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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
KOHLE und LICHT, TIER und MENSCH
1 Was liegt für den Geisteswissenschafter eigentlich vor, wenn er Carbo vegetabilis ins Auge faßt? Es liegt zunächst für den Geisteswissenschaf ter dasjenige vor, was ihn dazu verführt, nun eigentlich gleich in die außermenschliche Natur hinauszugehen und nachzusehen, was es eigentlich mit der schon mehr in der Mineralisierung vorgerückten Kohle der Außenwelt, mit der Kohle der Erde im allgemeinen für eine Bewandtnis hat. Und da findet man, daß die Kohle im wesentlichen im ganzen Erdenprozesse beteiligt ist bei der Verwendung des Sauerstoffes. Im Erdenprozesse ist es so, daß der Kohlengehalt der Erde ein Regulator ist für den Sauerstoffgehalt der Erdenumgebung. Man kommt da direkt zu der Einsicht, daß die Erde als solche, wenn sie, wie es ja notwendig ist, als Organismus aufgefaßt wird, einem Atmungsprozesse unterliegt und daß der Kohlengehalt der Erde zu tun hat mit diesem Atmungsprozesse der Erde. Eine solche Chemie, wie sie gestern gefordert wurde, die wird erst entstehen, wenn man, wenn ich so sagen darf, das Kohlesein im Zusammenhang mit dem menschlichen Atmungsprozesse oder dem tierischen Atmungsprozeß betrachten wird. Denn, sehen Sie, es liegt dem Prozeß, der sich abspielt zwischen der Verkohlung der Erde und dem Sauerstoffprozesse in der Umgebung der Erde, der Luft etwas zugrunde, was sich für die geisteswissenschaftliche Betrachtung herausstellt als die Tendenz zum Tierwerden, die wirkliche Tendenz zum Tierwerden. Und diese Tendenz zum Tierwerden, sie ist nun wirklich nur im Grunde in einer schockierenden Weise zu charakterisieren. Denn man muß sagen: In dem, was da draußen vorliegt, in dem Prozeß, der sich abspielt zwischen dem Verkohlungsprozeß der Erde und den Prozessen, die sich um den Sauerstoff herum in der Umgebung der Erde abspielen, liegt etwas von dem, was hervorruft Wesenheiten, richtige Wesenheiten, ätherische Wesenheiten, die aber in Umkehrung gegenüber der Tierheit sich fortwährend von der Erde entfernen, die fortwährend abrücken, fortwährend wegstreben von der Erde. Man versteht die Tierheit erst, wenn man sie auffaßt als dasjenige, was von der Erde zusammengefaßt wird im Gegenprozeß zu dieser Enttierung der Erde und was im tierischen Prozeß eben dann zum Vorschein kommt. Daher findet, wenn wir Carbo vegetabilis in den menschlichen Organismus zunächst einführen, nichts Geringeres statt als eine Einführung des zum Tierischen Hinstrebenden in den menschlichen Organismus. Alle Erscheinungen, die auftreten, von Aufstoßen bis zu den Blähungen, bis zum fauligen Durchfall und so weiter, bis auf der einen Seite zu Hämorrhoidalbildungen, auf der anderen Seite zu allerlei brennenden Schmerzen, rühren davon her - wenn man dieses ganze Bild nimmt -, daß die Tierheit, die vom Menschen, damit er Mensch sein kann, ausgestoßen worden ist im Laufe seiner Entwickelung, dieser Prozeß der Tierheit wiederum in den Menschen zurück, hereingenommen wird. Das, sehen Sie, das läßt uns geradezu sagen: wenn man dem Menschen in großen Dosen Carbo vegetabilis zuführt, so fordert man ihn auf, sich gegen den eingedrungenen Tierwerdeprozeß zu verteidigen. Er verteidigt sich dadurch, daß er dasjenige in sich zur Geltung bringt, was er dem Umstände verdankt, daß er die Tierheit aus sich herausgesetzt hat in seiner Entwickelung.
2 Nun hängt zusammen mit dem, daß wir die Tierheit herausgesetzt haben in unserer Entwickelung, die Möglichkeit, daß wir tatsächlich in unserem Organismus entwickeln - staunen Sie, aber es ist so - originäres Licht. Wir sind tatsächlich im oberen Menschen originäre Lichterzeuger, im Gegensatz zum unteren Menschen, wo wir, um uns diese Fähigkeit der originären Lichterzeugung anzueignen, die nötigen Abwehrorgane für das vollständige Tierwerden haben. Das ist einer der tiefliegenden Unterschiede des Menschen von der Tierheit. Während die Tierheit die anderen höheren geistigen Prozesse für sich mit dem Menschen gleich hat, haben die Tiere nicht die Fähigkeit, im Innern ausreichend Licht zu erzeugen.
3 [...] Denn es ist tatsächlich im menschlichen Organismus die Möglichkeit gegeben, den außermenschlichen Kohlenstoff zunächst durch den unteren Menschen vollständig zu vernichten, ihn hinwegzuschaffen aus dem Räume und ihn einfach originär in der Gegenwirkung dazu wiederum zu erzeugen. Ja, das ist eben so; es ist im menschlichen Organismus ein Herd für die Erzeugung der Stoffe, die außermenschlich sind, und zu gleicher Zeit eine Möglichkeit, diese Stoffe zu vernichten. [...] Mit dieser Wiederbelebung des Kohlenstoffes hängt dasjenige zusammen, was wir auf der anderen Seite im gewöhnlichen Menschen als Lichtbildung haben. Dieser Lichtbildungsprozeß des Inneren, der kommt wiederum entgegen der Einwirkung des äußeren Lichtes. Wir sind in bezug auf unseren oberen Menschen so eingerichtet, daß äußeres Licht und inneres Licht einander entgegenwirken, miteinander zusammenspielen und geradezu das Wesentliche in unserer Organisation darauf beruht, daß wir da, wo diese beiden, äußeres Licht und inneres Licht, zusammenwirken sollen, imstande sind, sie nicht ineinander verfließen zu lassen, sondern sie auseinanderzuhalten, so daß sie nur aufeinander wirken, aber nicht sich miteinander vereinigen. Indem wir, sei es durch das Auge, sei es auch durch die Haut, entgegenstehen dem äußeren Lichte, ist überall aufgerichtet gewissermaßen die Scheidewand zwischen dem inneren originären Lichte im Menschen und dem äußerlich einwirkenden Lichte. Das äußerlich einwirkende Licht hat eigentlich nur die Bedeutung einer Anregung zur Entstehung des inneren Lichtes. Indem wir also das Licht von außen auf uns einfließen lassen, lassen wir uns selber anregen zur Entstehung des inneren Lichtes.
Dornach, 31.Mär.1920 ☿
aus «GA 312»; S.214ff