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| Zitatensammlung Teil 1 |
| Zitat von Rudolf STEINER zur |
| PHYSIOLOGIE von DENKEN, FÜHLEN und WOLLEN |
| 1 Zunächst ist es notwendig - und ich bitte, alle diese Ausführungen in diesem Sinne zu nehmen -, wenn wir von unserem bewußten Leben ausgehen und das Verhältnis unseres mehr oder weniger bewußten Seelenlebens zu unserem Organismus betrachten, daß wir namentlich alles das ins Auge fassen - und das geht uns ja in der Physiologie an -, was wir nennen unsere Denktätigkeit im umfassendsten Sinne. Wir brauchen uns dabei nicht einzulassen auf feinere logische oder psychologische Unterscheidungen, sondern nur darauf, daß wir es zu tun haben mit dem denkerischen Leben des Menschen und innerhalb unseres Seelenlebens ferner mit dem Gefühlsleben und mit dem Willensleben des Menschen. |
| 2 Nun werden Sie unter denjenigen, die auf dem Boden des wahren Okkultismus stehen, niemals einen Widerspruch finden, wenn gesagt wird, daß durch alle solche Prozesse, die sich in unserem Seelenleben auf dem physischen Plan abspielen und in eine der Kategorien des Denkerischen, des Gefühlsmäßigen oder des Willensimpulsmäßigen fallen, daß durch solche Vorgänge für das normale Bewußtsein in dem Organismus wirkliche materielle, entweder belebte oder sonstige materielle Vorgänge bewirkt werden, so daß wir überall für ein jegliches, was in unserer Seele vorgeht, die entsprechenden materiellen Vorgänge in unserem Organismus auffinden können. Und gerade das ist von allerhöchstem Interesse. Denn erst in unserer Zeit wird es aus gewissen Tendenzen, die heute in der Wissenschaft erst als solche vorhanden sind, in den nächsten Jahrzehnten möglich sein, diese Entsprechungen von Seelenvorgängen und physiologischen Vorgängen im Organismus wirklich herauszufinden und das aus dem Okkultismus Gewonnene zu bestätigen. |
| 3 Jedem denkerischen Vorgange entspricht ein Vorgang in unserem Organismus, ebenso jedem Gefühlsvorgange und ebenso jedem Vorgange, der mit dem Ausdruck Willensimpuls bezeichnet werden darf. Gleichsam könnten wir sagen: Wenn in unserem Seelenleben etwas vorgeht, wird eine Welle angeschlagen, die sich bis hinunter ins Physische des Organismus fortpflanzt. Nehmen wir zunächst den denkerischen Prozeß, den Vorgang des Denkens. Ich will die, welche für solche Dinge Interesse haben, darauf aufmerksam machen, daß es da am besten ist, einen solchen Gedankenprozeß ins Auge zu fassen, wie das rein mathematische Denken oder sonstwie ähnliches objektives Denken, das unsere Gefühle und unseren Willen in einer gewissen Weise unbeeinflußt läßt, das heißt solche Gedankenprozesse, die denkerische Prozesse «in Reinkultur» sind, wollen wir zunächst ins Auge fassen. Was geht in unserem Organismus vor, wenn sich innerhalb unseres Seelenlebens solche Gedankenprozesse abspielen? Jedesmal, wenn das geschieht, daß wir denken, wenn wir Gedanken fassen, findet in unserem Organismus ein Prozeß statt, den wir vergleichen können - ich sage jetzt nicht, daß das, was ich ausspreche, eine Analogie ist; es ist keine Analogie, sondern eine Tatsache, und wenn ich sage «vergleichen können», dann soll uns auf Tatsachen führen -, den wir vergleichen können mit einem anderen Prozeß: Wenn wir in einem Glase Wasser, das bis zu einem gewissen Grade erwärmt ist, irgendein Salz, Steinsalz zum Beispiel, aufgelöst haben und durch Abkühlung des Wassers dieses aufgelöste Salz zur Kristallisation bringen, sodaß es den der Auflösung entgegengesetzte Prozeß vollzieht. Wenn das Salz ganz aufgelöst ist, ist das Wasser durchsichtig. Wenn aber das Wasser wieder abgekühlt wird und der der Auflösung entgegengesetzte Prozeß im Wasser sich vollzieht, dann wird das Salz wieder herauskristallisiert aus dem Wasser, es wird wieder eine Salzrückbildung geschehen, eine Salzeinlagerung im Wasser. Und wenn wir ein solches Wasser anschauen, das warm war, und wenn wir es zustande bringen, daß sich Salz wieder herauskristallisiert, dann werden wir sehen: Da drinnen entstehtin dem Flüssigen ein Festes; es lagert sich ein Festes wieder ein: Salzablagerung. [...] Ein ganz gleicher Prozeß spielt sich nun ab in unserem Organismus, wenn wir denken. Es ist der entsprechende Prozeß des Denkens sozusagen ein Einlagerungsprozeß von Salz, der ausgeht von einer Wirkung unseres Blutes, und der irritierend zurückwirkt auf unser Nervensystem, sich also abspielt an der Grenze unseres Blutes und unseres Nervensystems. Und geradeso wie Sie beim Anschauen des Wassers in dem Wasserglase das Salzwerden beobachten können, wenn es sich aus dem Wasser herauskristallisiert, so können Sie sehen, wenn Sie einen Menschen beobachten, der in der befriedigenden Lage ist zu denken, wie sich in der Tat übersinnlich sehr genau, durch das hellseherische Auge wahrnehmbar, ein solcher Prozeß abspielt. So haben wir dieses physische Korrelat des denkerischen Prozesses einmal vor unsere Seele hingestellt. |
| 4 Fragen wir uns jetzt: Wie nimmt sich das entsprechende Korrelat beim Fühlen aus? Beim Fühlen haben wir es nicht mit einer solchen Einlagerung von festwerdendem Salz, mit einem umgekehrten Auflösungsprozeß zu tun, sondern damit, daß sich innerhalb unseres Organismus das abspielt, was wir nennen können feine Prozesse, die etwa so sind, wie wenn ein Flüssiges halbfest wird. Denken Sie sich etwa: Ein Flüssiges wird so halbfest, daß es eine Form annimmt, wie sie etwa ein dickes Eiweiß haben würde, also geradezu eine Koagulierung, ein Festwerden eines Flüssigen. Während wir es beim denkerischen Prozessen zu tun haben mit einem Herausholen geradezu eines Salzartigen, das sich ablagert aus einem Flüssigen, haben wir es beim Gefühlsmäßigen zu tun mit einem Übergehen aus einem innerlich mehr flüssigen Zustand in einen quellbaren Zustand zu tun. Da wird die Substanz selber in einen dichteren Zustand verwandelt, den man nachweisen kann mit dem hellseherischen Auge als das Bilden kleiner Flöckchen, geradeso, wie Sie in einem Glase, in welchem eine bestimmte Flüssigkeit ist, durch bestimmte Vorgänge bewirken könnten den Prozeß einer inneren Flockenbildung, ein inneres Werden einer flüssigen Substanz zu quellbaren kleinen Tröpfchen. |
| 5 Wenn wir jetzt übergehen zu dem, was wir nennen können «einen Willensimpuls in sich hegen in der Seele», so ist das physische Korrelat dafür wieder etwas anderes. Das ist nun sogar leichter zu fassen, und da kommen wir wieder auf jene Seite, wo das Physische eigentlich schon etwas offenbarer wird. Es ist das physische Korrelat eines Willensimpulsmäßigen eine Art Erwärmungsprozeß, ein Erwärmungsprozeß allerdings, der gewisse Grade der Temperaturerhöhungen im Organismus irgendwie hervorruft, ein Heißwerden in einer gewissen Beziehung. Nun können Sie daraus auch ermessen - weil das Warmwerden, das Heißwerden mit der ganzen Pulsation unseres Blutes zusammenhängt -, daß gerade mit diesem heißwerden unseres Blutes die Willensimpulse durchaus im Zuisammenhang stehen. Dazu gehört nicht viel, wenn man nur einigermaßen Sinn hat für wirkliche Beobachtungen, daß man dies auch wirklich an der menschlichen Organisation, ja auch an der tierischen Organisation einsieht, daß solche Prozesse in einer solchen Weise ihr physisches Korrelat haben können. |
| 6 So können wir die physischen Korrelate, die sich abspielen bei inneren, seelischen Vorgängen, einigermaßen charakterisieren. Was ich Ihnen jetzt charakterisiert habe, ist natürlich nicht etwas, was sich sehr im Groben abspielt, sondern das sind außerordentlich feine, minuziöse Prozesse, Prozesse von einer Feinheit, von welcher man sich allerdings gewöhnlich gar keine Vorstellung machen kann. Aber etwa mit Ausnahme der Erwärmungsprozesse spielen sich diese Prozesse so ab, daß sie in bezug auf alles, was wir an ähnlichen Prozessen in der äußeren physischen Welt kennen, eben eine ungeheure Feinheit darbieten. Alles dieses sind Prozesse, die der Organismus durch seine gesamten Kräfte, wenn das Ich in Tätigkeit ist, mit Hilfe des Instrumentes des Blutes ausführt, von der Salzablagerung bis zur Quellbarkeit und Erwärmung, und die sich zum Teil so abspielen, daß man sagen könnte: Von dsiesen Prozessen wird der ganze Organismus ergriffen; oder auch: es wird, zum Beispiel beim denkerischen Prozeß, hauptsächlich ein Teil unserer Organisation, Gehirn oder Rückenmark, davon ergriffen. Auch in der mannigfaltigsten Weise im menschlichen Organismus verteilt sind diese Prozesse, welche Folgen der Einwirkung der seelischen Prozesse sind. Wenn man diese Dinge allmählich als Tatsachen kennenlernt, kommt man dahin, allerdings zugeben zu müssen, daß das, was man Gedanken oder Gefühle nennt, reale Kräfte sind, die reale Wirkungen haben innerhalb der physischen Organissation und sich in realen Wirkungen aussprechen; so daß wir rein aus der okkulten Beobachtung heraus sprechen müssen von einer realen Wirkung der Seele auf den menschlichen Organismus. Und es werden sich diese realen Wirkungen in den feineren Prozessen des menschlichen Organismus nach und nach durch die folgenden Jahrzehnte der Wissenschaft schon enthüllen, denn diese realen Prozesse werden den feineren Methoden der Wissenschaft durchaus zugänglich werden, auch für die äußerliche Untersuchung. [...] |
| Prag, 27.Mär.1911 ♄ (aus «GA 128»; S.131ff) |
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| revid.2026012 |
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