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| Gedichtsammlung |
| Gott spricht zu jedem |
| Gott spricht zu jedem nur, eh er ihn macht, |
| dann geht er schweigend mit ihm aus der Nacht. |
| Aber die Worte, eh jeder beginnt, |
| diese wolkigen Worte, sind: |
| Von deinen Sinnen hinausgesandt, |
| geh bis an deiner Sehnsucht Rand; |
| gib mir Gewand. |
| Hinter den Dingen wachse als Brand, |
| daß ihre Schatten, ausgespannt, |
| immer mich ganz bedecken. |
| Laß dir alles geschehn: Schönheit und Schrecken. |
| Man muß nur gehn: Kein Gefühl ist das fernste. |
| Laß dich von mir nicht trennen. |
| Nah ist das Land, |
| das sie das Leben nennen. |
| Du wirst es erkennen |
| an seinem Ernste. |
| Gib mir die Hand. |
| Rainer Maria Rilke |
| aus «Das Stundenbuch»; S.42f |
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| revid.202604 |
| https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWged00195.htm |