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Zitatensammlung
Teil 1
Zitate von Rudolf STEINER zur
HERKUNFT von LEIB und SINNEN
1 Würden Sie bis zum alten Saturn zurückgehen und da jene allererste Anlage des physischen Menschenleibes untersuchen, wo noch nicht von dem späteren Ätherleib, Astralleib und Ich die Rede sein kann, würden Sie jenen eigentümlichen physischen Leib, wie er in jenen uralten Zeiten war, untersuchen, dann würden Sie vergeblich nach den allerersten Anlagen der Augen suchen. Sie würden sie nicht rinden können, denn sie waren dazumal noch nicht in der ersten Anlage vorhanden. Dagegen würden Sie im Saturnleibe bereits die Anlagen zum menschlichen Ohr finden. Da haben Sie diesen Altersunterschied, der Ihnen begreiflich sein wird, wenn Sie sich überlegen, daß der physische Leib eben so viele Stufen durchgemacht hat, wie es planetarische Verkörperungen gegeben hat. Auf der ersten Stufe ist er soweit gekommen, daß er die Ohren ihrer Anlage nach vollständig ausbildete. Sie waren sogar eigentlich schon vorgebildet, als der Mensch aus ganz anderen Welten zum Saturn herüberkam. Mit der Anlage zum Hören ist der Mensch schon in diese Evolutionskette eingetreten. Er hat dann auf diesem ersten Planeten die Anlage zu dem, was man den Wärmesinn [Thermikus] nennen könnte, hinzugefügt, man kann auch sagen, zum Wärmegefühl. Man spricht im allgemeinen von einem Hautsinn. Da ist aber zweierlei genau zu unterscheiden. Zuerst ist er Tastsinn [Haptikus], der Hartes und Weiches wahrnimmt; dann ist er aber auch Wärmesinn, der Wärme und Kälte wahrnimmt. Von diesem Wärmesinn sprechen wir jetzt. Es ergibt sich also folgende Stufenfolge. Zuerst haben wir das Gehör [Akustikus] und dann das Gefühl, den Wärmesinn. Dieser Wärmesinn wurde auf der Planeteninkarnation der Erde ausgebildet, die wir Saturn nennen. Ein solcher Sinn wird natürlich auf den verschiedenen Stufen der Evolution umgestaltet. Wenn er das erste Mal auftritt, ist er etwas ganz anderes, als das, wozu er sich später umgestaltet. Jener uralte Gehörsinn, mit dem der Mensch in die planetarische Entwickelung eingetreten ist, war ein ganz eigentümlicher Gehörsinn. Man könnte ihn am besten charakterisieren, wenn man sagen würde: Dieser physische Menschenleib war im Grunde genommen nur ein großes Ohr. Ganz Ohr war damals der Mensch, als er seine planetarische Entwickelung begann. Der Mensch unterschied sich als physischer Leib kaum von seiner übrigen Umgebung. Er tönte, und es tönte alles mit. In seinem ganzen Leibe vernahm er, was als die Töne der Welt draußen lebte. Wie eine Saite mitschwingt, wenn eine andere angeschlagen wird, so war für jeden Ton, der in der Welt erklang, eine verwandte Schwingung im menschlichen physischen Leib. Es klang alles mit.
2 Und nun besteht die Fortentwickelung der Sinne darin, daß sie sich spezialisieren. Während der Mensch zuerst ganz Ohr war, trat jetzt zu ihm der Wärmesinn hinzu. Da differenzierte sich, was früher einheitlich war, in zwei Gebilde. Das drückte sich auch körperlich aus. Bestimmte Organe traten auf, die nur das Gehör, und andere, die nur die Wahrnehmung der Wärme vermitteln. So verändert sich mit jedem neuen Auftreten des physischen Leibes der ganze Mensch. Seine Sinne spezialisieren sich, und er wird immer mehr aus einem einfachen ein ungeheuer kompliziertes Wesen. Mit der Anlage zum Gehör trat der Mensch also in die Saturnentwickelung ein. Auf dem Saturn legte er sich den Wärmesinn zu. In der auf den Saturn folgenden Sonnenentwickelung erwarb der Mensch den Gesichtssinn [Optikus]. Die Anlage zum Gesichtssinn während der Sonnenzeit ist also die dritte Etappe, mit der sich die anderen Sinne in der entsprechenden Weise umgestalten, so daß der Mensch auf der Sonne ein hörendes, fühlendes und eine Art sehendes Wesen ist.
3 Nun verfolgen wir die Evolution weiter und kommen zum Mond. Die Sonne ist zuvor wieder in ein Pralaya [einen Ruhezustand] eingetreten. Sie geht dann neuerdings als Mond auf. Auf dem Monde entwickelt sich zu den drei übrigen Sinnen, die der Mensch hat, noch der Geschmackssinn [Gustikus] hinzu. Jetzt hat der Mensch von den gegenwärtigen Sinnen vier entwickelt. Dabei spezialisieren sich die anderen, das heißt, sie verteilen sich auf die einzelnen Organe. Sie können es förmlich verfolgen, wie sich dieser physische Leib als Organ für die Außenwelt erschließt. Dabei hatte sich das sympathische Nervensystem bereits auf der Sonne ausgebildet. Während des Lebens auf dem alten Monde geht die Entwickelung der anderen Organe ebenfalls stufenweise weiter, doch wollen wir uns auf die Sinne beschränken. Auf dem Mond kommt also der Geschmackssinn dazu, und auf der Erde der jüngste der Sinne, der Geruchssinn [Olfaktorikus]. Wenn Sie heute die Sinne studieren, so können Sie sich sagen, der Geruchssinn ist der jüngste Sinn, der sich am Menschen zuletzt gebildet hat. Der Geschmackssinn war schon in der Mondenentwickelung da und ist einmal umgebaut worden. Jede Umbildung ist eine Vervollkommnung. Der Geruchssinn ist der unvollkommenste. Der Geschmackssinn hat schon einmal seine Fehler korrigiert. Der Gesichtssinn hat seine Fehler schon zweimal, der Wärmesinn schon dreimal korrigiert. Der Gehörsinn ist aber der vollkommenste, weil er bereits vier Umbildungsformen hinter sich hat und die fünfte auf der Erde erfuhr.
4 So müssen Sie diesen Menschenleib als ein sehr kompliziertes Wesen auffassen und sich klar sein, daß vieles notwendig war, um nach und nach den physischen Leib des Menschen aufzubauen. Man muß das relative Alter der verschiedenen Teile dieses Leibes kennen, wenn man sich ein Urteil darüber bilden will. Und so stehen die Sinne, auch in bezug auf ihren Vollkommenheitsgrad, wiederum in verschiedenen Verhältnissen zu anderen Wesenheiten. Ein Sinnesorgan, das vollkommener ist, das sich öfter umgebildet hat, steht in Beziehung zu ganz anderen Welten als ein solches Sinnesorgan, das nur wenige Umbildungen erfahren hat.
5 Bleiben wir also zunächst beim Gehörsinn stehen. Dieser Sinn ist durch eine ganze Reihe von Stufen hindurchgegangen. Er war auf dem Saturn bereits als Anlage vorhanden, als der Mensch in seine Evolution eintrat. Was geschah also? Die physische Saturnentwickelung führte den Gehörsinn ein Stück weiter und fügte dazu die erste Anlage zum Wärmesinn. Nun kam die Sonnenentwickelung, zum physischen Leib kam der Ätherleib. Damit war ein neues Glied der menschlichen Natur eingefügt, und das arbeitete mit an der Umgestaltung der Sinne. Vom Mond an arbeitet der Astralleib mit, und von der Erdenentwickelung an arbeitet der Ich-Leib mit. Aber durch diesen ganzen Zusammenhang ist noch etwas anderes bedingt. Weil der Geruchssinn erst auf der Erde in die Reihe der Sinne eingetreten ist, hat das Ich auf den Geruchssinn noch keinen Einfluß. Er steckt noch ganz in der bloß physischen Entwickelung darin. Erst auf den Geschmackssinn hat der Ätherleib des Menschen einen Einfluß. Auf den Gesichtssinn hat der Astralleib des Menschen einen Einfluß, auf den Wärme-, den Gefühlssinn der Ich-Leib. Und was sich als erster Ansatz von Manas im Menschen ausgebildet hat, als erste Anlage zu diesem höheren geistigen Selbst, hat einen Einfluß auf den Gehörsinn. Tatsächlich hat also dasjenige, was zur höheren Natur des Menschen gehört, heute erst auf den Gehörsinn Einfluß. Von alledem was sich die niederen vier Sinne erobern, wird der ewigen Seele noch nichts einverleibt. Erst was in Worten ausdrückbar ist [Sprachsinn, Logikus], was der Mensch in Worte kleiden kann - das Wort braucht lediglich gedacht zu sein, und es wird doch innerlich gehört -, zählt zum ewigen, unvergänglichen Teil des Menschen. Alle Gedanken, die in Worte kleidbar sind, die Gefühle, die so deutlich im Menschen leben, daß sie sich durch Worte aussprechen könnten, alle die Impulse, die der Mensch wirklich bezeichnen kann, die nicht als dunkle Triebe in ihm leben, sondern so klar sind, daß sie in Worte umsetzbar sind, alles das gehört dem ewigen Teil des Menschen an. Das Wort [ὁ λόγος] ist daher etwas, was zur ewigen Grundlage des Menschen gehört. Wenn man also überhaupt anfängt, vom Ewigen zu sprechen, muß man im wörtlichsten Sinne vom Worte reden. Damals, als die Erde in ihre Evolution eintrat, als die Erdenevolution auf dem Saturn anfing, war diese erste Anlage zum Worte da. Nur auf der Erde ist diese Anlage herausgekommen. Ganz wörtlich ist der Satz zu nehmen: «Im Anfang war das Wort.» [Jh.1,1] Solche Evangelienstellen sind nicht nur sinnbildlich zu verstehen, sondern ihr Sinn muß so herausgearbeitet werden, daß sie wörtlich verstanden werden können. Auch von dem, was im Menschen ewig ist, ist das Wort der Anfang. Daher ist auch das Wort, das hörbare Wort, das erste vom Menschen, was beim zukünftigen Weltaufbau brauchbar ist. Alles, was die übrigen Sinne produzieren, ist für die Evolution, welche die Erde noch durchmachen soll, gar nicht brauchbar.
Berlin, 19.Okt.1906 ♀
aus «GA 96»; S.125ff