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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu den
SIEBEN LEBENSBEWEGUNGEN
1 Nun wollen wir einmal diese innere Bewegung des Menschen uns vor die Seele führen, so wie wir uns die Gestalt des Menschen vor die Seele geführt haben.[a]
2 Da haben wir zunächst eine Bewegung, die der Mensch im späteren Leben allerdings wenig mehr ausführt, die aber einmal mit allen Kräften von ihm ausgeführt werden mußte, denn sonst wäre er ein Vierfüßler geblieben, hätte sein ganzes Leben hindurch kriechen müssen. Diejenige Bewegung muß der Mensch ausführen, die ihn von einem kriechenden Kinde zu einem aufrechtgehenden Wesen macht. Der Mensch ist nicht nur seiner Gestalt nach ein aufgerichtetes Wesen; er ist ein Wesen, das sich während des Lebens selber aufrichtet, so daß die erste wichtige innere Bewegung - denn eine innere Bewegung ist das -, die der Mensch ausführt, die Bewegung des Sich-Aufrichtens ist. Also die Aufrichtbewegung ist das erste, was wir ins Auge fassen müssen.
3 Die zweite Bewegung innerer Art ist wiederum eine solche, die der Mensch im späteren Leben zwar noch immerzu gebraucht, die er aber sich doch erst als Kind aneignen muß. Es ist die Sprechbewegung, jene Bewegung des inneren Lebens, die ausgeführt werden muß, damit das Wort zustande kommt. Sie müssen sich vorstellen, daß eine Summe innerer Bewegungen notwendig ist, damit das Wort zum Ausdruck gebracht werden kann. Vorher muß der Mensch allerdings noch eine andere Bewegung lernen, die sich mehr verbirgt. Eigentlich lernt er beide Bewegungen gewissermaßen zusammen; im Grunde genommen oftmals die Sprechbewegung früher als die andere Bewegung. Darüber können Sie Genaueres finden in meinem Schriftchen «Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft». Jedenfalls aber sind die zwei Bewegungen vorhanden, die der Mensch lernt und die er ausführen muß als innere Bewegungen sein ganzes Leben hindurch. Der Sprechbewegung ist sich der Mensch sogar bewußt. Das weiß jeder Mensch. Daß aber auch, wenn man denkt, fortwährend eine feine [Denk-]Bewegung im Hirn stattfindet, weiß nicht jeder. Um darauf zu kommen, gehört eine feinere Beobachtung. Nicht soll Materialismus hier gepredigt werden, wenn ich von «Bewegung» spreche. Die Bewegung im Hirn ist nämlich schon vorhanden, nur ist sie Wirkung und nicht Ursache. Wir haben es also zu tun mit der Denkbewegung und mit der Sprechbewegung als inneren Bewegungen.
4 Wenn Sie die Bewegungen weiter verfolgen, so entdecken Sie als die nächste wichtige Bewegung, welche notwendig ist, damit das innere Leibesleben stattfinden kann, diejenige Bewegung, die wir nennen können die Blutsbewegung. Sie gehört zu denjenigen Bewegungen, die notwendig stattfinden müssen, damit der Mensch überhaupt Mensch sein kann. Die Reihenfolge ist bei dieser Bewegung scheinbar etwas willkürlich. Das macht aber nichts.
5 Die fünfte Bewegung, die da sein muß, damit die Blutsbewegung überhaupt da sein kann, ist die Atmungsbewegung. Das ist eine für sich bestehende, besondere Bewegung. Sie ist verschieden von der Blutsbewegung, und nicht dasselbe. Ich sage, die Reihenfolge dieser Dinge ist etwas willkürlich, da man sowohl die Denkbewegung und die Sprechbewegung vertauschen kann, indem man die eine an die zweite, die andere an die dritte Stelle stellt - darauf kommt es aber nicht an. Man kann auch zuerst die Atmungsbewegung angeben und dann die Blutsbewegung; wenn man mehr auf die Lungen sieht, muß man das sogar. Wenn man aber mehr auf den Ursprung der Bewegungen sieht, so muß man die gewählte Reihenfolge nehmen, weil, insbesondere beim Mann, der eigentliche zentrale Ursprung der Atmungsbewegung im Zwerchfell liegt, das unterhalb des Herzens ist. Wenn man also eine Reihenfolge in bezug auf den Ursprung nehmen will, muß man diese Reihenfolge wählen.
6 Die sechste Bewegung - ich rede also immer von inneren Bewegungen des Leibes, die stattfinden müssen - ist diejenige, welche bestimmte Organe ausführen müssen und die man - um einen gemeinsamen Ausdruck zu haben - Drüsenbewegung oder auch Gefäßbewegung nennen könnte. Die Gefäße des Menschen müssen in fortwährender Tätigkeit, in fortwährender innerer Beweglichkeit sein, damit der Mensch als Lebewesen unterhalten werden kann. Aus gewissen Gründen, die auseinanderzusetzen zu weit führen würde, möchte ich aber einfach geradezu «Drüsenbewegung» sagen.
7 Eine siebente Bewegung ist die, welche sich ergibt, wenn in dem Menschenleibe nicht bloß einzelne Gefäße oder Drüsen sich bewegen, um etwas abzusondern, was der einzelne Mensch in sich braucht, sondern welche der Menschenleib, wohlgemerkt als Leib, vollziehen muß, wenn von der Natur die Veranstaltung gemacht wird, einen neuen Menschen zu gebären. Da haben wir es mit einer Totalität der Leibesbewegungen zu tun. Während man es in der übrigen Gefäßbewegung nur zu tun hat mit der Bewegung eines Teiles, hat man es bei der Reproduktionsbewegung mit der Absonderung des ganzen Menschen in irgendeiner Art zu tun. Ob es der weibliche oder der männliche Leib ist, das ist gleich. Wir haben es immer zu tun mit der Absonderung des ganzen Menschen. Wir nennen also diese Bewegung die «Reproduktionsbewegung».
8 Andere innere Bewegungen, wenn Sie die angeführten sieben Bewegungsarten richtig verstehen, gibt es nicht. Die anderen sind äußere Bewegungen. Wenn der Mensch zum Beispiel seine Füße und seine Hände bewegt, so sind das äußere Bewegungen. Das aber, was in dem Menschen ist an inneren Bewegungen, hat der Mensch sich schon mitgebracht, wenn die Erde es auch vielfach verändert hat. Und geradeso wie die gesamte Gestalt des Menschen bezogen werden muß auf die Sternbilder des Tierkreises und deshalb den einzelnen Teilen der menschlichen Gestalt die Zeichen der Tierkreisbilder beigefügt werden, so sind diese einzelnen Bewegungen aus dem gesamten Planetensystem heraus gebildet.
9 Aus unserem Planetensystem heraus haben wir also abzuleiten diese sieben Glieder des inneren beweglichen Menschen; und man bezeichnet, weil die Verhältnisse dieser Bewegungen zueinander im Menschen den Verhältnissen der Planeten unseres Planetensystems entsprechen, diese einzelnen Bewegungen auch mit den Zeichen, die für die Planeten gesetzt werden:
die Aufrechtbewegung
die Denkbewegung
die Sprechbewegung
die Blutsbewegung
die Atembewegung
die Drüsenbewegung
die Reproduktionsbewegung
Kristiania, 11.Jun.1912 ♂
aus «GA 137»; S.171ff
a] siehe Drei-Menschen-Gliederung