zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zu
GLAUBE und LIEBE
1a Also es ist im wesentlichen jetzt die Glaubenskraft [ἡ πίστις] des astralischen Leibes, die in die Seele hereinscheint und unserer Zeit das Charakteristikum gibt. Sonderbar, könnten welche sagen, jetzt sagst du uns, daß die Glaubenskraft die wesentlichste Kraft unserer Zeit ist. Ja, vielleicht könnten wir das anerkennen von denjenigen Menschen, die sich den alten Glauben bewahrt haben, aber dann sind so viele, die heute auf den Glauben herabsehen, weil sie über ihn hinaus sind, die ihn als eine kindliche Stufe der Menschheitsentwickelung betrachten. - [...] Wenn wir von dem Glauben derer absehen, die glauben, nicht zu glauben, dann finden wir, daß im Grunde genommen in unserer Zeit unendlich viel von dem, was gerade das Bedeutendste ist, beruht auf jenem Reflex, den der astralische Leib in die Seele hereinwirft und der Seele dadurch einen geradezu inbrünstigen Glaubens-Charakter verleiht. Man braucht sich nur zu erinnern an die Lebenswege der Größten unserer Zeit, sagen wir Richard Wagners, wie sein Leben selbst als Künstler ein Aufstieg ist zu einer gewissen Glaubensinbrunst und wie das das Reizvollste ist beim Betrachten gerade dieser Persönlichkeit. Überall, wo wir Umschau halten in unserer Zeit, sind die Schatten- und Lichtseiten derselben aus dem heraus zu verstehen, was wir den Reflex des Glaubens in dem Ich oder der Ich-Seele des Menschen nennen können.
1b Und abgelöst wird unsere Zeit von derjenigen, in der das Liebebedürfnis hereinleuchten wird. In einem noch ganz anderen Sinne wird sich verwirklichen das, was auch christliche Liebe [ἀγάπη] genannt werden kann in diesem sechsten Kulturzeitraum. Wir nähern uns ihm langsam immer mehr, diesem sechsten Zeitraum, und gerade dadurch, daß wir den Menschen in der anthroposophischen Bewegung bekannt machen mit dem, was die Geheimnisse des Weltalls sind, was das Wesen der verschiedenen Individualitäten des physischen Planes oder der höheren Plane ist, versuchen wir in ihm zu entzünden die Liebe für ein jegliches Dasein. Nicht so sehr dadurch, daß wir von dieser Liebe sprechen, als dadurch, daß wir das fühlen, was in der Seele diese Liebe entzünden kann, bereitet sich durch die Anthroposophie der sechste Zeitraum vor. Dadurch aber werden die Liebekräfte in der ganzen Seele des Menschen besonders bloßgelegt und wird das vorbereitet, was die Menschheit braucht, um nach und nach zu einem wahren Verständnis des Mysteriums von Golgatha zu kommen. Denn dieses Mysterium von Golgatha ist zwar geschehen, zwar hat das Evangelium hervorgerufen, was gestern bezeichnet wurde als vergleichbar mit der kindlichen Sprache, aber noch ist diese tiefste Lehre von der Mission der Erdenliebe, wie sie verknüpft ist mit dem Mysterium von Golgatha, nicht begriffen. Das kann vollständig erst begriffen werden im sechsten nachatlantischen Kulturzeitraum, wenn die Menschen sich immer mehr dazu erheben werden, die Basis, die Grundlage in Wirklichkeit vollständig in sich selber zu finden und aus dem Innersten, das heißt aus der Liebe das zu tun, was geschehen soll; wenn vollständig überwunden sein wird das Angewiesensein des Menschen auf die Gebote, wenn eingetreten sein wird der Zustand: «Pflicht, wo man liebt, was man sich selbst befiehlt», wie Goethe sagt.°¹ Wenn in unserer Seele erwachen die Kräfte, daß wir gar nicht mehr anders können, als aus Liebe zu vollbringen, was wir tun sollen, dann haben wir so etwas in uns entdeckt, wie es immer mehr und mehr zur Verbreitung kommen muß im sechsten Kulturzeitraum. Damit werden aber ganz besondere Kräfte auch des ätherischen Leibes bloßgelegt für die menschlichen Naturen.
Nürnberg, 3.Dez.1911 ☉
S.195f
°¹) Goethe-Zitat: Aus «Sprüche und Prosa». 6. Abteilung. Enthalten in Band V, S. 460 von «Goethes naturwissenschaftlichen Schriften» von Rudolf Steiner mit Einleitungen und Kommentaren herausgegeben in «Kürschners Deutsche National-Litteratur» 1883-1897. Photomechanischer Nachdruck in 5 Bänden, Bibl.-Nr. 1a-e, Dornach 1975.
S.349
aus «GA 130»
ERGÄNZUNG
2a Liebe ist ohne Zweifel die Basis von allem. Keine abstrakte, schwer zu ergründende Art von Liebe, sondern die ganz alltägliche, die jeder kennt: die Liebe, die wir spüren, wenn wir unsern Partner und unsere Kinder oder auch unsere Haustiere anschauen. In ihrer reinsten und mächtigsten Form ist diese Liebe nicht eifersüchtig oder egoistisch, sondern bedingungslos. Sie ist die Realität der Realitäten,[a] die unbegreiflich herrliche Wahrheit der Wahrheiten, die im Kern von allem, was existiert oder je existieren wird, lebt und atmet. Und niemand, der sie nicht kennt, kann ein auch nur annähernd exaktes Verständnis davon erlangen, wer und was wir sind, und dies in entsprechende Taten umsetzen.
2b Keine sonderlich wissenschaftliche Einsicht? Nun, hier bitte ich zu unterscheiden [b]. Ich war an diesem [nahtodlichen] Ort, ich bin von dort zurückgekehrt, und nichts könnte mich davon überzeugen, dass dies nicht nur die wichtigste emotionale Wahrheit im Universum ist, sondern auch die wichtigste wissenschaftliche Wahrheit.
Eben Alexander
aus «Blick in die Ewigkeit»; S.104
a] die innerste Wirklichkeit (vgl. »TzN Jän.2004«: Anm.b)
b] zu diskriminieren