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| Zitatensammlung Teil 1 |
| Zitat von Rudolf STEINER zu |
| BLUTTAFEL und NERV |
| 1 Diese Beziehung ist nun etwas außerordentlich Wichtiges, wenn man den menschlichen Organismus so betrachten will, daß die Betrachtung eine Grundlage für die okkulten Untergründe der menschlichen Natur ergeben kann. Dann müssen wir uns sagen: Beim gewöhnlichen Leben, wie es im allgemeinen verfließt, geschieht der Vorgang so, daß eine Wirkung, die durch den Nerv sich fortpflanzt, in das Blut sich einschreibt wie in eine Tafel und dadurch in das Werkzeug des Ich sich eingeschrieben hat. |
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| Nehmen wir aber einmal an, wir würden die Beziehung zwischen Blutlauf und Nerv künstlich unterbrechen, das heißt, wir würden also künstlich den Menschen in eine solche Lage bringen, daß gleichsam der Nerv in seiner Wirksamkeit von dem Blutlauf entfernt wird, so daß sie nicht mehr aufeinander wirken können. Das kann man schematisch in der Weise zeichnen, daß man die beiden Glieder weiter auseinander zeichnet, so daß eine Wechselwirkung zwischen Nerv und Blut nicht mehr stattfinden kann. Da kann die Sache so liegen, daß zunächst auf den Nerven kein Eindruck gemacht wird. |
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| So etwas kann man ja erreichen, indem man zum Beispiel den Nerv durchschneidet. Wenn es auf irgendeine Weise [etwa auch durch Drogen] zustande kommt, daß also auf den Nerv kein Eindruck gemacht wird, dann ist es ja nicht weiter wunderbar, daß der Mensch auch nichts Besonderes durch diesen Nerven erleben kann. Nehmen wir aber an, es werde - trotzdem die Beziehung zwischen Nerv und Blut unterbrochen ist - ein gewisser Eindruck gemacht. In dem äußeren Experiment kann das ja dadurch herbeigeführt werden, daß man zum Beispiel durch einen elektrischen Strom den Nerven reizt. Diese äußere Beeinflussung des Nervs geht uns hier aber nichts an. Es gibt aber noch eine andere Beeinflussung des Nerven in dem Zustande, wo er auf die Blutbahn nicht wirken kann. Dieser Zustand kann für den menschlichen Organismus herbeigeführt werden, und er wird in einer gewissen Weise herbeigeführt durch gewisse Vorstellungen, gewisse Ideen, Empfindungen und Gefühle, die der Mensch erlebt hat und sich angeeignet hat und die, damit das innere Experiment ganz gut gelinge, eigentlich höhere moralische oder intellektuelle Vorstellungen sein sollten. Wenn der Mensch solche Vorstellungen, die er, sagen wir, zu Sinnbildern macht, in scharfer innerer Konzentration der Seele übt, dann geschieht ja das, wenn er es beim Wachbewußtsein macht, daß er den Nerven voll in Anspruch nimmt und ihn durch diese innere Konzentration in gewisser Beziehung zurückzieht von dem Blutlaufe. Denn wenn der Mensch sich einfach den normalen äußeren Eindrücken überläßt, ist die natürliche Verbindung zwischen Nerv und Blutlauf vorhanden. Wenn der Mensch aber auf diese Weise abgezogen wird von allen äußeren Eindrücken von dem, wie zunächst die Außenwelt auf unser Ich wirkt, durch die scharfe innere Konzentration in der Seele, dann hat er ja das in der Seele, was erst im Bewußtsein entsteht; was Inhalt des Bewußtseins ist und den Nerven vorzugsweise in Anspruch nimmt, und was die Nerventätigkeit zunächst von dem Zusammenhange mit der Bluttätigkeit trennt. Die Folge davon ist, daß durch eine solche innere Konzentration, die wirklich die Leitung zwischen Nerv und Blut unterbricht, wenn sie so stark ist, daß dadurch der Nerv in einer gewissen Weise befreit wird von dem Zusammenhang mit dem Blutsystem, er daher auch befreit wird von dem, wofür das Blutsystem das äußere Werkzeug ist, das heißt also befreit wird von den gewöhnlichen Erlebnissen des Ich. Und es ist in der Tat so - was durch die Erlebnisse der geistigen Schulung, die in die höheren Welten hinaufführen soll, vollständig experimentell belegt wird, und was jetzt nur angeführt werden soll -, daß durch eine solche Konzentration das gesamte Nervensystem von dem Blutsystem und dessen gewöhnlichen Aufgaben für das Ich entrückt wird. Da tritt eine gewisse Folge ein, nämlich die, daß das Nervensystem, während es früher seine Wirkung auf die Tafel des Blutes geschrieben hat, nunmehr das, was es als seine Wirkung in sich enthält, in sich selbst zurücklaufen läßt, in sich zurücknimmt und diese Wirkung nicht bis zum Blut hinkommen läßt. Es ist also rein durch Vorgänge innerer Konzentration möglich, sein Blutsystem von dem Nervensystem gleichsam abzutrennen und dadurch dasjenige, was sonst in das Ich - bildlich gesprochen - hineingeflossen wäre, zum Zurücklaufen in das Nervensystem zu bringen. |
| 2 Das Eigentümliche ist, daß der Mensch, wenn er nun wirklich durch innere Seelenarbeit so etwas bewirkt, dann eine ganz andere Art des inneren Erlebens, daß er vor einem vollständig veränderten Bewußtseinshorizont steht, den man in einer gewissen Weise dadurch ausdrücken kann, daß man sagt: Wenn Nerv und Blut in einer entsprechenden Weise in Verbindung stehen, wie es im normalen Leben der Fall ist, so bezieht der Mensch die Eindrücke, die von seinem Inneren kommen, und die, welche von der Außenwelt kommen, auf sein Ich; dann birgt das Ich die Kräfte, die sich hinerstrecken auf den ganzen Bewußtseinshorizont, und alles wird auf das Ich bezogen. Wenn der Mensch durch innere Konzentration sein Nervensystem abtrennt, also durch innere Seelentätigkeit heraushebt aus seinem Blutsystem, so lebt er auch nicht in seinem gewöhnlichen Ich, dann kann er nicht zu dem, was er jetzt als sein Selbst nennt, in demselben Sinne Ich sagen, wie er früher beim normalen Bewußtseinsleben Ich geasgt hat. Dann erscheint sich der Mensch so, wie wenn er einen Teil seiner Wesenheit ganz bewußt aus sich herausgehoben hätte, wie wenn etwas, was man sonst nicht sieht, was ein Übersinnliches ist und in unsere Nerven hereinwirkt, sich nicht auf unsere Bluttafel abdruckte, auf unser gewöhnliches Ich keinen Eindruck machte. Dadurch fühlt man sich hinweggehoben von dem ganzen Blutsystem, gleichsam herausgehoben aus dem Organismus, und man begegnet als Ersatz für das, was man im Blutsystem erlebt hat, einen anderen. Während früher die Nerventätigkeit in dem Blutsystem abgebildet wurde, wird sie jetzt in sich selbst zurückreflektiert; jetzt lebt man in etwas anderem, jetzt empfindet man sich in einem anderen Ich, in einem anderen Selbst, das früher höchstens nur geahnt werden konnte: man fühlt das Hereinragen einer übersinnlichen Welt. |
| 3 Wenn wir noch einmal die Beziehung zwischen dem Nerven oder dem gesamten Nervensystem, wie es die Eindrücke einer äußeren Welt in sich hereinnimmt, zum Blut genauer schematisch zeichnen wollen, so kann es in folgender Weise geschehen: |
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| Prag, 21.Mär.1911 ☉ (aus «GA 128»; S.41ff) |
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| revid.202601 |
| https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWzit112800041.htm |