signum akadémeias
SCRIPTVM XV
Zeitgemässe esoterische Arbeit Travail ésotérique moderne
Thomas Stöckli
Die kürzlich erschienene Publikation «Esoterik verstehen», herausgegeben von Karl-Martin Dietz (Verlag Freies Geistesleben, 2008) stellt die anthroposophische Geistes-wissenschaft und Esoterik in den Kontext der akademischen Esoterik-Forschung. Ich erachte dieses Verständnis und auch den dort vertretenen wissenschaftlich-kritischen Ansatz als sehr wichtig. Beim nachfolgenden Artikel habe ich jedoch von der ganzen Diktion her einen persönlichen Ansatz vertreten und einige Ideen zusammengetragen, die mir heute aktuell erscheinen.[a] [en projet de traduction]
1 Taten, die hilfreich in das Leben und die heutige Zivilisation eingreifen können, haben ihren Ursprung und ihre Kraftquelle in der innerlichen Arbeit einzelner Menschen. Soll in entscheidender Weise mitgeholfen werden, dass unsere Erde eine menschenwürdige Zukunft hat, dann braucht dies ein starkes Zusammenwirken in Menschengemeinschaften, eine Zusammenarbeit, die bewusst gesucht und von den Einzelnen gewollt wird. Es können sich dann wirkenskräftige geistige Wesen mit solchen Gruppierungen verbinden, wenn ein entsprechendes spirituelles Bewusstsein in solchen Gemeinschaften, Arbeitsteams oder Initiativgruppen lebt.  
2 In den folgenden Zeilen habe ich ein Bild skizziert, welches sich mir nach dem Studium aller mir zugänglichen Bücher über die Esoterik von Rudolf Steiner, durch zahlreiche Gespräche und durch Bemühungen im eigenen Alltag, in der Lehrerkollegiumsarbeit, in anthroposophischen Arbeitsgruppen, in der ‹Hochschularbeit›,¹ in Berufsgruppen und in kleinen Teams in den vergangen 30 Jahren abzuzeichnen begann. Dieses hier skizzierte Bild kann vielleicht - trotz aller Unvollständigkeit und Schwierigkeit der Darstellung - zu einer Verstärkung der Frage nach einer zeitgemässen Esoterik in der jetzigen Zeitlage ein paar Anregungen geben.²  
Verstärkung durch Meditation  
3 Ein Zusammenschluss, fernab von jedem sektiererischen Gehabe und ‹Esoterikdünkel›, kann durch eine innerliche Verbindung im meditativen Bemühen jedes Einzelnen einer Gruppierung entstehen. Es ist insofern ein gemeinsames Bemühen, als sich jeder selbst-verantwortlich zu regelmässiger Meditation verpflichtet, dies von den andern weiss und diesem Versprechen dann treu bleibt. Dabei meine ich nicht ‹Gruppenmeditationen›: «In jedem Fall bleibt die Meditation aber eine ganz individuelle Angelegenheit. Zwar kann man sich mit anderen über die eigenen Erfahrungen, Schwierigkeiten und so weiter austauschen, aber es nützt nichts, wenn die eigene Meditation zu schwach ist, dann im Chor mit anderen zu meditieren. Davon wird es nicht stärker. Die Verstärkung tritt nur ein, wenn man selber tüchtig gewesen ist und sich dann mit anderen in einer Art von geistiger Verabredung trifft, wo man weiss, die anderen arbeiten jetzt an derselben Meditation. Da kommt es dann zu einer Zusammenarbeit auf einer höheren Ebene.»³  
4 Es gehört auch ein individuelles moralisches Streben in größter Ernsthaftigkeit dazu. In Steiners Buch ‹Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?› findet jeder Suchende in dieser Beziehung zahlreiche Hinweise und einen sicheren Weg zur Selbsterziehung.  
Willenseinweihung und Initiativgemeinschaften  
5 Hier liegt eine Klippe für Initiativgemeinschaften, die sich auf einem solchen Willenseinsatz gründen: Einerseits können sie nur mit einem starken gemeinsamen Willen etwas in der Welt verändern, andererseits ist jedes gruppen-mässige Wirken gefährlich und kann schnell einmal sektenähnliche Züge annehmen, wenn es nicht auf ein ganz freies, individuelles Wollen gründet. Das starke persönliche Engagement kann auch leicht zu sozialen Konflikten führen, wenn der persönliche Wille nicht ständig durch den inneren Schulungsweg geläutert und bewusst in einen objektivierenden Rahmen gestellt wird.  
6 Initiativgruppen setzen sich meist Ziele in der Welt, die sie gemeinsam realisieren wollen, zum Beispiel wollen sie neue soziale Einrichtungen begründen und aufbauen. Es kann sich aber eine solche ‹Initiativ-› oder ‹Willensgruppe› auch zusammenschliessen, ohne sich auf ein äusseres Ziel zu spezialisieren. Es sind dann Gruppen und Gemeinschaften, die sich mit dem Wesen der Willensmysterien in der Gemeinschaft befassen wollen, mit einer ‹Willenseinweihung› oder ‹apokalyptischen Einweihung› wie Rudolf Steiner sie nennt.⁴ Esoterisch wird die Arbeit dann, wenn man über Anthroposophie nicht mehr redet, sondern sie tut. Es sind dann innere Taten und geistige Initiativhandlungen, welche wiederum geistesgegenwärtig in aktuellen äusseren Lebenssituationen zu wirksamen Taten führen können.  
Soziales Wirken im spirituellen Leben zur Verstärkung der Kraft  
7 Ein intensives meditatives Leben, ernsthaft, treu und mit stetig sich steigerndem Willenseinsatz, ‹im stillen Kämmerlein› durchgeführt, bildet die Grundlage spiritueller Wirksamkeit. Doch um die Kraft so zu steigern, dass sie den gewaltigen Gegenmächten unserer Zeit angemessen ist, braucht es eine bewusste Verstärkung durch die Gemeinschaft, welche sich einem intensiven meditativen Üben widmet. Weiter wird die geistige Wirkenskraft enorm verstärkt, wenn sich in selbstloser innerer Haltung alle Mitglieder einer Gemeinschaft gegenseitig im Bewusstsein tragen, um - an das höhere Ich des anderen gewendet - einander helfende und stärkende Kräfte durch die Meditation zukommen zu lassen. Dies muss mit ganz elementaren sozialen Haltungen beginnen: durch Interesse und ehrliche Wertschätzung, wenn andere etwas Positives in der Welt leisten und erreichen. Neid und Missgunst werden durch das geistige Streben nicht einfach ‹eliminiert› - sie müssen bewusst und immer neu überwunden werden. Jede Rivalität und unsachliche Kritik behindert nicht nur das Wirken des andern, sondern erschwert insgesamt das Wirken einer Gemeinschaft. Demgegenüber gibt das Interesse an den - zum Teil noch verborgenen - Fähigkeiten der andern und der Wille diese zu fördern, einer solchen Gruppe eine weit ausstrahlende Kraft. Es gehören auch konkrete Hilfestellungen dazu und die Bereitschaft, schwieriges Schicksal lösen oder mittragen zu helfen. Wenn diese Art von Mitmenschlichkeit in einer Gemeinschaft jenseits von Sympathie- und Antipathiegefühlen gepflegt wird, dann wird sich die Gruppe auch ganz in den Dienst der Umwelt stellen und die Gefahr ihrer gruppenegoistischen Tendenzen erkennen und überwinden. Es führt zu mitmenschlicher Verantwortlichkeit innerhalb einer solchen Willensgemeinschaft. In gesteigertem Masse gilt dies alles für die esoterische Arbeit der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft.  
8 «Erst in dieser bewussten Willensgemeinschaft der Verantwortlichkeit kann die Arbeit der Hochschule gedeihen. Nur allzu leicht schleicht sich der Sektengeist des Separatismus hinein, wo man meint, besser gedeihen zu können in irgendeinem kleinen ungestörten Grüppchen. Die offen angestrebte Zusammenarbeit in der ganzen Weltbewegung der Hochschule ist unabdingbar notwendig.»⁵  
Zeitgemässe Haltung im meditativen Streben und der Wille des Zeitgeistes  
9 Rudolf Steiner hat uns ein reiches Meditationsgut geschenkt, zu dem jeder Suchende heute freien Zugang findet (siehe die Literaturhinweise unten). Auch über zeitgemässe Meditationstechniken finden wir bei ihm und seinen esoterischen Schülern viele zahlreiche Hinweise (siehe Literaturhinweise letzter Abschnitt), um dann selber unseren Weg zu finden - angeregt durch den Erfahrungs-austausch mit anderen Übenden. An dieser Stelle soll nur bekräftigt werden, dass ein zeitgemässes Meditieren heute mehr sein muss als ein beschauliches Zurückziehen von der Welt. Vielmehr gilt es heute zu erleben, dass die Meditation ganz durchdrungen wird vom geistigen Willen des Zeitgeistes. Denn dieser will heute Spiritualität und Lebensmut, Liebe und Begeisterung durch uns in die Welt hineintragen, um die Welt zu verändern und ihr eine neue Zukunft zu ermöglichen. Für ein zeitgemässes meditatives Leben ist die Lebenspraxis der Prüfstein. In der heutigen Zivilisation brauchen wir eine grosse und starke Kraft, um den inneren Kampf mit den vielfältigen Widerständen aufzunehmen - und dieser starke geistige Wille wird in der Meditation geübt und gestärkt.  
10 In dieser Richtung muss vielleicht heute noch intensiver eine Esoterik in Gruppen oder Teams realisiert werden. Es kann sich dabei um Berufsgruppen handeln (Rudolf Steiner hat beispielsweise den Waldorflehrern und den Ärzten klare und äusserst hilfreiche esoterische Hinweise ans Herz gelegt). Sehr aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist seine Fragenbeantwortung über das Meditieren im ‹Osterkurs 1924›.⁶ Hilfreiche Anregung bekam ich auch durch das Studium der Aufzeichnungen des sogenannten Jugendkreises, wie sie seit 1998 in der Gesamtausgabe (GA 266/3) allgemein zugänglich sind.⁷ Es erscheint mir wichtig, dass sich diese "spirituelle Methodik", wie sie Rudolf Steiner in der Stiftung dieses Kreises entwickelte (zum Beispiel engagiert und aktiv für andere zu meditieren) noch viel mehr ausbreiten kann. Denn sonst kann das geistige Streben und sogar die tägliche Meditation eine Tendenz zum Egoistischen haben.  
11 Neben Berufsgruppen sind es vor allem anthroposophische Arbeitsgruppen und Forschungsgemeinschaften, welche nur durch ein kräftiges esoterisches Leben in der heutigen Zeitlage wirksam sein können. Solche Gemeinschaften haben die Möglichkeit, besonders kulturwirksam zu sein, weil in ihnen eine überberufliche, allgemeinmenschliche Qualität im Mittelpunkt steht. Und wenn wir uns heute fragen, wie anthroposophische Gruppen und Zweige neu belebt, ja gleichsam geistig neu gegründet werden können, dann finden wir, dass eine intensive vertiefte Meditationskultur von zentraler Bedeutung sein kann. Das Gleiche gilt für die innere Kräftigung der anthropo-sophischen Einrichtungen und Institutionen. Und nur durch eine wirklich kräftige meditative Gemeinschaftsarbeit kann auch lebendige Esoterik in der Ersten Klasse der Hochschule aufgebaut und ganz neu belebt werden, wie dies Johannes Kiersch überzeugend darlegt.⁸  
12 Es ist dies ein im tiefsten Kern meditativ-christliches Wirken, eine zeitgemässe Art, die dringend notwendigen helfenden Wesen aus der geistigen Welt mit größter Intensität heranzurufen, um dann verwandelte, indivi-dualisierte Geisteskräfte wiederum in ‹dunkle Zonen der heutigen Welt› hineinzuopfern. Opfertaten im Spirituellen, so könnte die von der Not der Zeit geforderte Esoterik umschrieben werden. Es geht also nicht, wie bei vielen ‹esoterischen› Modeströmungen heute, um grossartige geistige Erlebnisse für sich selbst oder um eine Flucht vor der harten Realität des Lebens. Gerade in der Auseinandersetzung mit dem heutigen Leben treten ja die Wirkungen des Meditierens auf - nach den eigenen Ohnmachtserlebnissen und geheimnisvollen Umwandlungsprozessen oft an unerwarteten Orten.  
13 Wenn diese meditative Gesinnung nicht nur aus einem Pflichtgefühl, sondern aus einem Herzensbedürfnis hervorgeht, dann findet dadurch auch die eigene Lebensfreude und innere Erfüllung ihren Platz.  
14 Zu den Wirkungen intensiver meditativer Bemühungen gehört auch die Bildung esoterisch arbeitender Gemeinschaften. Dabei kann es sich nicht darum handeln, eine ‹ideale Gruppe› zu finden; es sind in jeder Gemeinschaft innere Schritte möglich, in Ehe- und Familien-gemeinschaften, in Partnerschaften, in Arbeits-teams, in anthroposophischen Arbeitsgruppen und Institutionen bis zu kleineren und grösseren Wirkenszusammenhängen in der neuen esoterischen Schule, der Ersten Klasse der Hochschule oder in freien Forschungs-gemeinschaften. Alles Ausschliessende, verbunden mit geistigem Dünkel («wir sind eine besondere Gruppe, den wir arbeiten esoterisch») ist sektenhaft und wirkt sozial zersetzend, es hat mit einer zeitgemässen esoterischen Arbeit nichts zu tun. Hingegen wird ein höchst bewegliches und vor allem geistesgegenwärtiges spirituelles Agieren Möglichkeiten finden, in den verschiedensten Gemeinschaften und sozialen Zusammenhängen eine solche sozial-esoterisch-meditative Arbeit schrittweise aufbauen zu helfen oder neu zu stiften.⁸  
Die innere Treue und
eigene Versprechen halten
 
15 Um wirklich geistige Kräfte für das Leben freisetzen zu können, braucht es einen ‹langen Atem der Geduld› mit starken inneren Treuekräften und ein Festhalten an - in Freiheit gefassten - Vorsätzen und inneren Versprechen. Dies bildet überhaupt eine Grundlage des meditativen Lebens:  
16«Die Meditation muss etwas völlig Klares sein in unserem heutigen Sinne. Aber sie ist zugleich etwas, zu dem Geduld und innere Seelenenergie gehört. Und vor allem gehört etwas dazu, was niemand einem anderen Menschen geben kann: dass man sich selber etwas versprechen und es dann halten kann. Wenn der Mensch einmal beginnt, Meditationen zu machen, so vollzieht er damit die einzig wirklich völlig freie Handlung in diesem menschlichen Leben […] - es ist dieses Meditieren eine urfreie Handlung.»⁹  

Die Quelle: das ätherische Christuswirken
 
17 Diese Art von sozialen Meditationskultur hängt direkt zusammen mit dem grössten spirituellen Ereignis unsrer Zeit: mit dem Wirken des Christus im Ätherischen. Dieses Geschehen, auf welches Rudolf Steiner mit grösstem Nachdruck immer wieder hingewiesen hat,¹° kann alle geistige Arbeit von einzelnen und von Gemeinschaften heute neu beleben oder überhaupt erst ermöglichen (durch die neuen Bewusstseinskräfte, eine neuartige Karma-wirksamkeit und die Neubelebung der Lebenskräfte, um nur einige Stichworte dieser allumfassenden Wirksamkeit zu nennen).  

Die Auseinandersetzung mit den Gegenkräften
 
18 Gleichzeitig steht auch eine intensivierte innere Auseinandersetzung mit den Gegenkräften an, denn diese wollen mit allen Mitteln verhindern, dass dieses Geschehen wahrgenommen und das Geheimnis genügend ernsthaft erforscht werden kann. Denn sie wissen, dass diese neuen Christuskräfte einerseits äusserst wirksam und stark sind, andererseits aber auf ein vertieftes menschliches Verständnis und ein Mitwirken von Menschengemeinschaften angewiesen sind.  
19 Dies sind Fragestellungen und Forschungs-aufgaben, welche nur auf dem Boden einer intensivierten Meditationskultur und einer kräftigenden esoterischen Schulung angegangen werden können. Auch die Hochschule als eine esoterische Schule wird sich - will sie eine innere Berechtigung haben - heute durch real durchgeführte geistige Arbeit und intensiviertes meditatives Bemühen neu bekräftigen müssen. Alles Pochen auf äussere Formen und ein blosses Tradieren von überliefertem Geistesgut kann im Geisteskampf der Gegenwart nicht genügen.¹¹  
Eine Zusammenfassung  
20Dies alles kann sich zur folgenden Fragestellung verdichten: Können wir als esoterisch strebende Zeitgenossen in einer zeitgemässen Form zu Meditationsgemeinschaften finden oder solche neu bilden? Sind wir bereit, uns dabei gegenseitig zu helfen, die Schwellensituation zu ertragen, hindurchzugehen und vor allem: Können wir zu Meditationsgemeinschaften werden, die tatsächlich für die Welt eine Bedeutung haben, statt sich selber genug zu sein mit einer ‹eigenen Esoterik›? finden wir zu spirituellen Taten, um in der Notlage unzähliger Menschen überall auf der Welt eine wirksame Hilfe zu sein - und durch dieses Streben vom Grossen Hüter der Schwelle eine Berechtigung für die esoterische Mitgliedschaft in dieser geistigen Michael-Schule zu erhalten?  
21 Alles Studium muss zur Bildung eines eigenen Urteilsvermögens und zum selbstverant-wortlichen Suchen nach dem individuell stimmigen Weg führen. Keine Autorität - auch nicht Rudolf Steiner - kann uns dies abnehmen, denn die Zeiten der Gurus sind vorbei. Dabei kann der taktvolle, aber ganz ehrliche und offene Austausch eine grosse Hilfe darstellen. Es wird sich nicht darum handeln, einander grossartige geistige Erlebnisse zu erzählen, vielmehr stehen Fragen einer zeitgemässen Meditationstechnik und Verständnisfragen, welche das esoterische Leben betreffen, sowie grundlegende Fragen zur Bildung von esoterischen Gemeinschaften und Teams im Zentrum, indem sich alle Teilnehmer gegenseitig anregen und ermutigen. In diesem Sinne war auch dieser Beitrag zur Frage einer zeitgemässen Esoterik gemeint.  
Literaturhinweise zur Esoterik von Rudolf Steiner und den Grundlagen des anthroposophischen Schulungsweges:
Für die Mitglieder der Hochschule hat Rudolf Steiner 1924 in den ‹Esoterischen Unterweisungen für die Erste Klasse› zahlreiche Angaben und Hinweise über die meditative Praxis gegeben. Zur Vertiefung der meditativen Arbeit sind seine ‹Anweisungen für eine esoterische Schulung› (GA 245) sowie ‹Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule von 1904-1914› (GA 264) eine grosse Hilfe, auch weil dadurch der ganze Entwicklungsgang der anthroposophischen Arbeit und die neuen Entwicklungsschritte und zeitbedingten Wandlungen in der Handhabung der esoterischen Arbeit vom Jahrhundertbeginn bis in unsere Zeit hinein sichtbar werden kann. Ebenso sei auf den ‹Osterkurs 1924› (GA 316) als Beispiel esoterischer Sektionsarbeit im Berufszusammenhang und die Ausführungen Steiners in GA 266/3 anlässlich der Gründung des ‹Esoterischen Jugendkreises› nochmals hingewiesen. Es soll an dieser Stelle nochmals deutlich gemacht werden, dass es in diesem Beitrag nicht darum gehen konnte, alle Voraussetzungen und Grundlagen der anthroposophischen Geistesschulung und des Meditierens zu erwähnen oder gar angemessen zu behandeln. Grundlagen dazu findet man in dem Werk Rudolf Steiners, speziell in ‹Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?› (GA 10), ‹Theosophie› (GA 9) und ‹Die Geheimwissenschaft im Umriss› (GA 13) sowie in ‹Die Philosophie der Freiheit› (GA 4).
Auch kompetente Schüler von Rudolf Steiner haben in dieser Hinsicht die Grundlagen klar dargelegt; anbei eine kleine Auswahl der Bücher, die ich als hilfreich erfuhr.
Jörgen Smit: ‹Meditation und Christuserfahrung›, Stuttgart 1990; Smit/Kühlewind/Treichler/Lindenau: ‹Freiheit erüben›, Stuttgart 1988; Paul Eugen Schiller: ‹Der anthroposophische Schulungsweg›, Dornach 1990; Bastian Baan: ‹Christliche Meditation›, Stuttgart 2008.
 
¹ Eine ausgezeichnete Darstellung zur Entwicklung der Hochschularbeit findet sich bei Johannes Kiersch: Zur Entwicklung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Die Erste Klasse, Dornach 2005.  
² Diese Ausführungen sind eine Weiterentwicklung eines Beitrages von Thomas Stöckli in Anthroposophische Gesellschaft an der Jahrtausend-schwelle, Dornach 1994.  
³ Jörgen Smit: Meditation und Christuserfahrung, Stuttgart 1990.  
⁴ Rudolf Steiner: Die Apokalypse des Johannes (GA 104), Dornach 1985, Vorträge vom 17., 29. und 30. Juni 1908.  
⁵ Jörgen Smit, in: ‹Das Goetheanum›, Beilage vom 5. Februar 1989.  
⁶ Rudolf Steiner: Meditative Betrachtungen und Anleitungen zur Vertiefung der Heilkunst (GA 316), Osterkurs vom 21. bis 25. April 1924.  
⁷ Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden (GA 266/3), Band 3, 3.Teil, Dornach 1998.  
⁸ Siehe dazu auch die Ausführungen von Bernhard Lievegoed: Durch das Nadelöhr, Stuttgart 1992, Kapitel ‹Die neue esoterische Haltung und die Intentionen der Ersten Klasse›, S.74-87.  
⁹ Rudolf Steiner: Das Geheimnis der Trinität (GA 214), Vortrag vom 20. August 1922, Dornach 1980.  
¹° Rudolf Steiner am 12. September 1924, in: Das ätherische Christus-Wirken, Bd. 2, Dornach 1991, S. 110; Johannes Tautz, ebenda, Bd.1, S.46ff., und Bd. 3, S. 387f.; Hans Werner Schroeder, ebenda, Bd. 1, S. 195 ff.  
¹¹ Johannes Kiersch: Vom Land aufs Meer - Steiners Esoterik in verändertem Umfeld, Stuttgart 2008.  
aus »Nachrichten für Mitglieder« 1-2/2009
ADNOTATIONES
a] Der vorliegende Artikel dient auch der Unter-scheidung des geisteswissenschaftlichen Ansatzes von ähnlich scheinenden Bestrebungen.