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Zitatensammlung
Teil 2
Zitate zu
NATUR und KULTUR
1 Wichtiger, und ebenfalls viel bedacht, ist die Tatsache, daß die beständig steigende wissenschaftliche und technische Entwicklung den Menschen immer mehr von der Natur ablöst. »Natur« ist jenes, das »von selbst« da ist; das aus immanenten Antrieben vor sich geht; sich immerfort aus eigener Fruchtbarkeit erneuert. »Kultur« hingegen jenes, das der Mensch hervorbringt und im Sein hält. Je weiter die Macht des Menschen steigt, desto mehr wandert er aus der Natur in die Kultur aus - das heißt aber, in eine Welt, einen Zustand, die nicht von selbst gewachsen und durch innere Ordnungen gewährleistet, sondern von ihm gemacht sind, daher den Charakter der Beliebigkeit und somit des Risikos haben. Der Mythos des Atlas kommt einem in den Sinn, der verurteilt ist, das Himmelsgewölbe zu tragen. Er kann nicht frei unter ihm schreiten, sondern es ist ihm als Last aufgebürdet: wenn er nachläßt, fällt es zusammen.
Wo aber liegt die Grenze, jenseits derer die Last den Träger erdrückt?
Romano Guardini
aus «Damit Europa werde ...»; S.22
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Natur und Kunst - der Stoff und das Werk. Keine Schönheit besteht ohne Nachhilfe, und jede Vollkommenheit artet in Barbarei aus, wenn sie nicht von der Kunst erhöht wird: diese hilft dem Schlechten ab und vervollkommnet das Gute. Die Natur verläßt uns gemeinhin beim Besten; nehmen wir unsere Zuflucht zur Kunst. Ohne sie ist die beste natürliche Anlage ungebildet, und den Vollkommenheiten fehlt die Hälfte, wenn ihnen die Bildung fehlt. Jeder Mensch hat ohne künstliche Bildung etwas Rohes und bedarf in jeder Art von Vollkommenheit der Politur.
Baltasar Gracián
aus «Handorakel»; S.5