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Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Günther WACHSMUTH zur
KULTURBILDUNG im ERDORGANISMUS
1 Die Wechselbeziehung von Erde und Mensch offenbart sich uns mehr und mehr, sowohl in ihren stoflichen und dynamischen, als auch in ihren psychischen und geistigen Komponenten. Zur Geophysik und Geopsyche[ologie] muß die Geopneumatologie treten, wenn wir Ganzheitsforschung verwirklichen wollen. Es sei hier nur z. B. an die Tatsache erinnert, daß sich auch die vom Menschen entfalteten Kulturen in der Geschichte dem Erdorganismus in eigenartiger Weise einordnen, d. h. daß die großen Kulturen der Menschheit ihre Geburtsstätten nicht überall und beliebig im Kräftefeld der Erde wählten. Denn wir stehen vor dem Phänomen, daß die wesentlichen, die Menschheitsgeschichte bestimmenden Kulturen gerade in jener mittleren Zone der Erde geboren wurden, die wir als die gemäßigten Breiten bezeichnen, wo nicht die Einseitigkeiten und Extreme der polaren oder äquatorialen Zone herrschen, sondern wiederum lebendiger Wechsel und Rhythmus am stärksten zur Geltung kommt. [...] Während das Polargebiet am meisten aus den Erdenrhythmen herausisoliert ist, im extremen Gegensatz hierzu das Äquatirialgebiet zu stark, den außerterrestrischen Einflüssen hingegeben ist, kommen in den gemäßigten Breiten, der mittleren Zone in diesem dreigliedrigen System, die ausgleichenden Übergänge zwischen den Extremen, alle Variationen und Rhythmen in lebendigem Pulsschlag am besten zur Geltung. Diese mittleren Breiten zwischen etwa 23-60° stellen gleichsam das rhythmische System in jener Dreigliederung zwischen Pol und Äquator dar, und in diesem Bereich sind auch die großen Kulturen geboren worden. Lebendiger Wechsel und Rhythmus fördert also sowohl die Lebensprozesse als auch die geistig-seelische Kapazität und Entwicklung.
2 Wir erleben in diesen Phänomenen auch wiederum jenes intensive Aufeinanderabgestimmtsein der äußeren, natürlichen Klimata und dessen, was wir das innere, geistig-seelische Klima des Menschen nennen können. Bis in feinste Varianten und Nuancierungen hinein wirkt sich dieses Wechselverhältnis aus. So ist es aufschlußreich zu beobachten, wie die mehr dem Außerirdischen, Kosmischen, aufgeschlossenen Seelenhaltungen der früheren östlichen Kulturen Indiens, Persiens, Ägyptens, sich mehr in den südlichen Bereichen dieser mittleren Zone entfalten, die mehr erdgebundenen Kulturen und Zivilisationen des Westens mehr dem nördlichen Bereich dieser mittleren Zone angehören. Das noch erdfremde Bewußtsein, das nach außerterrestrischen Sphären tendierende, zentrifugale Erleben und Denken der Frühzeit metamorphosiert sich in der Geschichte der Kulturen allmählich in ein zentripetales, der Erdfeste zuneigendes Denken und Handeln. Einseitige Hingabe an außerirdische Welten und einseitige Konzentration auf das Allzuirdische, Erdflucht und Erdsucht, sind typische Varianten in der Metamorphose des Menschheitsbewußtseins. Eine gesunde Entwicklung wird sich wiederum nur im Ausgleich zwischen solchen Einseitigkeiten entfalten, in einem Ganzheitserlebnis, das die Einheit von Kosmos, Erde und Mensch umfaßt. Wir können die Erde nicht fliehen, denn sie ist uns Träger und Hülle, Mutterschoß und Schutz, schenkt uns mit ihren Impulsen und Rhythmen, Substanzen und Bildekräften unübersehbar mannigfaltige Entwicklungsmöglichkeiten. Wir brauchen aber auch nicht nur ihr Werkzeug und Sklave zu sein. Wie sie selbst Freiheitsgrade im Kosmos entfaltet, so sind uns Freiheitsgrade in ihren Hüllen und Sphären gegeben. Aus seinen höheren Wesensgliedern kann sich der Mensch das Wirkensdfeld der Umwelt und seinen eigenen Bildekräfteleib dienstbar machen und seine eigene Entwicklung richten und meistern. Frei von Erdfucht und Erdsucht, die Ganzheit erkennend und durchschauend, kann der Mensch ein Mitwirkender im Werden und in der Metamorphose des Erdorganismus sein. Auch die Kulturgeschichte wird sich in Zukunft mit der Gliederung der Erde beschäftigen müssen, wird außer der Erforschung der Geopsyche auch eine differenzierte „Bildekräfte-Geographie” der Erde zum Erkenntnisinhalt machen.
aus «Erde und Mensch»; S.426f
https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWzit013200426.htm