leber einen inneren Jupiter [♃] und die Galle einen inneren Mars [♂]. Wollen wir zunächst bei diesen Namen uns gar nichts anderes denken, als daß wir sie aus dem Grunde wählen, weil wir die Anschauung gewonnen haben, zunächst hypothetisch, daß die äußeren Welten, die sonst unseren Sinnen zugänglich sind, zusammengezogen sind in diesen Organen und uns gleichsam als innere Welten entgegentreten, wie uns äußerliche Welten in den Planeten entgegentreten. Wir würden aber jetzt schon sagen können: Wie die äußeren Welten unseren Sinnen erscheinen, indem sie von außen eindringen und auf das Blut wirken, so erscheinen uns die Innenwelten wirksam auf das Blut, indem sie dasselbe ebenfalls beeinflussen.
Prag, 21.Mär.1911 ☉
aus «GA 128»; S.29ff