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Zitatensammlung
Teil 3: Lexikon
Horus
Horus (~ der oben Befindliche, Ferne), der im Papyrusdickicht geborene Sohn von Isis und Osiris, ist ein altägyptischer Himmelsgott. Als Träger des Sonnenauges hat er mit Re zu tun. Dem damaligen Dualismus folgend führte sein Kampf mit Seth, der ihm dabei ein Auge raubte, zur Teilung des Machtbereichs: Horus wurde Herr Unter-, Seth Oberägyptens; das Auge holte sich Horus allerdings zurück und belebte damit seinen Vater. Schon seit ältesten Tagen wurde ein König mit dem Himmelsfalken identifiziert, weshalb sich jeder Pharao auch Horus nannte. Eine besondere Rolle spielt Horus als Kind (Harpokrátes, Harsiesis). Horus ist der mit einem harpunenartigen Speer bewaffnete Gegner der typhonisch bösen Mächte, welche in Nilpferd und Krokodil geschaut wurde. Besonders als Hor-Hekenu offenbart sich sein Schutzcharakter. Als seine Kinder galten Duamutef, Hapi, Imset und Kebechsenef.
ABGEBILDET ist er als Falke, dessen Augen Sonne und Mond sind, in Edfu als geflügelte Sonne; in Letopolis repräsentieren ihn Ichneumon und Spitzmaus.
nach «Lexikon der Götter und Dämonen»
und «Geschichte der religiösen Ideen Bd.1»; S.98ff
Der Mythos von Horus und Seth ist als narrative Ausformung der Zweiheitssymbolik der Gründungsmythos des ägyptischen Staates. Das antagonistische Brüderpaar [vgl. Wischnu und Schiwa] steht aber für mehr als nur für die geographische Zweiteilung in Ober- [schema'] und Unterägypten [mehu]. Horus verkörpert die Zivilisation, Seth die Wildnis, Horus das Recht, Seth die Gewalt, Horus die Ordnung, Seth die Unordnung.⁴ Einheit kann nur durch Versöhnung dieser antagonistischen Prinzipien, Versöhnung aber nur durch Unterwerfung des einen unter das andere hergestellt werden. Das Recht, die Kultur, die Ordnung müssen kämpfen und siegen; sie setzen sich nicht von selbst durch. Sie setzen sich aber nicht verdrängend an die Stelle von Chaos, Unordnung, Wildheit und Gewalt, sondern bändigen sie. Der Mythos fundiert daher keinen Zustand, sondern ein unabschließbares Projekt: die Bändigung des Chaos und die Herstellung von Ordnung durch Vereinigung, nach dem Prinzip „ab integro nascitur ordo”. Die Einheit ist immer problematisch, sie ist niemals gegeben, sondern immer aufgegeben.

4 Zu Seth vgl. te Velde [(1967) Seth, God of Confusion, Leiden]; Hornung [(1975) „Seth, Geschichte und Bedeutung eines ägyptischen Gottes”, in: Symbolon N. F. 2, 49-63]; Brunner [(1983) „Seth und Apophis - Gegengötter im ägyptischen Pantheon?”, in: Saeculum 34, 226-234].
Jan Assmann
aus «Das kulturelle Gedächtnis»; S.168f
https://wfgw.diemorgengab.at/zit/WfGWlex004130178e.htm