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Zitatensammlung
Teil 1
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Zitat von Rudolf STEINER zu den
TIERKREISGEBÄRDEN
1 Sehen Sie, in älteren Zeiten hat man tatsächlich diesen Zusammenhang des Menschen mit Universum und Erde empfunden; nur die neueren Menschen können diese Sachen nicht mehr deuten. Sie sagen: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe - und zeichnen hin einen Widder und so weiter, haben aber im Grunde genommen doch keine Ahnung, was diese Dinge bedeuten. Man muß diese Dinge auch in der richtigen Weise ansehen. Wenn Sie ein altes Widderbild [ARI] sehen, so werden Sie nämlich doch darauf kommen, daß es da nicht die naturalistisch-materialistische Abbildung eines Widders ist, [...] sondern das Charakteristische ist immer, daß der Widder zurückblickt, und das, die Gebärde, ist die Hauptsache. Dieses Zurückblicken des Widders, das ist die Hauptsache dabei. Und dieses Zurückblicken des Widders, das ist in dem Zurückblicken des Menschen auf sich selbst gegeben, in diesem Zurückblicken auf das Universum, das in ihm lebt. Man darf also nicht naturalistisch-materialistisch bloß auf den Widder hinschauen. Es soll nicht in diesem Sinne ein Abbild sein, sondern die Gebärde des Zurückblickens ist es, worauf es ankommt. Und wenn Sie den Stier [TAU] auf alten Abbildungen sehen - der blickt immer nach der Seite und springt! Diese Gebärde wiederum ist es, um die es sich handelt, das Um-sich-Herumblicken und Innerlich-Regemachen dessen, was als allgemeines universelles Prinzip lebt. Also wiederum diese Gebärde ist es, auf die es ankommt. Und wenn Sie die Zwillinge [GEM] sehen, so haben Sie wirklich den rechten und linken Menschen, nur - es ist überall ein Mensch, aber es ist nie anders abgebildet, als indem die rechte Hand des rechten Menschen, die linke Hand des linken Menschen sich umspannen, sich übergreifen, und auf diese Gebärde kommt es wiederum an. Das ist das Sich-Betasten, Sich-Fühlen. Es ist nur eben rechter und linker Mensch als selbständiger Mensch angeführt, weil ja der Mensch gewissermaßen noch außer sich ist, seinen vorgeburtlichen Menschen noch in sich hereinnimmt durch das Sichselbst-Betasten.
2 Das Abschließen, das Sich-Umschließen: Krebs [CNC]. Nun nimmt man wiederum materialistisch-naturalistisch den Krebs als Abbild. Aber worauf es denen ankam, die da einen Krebs nahmen als das Symbolum für dieses Umschließen, das war, daß der Krebs mit den Scheren sein Opfer umschließen kann, daß er die Scheren herumlegt. Nun, es ist ja in dem Worte «cancer», der die Menschen umschließt, es ist schon in dem Worte noch das Sich-Umschließen erhalten. Der Krebs ist das Umschließende. Er ist eigentlich da als das Symbolum des ins Innere sich einschließenden Menschen, der sich nicht bloß betastet und befühlt, sondern der sich von außen nach innen einschließt.
3 Der Löwe [LEO] stellt ja an sich selber dadurch, daß bei ihm das Herz besonders ausgebildet ist, die Sache dar als Herztier. Den Löwen können wir geradezu als Herztier auffassen. Er stellt also eigenschaftlich dasjenige dar, was da als das fünfte Glied ins Auge gefaßt werden soll.
4 Bei der Reifung steht die Jungfrau [VIR] mit der Ähre [spica], und auf diese Ähre kommt es an, auf diesen Zustand des gerade ins Dürre Hineingehens des Fruchtenden. Und die Waage [LIB] ist eben das Gleichgewichtsuchen. Der Skorpion [SCO] ist natürlich der Giftstachel. Und der Schütze [SGR] ist in Wirklichkeit eigentlich ein Tier, etwas, das tierische Gestalt hat, aber nach vorn in einen Menschen ausläuft, der Pfeil und Bogen hat. Das ist das Tierkreiszeichen des Schützen: ein Mensch, der Pfeil und Bogen hat und der kentaurhaft auf einem Tierleibe sitzt. Das ist also für den Jäger.
5 Der Bock ist eigentlich ein Bock [CAP], der in einen Fischschwanz ausgeht, also etwas, was nicht mehr in der Natur vorhanden ist. Es gibt keinen Bock mit Fischschwanz. Aber der Mensch, indem er die wilden Tiere zähmt, indem er ein Tierzüchter wird, macht die wilden Tiere so zahm, wie die zahmen Fische sind. Wir haben also ein künstliches Symbolum, das hier auftritt.
6 Für den Ackerbau haben wir den Wassermann [AQR]. Da hat man natürlich immer an Wasser und dergleichen gedacht, was ja in einem gewissen geistigen Sinne eine Berechtigung hat. Aber Sie werden immer sehen: Sein Schreiten kommt in Betracht, zwei Urnen hat er an den Händen und schüttet Wasser aus. Er begießt. Er ist derjenige, der also Gärtner, Ackerbauer ist.
7 Und die Fische [PSC], darauf habe ich schon hingedeutet: es ist das Handeltreiben, weil man Fischköpfe oben gehabt hat an den Schiffen - Delphinköpfe zum Beispiel, wenn auch der Delphin kein Fisch ist, aber die Alten haben ihn als solchen angesehen. Es ist also durchaus das, was auf das Handeltreibende in diesem Symbolum hindeutet.
8 Wir dürfen eben die Dinge nicht so schematisch äußerlich betrachten, wie das heute oftmals geschieht, sondern wir müssen ausgehen von dieser Formung des Menschen und von da aus dann sehen, wie wir hinaufkommen in die Beziehung des Menschen zum Universum und zur Erde. Dadurch lernen wir allmählich aus der Form heraus den Menschen als einen Teil, als ein Glied des ganzen Universums begreifen.
Dornach, 28.Okt.1921 ♀
aus «GA 208»; S.72ff
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