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Zitatensammlung
Teil 2
Zitate zu
BETRUG und SCHEIN
1 Ich bin der festen Überzeugung, daß es selten oder überhaupt nie vorkommt, daß Menschen aus kleinen Verhältnissen ohne Gewalt und ohne Betrug zu hohem Rang gelangen, es müßte denn sein, daß ihnen dieser Rang von dem, der ihn einnimmt, freiwillig überlassen oder vererbt wird. Ich glaube auch nicht, daß Gewalt allein jemals hinreicht, wie sich deutlich aus dem Leben Philipps von Mazedonien [a], des Sizilianers Agathokles [b] und vieler anderer zeigt, die sich aus geringstem oder doch aus niedrigem Stande zu Königen oder zu Beherrschern größter Reiche emporgeschwungen haben.
Ein Machthaber, der Großes erreichen will, muß lernen, andere zu hintergehen.[c]
Ich glaube nicht, daß es in der Geschichte einen Mann gibt, der sich nur durch offene und ehrliche Gewalt zum Herrscher eines großen Reiches emporgeschwungen hat, wohl aber, daß es Männer gibt, die dies allein durch List erreicht haben.
Was Alleinherrscher in den Anfängen ihrer Machtentfaltung tun müssen, das müssen auch Freistaaten wenigstens so lange tun, bis sie mächtig geworden sind; dann allerdings ist Gewalt allein ausreichend.
Die Römer ließen es bei ihren ersten Gebietserweiterungen an Betrug nicht fehlen. Dessen mußten sich alle bedienen, die aus kleinen Anfängen zu den höchsten Stufen der Macht emporsteigen wollten.[d] Er ist um so weniger zu beanstanden, je undurchsichtiger er ist, wie es bei den Römern der Fall war.
Niccolò Machiavelli
aus «Gedanken über Politik ...»; S.109f
98
Sein Wollen nur in Ziffernschrift. Die Leidenschaften sind die Pforten der Seele. Das praktischste Wissen besteht in der Vorstellungskunst. Wer mit offenen Karten spielt, läuft Gefahr zu verlieren. Die Zurückhaltung des Vorsichtigen kämpfe gegen das Aufpassen des Forschenden: gegen Luchse an Spürgeist, Tintenfische an Verstecktheit. Selbst unsern Geschmack darf keiner kennen, damit man ihm nicht begegnet, entweder durch Widerspruch oder durch Schmeichelei.
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Wirklichkeit und Schein. Die Dinge gelten nicht für das, was sie sind, sondern für das, was sie scheinen. Selten sind die, welche ins Innere schauen, und viele die, welche sich an den Schein halten. Recht zu haben, reicht nicht aus, wenn mit dem Schein der Arglist.
S.40
130
Tun und sehen lassen. Die Dinge gelten nicht für das, was sie sind, sondern für das, was sie scheinen. Wert haben und ihn zu zeigen verstehen, heißt zweimal Wert haben. Was nicht gesehen wird, ist, als ob es nicht wäre. Das Recht selbst kann seine Achtung nicht erhalten, wenn es nicht auch als Recht erscheint. Viel größer ist die Zahl der Getäuschten als die der Einsichtigen. Der Betrug herrscht vor, und man beurteilt die Dinge von außen; viele aber sind weit verschieden von dem, was sie scheinen. Eine gute Außenseite ist die bste Empfehlung der inneren Vollkommenheit.
S.54
157
Sich nicht in den Personen täuschen, welches die schlimmste und leichteste Täuschung ist. Besser man werde im Preise als in der Ware betrogen. Bei Menschen mehr als bei allem andern ist es nötig, ins Innere zu schauen. Sachen verstehen und Menschen kennen, sind zwei weit verschiedene Dinge. Es ist eine tiefe Philosophie, die Gemüter zu ergründen und die Charaktere zu unterscheiden. So sehr als die Bücher, ist es nötig, Menschen studiert zu haben.
S.66f
Baltasar Gracián
aus «Handorakel»
a] Philíppos B', der Vater Alexanders des Grossen, konnte sein Reich anfangs nur durch diverse Zusagen, Bestechungen, Tributzahlungen und militärische Aktionen bewahren.
b] Der „Feldherr und Hüter des Friedens” Agathokles hatte 316v in Syrakus einen blutigen Umsturz angezettelt.
c] wie etwa 2017 der vielversprechende junge Herr Kurz den damaligen Vizekanzler Mitterlehner
d] siehe zB. die 36 Strategeme des Ten Daudschi im V.Jhdt.