zum IMPRESSUM
Zitatensammlung
Teil 2
Zitat von Hermann PFROGNER zur
ZWEIHEIT der TONSYSTEME
Bei dem »wie in den Tonraum hinausgeworfenen Netz« der verschiedenen Tonsysteme der Erde begegnet uns die auffällige Tatsache, daß ihre »Muster« immer wieder eine siebenstufige oder eine fünfstufige Struktur aufweisen, und zwar in so erdrückender Mehrzahl, daß hier wirklich zutreffend gesagt werden kann, daß die wenigen Ausnahmen nur die Regel bestätigen. Als A. J. Ellis, der Begründer der Centrechnung, 1885 seine erste aufsehenerregende Überschau der Tonsysteme der Erde publizierte, prägte er das vielzitierte Wort von den »sehr verschiedenen, sehr künstlichen, sehr eigenwilligen Leitern«⁹. Trotzdem konnte Ellis nicht umhin, die untersuchten Skalen in zwei Hauptklassen zusammenzufassen. Als erste Klasse nannte er die Siebentonleitern: »Bei ihnen werden gelegentlich zwei oder mehr Töne ausgelassen, und manchmal ein bis drei Töne zur Auswahl eingeschaltet. Aber der Hauptverlauf der Leitern besteht aus sieben Tönen. Solche Leitern werden siebenstufige genannt und in Europa, Arabien, Indien und anderwärts bevorzugt¹°«. Als zweite Klasse bezeichnete er die Fünftonleitern: »Diese Leitern sind in späterer Zeit oft durch Einschaltung von zwei weiteren Tönen ergänzt worden, die aber offenkundige Eindringlinge sind; und im typischen Fall, in Java, ist dies nicht geschehen. Solche Leitern heißen deshalb fünfstufige. Sie finden sich in der Südsee, Java, China und Japan, und wurden, wie man nach der Eigenart alter schottischer, irischer und walisischer Melodien glaubt, auch von den Kelten gebraucht¹¹.« Soweit Ellis. In den darauffolgenden Jahrzehnten konnten seine Ermittlungen weiter ausgebaut und vervollständigt werden. Aber die fundamentale Klassifikation der Leitern durch den englischen Forscher hat davon unberührt bis heute ihre unerschütterliche Gültigkeit bewahrt: es gibt über die Erde hin nur zwei große Klassen von Tonsystemen, die siebenstufigen und die fünfstufigen, wobei letztere, wie Ellis sagt, mitunter zu siebenstufigen »ergänzt« werden können, ohne darüber ihr ursprüngliches »Muster« endgültig einzubüßen.
S.238f
⁹ A. J. Ellis: Über die Tonleitern verschied. Völker, in: Sammelbände der Vergl. Musikwissenschaft I/S. 75
¹° A. J. Ellis, S. 13
¹¹ ebendort
S.654
aus «Lebendige Tonwelt»