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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zur
HOFFNUNG
1 Und dann kommt der letzte große Zeitraum, in dem eine Spiegelung hineinwerfen wird in die menschliche Ich-Seele das, was wir Hoffnung nennen. Dann aber werden die Menschen gestärkt durch die Kraft, die von dem Mysterium von Golgatha und vom moralischen Zeitalter ausgeht, in sich ihre Hoffnungskräfte hereinnehmen: das Bedeutsamste, was sie brauchen, um über die Katastrophe hinüberzukommen, um jenseits derselben in ähnlicher Weise ein neues Leben zu beginnen, wie die nachatlantische Zeit ein neues Leben gebracht hat.
2 Da, wenn im letzten nachatlantischen Zeitalter zwar die äußere Kultur, die rein kombinatorische Kultur auf ein höchstes gestiegen ist, aber die Menschen stark fühlen werden das Unbefriedigende dieser Kultur, wenn die Menschen dieser Kultur gegenüber so dastehen werden, daß, wenn sie nicht in sich entwickelt hätten das Spirituelle, sie wahrhaft trostlos dieser Kultur gegenüberstehen würden, da wird von der Spiritualität her die Hoffnung aufgepflanzt sein, die sich erfüllen wird in dem nächsten Zeitraum der menschlichen Entwickelung. Wenn das nicht in die Menschenseelen einziehen könnte, was ihnen die Spiritualität bringen kann und was die anthroposophische Bewegung will, dann könnte etwa die äußere Kultur ein wenig fortgehen, aber die Menschen würden zuletzt dahin kommen, daß sie sich sagen würden: Ja, das haben wir nun alles erlangt! Drahtlose Vorrichtungen tragen unsere Gedanken, Vorrichtungen, von denen sich unsere Vorwelt nichts hat träumen lassen, über den ganzen Erdball hin. Aber was haben wir davon? Die trivialsten, ödesten Gedanken schicken wir von einem Ort zum andern; menschliche Intelligenzkraft bis ins Höchste haben wir anspannen müssen, damit wir nun endlich mit allen möglichen vollkommenen Werkzeugen herüberbringen können von einem entfernten Ort der Erde an den andern, was wir nun essen, und angespannt haben wir unsere Kräfte der Intelligenz, um schnell, recht schnell den Erdkreis zu umspannen, aber wir haben in unserem Kopfe nichts darinnen, was wir irgendwie von einem Punkte zum andern tragen können. Denn die Gedanken, die wir tragen können, sind trostlos, und wahrhaftig, sie sind trostloser noch geworden, seit wir sie in unseren modernen Fahrzeugen tragen, gegenüber denen, die wir getragen haben in den alten schneckenartig sich fortbewegenden Fahrzeugen.
3 Kurz, Trostlosigkeit und Öde würde durch die äußere Kultur über den Erdkreis gebreitet sein. Aber im letzten Kulturzeitraum wird die Seele wie auf den Trümmern des äußeren Kulturlebens reich geworden sein, da sie aufgenommen hat das spirituelle Leben. Und daß Sie dieses spirituelle Leben nicht umsonst aufgenommen haben, dafür wird Ihnen bürgen, was als starke Kräfte der Hoffnung in Ihnen leben wird, daß nach einer großen Katastrophe ein neues Menschenalter kommen wird, in dem heraufkommen wird auch im äußeren Leben in einer neuen Menschheitsbildung dasjenige, was innerlich spirituell in den Seelen vorbereitet worden ist.
Nürnberg, 3.Dez.1911 ☉
aus «GA 130»; S.199ff