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Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
ORGANBEGRIFF
1 [...] Da wird es insbesondere wichtig sein, daß wir uns verständigen über die Bedeutung dessen, was wir im geisteswissenschaftlichen, anthroposophischen Sinne ein physisches Organ nennen oder vielmehr den physischen Ausdruck eines Organs. Denn Sie haben ja schon gesehen, daß wir zum Beispiel über die Milz [lat. lien, engl. spleen] so reden können, daß die physische Milz sogar materiell entfernt werden kann, oder unbrauchbar werden kann, ohne daß dasjenige, was wir im anthroposophischen Sinne die «Milz» nennen, von seiner Tätigkeit ausgeschaltet wird. So müssen wir also sagen: Es bleibt übrig im Organismus, wenn wir ein solches physisches Organ ausgeschaltet, entfernt haben, die Tätigkeit, die innere Regsamkeit, die durch das Organ ausgeübt werden soll. Daraus schon sehen wir - und ich bitte Sie recht sehr, sich einen solchen Begriff für das Folgende anzueignen -, daß wir sozusagen alles, was physisch anschaubar, was physisch wahrnehmbar ist bei einem solchen Organ, uns wegdenken können - es kann nicht bei jedem Organ so sein -, und es bleibt doch die Funktion, die Tätigkeit des Organs, so dass wir das, was dann bleibt, rechnen müssen zu dem Übersinnlichen des menschlichen Organismus.
2 Nun sprechen wir aber überhaupt, wenn wir im Sinne unserer Geisteswissenschaft von solchen Organen sprechen wie Milz, Leber, Galle, Nieren, Lungen und so weiter, indem wir diese Namen aussprechen, gar nicht von dem zunächst, was man physisch sehen kann, sondern von den Kraftsystemen, die eigentlich übersinnlicher Natur sind. Daher werden wir uns denken müssen gerade bei einem solchen Organ, wie es die Milz ist, wenn wir geisteswissenschaftlich davon sprechen, zunächst ein nicht äußerlich physisch sichtbares Kraftsystem. Denken wir also in dem, was ich hier zunächst zeichne, ein physisch nicht sichtbares Kraftsystem. Das wäre ein Kraftsystem, das nur anschaubar werden könnte für ein übersinnliches Schauen.
Skizze der Wandtafelzeichnung © 1971 R.Steiner-Verlag
Ein solches wäre also zum Beispiel in der Gegend unserer Milz nur als übersinnliches Kraftsystem sichtbar. Wenn wir nun ins Auge fassen, daß ja im wirklichen, zunächst uns vorliegenden menschlichen Organismus dieses übersinnliche Kraftsystem ausgefüllt ist mit sinnlicher Materie, so müssen wir uns fragen: Wie haben wir uns nun das Verhältnis dieses übersinnlichen Kraftsystems zu denken zu dem, was sinnliche Materie ist?
3 [...] Denken Sie sich diesen Begriff etwas fortgesetzt, so wird es auch nicht schwierig sein, zu denken, daß der Raum von Kraftsystemen ausgefüllt sein kann, welche eben zunächst übersinnlicher Natur sind, so übersinnlicher Natur sind, daß wir sie nicht nur mit dem Messer nicht durchschneiden können, sondern daß sie auch nicht angegriffen werden können, wenn zum Beispiel eine physische Materie, wie etwa die der Nieren, die da diesen Kraftsystemen eingelagert ist, erkrankt ist. So haben wir uns also zu denken, daß solch ein übersinnliches Kraftsystem in einem solchen Verhältnis steht zu dem, was wir als physisch-sinnliches Organ sehen, daß die sinnliche Materie, die Materie der physicshen Welt, sich einfügt, angezogen von den Kraftpunkten, und sich einlagert in die Kraftlinien. Durch diese Einlagerung der physischen Materie in das übersinnliche Kraftsystem wird das Organ erst zu einem physischen, so daß wir also sagen können: Der Grund, warum zum Beispiel an der Stelle der Milz ein physisch-sinnliches Organ sichtbar ist, ist also der, daß dort in einer ganz bestimmten Weise Kraftsysteme den Raum ausfüllen, welche die Materie gerade so heranziehen, daß sie sich in einer solchen Weise einlagert, wie wir es an den äußeren Organen der Milz sehen, wenn wir es anatomisch betrachten.
4 So können Sie sich die verschiedensten Organe im menschlichen Organismus denken: zuerst übersinnlich veranlagt und dann ausgefüllt unter dem Einfluß der verschiedensten übersinnlichen Kraftsysteme von physischer Materie. Daher müssen wir in diesen Kraftsystemen, welche die physische Materie an den verschiedenen Stellen des Organismus sich einlagern, einen übersinnlichen Organismus sehen, der in sich differenziert ist und in den verschiedensten Weisen die physische Materie sich eingliedert. Auf diese Weise haben wir nicht nur diesen einen Begriff gewonnen, den des Verhältnisses der übersinnlichen Kraftsysteme zu der eingelagerten physischen Materie der Organe, sondern auch den anderen Begriff, den der Ernährung des Gesamtorganismus. Denn diese Ernährung des Gesamtorganismus besteht eben in nichts anderem, als daß die aufgenommenen Nahrungsstoffe so zubereitet werden, daß es möglich ist, sie hinzuleiten nach den verschiedenen Organen, und diese verschiedenen Organe sich dann die Stoffe eingliedern. Wie dieser allgemeine Begriff der Ernährung, der sich zeigt als eine Anziehungskraft der verschiedenen Organsysteme für die Nahrungsstoffe, sich verhält zur Entstehung des einzelnen Menschen, zur Keimesgeschichte des einzelnen Menschen, die vor der Geburt liegt, das werden wir in den folgenden Vorträgen noch sehen. Der umfassendste Begriff der Ernährung ist also der, daß durch einen übersinnlichen Organismus eingesogen werden in der verschiedensten Weise die einzelnen Nahrungsstoffe.
Prag, 24.Mär.1911 ☿ (aus «GA 128»; S.89ff)
https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWzit112800089.htm