Die
zum IMPRESSUM
bietet hier eine poetische Studienhilfe an:
Eamsyne und Earasyn
VIII
Von ängstlichem Ärger
491} _ Guten Abend auch! Zu hoffen, man stört Euch nicht.
492} ¯ Hah! Wer sind Sie? Wie sind Sie hereingekommen?
493} _ Das wird in der Regel nicht gefragt. Meistens wird mit einem gerechnet, obschon die wenigsten einen freudig erwarten.
494} ¯ Verschonen Sie mich mit rätselhaften Sätzen um diese Stunde! Was wollen Sie von mir?
495} _ Ein wenig plaudern, wenn Ihr nichts dagegen einzuwenden habt.
496} ¯ Einzuwenden, ha, einzuwenden! Schneit ohne zu fragen ichweissnichtwie herein und grinst unterm tiefgezogenen Hut hervor, als hätt ich ihn eingeladen!
497} _ Nicht? Und doch habt Ihr spürbar an einen gedacht, schöne Frau, um es höfllich auszudrücken. So etwas ruft einen mitunter übers Meer.(211)
498} ¯ Übers Meer? Was für eine Ausdrucksweise, düsterer Herr! Wir leben hier mitten auf dem Kontinent. Für andre Ufer bin ich in diesen Wochen in keiner Weise zuständig, auch nicht bereit!
499} _ Wer behauptet denn solches - wenngleich einige Eurer Gedanken anderen Gängen folgen. Wollt einen bitte als freundlichen Bekannten betrachten! Derart zittern braucht Ihr wirklich nicht!
500} ¯ Ach so, brauch ich nicht? Demnach ist's nicht unheimlich, dass ein Langbemantelter bei geschlossener Eingangstüre spätnachts plötzlich in meinem Zimmer steht? Im übrigen wollt ich gerade schlafen gehen. Mein Tag war weissgott anstrengend genug.
501} _ Weissgott, Ihr Arme! Ihr habt etwas erfahren, noch dazu im Kaffeehaus, was Eure Lebenspläne durchkreuzt - ach welch Wort - sagen wir besser: verändert, und das bringt Euch ganz durcheinander. Was zeichnet Euch eigentlich vor anderen aus, dass Ihr erwarten dürftet, ein geruhsames Dasein zu führen? Sind Euch denn Geborgenheit und Wohlstand garantiert worden? Entspricht das etwa Eurer Vorstellung von den Zeitumständen, von dem, was Menschen auf diesem Planeten zu gewärtigen haben?
502} ¯ Wer immer Sie sein mögen, ich verbitte mir derartige Zudringlichkeiten in meinen eigenen vier Wänden! Verschwinden Sie, auf der Stelle!
Von Rufen und Gerufenwerden
503} _ Eines wie die Wenigkeit, die Euch hier erscheint, kommt, wann es kommt, nimmt, was es nimmt, geht, wenn es geht. Daran werdet Ihr nichts ändern. Bleibt gelassen, es steht Euch so viel besser! Diesenfalls ist einem Eure Türe nicht geöffnet worden, um zu nehmen, obwohl bereits genug zu holen wäre für Euer Alter. Man wurde gerufen, wie einem vorhin anzudeuten oblag.
504} ¯ Wer sollte Sie denn gerufen haben? Mir war keineswegs nach Gesellschaft zumute, nach Ihrer schon gar nicht. Ich nehme an, es handelt sich um eine Selbsteinladung.
505} _ Ihr selbst habt einen eingeladen, das stimmt. Verständlich, dass Euch dies schleierhaft vorkommt. Seht, der Mensch hat eine machtvolle Art zu rufen. Zwar bleibt ihm das heutzutage allermeist verborgen, doch wird der Mensch auf vielen Ebenen aufmerksam gehört. Wird er indessen seinerseits gerufen, zeigt er sich oft peinlich berührt, geradezu aufgescheucht. Dabei ist er es selbst, der den Zeitpunkt bestimmt! Einige wissen allerdings Bescheid, Frauen eher als Männer.
506} ¯ Mutter! Mutter war so vorgegangen! Natürlich, es war ihr eigener Zeitpunkt gewesen. Wann hätte sie sich je nach fremder Zeit gerichtet? Jeder Augenblick war von ihr gewollt,(212) für sie kam alles, ja, wie gerufen. Hat sie Sie geschickt?
507} _ Das war nicht nötig, Klugratende. In vielem schlagt Ihr Eurer Mutter übrigens nach. Ausserdem entströmt Euch derart seidenschimmernde Buntheit, dass es leicht ist, Euch zu finden. Ihr gluckert geradezu vor Lebenskraft. Seht, wie stets wurzeln vier Bäume um solche Quelle, eine Tanne vielleicht, ein Ahorn, eine Eiche und gewiss eine Ulme. Sie ziehen das Sprudelnde beständig empor, verwandeln es dabei und entlassen die Mischung als Dunst ins Licht zwischen Nadel- und Blattwerk.(213) Als solche wird jedwede Wässrigkeit gerochen.
508} ¯ Wie malerisch, grübelnder Gast! Aber was hat das mit Ihrer Anwesenheit zu schaffen?
509} _ Sagte man nicht wiederholt, weshalb einer gekommen wäre? Eure wohlgemischte Art hat einen mächtig angezogen. Einmal nicht vom Schreien nach Erlösung gerufen werden, sondern, vielleicht, zum Gespräch! Diese Freude wird einem selten zuteil, da folgt man gern.
510} ¯ Schön, schön. Wenn ich Sie also gerufen habe, wie Sie flott behaupten, welche Botschaft bringen Sie mir dann?
Vom Leben
511} _ Die Botschaft des Lebens. Die steht Euch wohl an, wenn Ihr einem gestattet, das festzustellen. Hat nicht einer Euresgleichen einmal geschrieben, man wäre ein Kunstgriff der Natur, um desto mehr Leben zu haben?(214) Ein grossartiges Wort, das einem durchaus gerecht wird. Ihr kennt es vom Studium her, nichtwahr?
512} ¯ Kennen? Hören Sie:
Du denkst es kaum, dass Übergänge
das Leben erst lebendig machen,
wenn nach Vergehen in der Menge
sich frisch entfaltet aus der Enge
der Erdenkinder frohes Lachen -
dass doch mein Herz die Furcht bezwänge,
nie mehr wieder zu erwachen!
513} _ Oh, Ihr habt dieses Wechselspiel ebenfalls in Worte gefasst? Das war einem unbekannt. Nicht übel! Möglicherweise ein wenig altmodisch für zeitgenössische Oberlehrer. Aber der Stil gefällt einem, man hat selbst wohl etwas Altmodisches an sich. Ob viele einen deshalb aus ihrem fortschrittlichen Weltbild verdrängen? Jedenfalls werden einige hoch dafür bezahlt, subtile Chemismen auszutüfteln, die einen abschaffen sollen. Nun, jene Weisskittel müssten das Leben selber abschaffen!
514} ¯ Das Leben abschaffen? Was für ein Unsinn!
515} _ Unsinn, an dem fleissig gearbeitet wird, emsig geforscht. Dabei fallen einem weniger die werkenden, fahrenden oder rechnenden Maschinen ein, vielmehr allerhand Giftwirkungen, stoffliche, strahlende und wellende, die mutwillig freigesetzt werden. Denn Gift (215) tritt just an den Aufnahmestellen des Lebendigen auf, diesen Myriaden von Kelchen,(216) die jedweden Organismus seine ureigene Zeit lang befähigen, sich auszutauschen und dadurch zu erhalten.
516} ¯ Sie meinen das Zusammenspiel der polyvalenten Biorezeptoren im Körper?
517} _ Im belebten Leib, gelehrte Dame. So lang das Singen der Pförtnerinnen darin währt,(126) gedeiht er. Gröbere wie feinere Hohlflächen sind vorzustellen, welche als Membrane die Lebensbotschaften im Schwung aufnehmen und weiterreichen, eine jede nach ihrer ganz bestimmten Durchlässigkeit, der zarten, die Erde schützenden Mondenhülle selber abgelauscht. Dabei vergesse man nicht jene überzarten, an denen die Seele das Leben schmeckt, Erfahrung, die ihr zuweilen sauer wird wegen der Auseinandersetzung mit dem geformten Stoff.
518} ¯ Welch Perspektive, feinsinniger Herr! Seltsam, dass gerade Sie in dieser Art vom Leben sprechen.
Vom Durchlassen
519} _ Unsereiner ist gleichfalls als Membran angelegt, als wandelbarer Durchlass für jeweils ein Wesen zu einer festgelegten Zeit an einem festgelegten Ort. Anders wäre das Hindurchtauchen kaum möglich, weil sich die Daseinsbedingungen zu krass unterscheiden,(7) Ursache allen Diskriminierens. Von der Belastung, die das Erdendasein in allen anderen Bereichen verursacht, schweigt man ohnehin besser. So sehr die Gesamtheit jener Durchgänge unaufhörlichem Abperlen vom Erdenball gleichen mag, so einzigartig zeigt sich dennoch jeder Abgang für sich.
520} ¯ Heisst das, Sie können nicht beliebig abholen, was Ihnen grad zufällt?
521} _ Oh nein! „Ist Zufall nicht hohles Umschreiben des Waltens, das in Kunst wie Natur wir erfahren, im Pendeln der Uhr?”(217) Ganz im Gegenteil, vom Betreffenden wird einem genau bedeutet, wann und wo der Abschied geschehen soll; beides wird noch vor dem Hereinkommen festgelegt. Eure Mutter wusste das. Euer Vater ahnte etwas davon. Imgrunde sollte Euch dieser Umstand auch nicht neu sein, da Euer Kind zum Beispiel ...
522} ¯ Lassen Sie mein Kind aus dem Spiel!
523} _ Weswegen denn? Es weiss in diesen Wochen mehr, als es später einmal durch Kehlkopf, Zunge und Lippen auszudrücken vermag, wenn seine Beinchen beginnen werden, sich gegen den Boden zu stemmen, weit mehr, als je es schreiben können wird. Weiss zum Beispiel um die silberne (18) Milde, in deren lebendiger Wärme aufzuscheinen ihm innig angelegen war, allem Persönlichen zum Trotz. Aus dieser wird es in den kühlen Strom, den seit bald zweitausend Jahren quecksilbrige (21) Schlieren durchsetzen,(3) hineinrutschen, um die Sonne von aussen zu schauen und sich nach ihr richten zu lernen. Das wird ihm schwerfallen, was mit den unseligen Flecken im Licht zusammenhängt,(218) dessen Abbild mit allem anderen verrührt aufzunehmen ist,(27) denn unbefleckt kommt keines mehr in diese Welt, nichteinmal Götter, die deshalb kaum noch daran denken, das Irdische zu beehren.
524} ¯ Ihre Worte sind verwirrend. Langsam frag ich mich, ob Sie mehr als nur ein Nachtgespenst darstellen, das vorübergehend Angst einflösst.
Von Truggebilden
525} _ Mögt doch in einem kein Gespenst (219) erblicken! Als ob, was aus der Sternenwelt hereinblinkt, gespenstisch sein könnte! Überdies pflegen Gespenster neblig aufzutreten, gewissermassen unzusammenhängend, ähnlich einer Trugwahrnehmung, kein seltenes Phänomen, wenn man die Vorstellungen der letzten zweihundert Jahre in Betracht zieht.
526} ¯ Danach wollt ich grad fragen. Immerhin glauben die Führenden heutzutage schnell einmal, dass andre einer Halluzination aufsitzen, selbst da, wo keine auszumachen ist. Das wird der öffentlichen Meinung als wissenschaftliches Denkmuster aufgenötigt, wenn es um Begegnungen geht, die physisch nicht nachweisbar sind, wobei das Physische oft als rein materiell angenommen wird.(220) Das Erscheinen so eines Wesens wie Sie wird da im Brustton korrekter Denkart als wahnhafte Einbildung gedeutet.
527} _ Erlebt Ihr einen denn nicht wahrhaft, werte Dame? Oder dünkt Euch dieses Gespräch ein zwanghafter Wahn?
528} ¯ Nicht unbedingt, merkwürdiger Herr. Allerdings hatte Ihr Auftritt schon etwas von Zwangsbeglückung, das muss ich sagen.
529} _ Ist das nicht Ansichtssache? Immerhin nennen einen die Leute bereits seit undenklichen Zeiten ersehnten Freund oder gefürchtete Plage, je nach gerade gelebter Empfindungslage. Sei's drum! Ein Trug-, was ist ein Trugbild? Doch Selbstgebildetes,(221) das nicht vorhanden ist, obschon man etwas wahrzunehmen meint, just wie die Illusion menschlichem Denken entspringt, das ohne Bezug zur augenblicklichen Wirklichkeit dahingirlandet. Heut Nacht ist beides nicht der Fall hier, denn offenkundig ist einer ja vorhanden.
530} ¯ Offenkundig, sagen Sie? Kommt zur Wahrnehmung der entsprechend zugerichtete Gedanke, dann vielleicht. Nun, ich gebe zu, dass mir Ihre Anwesenheit recht wirklich vorkommt, wenngleich nicht unbedingt tatsächlich.(197)
531} _ Welcher Tat bedürfte es, um einen ohne Trugverdacht als Sachverhalt anzuerkennen? Muss erst der Liebling eines zaudernd Hinterfragenden aus dessem hoffnungsfrohen Leben gerissen werden, um dadurch letzte Zweifel auszuräumen?
532} ¯ Umgotteswillen, nein! Trug kann nur durch Einsicht und Erfahrung ausgeräumt werden, und wer's nicht will, betrügt sich selbst. - Wenn aber nun kein Truggebilde, was sind Sie dann?
Vom Hütenden
533} _ Das ignoriert Ihr immer noch? Stets neu verwundert einen, wieviel Zeit verrinnt, eh' man erkannt wird! Euer erster Schrei liess den Vorhang vor Eurem Antlitz endgültig fallen. Beleuchtet Ihr nun endlich den vielfach abgeschabten Filz, gewahrt Ihr ein Gegenüber, vor dem ein wenig Schauder Euch befallen könnte. Gegenüber steht es Euch wie der Schlangenträger (222) dem Himmelsjäger (50) und hütet den Spalt des Vorhangs sowie Euch vor diesem. Bei reinem Schauen hört das Fragen leidlich auf!
534} ¯ Weswegen schieben Sie auf einmal den Hut zurück, streifen Sie den Mantel ab? Was? Meingott, das ist ... ist mein Gesicht im fahlen Licht! Diese entsetzlich feuchten Augen! Die überscharfe Nase! Die wirren Haarsträhnen! Die grauen Falten! Der dürre Hals! Und was für ein schmuddliges Hemd den ausgezehrten Leib einhüllt! Eine Bettlerin!
535} _ Quält Euch der Anblick? Wendet Euch nicht ab! Nicht des Schlangenträgers Hohn,(223) Euer Bild ist das.
536} ¯ Mein Bild? So seh ich vielleicht in siebzig Jahren aus, gewiss jedoch besser gekleidet!
537} _ Das Kleid, Kokette, mag sich noch ändern mit den Jahren. Das haben Moden so an sich. Noch ist ja Zeit!
538} ¯ Achten werd ich drauf, Gestrenger, und mich gut pflegen bis dahin! So manche Falte lässt sich wohl vermeiden, so mancher Fleck vertilgen.
539} _ Das wird Euch gewiss nicht schaden. Seht, unsereiner wandelt sich schlussendlich mit. Ein jeder Schliff, den Ihr Euch gönnt, kommt einem ebenfalls zugute. Wer weiss, am Ende zeigt man sich in aller Schönheit!
540} ¯ In aller Schönheit? Nach dem zu schliessen, was ich seh, nenn ich das kühn behauptet. Mein Geschmack jedenfalls zieht weniger Verlebtheit vor.
541} _ Über Geschmack lässt sich trefflich fechten, über Schönheit (224) kaum. Geschmack entspringt dem wohlgereizten Gaumen, Auge oder Ohr, ein ephemeres Aufglühn in der Sinnessphäre. Die Schönheit, nicht der schöne Schein, die Schönheit ist der Wahrheit Schwester, Kinder weisheitsvoller Liebe,(155) und wird von jeher streng gehütet, wie Ihr just am eignen Leib erfährt.
542} ¯ Danke für die Blumen! Trotzdem bin ich froh, dass Sie den Hut wieder ins Gesicht gezogen und den Mantel umgelegt haben. So ist es nämlich leichter für mich, diese Unterhaltung fortzuführen.
543} _ Allzulang wird weiter sie nicht währen. Das Kribbeln eines neuen Tags berührt bereits die Sohlen. Gehütet wird indessen nur die Nacht, bestenfalls vom Mond geflutet. Zudem ist einem lediglich Vergangnes anvertraut; der Tag hingegen birgt das Künftige.
Von Künftigem
544} ¯ Gut, kommen Sie darauf! Denn es nimmt mich doch Wunder, was aus meinem Kind werden soll. Ich erwarte keine Vorschau auf sein ganzes Leben, aber ein paar kleine Hinweise wären mir willkommen, wenn wir schon dabei sind.
545} _ Wem nicht unter der Sonne? Die Vorschau freilich kommt dem Kommenden selbst zu, ist nicht Euer Geschäft. Ihr lebt am besten frohgemut vertrauensvoll, beschäftigt Euch mit Schönem. Ein Lied aus Eurem eignen Fundus, ein Gedicht, ein Bild, dies lässt die nächsten Schritte leuchten.
546} ¯ Das sagt sich leicht! Wenngleich ich nicht klagen will, bedrückt mich die Ungewissheit, frisch wie sie ist. Das war nicht immer so, doch heut weiss ich zuviel, um unbeschwert zu singen.
547} _ Ihr wisst zuviel? Ein lockrer Spruch, Verehrteste! Ihr ahnt ein wenig, rätselt, macht Euch Sorgen, wägt Wohl und Wehe gegeneinander ab. Von hinten holt Ihr, was Euch vorne nützen soll. Das nennt man hier im Irdischen, sich für die Zukunft rüsten! Zwar mag es durchaus helfen, sich zu wappnen, allein das angehäufte Arsenal wird nie die Ungewissheit nehmen. Gleich einem Schiff bewegt der Mensch sich auf dem Meer des Künftigen;(178) was in dem Schiffe liegt und wirkt, mag er zu erforschen suchen, was unterm Horizont an Möglichkeiten wartet, das schaut er höchstenfalls verschwommen.
548} ¯ Sie schauen's doch, Sie Ausbund an Gelassenheit! Was hindert Sie, mir einen Wink zu geben?
549} _ Was einer schaut, das hat er zu verbergen.
550} ¯ Ach? Gleichwohl sind Sie, wie ich sehen musste, eine Wand, die mir, wenn ich recht verstanden habe, ein Bild meines künftigen Aussehns spiegeln soll. Weissgott ein Zerrspiegel!
551} _ Der Wahrheit verpflichtet.
552} ¯ Warum darf mir dann nichts zu meinem Kind gezeigt werden? Es gehört zu mir, ist Teil meines Bildes! Ich bitte Sie!
553} _ Ihr werdet Euer Kind in aller Stille (36)
heraus in diese Welt entlassen.
Das ist sein Wille, so muss es sein,
drum bleibt mit Recht Ihr auch allein -
später werdet Ihr die Botschaft fassen.
554} ¯ Also, Sie können vielleicht trösten! Sagen Sie wenigstens: Bub oder Mädchen?
555} _ Eine Tochter. Wie denn anders?
556} ¯ Und wird's gesund sein, kräftig genug für ein weiteres Leben?
557} _ Die Lebenskraft, besorgte junge Mutter, ergibt sich aus der Art, wie Euer Kind hereingeschwommen ist im Strudel aufbereiteter Erinnerungen,(27) von dorther bringt es ja das Mass seiner Gesundheit mit.
558} ¯ Neu ist mir das eben nicht, einsilbiger alter Onkel! Ich bleib wohl stecken, wenn ich zuviel frage.
559} _ Wie unwirsch, da wir voneinander scheiden müssen! Denkt gelegentlich an einen!
560} ¯ Dich werd ich schon nicht los! Das ist mir klargeworden.