signum akadémeias
SCRIPTVM XVII
Kraftgruppen Groupes de force
Paul Emberson
1 Einem Pfad der Selbstentwicklung zu folgen - einem Pfad, der zur Einweihung führt -, ist traditionsgemäss eine persönliche Angele-genheit. Es ist ein Pfad, der vom einzelnen zur Erlangung von Erkenntnissen der höheren Welten gegangen wird. Wer sich auf einen solchen Pfad begibt, muss Meditations- und Konzentrationsübungen durchführen und das innere Leben ordnen und reinigen, um höhere Fähigkeiten, die in der Seele veranlagt sind, zu erwecken. Wenn man eine Selbstschulung dieser Art unternimmt, ist es mit dem Ziel, etwas für sich selbst zu erlangen.[a] [en projet de traduction]
2 Es gibt einen anderen Pfad. Es gibt einen Pfad, der nach und nach für alle Menschen, die nach dem Kali Yuga [b] geboren wurden, gehbar ist. Er stellt das Gegenteil dar zu dem Schulungsweg der Generationen, die vor dem Ende des 19.Jahrhunderts geboren wurden. Rudolf Steiner sprach darüber nur gegen Ende seines Lebens, weil vor 1922 noch keine Erwachsenen da waren, die nach dem Ende des Kali Yuga geboren wurden. Doch er sprach von 1922 an auf konkrete Weise und ziemlich detailliert darüber, obgleich nur in Jugendkreisen, weil es für seine Anhänger im allgemeinen, deren Seelenbeschaffenheit diejenige des Kali Yuga war, kaum von Interesse sein konnte. Wir wollen kurz diese neue Form esoterischer Arbeit charakterisieren.  
3 Die vielleicht auffallendste Eigenheit, in der diese Schulung sich von dem traditionellen Pfad der Selbstentwicklung unterscheidet, besteht darin, dass sie überhaupt keine Entwicklung des Selbst erstrebt. All die Bemühungen, die Übungen und Meditationen, all die innere Arbeit, welche man durchführt, werden für andere gemacht. In einem Freundeskreis arbeitet jedes Mitglied so, dass die Freunde die höheren Erkenntnisse erreichen mögen. Man sucht nichts für sich selbst. Dies stellt einen von Grund auf von den weit verbreiteten Ideen einer esoterischen Schulung verschiedenen Ausgangspunkt dar. Es ist nicht derselbe „Pfad der Verehrung”, der von Rudolf Steiner in „Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten” beschrieben wird,[c] obwohl die Verehrung der Wahrheit ein ebenso wesentlicher Teil davon ist. Es ist ein neuer, christlicher Pfad: der „Pfad der selbstlosen Liebe”. Dieser selbstlose Schulungsweg wurde nicht nur dadurch möglich, dass die Organe des Menschen für das Erlangen übersinnlicher Erkenntnisse sich verändern, sondern auch, und das vor allem, weil jetzt der Christus selbst als ätherisches Wesen in unserer Mitte ist - als der Herr des Karma. Es ist ein Pfad, durch den Karma erlöst wird.  
4 Eine zweite Besonderheit, welche aus der ersten folgt, ist, dass dies ein Pfad ist, der nur von Menschengruppen, von geistigen Gemeinschaften, gegangen werden kann. Solche Gemeinschaften sind karmische Gruppen in einem zukunftsorientierten Sinne. Jedes Mitglied der Gemeinschaft arbeitet nicht für sich selbst, sondern für die anderen. Sie sind es, welche die Früchte seiner Arbeit empfangen. Die Früchte, welche es selbst empfängt, kommen ihm von den anderen zu. (Dies ist das Urprinzip aller wahren Gemeinschaften.)  
5 Selbstverständlich sind die Übungen und Meditationen, welche in dieser Arbeit gemacht werden, nicht diejenigen, die von Rudolf Steiner für individuellen Gebrauch gegeben wurden. Sie unterscheiden sich von letzteren sowohl in Form wie Inhalt. Sie können nicht vom einzelnen für seine Selbstentwicklung gebraucht werden. Es sind spezielle Meditationen und Übungen, die durch Rudolf Steiner für gemeinsame esoterische Arbeit formuliert wurden, welche von jedem aus Bruderliebe [d] für die anderen getan wird. Sie besitzen eine einmalige Kraft, die in gewöhnlichen Übungen und Mantren nicht möglich ist. Schauen wir nun, was diese Kraft ist.  
6 Denken ist universell. Wenn wir von einer Rose sagen: „Dies ist eine Rose”, drücken wir damit einen Gedanken aus, den jeder in bezug auf die betreffende Rose äussern kann - einen Gedanken, der in sich wahr ist. Ein solcher Gedanke existiert unabhängig von uns selbst. Wenn wir hingegen sagen: „Ich mag diese Rose”, so sprechen wir von uns selbst. Wir drücken unser eigenes Gefühl für die Rose aus. Spricht ein anderer dieselben Worte aus, so spricht er über seine Gefühle und nicht über die unsrigen. Gefühle sind individuell, sie beziehen sich auf uns selbst.  
7 Nun, gemäss Definition ist „selbstlose Liebe” kein Gefühl dieser Art - es kann nicht auf ein Selbst bezogen sein. Selbstlose Liebe ist in Wahrheit eine Tat. Sie ist eine Herzenstat. Sie nimmt im grossen und vielseitigen Spektrum der Seelenerlebnisse einen sehr speziellen Platz ein. Im Gegensatz zur Eigenliebe, zur romantischen Liebe, zur leidenschaftlichen Liebe usw. kann selbstlose Liebe mit anderen geteilt werden. (Selbstverständlich sprechen wir manchmal von geteilter Leidenschaft, aber wir meinen damit, dass meine Leidenschaft und deine Leidenschaft von der gleichen Art sind. Ich kann vielleicht eine Leidenschaft erleben, die ihrer Natur nach nahezu identisch ist mit der Leidenschaft, die der andere erlebt, aber ich kann niemals seine Leidenschaft erleben.)  
8 Weil die selbstlose Liebe nicht an ein bestimmtes „Selbst” gebunden ist, besitzt sie ein einmaliges Potenzial, welches von Rudolf Steiner „Vermehrung der Kraft” genannt wird. Dieses Potenzial kann man im gewöhnlichen Leben erahnen: wenn man jemandem Liebe selbstlos schenkt, so hat man, wenn man sie gegeben hat, nicht weniger davon in sich, sondern man hat mehr zu geben. Je mehr Liebe man selbstlos gibt, desto mehr hat man davon im Herzen.[e] Mehr noch, die Liebe, die man gegeben hat, wird dazu neigen, Liebe im Herzen desjenigen hervorzurufen, der sie empfängt. Im gewöhnlichen Leben ist jedoch die Liebe, die wir geben, nicht ganz selbstlos; sie ist in der Regel bis zu einem gewissen Grad egoistisch gefärbt. Reine selbstlose Liebe ist selten.  
9 Wenn Menschen auf die Art, die ich beschrieben habe, esoterisch zu arbeiten beginnen, tritt eine aussergewöhnliche Situation ein. Jeder arbeitet aus selbstloser, brüderlicher Liebe. All seine Anstrengungen bei der Durchführung von Meditation und anderen Übungen kommen ausschliesslich den anderen zugute. Nichts wird für sich selbst erstrebt. Die Früchte, die man empfängt, kommen nicht durch die eigene Arbeit, sondern von den anderen. (Ich beschreibe eine Idealsituation.) In dem Masse, wie diese Qualität in der Arbeit der Gruppe erreicht wird, kommt das Prinzip der Vermehrung der Kraft zur Geltung. Das Ergebnis ist das Folgende.  
10 Stellen wir uns einen Freundeskreis vor, dessen Mitglieder nicht mehr als gewöhnliche Konzentrationskraft usw. besitzen. Lassen Sie uns eine willkürliche Wertskala erfinden, gemäss welcher die innere Stärke einer Person, die nicht genügend Interesse und Energie aufbringen kann, um eine Übung durchzuführen, als niedrigsten Wert mit 'Stärke 1' bezeichnet würde. Auf dieser Skala würde 'Stärke 2' die Kraft einer Person darstellen, die fähig wäre, die Übung zu machen, aber nur mit einem bescheidenen Mass an Konzentration und Intensität. Nun, in einer Gruppe von zwölf Personen, wo jeder nur die 'Stärke 2' erreicht und jeder für sich arbeitet, würde die gemeinsame Kraft der Gruppe 12 x 2 = 24 sein. Aber wenn die Mitglieder derselben Gruppe selbstlos arbeiten würden, jeder für die anderen, dann wäre die gemeinsame Kraft der Gruppe 2¹² (zwei hoch zwölf), was 4096 ist. Ebenfalls könnte jedes Mitglied die gemeinsame Kraft der Gruppe in seiner selbstlosen Arbeit nutzen. Dies ist das Gesetz der Vermehrung der Kraft, wie sie Rudolf Steiner einer Gruppe von zwölf Personen, die selbstlos zusammenarbeiten wollte, erklärte. In diesem Beispiel könnte jedes Mitglied der Gruppe seine esoterische Arbeit mit einer inneren Stärke durchführen, die mehr als zweitausendmal grösser wäre als jene, die es normalerweise besass.  
[...]
11 Es handelt sich also um esoterische Arbeit, die nur von Menschengruppen durchgeführt werden kann. Viele von uns kennen vermutlich nicht mehr als ein oder zwei andere Menschen, wenn überhaupt, die motiviert wären, mit uns eine solche Gemeinschaft zu bilden. Und selbst wenn eine solche Gruppe entstünde, so würden deren Mitglieder, wenn sie sich selber gegenüber ehrlich wären, bald entdecken, dass sie gar nicht wissen, wie man aus selbstloser Liebe handelt. Wie meditiert man für einen anderen? Kann man es tun, indem man einfach zu sich selbst sagt: „Die Meditation, die ich jetzt tun werde, ist für meine Freunde”? Nein, so geht es nicht.  
12 Wir wollen uns einen Moment nehmen, um allfällige Missverständnisse über das Wesen der selbstlosen Liebe aus dem Weg zu räumen. Manche Leute finden die Idee von einem Menschenkreis, der esoterisch aus selbtloser Liebe arbeitet, eher beunruhigend. Sie stellen sich vielleicht sogar vor, dass es mit Gefühlsduselei zu tun habe, wo sich die Gruppenmitglieder gegenseitig zärtlich anstarren und einander sagen: „Ich liebe dich”. Doch das würde persönliche Liebe sein. Das hat nichts zu tun mit dem, wovon wir hier sprechen. Selbstose Liebe ist eine objektive Kraft - eine ätherische Kraft, welche selbst Maschinen antreiben kann (wie in der Moralischen Technik). Selbstlose Liebe und die Fähigkeit zur wahren Selbstaufopferung waren die Kräfte, mit denen die Götter die Welt geschaffen haben [f]. Dies sind die mächtigsten Kräfte der Welt.  
13 Konkret aus selbstloser Liebe in einem esoterischen Kreis zu wirken, ist für viele Menschen schwer vorstellbar. In Grossbritannien zum Beispiel kommen die Leute oft irgendwie in Verlegenheit bei der Idee von Liebe als einer objektiven Kraft. Es ist für die Briten nicht leicht, den Zugang zu finden zur selbstlosen Liebe, da sie durch das zweischneidige Schwert [g] der Bewusstseinsseele zurückgehalten werden. Die Bewusstseinsseele lebt im britischen Volk, aber instinktiv, wie Rudolf Steiner sagt, nicht voll bewusst. (Dies scheint ein Widerspruch in sich zu sein, ist es aber nicht.) Es ist die höchste Art, das menschliche Ich in der Seele zu erleben, aber es ist gleichzeitig das unsozialste [h] Element der Seele.  
14 Solange die Bewusstseinsseele instinktiv bleibt, wirkt sie hauptsächlich durch Antipathie, indem sie alles, was sich ihr auf der Seelenebene nähert, wegstösst, so dass sie das Ich isolieren kann und es dadurch intensiver erlebt. Dies ist die paradoxe Lage der Briten, welche die Aufgabe haben, den sogenannten „mechanischen Okkultismus” zu entwickeln, dessen richtige Form die Moralische Technik ist. Einerseits neigen sie dazu, vor der Idee der selbstlosen Liebe zurückzuschrecken, und doch ist es auf der anderen Seite diejenige Kraft, die sie lernen müssen, sowohl in der esoterischen Arbeit als auch in der Technik zu gebrauchen.  
15 Selbstverständlich ist diese Zurück-haltung nicht nur in Grossbritannien zu finden. Nicht wenige fühlen sich unwohl, wenn sie mit der Idee von Gemeinschaften, die aus selbstloser Liebe esoterisch arbeiten, konfrontiert werden. Einige sagen, dass sie „zu starke Individualisten seien, um Teil einer Gemeinschaft zu sein”. Sie würden gerne glauben, dass ein Individualist sein bedeute, eine starke unabhängige Persönlichkeit zu sein, aber in Wirklichkeit deutet dies auf eine unterbewußte Angst hin - die Angst, dass ein anderer Mensch Einfluss über unser Ich erhält. Um sich vor dieser Angst zu verstecken, reagieren die Menschen oft mit Geringschätzung. Sie behandeln jene, die den Willen haben, Gemeinschaften, die auf selbstloser Liebe basieren, zu bilden, als weltfremde Idealisten, als moderne Hippies oder als Anthroposophen, die es gut meinen, aber zu schwach sind, um auf eigenen Beinen zu stehen. In Wirklichkeit ist genau das Gegenteil der Fall. Es braucht keine Anstrengung, ein Egoist zu sein. Es ist kein Verdienst, ein selbstzufriedener Individualist oder Einzelgänger zu sein. Aber es braucht Mut, sich zu entscheiden, ganz für die anderen zu arbeiten und nichts für sich selber zu suchen.[i] Lernen, aus selbstloser Liebe zu handeln, ist lernen, mit der stärksten Kraft, die der Mensch anstreben kann, zu arbeiten.  
16 Wie arbeiten wir aus selbstloser Liebe? Anfangs entdecken wir, dass es etwas ganz anderes ist, als wir uns hätten vorstellen können: etwas, was uns noch nicht spontan zukommt. (Wenn das der Fall sein würde, so wäre unsere Zivilisation edel und schön.) Lernen, auf diese Weise zu arbeiten, ist in Wirklichkeit der erste Schritt auf dem Pfad, den ich den „Pfad der selbstlosen Liebe” genannt habe. Er verlangt eine Art Opfer: den Verzicht darauf, für seinen eigenen Gewinn zu arbeiten [k]. Wenn ein Kreis von zwölf Personen aus selbstloser Liebe arbeitet und jeder seine eigenen Interessen für die anderen opfert, so ist das, als ob die Liebe, die von jedem einzelnen ausströmt, sich in der Mitte träfe und sich dort sammelte. Selbstlose Liebe und Opferkraft sind, wie wir es erwähnt haben, Kräfte, mit denen die Götter die Welt geschaffen haben. Es sind schaffende Kräfte. Wenn ein Menschenkreis wirklich auf diese Weise arbeitet, so entsteht etwas in seiner Mitte - etwas, das viel grösser als die Summe der einzelnen und doch untrennbar von ihnen ist.  
17 Denken, so sagten wir, ist universell. Wahrheit ist selbstlos. Auch Taten sind oft gemeinsam - wie wenn zum Beispiel zwei Personen die Ruder eines Bootes ergreifen und zusammen rudern. Aber im gewöhn-lichen Leben könnten die beiden Ruderer im perfekten Einklang rudern, mit gemeinsamen Gedanken über ihr Boot und dessen Ziel, und einander trotzdem hassen. In seinem Herzen ist jeder alleine. Die wahre Magie der Vereinigung von Menschenkräften beginnt, wenn die Ruderer nicht nur im Einklang handeln und gemeinsame Gedanken haben, sondern wenn sie es aus selbstloser Liebe tun. Sie vereinen für einen Moment vollständig ihre Kräfte in Kopf, Herz und Gliedmassen. Kraftgruppen lernen, dies zu tun.  
18 Ich erwähne beiläufig, dass das individuelle Ich in keiner Weise abge-schwächt wird durch das Arbeiten in einer Kraftgruppe. Im Gegenteil, es wird äusserst verstärkt. Letztendlich gibt man den anderen nicht sein Selbst - diese würden das gar nicht wollen. Sie haben bereits genügend Arbeit, mit ihrem eigenen Selbst umzugehen. Man gibt Liebe, und, wie wir gesehen haben, je mehr man selbstlos Liebe gibt, desto mehr Liebe hat man in sich, um zu geben. Die speziellen Übungen und Meditationen für eine Kraftgruppe bilden die Grundlage für die Schulung, durch welche die Mitglieder lernen, wie man aus Bruderliebe (selbstlos) esoterisch zusammenarbeitet. (Eine Beschreibung der eigentlichen Übungen und Meditationen würde in diesem Aufsatz zu weit führen.) Sie beginnen zu lernen, wie mit dem Prinzip der Vermehrung von Kraft gearbeitet wird, und wie in ihrer Mitte diese spirituelle Konzentra-tion von schaffender Kraft hervorgerufen wird: Liebe ... welche wesenhaft wird.  
19 Der Pfad, den ich hier umriss, ist keine Abkürzung. Er führt zur Entwicklung von Imagination, Inspiration, Intuition und letztendlich zur Einweihung. Doch dies auf eine andere Art als der traditionelle anthroposophische Rosenkreuzerpfad [a]. Es ist nicht an und für sich ein einfacherer Pfad als derjenige, der im Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse höherer Welten” beschrieben ist. Aber er ist heutzutage aus verschiedenen Gründen einfacher zu gehen. Ein Grund dafür ist, dass man ihn nicht alleine geht. Die gegenseitige Ermutigung unter den Mitgliedern von esoterischen Kreisen dieser Art ist ein äusserst wichtiger Faktor. Ein anderer Grund ist - ausser wenn wir von Natur aus zu egoistisch sind - dass wir die Motivation, für andere zu arbeiten, stärker finden werden als die Motivation, für uns selbst zu arbeiten. Wo jemand schnell entmutigt sein könnte und aufgeben würde, die Übungen für sich zu machen, da wird er gewöhnlich zurückhaltender sein, seine Freunde im Stich zu lassen. Ein dritter Grund ist, dass dieser Pfad in Wirklichkeit für die Menschen des 21.Jahrhunderts besonders geeignet ist, zumindest für die westliche Menschheit. Er stellt die höchste geistige Arbeit dar, welche heute die Menschenseele überhaupt anstreben kann.[l] Früher wurde er nur von den Meistern begangen - von den Meistern der Weisheit und des Zusammenklangs der Gefühle - in den heiligen Logen der grossen Eingeweihten. In unserer Zeit wird er allmählich für alle Menschen zugänglich. Es ist übrigens die Art und Weise, wie die führenden Aristoteliker und Platoniker [m] heutzutage arbeiten.  
20 Wir zitieren aus Rudolf Steiners letztem Brief an die Mitglieder, in welchem er sagte, dass der Mensch in der geistigen Erkenntnis mindestens so weit hinaufsteigen muss zur ausserirdischen Über-Natur, wie er in der Technik in die Unter-Natur heruntergestiegen ist. Ich denke, es ist für jeden klar, dass die Anzahl der Menschen, die dem traditionellen Pfad folgend in genügend hohem Masse die Imagination, die Inspiration und die Intuition entwickeln können, ausserordentlich klein ist. Die wahre Hoffnung für die Menschheit liegt in Kraftgruppen. Ihrem Wesen nach arbeiten solche Gruppen nicht zur Förderung der Gruppeninteressen, sondern für die Mensch-heit. Diese Haltung und Arbeitsweise ermöglicht ihnen nicht nur, mit viel grösserer Kraft zu handeln, sondern durch die Übungen, die sie durchführen, auch eine geistige Sphäre innerhalb des Erdgebietes zu schaffen, in die Ahriman-Sorat [n] keinen Zutritt hat. (Die Natur des Sonnendämons ist das pure Gegenteil von selbstloser Liebe. Er kann eine solche Liebe weder verstehen noch ertragen.) Die geistigen Kräfte, die in einer solchen speziellen, innerhalb des Erdgebietes geschaffenen Sphäre zusam-menkommen, sind selbstlose Herzenskräfte, welche vollständig in den Dienst des Erzengels Michael gestellt werden können. Werden genügend Seelen diese Arbeit aufgreifen, so wird Michael siegen.[o]  
in »Anthro-Tech News« 10/Winter 2009; S.24-28
ADNOTATIONES
a] vgl. Mbl.19  
b] nach 1899 (vgl. Mbl.28)  
c] siehe «GA 10»; S.20f  
d] ἡ φιλαδελφία (he philadelphía) welche eigentlich mit (blutsungebundener) „Geschwisterliebe” übersetzt werden sollte  
e] vgl. R.STEINER am 5.IIII.1912 (in «GA 136»; S.58ff  
f] vgl. R.STEINER am 31.X.1911 (in «GA 132»; S.15ff  
g] vgl. Apo.19,15  
h] vgl. Mbl.3  
i] Selbstverständlich kann ein Mensch auch aus Angst vor Alleinsein und Alleinverantwortung oder aus dem Drang, gebraucht zu werden, in die Illusion verfallen, nur für die anderen da zu sein.  
k] nämlich im einmütig bewusst gefassten Tätig-keitsbereich der Gruppe  
l] nur unter Voraussetzung allgemeiner sozialer Kriterien (Merke: Superlative können unbemerkt zu einer Essenerhaltung führen.)  
m] so sie denn bekannt wären  
n] vgl. Mbl.16 und «GA 104»; S.228f  
o] Der Sonnen-Erzengel (vgl. Mbl.13) mag in jedem Fall obsiegen, sei es mit den Menschen oder ohne sie.