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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Adonis
Adonis Ἄδωνις (von semit. adon ~ Herr) ist ursprünglich ein syrophönizischer Vegetationsgott, dessen Verwelken und Wiedererblühen verehrt wurde. Den Griechen zufolge war seine Mutter Myrrha (Μύρρα) vor seiner Geburt in einen Myrrhenbaum verwandelt worden. Der überaus schöne Geliebte der Aphrodite (Ἀφροδίτη) wurde von einem Eber getötet, worauf die Göttin aus seinem Blut das Adonisröschen erspriessen liess und seine halbjährliche Entlassung aus dem Hades erwirkte. Seine Anhängerinnen feierten ihn nicht öffentlich.
Die Etrusker kannten ihn als Atunis.
nach «Lexikon der Götter und Dämonen»
Die Geschichte von dem jungen Herrn und Geliebten der großen Liebesgöttin war bei uns - und sicher schon in jener orientalischen Gegend, woher sie übernommen wurde, in Syrien, Zypern, Kleinasien - mit der Geschichte von einem Baum verbunden. Sie wurde von jenem arabischen Myrrha- oder Smyrnastrauch erzählt, dessen stark duftendes Harz die Völker des Altertums als den wertvollsten geronnenen Saft eines Baumes geschätzt haben. Dieses Harz hieß Myrrha oder Smyrna.
Nach der Erzählung¹⁸⁵ war Myrrha - oder Smyrna - eine Königstochter, die Tochter des Königs Theias am Libanon oder des Kinyras auf Zypern, des Gründers von Paphos, um nicht noch andere Namen zu nennen. Myrrha verliebte sich tödlich in ihren Vater. Mehrere Gründe werden dafür angegeben, so der Zorn des Sonnengottes oder der Zorn der Aphrodite, denn Myrrha soll ihre Haare für schöner gehalten haben als die Haare der Göttin. Der Tochter gelang es, den Vater zu täuschen oder ihn zu berauschen, ähnlich wie dies in einer biblischen Geschichte vorkommt [Gen.19,30-38]. Sie schlief mit ihm als ein unbekanntes Mädchen zwölf Nächte lang, oder auch weniger. Zuletzt entdeckte der Vater, beim Schein eines verborgenen Lichtes, wer seine Bettgenossin war, und verfolgte sie mit gezücktem Schwert. Myrrha hatte bereits ein Kind in der verbotenen Liebe empfangen und war voller Scahm. Sie betete zu den Göttern, nirgend zu sein, weder bei den Lebenden noch bei den Toten. War es zeus oder war es Aphrodite - eine Gottheit erbarmte sich ihrer. Sie verwandelte sich in den Baum, der seine Frucht mit dem würzigen harz beweint, die Frucht aus dem Holze: Adonis. Denn er, der künftige Liebhaber der Aphrodite, wurde aus der geborstenen Rinde des Myrrhabaumes geboren.
Adonis war schön, so schön, daß Aphrodite das Kind sogleich nach seiner Geburt in einer Lade verbarg und zur Bewahrung der Persephone übergab. Die Unterweltskönigin öffnete die Lade, sah den schönen Knaben, und wollte ihn nie mehr zurückgeben. Der Streit der Göttinnen kam vor Zeus. Der König der Götter teilte den Besitz des Adonis folgendermaßen auf: er durfte einen Teil des Jahres für sich allein sein, einen bei Persephone verbringen und einen bei Aphrodite. Der Tod, der den Adonis zu Persephone, in die Unterwelt brachte, wird so geschildert, daß er als Jäger von einem Eber verwundet wurde. Sein Blut floß dahin, rote Anemonen entsprossen daraus, und der Bach Adonis im Libanon strömte mit rötlichem Wasser¹⁸⁶. Den Eber soll Artemis oder Ares [der eifersüchtige Gemahl der Aphrodite] gegen den Jüngling geschickt haben¹⁸⁷. Aphrodite aber mußte den Adonis beweinen, anstatt ihn für immer zu besitzen. Die Feste, an denen ihre schmerzliche Liebe gefeiert wurde, wiederholten den Tag der Vereinigung und den Tag der Trennung der Liebesgöttin von ihrem jungen Herrn. Da lag er, der zarte Jüngling, geliebt und beweint von Aphrodite¹⁸⁸. Umsonst versuchte sie, ihn bei sich zurückzuhalten. Am nächsten Tag entschwebte er durch Meer und Luft. Die Frauen brachten ihm kleine «Gärten» dar: sie ließen sie in Scherben und Töpfen schnell entsprießen, damit sie ebenso schnell verwelkten. In orientalischen Heiligtümern gaben sie sich selbst den Fremden preis. Die Frau, die das nicht tat, opferte da ihr Haar dem Adonis.
S.75ff
185 Apollodorus Mythographus 3. 14. 3-4; Antoninus Liberalis Mythographus 34; Ovidius: Metamorphoses 10, 298; Hygini Fabulae 58; s. Theocritus Bucolicus 1. 107; s. Vergilius Eclogae 10. 18
186 Lucianus De Syria Dea 8
187 s. Lycophron 831
188 Theocritus Bucolicus 15. 100; Bion Bucolicus 1; Lucianus De Syria Dea 6
S.273
aus KERÉNYI, K.: «Die Mythologie der Griechen»