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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
KEIMANLAGENDOPPEL
1 Nun wissen wir, daß diese Keimanlage des Menschen zusammenfließt aus zwei Anlagen: aus der weiblichen und der männlichen Anlage, und daß der gesamte Keim nur entstehen kann durch das lebendige Zusammenwirken der beiden Anlagen. In den beiden Keimanlagen müssen also enthalten sein alle die Prozesse, welche in ihrem Zusammenwirken die eine einzige Keimanlage für die gesamte Menschenorganisation bilden.
2 Was zeigt uns nun der Okkultismus für das Zusammenwirken des männlichen und des weiblichen Keimes?
3 Er zeigt uns, daß so, wie die Verhältnisse heute liegen, der weibliche Organismus nur imstande ist, eine menschliche Körperanlage zu produzieren, die, wenn sie sich völlig einzeln entwickeln würde, nicht das entwickeln könnte, was wir im umfassendsten Sinne das Formprinzip nennen. Was also zur letzten Anlage des Knochensystems führt, das dem Menschen volle Festigkeit gibt und auch das heutige letzte Aufschließen zum Haut-Sinnessystem bewirkt, würde nicht durch den weiblichen Beitrag [der zum Entoderm wird] geliefert werden können. Es ist der weibliche Beitrag ein solcher, daß man sagen könnte: Was da entstehen würde, ist zu gut für die Welt der Erde, wie sie einmal jetzt ist; denn es sind nicht alle Prozesse in unserer Außenwelt vorhanden, welche einem solchen Organismus dienen könnten, wenn er sich so entwickelte, wie er in der Tendenz veranlagt ist in dem weiblichen Beitrag zum gemeinsamen menschlichen Organismus. Der weibliche Menschenorganismus müßte nicht sozusagen bis zu jener Vererdigung fortschreiten müssen, die in dem dichten eingelagerten Knochensystem besteht, und müßte nicht genötigt sein zu dem Aufschließen, das ihn hinausschauen läßt in die heutige pühysische Welt durch die Sinne; sondern er müßte die Möglichkeit haben, sozusagen seine inneren Stützen in weicherem Material zu haben, als unser festes Knochengerüst ist; und er müßte weiter die Möglichkeit haben, nicht seine Augen so weit nach außen aufzuschließen und nicht seine anderen Sinne in demselben Grade nach außen aufzuschließen, wie es heute der Fall ist, sondern mehr mit der Wahrnehmung in seinem Innenleben beschlossen zu bleiben. Das stellt den weiblichen Anteil an dem Gesamtorganismus des Menschen dar: Eine Keimanlage, die über das Ziel dessen hinausschießt, was heute in unserem Erdendasein möglich ist, weil einfach in den heutigen physischen Erdverhältnissen nicht die Bedingungen gegeben sind, welche ein solcher verfeinerter Organismus nötig hätte, der so wenig zur Vererdigung, wie es im Knochensystem der Fall ist, und so wenig zum Aufschließen nach außen angelegt ist. Ein solcher Organismus ist von vornherein unter den natürlichen Verhältnissen dem Tode geweiht. Das heißt, er wird durch das, was der weibliche Organismus nicht einprägen kann der menschlichen Keimesanlage, diese menschliche Keimesanlage von vornherein zum Tode verurteilt.
4 Der andere Anteil, der hinzugebracht wird zur Keimanlage, ist der männliche Teil [der zum Ektoderm wird]. Der ist in der genau umgekehrten Lage. Wenn die männliche Keimanlage allein den Menschen hervorbringen sollte, so würde das Fortschreiten jener Organisation, die sich auslebt in einem Sich-Aufschließen nach außen, was im Haut-Sinnessystem gegeben ist, und in der mächtigen Entfaltung dessen, was zur Verfestigung führt im Knochensystem, nach der anderen Seite über das Ziel hinausschießen. Die mänliche Organisation würde für sich eine ebensowenig lebensfähige Keimanlage schaffen können, würde für sich eine ebenso tote Keimanlage schaffen wie die weibliche Organisation, weil das, was sie schaffen könnte, was sie mitgeben könnte der Keimanlage, so organisiert sein würde, wenn es für sich sozusagen seine Kräfte entfaltete, daß es verschwinden müßte unter denjenigen Verhältnissen, wie sie einmal heute auf der Erde sind; denn es würde für diese Verhältnisse solche Kräfte entfalten, die einfach viel zu stark sind, als daß es bestehen könnte als Organisches innerhalb dieser Welt. Das heißt, die männliche Keimanlage entsteht eben gar nicht; sie konnte nur wirken, indem sie mit der weiblichen Keimanlage zusammenwirkte. Was sozusagen die weibliche Keimanlage zu stark anregt, zu sehr über das Maß dessen hinausführt, was auf der Erde möglich ist, das führt die männliche Keimanlage zu stark hinunter unter das Maß dessen, was auf der Erde möglich ist. Was zum Tode bestimmt ist in der weiblichen Keimanlage durch Überwuchern jener Kräfte, die zuletzt, wenn sie sich überhaupt dem Sinnlichen annähern könnten, zu einem Zerbrechen, zu einem Nichtgewachsensein gegenüber der Außenwelt führen würden, das gleicht sich aus mit der der männlichen Keimanlage durch den Befruchtungsprozeß. Was an Kräften zusammengedrängt ist in der männlichen Keimanlage, das würde, wenn es jemals für sich allein auswachsen würde, alles unendlich unter das Irdische herunterführen, es würde die menschliche Organisation zu weit größerer Vererdigung des Knochensystems und zu einem ganz anderen Aufschließen der Sinne und Aufnehmen der äußeren Welt bringen, als es heute der Fall ist. Diese beiden Organanlagen müssen schon in ihrer allerersten Entstehung sich zusammenfügen und zusammenfinden; denn sie sind von Anfang an gegenüber den irdischen Verhältnissen einzeln dem Tode bestimmt, und nur die lebendige Wechselwirkung dessen, was nach beiden Seiten hin das Übersprudeln des einen verhindert, gibt die für das Erdenleben allein mögliche des menschliche Keimanlage.
Prag, 28.Mär.1911 ☉ (aus «GA 128»; S.176ff)
https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWzit112800176.htm