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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Eskalation
Lassen Menschen einen Konflikt eskalieren, so wird eine Abwärtsspirale eingeleitet. Der Konfliktforscher Friedrich Glasl erklärt, dass „der Weg der Eskalation [a] mit einer gewissen zwingenden Kraft in Regionen führt, die große untermenschliche Energien [b] aufrufen, die sich jedoch auf die Dauer der menschlichen Steuerung und Beherrschung entziehen”, was zunehmend zu irrationalen Handlungen verleitet. Die daran Beteiligten orientieren sich immer enger am bereits Erlebten und blenden die Folgen ihres Handelns weitgehend aus, ohne sich dessen bewusst zu werden.
Glasl unterscheidet in seinem Phasenmodell neun Eskalationsstufen:
win-win
↷a Verhärtung: Standpunkte prallen aufeinander, doch wird noch kein Konflikt wahrgenommen; Spannungen bauen sich auf.
↷b Polarisierung: Meinungsverschiedenheiten in der Debatte führen statt zum Dialog zur Diskussion und zum Streit.
↷c Wortersatz durch Taten: Mindestens eine Konfliktpartei bricht die Gespräche ab und setzt Handlungen, weil die Empathie (das Mitempfinden) für das Gegenüber verloren geht.
win-lose
↷d Imagesorge und Koalition: Denunziationen und Frontenbildung setzen ein; Mitstreiter werden gesucht, um die eigene Position zu stärken.
↷e Gesichtsverlust: Die Gegenpartei soll demaskiert (= herabgesetzt und verleumdet) werden; ihre Persönlichkeit oder Identität wird angegriffen.
↷f Drohstrategien: Ultimaten und Sanktionen werden gesetzt, um die eigene Macht zu demonstrieren.
lose-lose
↷g Schadenswille: Begrenzte Zerstörungen kommen ins Spiel.
↷h Zersplitterung: Was immer die Gegenpartei stützt und ihr nützt soll zertrümmert werden, um sie niederzuringen.
↷i Abgrund: Die restlose Konfrontation lässt keinerlei Rückzugsebene mehr erkennen, sodass letztlich die eigene Vernichtung in Kauf genommen wird.
nach »Das Goetheanum« 10·2022; S.20
a] von franz. éscalier ~ Leiter
b] vgl. Rudolf Steiner zum Erdeninneren