zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 1
Zitat von Rudolf STEINER zum
SUBSTANZWANDEL
1 [...] Denn ein jedes Substantielle, das wir in unserer Umgebung haben, hat gewisse innere Kräfte, hat eine innere Gesetzmäßigkeit. Und das ist das Wesentliche eines Stoffes, daß er innere Gesetzmäßigkeiten, innere Regsamkeiten hat. Wenn wir also die äußeren Nahrungsstoffe in unseren Organismus hineinbringen, sie sozusagen unserer eigenen inneren Regsamkeit einfügen wollen, so lassen sie sich das nicht ohne weiteres gefallen, sondern legen es zunächst darauf an, ihre eigenen Gesetze, ihre eigenen Rhythmen und ihre eigenen inneren Bewegungsformen zu behalten. Und will der menschliche Organismus sie für seine Zwecke gebrauchen, so muß er zunächst die eigene Regsamkeit dieser Stoffe vernichten, er muß sie aufheben. Er muß nicht bloß ein gleichgültiges Material verarbeiten, sondern er muß der eigenen Gesetzmäßigkeit der Stoffe entgegenarbeiten. Daß diese Stoffe eine Eigengesetzmäßigkeit haben, das kann der Mensch zum Beispiel bald spüren, wenn er ein starkes Gift zu sich nimmt. Da wird er bald sehen, daß die Eigengesetzmäßigkeit des Giftes sich geltend macht und Herr über ihn wird. So wie aber ein Gift eine innere Gesetzmäßigkeit hat, durch die es eine Attacke auf den Organismus ausführt, so ist es mit jedem Nahrungsstoff, den wir zu uns nehmen. Er ist nicht etwas Gleichgültiges, sondern er macht sich in seiner eigenen Natur, in seiner eigenen Wesenheit geltend; er hat seinen eigenen Rhythmus. Und diesem Rhythmus muß vom Menschen entgegengearbeitet werden, so daß nicht nur gleichgültige Baumaterialien zu verarbeiten sind in der inneren Organisation des Menschen, sondern es muß zuerst die eigene Natur dieser Baumaterialien überwunden werden.
2 So können wir sagen: In den Organen, denen unsere Nahrungsstoffe im Inneren des Menschen zunächst entgegentreten, haben wir die Werkzeuge, um demjenigen gegenüberzutreten, was Eigenleben der Nahrungsstoffe ist - jetzt «Leben» im weitesten Sinne aufgefaßt. Nicht nur das, was wir durch unregelmäßigen Rhythmus in der Ernährung selber bewirken, sondern auch das, was die Nahrungsmittel an eigenem Rhythmus in sich haben, welcher dem menschlichen Rhythmus widerspricht, das muß umrhythmisiert werden. Von den Organen, die dies bewirken, ist die Milz [lien] das äußerste Organ. Aber an diesem Umrhythmisieren, an diesem Umgestalten und Abwehren arbeiten die anderen genannten Organe wesentlich mit, so daß wir in Milz, Leber [iecur] und Galle [bilis] ein zusammenwirkendes Organsystem haben, welches im wesentlichen dazu bestimmt ist, bei der Aufnahme der Nahrungsmittel in den Organismus dasjenige zurückzuschieben, was Eigennatur dieser Nahrungsmittel ist. Alle Tätigkeit, welche im Magen entfaltet wird, oder auch schon, bevor die Speise in den Magen [stomachus] gelangt, ferner das, was dann bewirkt wird durch die Absonderung der Galle, was dann weiter durch die Tätigkeit von Leber und Milz geschieht, das alles gibt eben diese Abwehr der Eigennatur der äußeren Nahrungsstoffe. Daher sind also unsere Nahrungsmittel erst dann dem inneren Rhythmus des menschlichen Organismus angepaßt, wenn ihnen die Wirksamkeiten dieser Organe entgegengetreten sind. Und erst dann, wenn wir die in uns aufgenommenen Nahrungsmittel den Wirksamkeiten dieser Organe ausgesetzt und sie umgewandelt haben, haben wir dasjenige in uns, was fähig ist, in jenes Organsystem aufgenommen zu werden, das der Träger, das Werkzeug unseres Ich ist, in das Blut [sanguis]. Bevor irgendein äußerer Nahrungsstoff in unser Blut aufgenommen werden kann, so daß dieses unser Blut die Fähigkeit erhält, Werkzeug zu sein für unser Ich, müssen all die Eigengesetzlichkeiten der Außenwelt abgestreift sein, und das Blut muß die Nahrungsstoffe in einer solchen Gestalt empfangen, die der eigenen Natur des menschlichen Organismus entspricht. Daher können wir sagen: In Milz, Leber und Galle und in ihrem Zurückwirken auf den Magen haben wir diejenigen Organe, welche die Gesetze der äußeren Welt, aus der wir unsere Nahrung entnehmen, anpassen der inneren Organisation, dem inneren Rhythmus des Menschen.
3 Nun steht aber diese menschliche Natur, wie sie als Ganzes wirkt, mit allen ihren Gliedern nicht bloß der inneren Welt gegenüber, sondern diese innere menschliche Natur muß in einer fortwährenden Korrespondenz, in einem fortwährenden lebendigen Wechselwirken mit der Außenwelt sein. Dieses lebendige Wechselwirken mit der Außenwelt wird ja gerade dadurch abgeschnitten, daß den Gesetzen der Außenwelt, insofern wir mit ihr in Beziehung treten durch die Nahrungsstoffe, entgegengestellt werden die drei Organsysteme Leber, Galle, Milz. Durch diese wird die äußere Gesetzmäßigkeit weggenommen von innen her. Und es würde der menschliche Organismus, wenn er nur diesen Organsystemen ausgesetzt wäre, sich von der Außenwelt vollständig abschließen, er würde ein vollkommen in sich isoliertes Wesen sein. Daher ist ein anderes ebenso notwendig. Wie der Mensch auf der einen Seite solche Organsysteme braucht, durch welche die Außenwelt so umgestaltet wird, daß sie seiner Innenwelt gemäß wird, so muß er auf der anderen Seite auch in der Lage sein, unmittelbar mit dem Werkzeug seines Ich der Außenwelt entgegenzutreten, unmittelbar also seinen Organismus, der sonst eine in sich isolierte Wesenheit wäre, mit der Außenwelt in Beziehung zu setzen. Während das Blut auf der einen Seite mit der Außenweit nur so in Beziehung tritt, daß es von dieser Außenwelt nur das erhält, dem alle Eigengesetzmäßigkeit abgestreift ist, tritt es auf der anderen Seite mit der Außenwelt so in Beziehung, daß es unmittelbar an sie herantreten kann. Das geschieht, wenn das Blut durch die Lungen [pulmo] fließt und mit der äußeren Luft in Berührung kommt. Da wird es durch den Sauerstoff der äußeren Luft aufgefrischt und in einer solchen Weise gestaltet, daß jetzt dieser Gestaltung nichts abschwächend gegenübertritt, so daß in der Tat der Sauerstoff der Luft so herantritt an das Werkzeug des menschlichen Ich, wie es dessen eigenster Natur und Wesenheit entspricht. So sehen wir jene ganz merkwürdige Tatsache vor unser Auge treten, daß das edelste Werkzeug, das der Mensch hat, das Blut, das Werkzeug seines Ich, wie ein Wesen dasteht, welches alle Nahrung sorgfältig filtriert erhält durch die früher charakterisierten Organsysteme. Dadurch ist das Blut in die Fähigkeit versetzt, ganz und gar ein Ausdruck der inneren Organisation des Menschen zu werden, des inneren Rhythmus des Menschen. Dadurch aber, daß das Blut unmittelbar in Berührung tritt mit denjenigen Stoffen der Außenwelt, die in seine innere Gesetzmäßigkeit und Regsamkeit aufgenommen werden dürfen, ohne daß sie unmittelbar bekämpft zu werden brauchen, dadurch ist diese menschliche Organisation nichts in sich Abgeschlossenes, sondern mit der Außenwelt voll in Berührung.
Prag, 23.Mär.1911 ♂
aus «GA 128»; S.72f